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Nachdem Barkhorn 1938 freiwillig in die Luftwaffe
eingetreten war, durchlebte er die normalen Stationen eines Flugschülers.
Nach erfolgreicher Absolvierung der Flugzeugführerprüfung wurde
er zum Leutnant befördert und ins traditionsbewusste Jagdgeschwader
2 "Richthofen" versetzt.
Erste Erfahrungen konnte Barkhorn in den Luftschlachten
über Belgien, Frankreich und England sammeln. Obwohl er in dieser
Zeit etwa 100 Einsätze flog und dabei auch oft Feindkontakt hatte,
zeigte sein Leitwerk zum Jahresende 1940 noch immer keinen einzigen Luftsieg.
Zweimal wurde er im Luftkampf abgeschossen und musste über dem Ärmelkanal
mit dem Fallschirm aussteigen. Nichts deutete darauf hin, dass dieser vom
Jagdfieber gebeutelte Ostpreuße einmal der zweiterfolgreichste Jagdflieger
der Welt sein würde. Im August 1940 wurde Barkhorn ins Jagdgeschwader
52 versetzt, kurz darauf erhielt er für seinen Fronteinsatz das Eiserne
Kreuz 1. Klasse. Einer seiner damaligen Staffelkameraden war der junge,
hitzige Oberfähnrich Hans-Joachim Marseille, der Staffelkommandeur
kein geringerer als Johannes Steinhoff.
Seinen lang ersehnten, ersten Luftsieg verbuchte
der junge Barkhorn erst in seinem 120. Einsatz, den er am 2. Juli 1941
an der Ostfront flog. Somit glich Barkhorn Erich Hartmann, der anfangs
auch schwer mit seinem Jagdfieber zu kämpfen hatte.
Nach seinem ersten Erfolg sichtlich lockerer und
von seinen Fähigkeiten mehr überzeugt, schoss Barkhorn in den
kommenden Monaten mit erstaunlicher Sicherheit und Präzision Tag für
Tag russische Maschinen ab. Dabei konnte man eine ständige Verbesserung
seiner Schießkunst feststellen - so fielen alleine am 19. Juli 1942
sechs Gegner unter Barkhorns Kanonentreffern. Nur wenige Tage später
wurde dieser während eines Kurvenkampfes jedoch seinerseits erstmals
verwundet.
Unmittelbar nachdem er als Oberleutnant (01.11.41)
die 4. Staffel von Hauptmann Steinhoff übernommen hatte, erhielt er
nach 59 Luftsiegen am 23. August 1942 das begehrte Ritterkreuz verliehen.
Der einstige Spätzünder war in die Spitzengruppe des Elite-Geschwaders
vorgestoßen.
Nach weiteren Erfolgen, davon einige äußerst
gute Einsätze im Winter 1942/43, konnte Barkhorn am 1. Jänner
1943 seinen 100. und nur zehn Tage später seinen 120. Luftsieg melden.
Dafür erhielt er im Alter von 23 Jahren als 80. Angehöriger und
zugleich 50. Tagjäger der Luftwaffe das Eichenlaub zum Ritterkreuz
verliehen. Barkhorns langjähriger Katschmarek, Oberfeldwebel Heinz
Ewald, erhielt im Laufe der guten Zusammenarbeit das Eiserne Kreuz 1. Klasse
sowie das Deutsche Kreuz in Gold. Wenige Wochen vor Kriegsende erhielt
er nach 82 Luftsiegen schließlich das Ritterkreuz.
Zum Kommandeur der II. Gruppe ernannt, führte
Hauptmann (01.04.43) Barkhorn seine Piloten zwischen Dezember 1943 und
Mai 1944 in pausenlose Einsätzen über der Krim – hier konnte
der Eichenlaubträger nicht weniger als 70 Siege melden.
Am 30. November konnte er als fünfter Jagdflieger
der Welt seinen 200. Gegner in die Tiefe schicken - traditionsgemäß
wurde er überschwänglich durch seine Kameraden und das Bodenpersonal
gefeiert. Durch sein hervorragendes Sehvermögen, seine blitzschnellen
Angriffe und sein gutes flugtaktisches Vorstellungsvermögen konnte
Barkhorn bis zum 13. Februar 1944 als dritter Jagdflieger 250 bestätigte
Luftsiege erzielen und kurz darauf die Schwerter zum Ritterkreuz mit Eichenlaub
entgegennehmen. Wenig später war der Hauptmann der bereits erfolgreichste
Jagdpilot des Krieges. Wie auf viele erfolgreiche Spitzenasse hatte das
Rote Oberkommando natürlich auch bereits auf ihn ein hohes Kopfgeld
ausgesetzt.
Am 1. Mai 1944 wurde Barkhorn zum Major befördert.
Wie viele Spitzenasse der Luftwaffe hatte sich auch der junge Major im
Laufe der Zeit auf die effektive Angriffsart des aus kurzer Entfernung
Schießens spezialisiert. Bei einer Schussentfernung von oft nur vierzig
Metern erzielten die Geschosse seiner Kanonen so die maximale Durchschlagskraft.
Unter den deutschen Jagdfliegern zudem verbreitet
war die Tradition, seine Jagdmaschine mit irgendeinem persönlichen
Erkennungszeichen oder Emblem zu versehen. An Gerhard Barkkorns Bf 109
konnte man in großen Buchstaben den Namen seiner Frau Christl lesen.
Im Sommer 1944 wurde Barkhorn während eines
Geleitschutzeinsatzes für den hoch dekorierten Stukapiloten Hans-Ulrich
Rudel von einem hervorragenden Aircobra-Piloten überrascht und abgeschossen.
Der verwundete Schwerterträger konnte seine schwer beschädigte
Maschine jedoch hinter den eigenen Linien notlanden. Durch den mehrmonatigen
Lazarettaufenthalt wurde er von seinem Konkurrenten und Freund Erich Hartmann
(Barkhorn war 1944 Trauzeuge bei Hartmanns Hochzeit) überholt. Den
in dieser Zeit entstandenen Rückstand konnte Barkhorn bis Kriegsende
nicht mehr wettmachen. Zu diesem Zeitpunkt war der erfahrene und erfolgreiche
Jagdflieger bereits achtmal im Luftkampf abgeschossen worden - soviel zur
weit verbreiteten Meinung, die Rote Jagdwaffe sei im allgemeinen ungefährlich
gewesen. Bis auf einmal hatte Barkhorn eine Notlandung dem Fallschirmsprung
vorgezogen.
Unmittelbar nach seiner Genesung und Rückversetzung
an die Spitze seiner II. Gruppe konnte Gerhard Barkhorn nach Hartmann als
zweiter und auch letzter Jagdpilot der Kriegsgeschichte seinen 300. bestätigten
Luftsieg erringen. Zu dieser Zeit lag Erich Hartmann bereits etwa 30 Luftsiege
vor ihm. Die großen Erfolge der deutschen Spitzenasse wurden nach
dem Krieg von alliierter Seite lange angezweifelt und als Propagandatrick
abgetan.
Am 5. Jänner 1945 konnte der Major seinen 301.
und letzten Luftsieg erzielen, unmittelbar darauf übernahm er das
in Deutschland stationierte Jagdgeschwader 6. Obwohl dieses Geschwader
vollständig mit der modernen Focke Wulf Fw 190 ausgerüstet war,
blieb Barkhorn beim Altgewohnten und flog weiterhin mit seiner geliebten
Bf 109G. Das JG 6 bestand zum Großteil aus unerfahrenen Piloten und
erlitt aus diesem Grund bereits in den ersten Einsätzen gegen amerikanische
Jagdverbände schwere Verluste - darunter auch drei Staffelführer.
Barkhorn selbst musste unmittelbar darauf aufgrund schwerer psychischer
und körperlicher Erschöpfung - eine Folge des jahrelangen Dauereinsatzes
- vom Kommando abgelöst und in Erholungsurlaub geschickt werden.
Nach wenigen Wochen wieder “auf dem Damm”, holte
ihn Generalleutnant Galland in seinen berühmten Elite-Düsenjagdverband
44.
Zusammen mit den Spitzenkönnern und alten Haudegen
der Luftwaffe (u.a. Lützow, Bär, Krupinski und Hohagen) flog
er den revolutionären Me 262 Düsenjäger. Trotz wiederholter
Gefechtseinsätze errang er auf diesem neuen Jägertyp jedoch keine
Luftsiege mehr. Nach eigener Aussage war Barkhorn von dieser, sonst als
"Wundervogel" gepriesenen Maschine, auch wenig begeistert.
Am 21. April 1945 fiel während eines Feindfluges
ein Triebwerk seiner Me 262 aus, so dass sich Barkhorn vom Gegner lösen
und zum Stützpunkt zurückkehren musste. Während des Landeanfluges
von mehreren patrouillierenden amerikanischen Jägern attackiert, konnte
das Top-As seinen ramponierten Vogel gerade noch runter bringen und die
Pilotenkanzel zwischen den feindlichen MG-Garben verlassen. Nur leicht
verwundet, war dies sein 1104. und zugleich letzter Einsatz - nur ein halbes
Dutzend Jagdflieger erreichten während des Krieges eine solch hohe
Feindflugzahl. Im September 1945 wurde Major Barkhorn aus der Kriegsgefangenschaft
entlassen.
Mit 301 bestätigten Luftsiegen ist Gerhard
Barkhorn hinter Erich Hartmann der zweiterfolgreichste Jagdflieger aller
Zeiten und aller Kriege.
Nach dem Krieg trat Barkhorn wieder in die Bundesluftwaffe
ein, wo er u.a. von 1957 bis 1962 das Jagdbombergeschwader 31 "Boelcke"
anführte und 1964 als Oberst Stabsoffizier beim Luftwaffen-Erprobungskommando
wurde. 1969 zum Brigadegeneral und vier Jahre darauf zum Generalmajor befördert,
wurde Gerhard Barkhorn schließlich Stabschef der 4. taktischen Luftflotte
innerhalb der NATO-Streitkräfte Mitteleuropa.
Bereits in den Ruhestand versetzt, kamen der dreifache
Vater und seine Frau Christl 1983 tragischerweise bei einem schweren Autounfall
ums Leben. Beide wurden am Tegernsee zu Grabe getragen.
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