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Steckbrief
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Oberfeldwebel der Wehrmacht
Oberst des Bundesheeres |
Ritterkreuz am 20. Juli 1944 |
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Biographie
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Im Laufe des Zweiten Weltkrieges brachte die
deutsche Luftwaffe die besten Jagdflieger hervor, die jemals in einen Luftkampf
gezogen waren. Männer wie Galland, Mölders oder Hartmann erkämpften
mit ihren Messerschmitt Bf 109 Hunderte von Luftsiegen und erhielten alle
drei die Brillanten zum Ritterkreuz mit Eichenlaub und Schwertern.
Gegen Ende des Krieges jedoch schien die Zeit der Propellerjäger
vorbei. Ausgerüstet mit den neuen düsengetriebenen Messerschmitt Me 262
Jagdflugzeugen, waren es die Piloten
der elitären Düsenjagdverbände, die Angst und Schrecken
vor dem deutschen Balkenkreuz zurück in die Gesichter der alliierten
Piloten brachten, welche die einst gefürchtete Luftwaffe 1945 schon
am Boden geglaubt hatten.
Einer der besten Düsenjagdpiloten des Krieges war ironischerweise
ein Mann, der eigentlich gar kein Jagdflieger war, sondern zuvor als Schlachtflieger
Schrecken der russischen Panzer gewesen war. Herrmann Buchner schoss in
nur zwanzig Feindflügen mit der Me 262 zwölf amerikanische Maschinen
ab und erhielt nur durch die Kapitulation kein Eichenlaub zum Ritterkreuz
mehr verliehen.
Am 30. Oktober 1919 in Salzburg geboren, trat der junge Herrmann Buchner
schon 1937 in die kleinen österreichischen Luftstreitkräfte ein
und stand gerade in der Ausbildung, als seine Heimat an Deutschland angeschlossen
und er in die deutsche Luftwaffe übernommen wurde.
Fertig ausgebildet und zum Unteroffizier aufgestiegen, erreichte der
auf den Kampfeinsatz brennende Flieger jedoch weder gegen Polen, Frankreich,
England noch während des Balkanfeldzuges die Fronttruppe, sondern
bildete an verschiedenen Lehreinrichtungen selbst Flugschüler aus.
Inzwischen bereits Feldwebel, erhielt Buchner erst im April 1942 Versetzungsbefehl
zum Schlachtgeschwader 1 an die Russlandfront.
Hier in der 8. Staffel eingesetzt, flog der Österreicher auf der
Messerschmitt Bf 109E im Mai als Katschmarek seines Staffelführers
seinen ersten Feindflug, als es während der Schlacht um die Krim jeden
Tag gegen russische Truppenmassierungen, Brücken, Nachschubwege, Bunkerlinien
oder Angriffsbewegungen anzutreten galt. Bereits nach wenigen Wochen einer
der besten Neuzugänge der Gruppe, erhielt Buchner schnell beide Klassen
des Eisernen Kreuzes, den Krimschild und im Herbst, während die Staffel
im Donbogen zum Einsatz kam, den Ehrenpokal der Luftwaffe
Im Oktober startete Buchner mit seinen Kameraden jeden Tag mehrmals,
um die vor Stalingrad kämpfende 6. Armee – damals noch in der Offensive
und nicht eingekesselt - zu unterstützen. Inzwischen führte er
im Einsatz bereits einen eigenen Schwarm und war neben den späteren
Ritterkreuzträgern Dommeratzki und Stollnberger hierbei einer der
besten Einsatzführer der Staffel. Inzwischen bereits 200mal gegen
den Feind geflogen, trug er die ihn als Veteranen ausweisende Frontflugspange
in Gold.
Nach einem überstandenen Lazarettaufenthalt wegen Sumpffieber
erhielt der erfahrene Flieger im Februar 1943 Befehl, sich als Einflieger
im Leipziger Flugzeugwerk Erla zu melden. Hier testete der erfahrene Pilot
stichprobenartig die ausgelieferten Flugzeuge auf Fehler. Nur vierzehn
Tage nach seinem Dienstantritt geriet eine von Buchner geflogene Bf 109G
während eines solchen Testfluges in Brand und der Österreicher
wurde beim Fallschirmsprung schwer verletzt! Erst nach drei Monaten wieder
im Cockpit, erging bald wieder Versetzungsbefehl an die Front.
Während sein Geschwader 1943 immer wieder die Rückzugsbewegungen
des Heeres deckte oder die bedrängte Infanterie in ihren Abwehrkämpfen
unterstützte, wechselte Buchner mehrmals zwischen zwei grundverschiedenen
Aufgaben. Einerseits beim Jagdschutz für Schlachtmaschinen seiner
Staffel sehr erfolgreich, d.h. er schirmte mit seinem Schwarm die mit Bomben
beladenen Angriffsflugzeuge gegen die zahlreichen russischen Jäger
ab, lag Buchners eigentliche Stärke im Jagdbomberangriff gegen russische
Panzer. Im Tiefangriff mit seiner neuen Focke-Wulf Fw 190 mit Bomben ausgerüstet,
nahm es der tapfere Oberfeldwebel immer wieder mit Panzergruppen oder einzelnen
Kampfwagen auf und vernichtete im Laufe der Zeit mehr als 30 Panzer der
Roten Armee! Als Hermann Buchner im Herbst 1943 das Deutsche Kreuz in Gold
erhielt, war seine Staffel bereits als neue 6. Staffel zum legendären
„Immelmann“-Geschwader von Oberstleutnant Kupfer transferiert worden.
Dieses vielleicht beste Schlachtgeschwader des gesamten Krieges brachte
mit Rudel, Boerst, Wuttka, Lang und Dilley einige der höchstdekorierten
und besten Schlachtflieger sowie nicht weniger als 122 Ritterkreuzträger
hervor. Hans-Ulrich Rudel erhielt als lebende Legende der kämpfenden
Truppe sogar das Goldene Eichenlaub verliehen, nachdem er in unglaublichen
2.530 Einsätzen über 500 Panzer vernichtet hatte.
Hermann Buchner erwies sich im rollenden Gefechtseinsatz über
der Krim und den Schlachtfeldern der Südukraine dieser Klasse als
würdig und machte als treffsicherer Jagdschutz-Führer von sich
reden. Meist die gefürchteten „Panzerknacker“ des Geschwaders deckend,
wurden Buchner und seine Rottenflieger immer wieder in wilde Luftkämpfe
mit russischen Jagdmaschinen der Typen P-39, MiG, Yak oder LaGG verwickelt.
Im April und Mai 1944 meldeten die Flügelmänner des stets tapfer
und zielsicher angreifenden Schwarmführers ganze 30 Luftsiege,
was dem Oberfeldwebel am 20. Juli 1944 (dem Tag des Attentates auf Hitler)
die Verleihung des Ritterkreuzes einbrachte.
Bis zu diesem Zeitpunkt hatte Buchner neben seinen großen Leistungen
als Schlachtflieger (u.a. 46 zerstörte Panzer, ein Panzerzug, unzählige
Flak- und Bodenstellungen vernichtet) auch insgesamt 45 Treffer im Luftkampf
erreicht und war somit erfolgreicher gewesen, als so mancher Pilot der
eigentlichen Jagdgeschwader.
Aufgrund seiner Erfahrung und der hohen Offiziersverluste war Buchner
im Juni 1944 zum fliegerischen Staffelführer der 4ten aufgestiegen.
Nach über 600 Feindflügen erhielt Buchner im August Gelegenheit,
sich vom aufreibenden Fronteinsatz zu erholen und unterrichtete als Gruppenlehrer
in der Schlachtflieger-Ergänzungsgruppe 154 in Prossnitz. Im Oktober
erhielt seine Karriere dann eine entscheidende Wendung. Zu jener Zeit hatte
der General der Jagdflieger, der nach fast 100 Luftsiegen 1940/42 zum Generalleutnant
aufgestiegene Adolf Galland, seinen Einfluss, um allen Widerständen
Hitlers und Görings zum Trotz, einen ersten Frontverband aus den neuen
Me 262-Düsenjägern aufzustellen.
Als Buchner in Prossnitz von der neuen Maschine und Gallands Suche
nach Piloten hörte, meldete sich der so erfolgreiche Schlachtflieger
zur Düsenjagdausbildung.
Im November dem „Ausbildungskommando Nowotny“ in Lechfeld zugeteilt,
zeigte sich der Österreicher von der Leistung, Wendigkeit und Bewaffnung
dieser revolutionären Maschine begeistert. Obwohl aufgrund noch nicht
ausgemerzter technischer Mängel nicht ohne Risiko, ließ die
Me 262 auch die schnellsten und gefürchtetsten alliierten Maschinen
in der Luft fast stehen und flog fast 200 km/h schneller, als z.B. der
beste US-Jäger, die P-51 Mustang.
Sein Kommandeur Major Walter Nowotny – ebenfalls Österreicher
- trug als 24jähriger bereits die Brillanten zum Ritterkreuz, sollte
jedoch nach 258 Luftsiegen nur wenige Wochen später den Tod finden.
Als Hermann Buchner am 26. November 1944 von seinem ersten Feindflug
mit der Me 262 landete, konnte er bereits den Abschuss einer amerikanischen
P-38 Lightning melden. Als in den folgenden Wochen, inzwischen war die
„Erprobungsgruppe Nowotny“ im Jagdgeschwader 7 aufgegangen, innerhalb von
19 weiteren Einsätzen 11 anerkannte Abschüsse hinzukamen, wurde
nicht nur Buchners Gruppenkommandeur Major Sinner (39 Luftsiege über
Frankreich, Afrika, Russland und in der Reichsverteidigung) auf den beeindruckenden
Flieger aufmerksam, sondern auch der Geschwaderkommodore Eichenlaubträger
Major Weissenberger. Für das drittbeste Abschussergebnis aller Me
262-Asse nicht nur zur Beförderung zum Leutnant, sondern auch zur
Eichenlaubverleihung eingereicht, wurde beides durch das Kriegsende zu
Nichte gemacht, da die Anträge nicht mehr bearbeitet werden konnte.
Oberfeldwebel Buchner hatte 631 Feindflüge überstanden, als das
Jagdgeschwader 7 am 8. Mai 1945 den Kampf aufgab und war in deren Verlauf
fünfmal durch Flak oder Jäger abgeschossen und zweimal verwundet
worden.
In den ersten beiden Nachkriegsjahren Beobachter im Wetterdienst der
amerikanischen Besatzungstruppen, blieb Buchner dem Fliegen treu und war
Mitbegründer des Aero-Clubs Salzburg. Später verdiente der ehemalige
Spitzenpilot sein Geld als Fluglehrer an der Segelflugschule Zell am See.
Als Österreich 1955 von den Siegermächten wieder in die Selbständigkeit
entlassen wurde und eine neue Luftwaffe entstand, trat Hermann Buchner
dieser Waffengattung bei, wurde als Offizier übernommen und anfangs
als Fluglehrer eingesetzt. Als einer der ersten Düsenjagdpiloten zuerst
die britische DH115 Vampire und später die schwedische Saab J29 fliegend,
war Hauptmann Buchner in Folge unter dem Kommando von Major „Charly“ Bleckl
Technischer Offizier der Jagdbomber-Schulstaffel in Graz. Als Oberstleutnant
später Stabsoffizier im Jagdbombergeschwader 1 und zugleich Stellvertreter
des Kommandanten Oberst Bleckl, stieg Buchner nach einer hohen Stabsposition
in der Fliegerdivision 1979 zum Kommandant des Fliegerhorstes Linz-Hörsching
auf und ging ein Jahr darauf in den wohlverdienten Ruhestand. Für
seine Verdienste erhielt er das Silberne und Goldene Ehrenzeichen der Republik.
Anmerkung des Autors:
Für seine tatkräftige Hilfe während meiner
Arbeit bin ich Hrn. Oberst i.R. Buchner sehr zu Dank verpflichtet. |
Quelle: „Ritterkreuzträger im Österreichischen
Bundesheer 1955-1985“ von Florian Berger, ritterkreuz.at |