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Steckbrief
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Hauptmann der Wehrmacht
Generalmajor des Bundesheeres |
Ritterkreuz am 26. Dezember 1944 |
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Biographie
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Es gab nicht mehr viel, was schwere amerikanische,
britische oder sowjetische Panzer in den Kriegsjahren 1944/45 zu fürchten
hatten. Die deutsche Luftwaffe war in die Defensive gedrängt, Panzer und
Sturmgeschütze waren zwar teilweise noch in hohen Stückzahlen im Einsatz und sie
erzielten große Erfolge, doch konnte auch ein „Tiger“ wenig gegen die Übermacht
von zwanzig T-34 oder Sherman ausrichten. Oft blieben zur Abwehr von
Panzerangriffen lediglich einige Pak-Geschütze oder mutige Panzernahkampf-Trupps
mit Tellerminen und Panzerfäusten. Die Hauptstütze im Abwehrkampf gegen
feindliche Panzer blieben bis zuletzt die Panzerjagd-Abteilungen der Panzer-,
Grenadier- und Infanteriedivisionen.
Am 29. November 1918 als Sohn eines bekannten Sägewerkbesitzers und ehemaligen
Offiziers im italienischen Teil von Südtirol geboren, trat der in Kärnten
aufgewachsene und dort im Musik-Konservatorium an der Geige ausgebildete junge
Friedrich Adrario 1937 als Freiwilliger ins traditionsreiche Tiroler
Landesschützen-Regiment ein. Hier zusammen mit dem späteren Ritterkreuzträger
und Oberst des Bundesheeres Karl Ruef ausgebildet, wechselte Adrario 1938 in die
deutsche Uniform und diente im Gebirgsjägerregiment 98 der 1.
Gebirgsjägerdivision. Auch hier machte er mit vielen späteren Offizieren des 2.
Bundesheeres Bekanntschaft. Während des Polenfeldzuges im September 1939 im
Kampf gegen polnische Truppen bei Lemberg und Warschau zum Einsatz gekommen,
entschloss sich der selbstsichere und standfeste Adrario 1940 zur
Offiziersausbildung und erreichte als Fahnenjunker-Feldwebel die
Infanterieschule Berlin-Döberitz. Taktische Kurse, Zugführer-Lehrgang, Prüfungen
– im April 1940 erhielt der Südtiroler die Schulterstücke eines Leutnants und
übernahm einen Zug in der 4. (Panzerjäger-)Kompanie des Radfahr-Bataillons 402.
Diese leichten, hochmobilen Einheiten kamen meist als Teil der berittenen
Aufklärungsabteilungen von Infanteriedivisionen zum Einsatz und waren besonders
als „Ersatz“ von manchmal fehlenden motorisierten Einheiten von Wert. Während
des bald anbrechenden Westfeldzuges bewährte sich Leutnant Adrario erstmals in
der Führung und erhielt bereits das Eiserne Kreuz 2. Klasse.
Am 22. Juni 1941 führte der Österreicher dann seinen ersten von vielen
Aufklärungstrupps auf russischen Boden. Acht Monate später hatte der Leutnant
nicht nur eine Beinverwundung durch Splitter einer Tellermine, sondern auch
Dutzende Gefechtseinsätze, seine erste Schlammperiode und den ersten russischen
Winter überstanden. Ausgezeichnet mit dem Sturmabzeichen sowie dem Eisernen
Kreuz 1. Klasse und im Frühjahr zum Oberleutnant befördert, übernahm
Oberleutnant Adrario im April 1942 die 1. Kompanie des Bataillons. Inzwischen
waren seine Radfahr-Aufklärer und Panzerjäger nicht mehr von normalen Jägern zu
unterscheiden.
In den folgenden Angriffs- und Verteidigungskämpfen bewährten sich die Landser
immer wieder aufs Neue. Im Mai für Abwehrerfolge am Wolchow mit dem Deutschen
Kreuz in Gold ausgezeichnet, trug der junge Kompaniekommandant inzwischen auch
die Nahkampfspange in Bronze. Nachdem im Sommer eine erneute Verwundung in Form
einer Splitterverwundung am Kopf überstanden war, führte der erfahrene
Oberleutnant eine Ersatzabteilung in Bad Reichenhall, ehe es einen Lehrposten
für Panzerabwehr- und Aufklärungs-Lehrgänge an der Infanterieschule Hohenfels zu
besetzen galt.
Diese rückwärtige Verwendung bot die schon überfällige Gelegenheit, nach vielen
Frontmonaten wieder Kraft zu sammeln.
Im Februar 1943, drei Monate später, wurde Friedrich Adrario - von seinen
Freunden einfach Fritz gerufen - an die Spitze der 1. Kompanie der mot.
Aufklärungsabteilung 113 gestellt und erneut nach Russland verfrachtet. Bei
einem der ersten Einsätze zum dritten mal verwundet, fand er sich jedoch schon
bald im ruhigen Paris wieder. Dem Abteilungsführer-Lehrgang an der
Panzertruppenschule folgte im Juli 1944 als Hauptmann die Ernennung zum
Kommandeur der Panzerjägerabteilung 200 der 21. Panzerdivision.
Diese tapfere Division stand seit wenigen Wochen im harten Einsatz gegen Briten
und Amerikaner an der Invasionsfront und leistete um Caen zähen Widerstand.
Während den wochenlangen Abwehrschlachten an der Seite der SS-Division
„Hitlerjugend“ unter Schwerterträger Kurt Meyer und berühmten Einheiten wie dem
Panzerregiment der SS-„Leibstandarte“ traten Adrarios Panzerjäger tagtäglich
gegen einen weit überlegenen Gegner an. Ähnlich massiv wie er es aus Russland
gewohnt war, traten die angreifenden Briten stets unter Artillerie- und
Fliegerunterstützung zum Angriff an und rückten dabei oft mit ganzen
Panzerregimentern gegen Caen vor. Zusammen mit Sturmgeschützen von
Nachbardivisionen und Nahkampftrupps der Infanterie waren es besonders die
Panzerjäger III/IV Nashorn mit ihren gefürchteten 8,8 cm Pak 43/1 (L/71)
sowie die 8,8 Flak der Panzerjägerabteilung 200, die unzählige dieser Angriffe
abwehrten. Als die „Abteilung Adrario“ im Juli und August 1944 mindestens
116 Feindpanzer sowie einige Pak und sonstige Fahrzeuge vor Caen vernichtet
hatte, erhielt ihr Kommandeur das Ritterkreuz und wurde namentlich im
Wehrmachtsbericht genannt. Obendrein überschritt der Österreicher auch noch die
Zähler-Grenze zur Nahkampfspange in Silber.
Noch im August – einige der Erfolge, welche zum Ritterkreuz führten, fielen in
diese Zeit – wurde Hauptmann Adrario in die 272. Volksgrenadierdivision versetzt
und mit der Führung der Panzerjäger betraut. Die nächsten Monate teilweise unter
dem Kommando des Eichenlaubträgers Generalmajor Schack, erlebte Adrario die
Rückzugsschlachten Richtung Nordosten und die folgenden Gefechte an der
deutschen Grenze. Wenige Wochen vor Kriegsende geriet der Ritterkreuzträger
verwundet in amerikanische Gefangenschaft, nachdem ihm Geschosse die rechte Hand
sowie den rechten Unterschenkel durchschlagen hatten.
Der Offizier in dritter Generation, nunmehr schon selbst Familienvater, wurde
noch 1945 aus dem Gefangenlager entlassen und arbeitete fortan im wieder
aufzubauenden Holzgeschäft der Familie.
1954, drei Jahre nach Gründung der B-Gendarmerie, als Rittmeister (Hauptmann)
und Alpinausbilder dieser Truppe beigetreten, war dies die Vorstufe für Adrarios
Übergang ins neue Bundesheer.
1956 hier als Hauptmann anfangs Kompaniekommandant im Jägerbataillon 22,
wechselte Adrario zwei Jahre später in den Arbeitstab „Panzerjäger“ der neuen
Panzertruppenschule und formte die erste Panzerjäger-Schulabteilung entscheidend
mit. 1959 kurzzeitig Mitglied des Manöverstabes im Korpskommando I, absolvierte
Major Adrario den Generalstabskurs und eine Dolmetscherprüfung, ehe er 1962 in
den Stab der neuen 9. Panzergrenadierbrigade versetzt wurde. Ein Jahr darauf
bereits Stabschef dieses Großverbandes und alsbald Oberstleutnant dG, wurde der
alte Panzerjäger 1967 schließlich als Hauptlehroffizier an die renommierte
Landesverteidigungsakademie in Wien berufen und leitete die wichtigen
Stabsoffizierskurse. Für den Fall einer Mobilmachung war der erfahrene Offizier
und Organisator als Oberquartiermeister der gesamten Streitkräfte vorgesehen,
was eine Versorgung von 150.000 Mann und 11.000 Kraftfahrzeugen bedeutet hätte.
1973 zum Brigadier befördert, übernahm Adrario nun die stellvertretende Leitung
des Heeres-Materialamtes und trat 1983 als Generalmajor in den Ruhestand.
Der Träger des Goldenen Ehrenzeichens der Republik, des Goldenen Ehrenzeichens
des Landes Niederösterreich sowie des Tiroler-Adler-Ordens in Gold lebt heute in
Wien.
Anmerkung des Autors:
Für die Erlaubnis zur
Akteneinsicht bin ich Hrn. Generalmajor i.R. Adrario sehr zu Dank verpflichtet. |
Quelle: „Ritterkreuzträger im Österreichischen
Bundesheer 1955-1985“ von Florian Berger, ritterkreuz.at |