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Der Name Adolf Galland
ist mit einer der großartigsten Karrieren der Luftkriegsgeschichte
verbunden. Bereits während des Spanischen Bürgerkrieges ein erfolgreicher
Flieger, stieg er während der ersten Kriegsjahre zu einem der besten
Jagdpiloten auf, wurde mit 29 Jahren General der Jagdflieger und nach dem
Krieg beinahe erster Oberbefehlshaber der Bundesluftwaffe.
Bereits in seiner Jugend
ein begeisterter Segelflieger, trat Galland 1932 in die offiziell noch
nicht bestehende neue deutsche Luftwaffe ein. 1933 nahm er an der geheimen
Ausbildung in Italien teil, 1934 erfolgte die Beförderung zum Leutnant,
nachdem ein Flugunfall seine Karriere schon beinahe beendet hatte. 1937
konnte Oberleutnant Galland in der "Legion Condor" im Spanischen Bürgerkrieg
erste Erfahrungen in der Erdkampfunterstützung sowie als Staffelkapitän
sammeln. Galland war mit seiner 3. (Schlacht-)Staffel/J.88 so erfolgreich,
dass er als einer der wenigen mit dem Spanienkreuz mit Schwertern in Gold
mit Brillanten ausgezeichnet wurde. Während seiner Einsatzzeit freundete
Galland sich mit später so berühmten Fliegerassen wie Mölders,
Lützow, Oesau und Balthasar an. Im Gegensatz zu diesen Persönlichkeiten
konnte der zukünftige General der Jagdflieger in 280 Einsätzen
jedoch noch keinen Luftsieg erzielen.
Aufgrund seiner Jagdbombererfahrungen gleich zu Beginn des Polenfeldzuges
als Staffelkapitän in der II./Lehrgeschwader 2 eingesetzt, flog Hauptmann
Galland täglich bis zu vier Einsätze. Dafür erhielt der
hervorragende Flieger und Offizier das Eiserne Kreuz 1. Klasse verliehen
- doch Galland fühlte sich seit je her zum Jäger berufen. Erst
nach unzähligen Versetzungsgesuchen an das Oberkommando der Luftwaffe
stimmte Göring dem Wechsel zu und ließ ihn als Geschwaderadjutanten
in das von Oberst Max Ibel (später einer der ersten Brigadegenerale
der Bundesluftwaffe) geführte Jagdgeschwader 27 versetzen. Während
des Westfeldzuges am 12.05.40 gleich dreimal erfolgreich, erzielte Galland
bis zur französischen Kapitulation 17 bestätigte Luftsiege, wofür
er als einer der ersten Jagdflieger das Ritterkreuz zum Eisernen Kreuz
erhielt. Am 6. Juni 1940 wurde Galland Kommandeur der III. Gruppe des Jagdgeschwaders
26 "Schlageter", am 22. August übernahm er als 28jähriger Major
bereits die Geschwaderführung.
Während den gefährlichen
und anstrengenden Einsätze über England führte Galland das
JG 26 vorbildlich und baute seinen Spitzenplatz unter den deutschen Jagdflieger-Assen
weiter aus. In unzähligen Einsätzen konnte der im Luftkampf sehr
überlegt agierende Galland weitere Abschüsse erzielen. Am 24.
September 1940 erhielt er für seinen 40. Luftsieg das neugestiftete
Eichenlaub zum Ritterkreuz verliehen, zu diesem Zeitpunkt lag nur sein
Freund und Rivale Mölders in punkto Luftsiegen vor ihm. Wenig später
trat Galland während eines Luftgefechtes über dem Kanal ohne
es zu wissen gegen das britische Fliegerass Robert Stanford-Tuck (27 Siege)
an, konnte jedoch keine Treffer erzielen.
Als Deutschland den
Versuch, England durch eine Invasion in die Knie zu zwingen, aufgeben musste
und sich anderen Operationen zuwandte, blieb das JG 26 am Kanal stationiert.
In den nächsten Monaten flog der zum Oberstleutnant (01.11.40) beförderte
Galland weiterhin gegen die hervorragend ausgerüstete und hoch motivierte
Royal Air Force und erzielte im November 1940 seinen 50. Abschuss, der
58. gelang einen Monat später.
Im Juni 1941 wurde Galland
bei einem Luftgefecht mit Spitfires über St. Omer selbst abgeschossen
und verwundet. Im selben Monat meldete er aber auch sein 70. Luftsieg,
der ihm als ersten Offizier die Verleihung der Schwerter zum Ritterkreuz
mit Eichenlaub einbrachte, damals die höchste Tapferkeitsauszeichnung.
Im Sommer schoss der
Kommodore insgesamt 24 britische Gegner ab und wurde zum bereits fünften
Mal im Wehrmachtsbericht erwähnt. Als zu dieser Zeit das britische
Flieger-As Wing Commander (Oberstleutnant) Douglas Bader von einem Piloten
Gallands abgeschossen wurde und in Gefangenschaft geriet, lud ihn Galland
freundlich auf den Geschwaderflugplatz ein, erwies sich als guter Gastgeber
und ließ den britischen „Kollegen“ auf Anfrage sogar eine Bf 109
besichtigen. Im Januar 1942 wiederholte der Geschwaderkommodore dieses
altritterliche Procedere auch für den abgeschossenen „Bob“ Stanford-Tuck,
mit 27 Siegen ebenfalls einer der besten britischen Jagdflieger dieser
Zeit. Auch der Träger des DSO war in Gefangenschaft geraten.
Nach weiteren schweren
Einsätzen an der Kanalfront war es für Galland eine Überraschung,
als er am 28. Januar 1942 nach Mölders als zweiter Soldat die Brillanten
zum Ritterkreuz mit Eichenlaub und Schwertern erhielt und zum Oberst befördert
wurde. Leider musste Galland nun ein Feindflugverbot in Kauf nehmen.
Als der Brillantenträger
Werner Mölders nur kurze Zeit später bei einem Flugunfall ums
Leben kam, wurde Oberst Galland zur großen Verwunderung altgedienter
Luftwaffengeneräle im Frühjahr 1942 als dessen Nachfolger zum
General der Jagdflieger ernannt.
Gallands erste große
Bewährungsprobe in dieser hohen Dienststellung war die luftwaffentaktische
Planung der Operation "Cerberus". In diesem gewagten Unternehmen sollten
die deutschen Schlachtkreuzer Gneisenau und Scharnhorst, begleitet von
einigen kleineren Schiffen, aus dem durch die RAF zu gefährdeten Hafen
von Brest nach Deutschland rückverlegt werden. Zwei Dinge machten
dieses Vorhaben fast unlösbar - es sollte am Tage durchgeführt
werden und der einzig sinnvolle Weg führte durch den britisch-beherrschten
Ärmelkanal. Doch aufgrund von Gallands äußerst präziser
Planung und einer ebenso genauen Durchführung konnten über 170
entlang der Kanalküste zusammengezogene Jäger die verwundbaren
Schiffe pausenlos abschirmen und alle britischen Luftangriffe abwehren!
Dieser Durchbruch war der erste erfolgreiche eines größeren
feindlichen Flottenverbandes durch den Kanal seit Bestehen der britischen
Seemacht. Dieser große Erfolg brachte dem jungen Galland den nötigen
Respekt vieler älterer Luftwaffen-Generäle ein, die ihn bisher
unterschätzt hatten. Am 19. November 1942 folgte auch der gebührende
Lohn für seine Leistungen, indem Galland im Alter von erst 30 Jahren
zum bis dahin jüngsten Generalmajor der Wehrmacht befördert wurde.
Im September 1943 musste
Galland zusätzlich noch die Führung des Nachtjägerkorps
übernehmen, sein Aufgabengebiet umfasste so bereits sechs verschiedene
Fronten und über zwei Dutzend Frontgeschwader. In den Jahren 1942/43
versuchte Galland mit allen Mitteln die immer bedrohlicher werdende alliierte
Bombergefahr einzudämmen. Doch mit Ausnahme einiger Einzelerfolge
wie der Luftschlacht von Schweinfurt scheiterten viele gute Pläne
am dickköpfigen Widerstand Görings und an der immer drückender
werdenden Übermacht der Alliierten. So verlor das tapfere Jagdfliegerkorps
alleine in den ersten vier Monaten des Jahres 1944 insgesamt über
1.000 Piloten. Nach diesen schweren Verlusten schrieb Galland eine Bericht
an Göring in dem es hieß: "Der Zeitpunkt ist gekommen,
in dem sich der Zusammenbruch des Jagdfliegerkorps abzeichnet!"
1943 konzentrierten
sich die alliierten Bombenangriffe meist auf deutsche Industriezentren,
im Frühjahr 1944 flogen die Amerikaner und Briten erstmals mit über
1.000 Bombern gegen ein und dasselbe Ziel! Zur gleichen Zeit begannen die
Amerikaner als Vorbereitung für die Invasion mit gezielten Angriffen
auf Verkehrsknotenpunkte in Westeuropa. Ein anderes, oft angeflogenes,
Ziel der US-Bomber waren jene Betriebe in ganz Europa, welche die Wehrmacht
mit lebensnotwendigem Treibstoff belieferten. So wurde besonders das rumänische
Ploesti oft angegriffen, da dort 35 Prozent des deutschen Gesamtbedarfs
produziert wurde. Im Laufe der Zeit wurde das von der Luftwaffe zu verteidigende
Gebiet immer flächendeckender. So flogen die Alliierten ab 1943 auch
von Nordafrika und Italien aus in das Reichsgebiet ein.
Trotz der zahlenmäßigen
und taktischen Unterlegenheit erzielten Gallands Jäger erstaunliche
Erfolge - jedoch diese Verluste konnte sich der Gegner leisten. In den
deutschen Geschwadern gab es viele Asse mit zwanzig, dreißig oder
noch mehr Siegen; doch selbst wenn jeder westalliierte Jagdpilot im Durchschnitt
nur drei Deutsche abschoss, war das Schicksal der Luftwaffe rein rechnerisch
schon besiegelt. Im Gegensatz zur weit verbreiteten Meinung war die deutsche
Niederlage über dem Reichsgebiet aber trotzdem nicht so klar gewesen.
Mehrmals standen die Alliierten hier am Rande einer Niederlage. So hatten
bereits 1943, nach der Katastrophe von Schweinfurt, viele hohe US-Militärs
die Einstellung der riskanten Tagbomberoffensiven gefordert. Ein erneuter
Wendepunkt schien im Frühjahr 1944 greifbar, als das alliierte Oberkommando
eingestehen musste, dass trotz der verlustreichen Bomberoffensiven der
Materialausstoß der deutschen Industrie immer weiter anstieg, anstatt
zu sinken. Im selben Jahr stand das Nachtbomberkorps der RAF kurz vor dem
Kollaps, ehe den deutschen Nachtjägern massiv die Benzinzuteilung
reduziert wurde und dadurch deren Effektivität sank.
Der amerikanische Bomberexperte
Brigadegeneral Curtis Le May (1952 Generalstabschef der USAF) sagte später
über seinen ehemaligen Kriegsgegner: "Die am zähesten verteidigten
Himmelsräume der Geschichte lagen über Deutschland - General
Galland war der Architekt dieser Verteidigung!"
Als sich 1944 endlich
eine Lösung vieler Probleme in Form des revolutionären Düsenjägers
Messerschmitt Me 262 "Schwalbe" bot, legten sich Göring und Hitler
abermals quer und verboten anfangs die Serienherstellung der Maschine als
Jäger! Erst als Galland mit seinem Rücktritt drohte und sich
viele technische und militärische Experten hinter den General stellten,
billigte Hitler die Aufstellung der "Erprobungsgruppe Nowotny". Galland
vertrat die Meinung, dass eine Me 262 den Kampfwert von drei Fw 190 hatte.
Trotz seiner Dienststellung
entschloss sich Galland im Frühjahr 1944 als Beobachter am Abwehreinsatz
eines Jagdgeschwaders teilzunehmen. Obwohl er striktes Angriffsverbot hatte,
griff der Generalmajor, vom Kampffieber gepackt, kurz entschlossen in den
Luftkampf ein und schoss einen viermotorigen US-Bomber ab. Als er aufgrund
verfolgender "Mustang"-Begleitjäger im Tiefflug einen deutschen Fliegerhorst
ansteuerte, wurde er irrtümlich von eigener Flak beschossen, konnte
jedoch sicher landen. Solche Aktionen, seine große Kampferfahrung
und sicherlich auch seine Jugend brachten dem General der Jagdflieger unter
seinen Geschwaderführern und Piloten große Popularität
ein. Andererseits musste sich Galland aufgrund seiner Nähe zu Parteigrößen
und unbeliebten hohen Militärs (z.B. Göring) auch viel Kritik
gefallen lassen. Weitgehend unbekannt ist die Tatsache, dass Galland sich
nicht immer mit voller Überzeugung vor seine Jagdflieger stellte,
als diese wiederholt von Hitler und Göring aufgrund der Misserfolge
in der Reichsverteidigung kritisiert wurden. Während er die Veteranen
der frühen Kriegsjahre in Schutz nahm, ließ er oftmals die jungen
Jagdflieger der späteren Eintrittjahrgänge gegenüber diesen
Attacken ungeschützt. Nach der verlustreichen Niederlage des Jagdfliegerkorps
über Sizilien verabsäumte es Galland sogar, Göring daran
zu hindern, ungerechtfertigte oder zumindest übertriebene Kriegsgerichtsverfahren
gegenüber einigen der hier eingesetzten Piloten zu verhindern.
Als am 6. Juni 1944
westalliierte Truppen unter dem Schutz von über 10.000 Jägern
und Bombern in der Normandie landeten und die sgn. Zweite Front eröffneten,
konnte die Luftwaffe ganze zwei Jagdmaschinen aufbieten (siehe Josef Priller).
Diese Tatsache spiegelt Gallands damalige Situation am Besten wieder -
in Folge mussten die bereits überlasteten Westgeschwader zusätzlich
zur Reichsverteidigung auch noch aktive Heeresunterstützung fliegen.
Die nötigen Verstärkungen mussten von der Ostfront abgezogen
werden, zusätzlich wurde das ohnehin bereits zu kurze Ausbildungsprogramm
für neue Jagdflieger erneut verkürzt, um sie schneller an der
Front einsetzen zu können. Die Verluste waren dementsprechend hoch.
Am 11.04.44 wurde Adolf
Galland für seine Leistungen als Kommandeur der Jagdfliegerkräfte
zum Generalleutnant befördert, was nur ganz wenigen Offizieren seines
Alters zuteil wurde.
Während den andauernden
Meinungsverschiedenheiten und Streitgesprächen mit Göring kam
es eines Tages dazu, dass der Oberbefehlshaber der Luftwaffe die alten
Veteranen der Luftschlacht um England als ordensverwöhnte Feiglinge
beschimpfte. Wütend und kurz entschlossen riss sich daraufhin Galland
seine Brillanten vom Hals und warf sie mit einem dumpfen Knall auf den
Konferenztisch. Mehrere Verbandsführer der Westfront, darunter Major
Hohagen und Oberst Dahl, stellten sich hinter ihren General und legten
ihre Orden ebenfalls ab. Wäre der große Werner Mölders
noch am Leben gewesen - er hätte sich ebenfalls angeschlossen. Erst
sechs Monate nach Görings Entgleisung trug Adolf Galland seine Auszeichnung
wieder.
Im Herbst 1944 arbeitete
Galland mit seinem Jägerstab eine Plan aus, nach welchem erstmals
wieder eine größere Reserve an Tagjägern geschaffen und
für koordinierte Abwehreinsätze gegen die bereits überdimensionalen
US-Bomberverbände in Bereitstellung gehalten werden sollte. Als durch
schwierige, gezielte Maßnahmen im Winter 1944 erstmals wieder 41
einsatzfähige Jagdgruppen für die Reichsverteidigung zur Verfügung
standen, wäre Galland in der Lage gewesen, den alliierten Bombern
schwere Verluste zuzufügen. Doch Göring befahl den Einsatz dieser
Reserven für Bodenangriffe als Unterstützung der Ardennenoffensive
in Belgien.
Als am 1. Januar 1945
ein Großteil dieser wertvollen und letzten Reserven in der fragwürdigen
Operation "Bodenplatte" für die Zerstörung von wertlosen Feindmaschine
am Boden geopfert wurde, kam es zum Höhepunkt des lange schwelenden
Konfliktes zwischen Galland und Göring. Wegen "unüberbrückbarer
Meinungsverschiedenheiten" wurde der Jagdfliegergeneral abgesetzt und durch
den Brillantenträger Oberst Gordon M. Gollob ersetzt.
Wenige Tage später
forderten viele Geschwaderführer des Jagdfliegerkorps, darunter Priller,
Lützow und Graf, in einer hitzigen Diskussion mit Göring die
sofortige Rückkehr Gallands. Sie wurden ignoriert - das Aufbäumen
ging als sgn. "Meuterei der Jagdflieger" in die Geschichte ein.
Generalleutnant Galland
kehrte indes freiwillig in den Kampfeinsatz zurück. Um die Richtigkeit
des von ihm so hartnäckig vertretenen Me 262 Prinzips zu beweisen,
stellte er den legendären Düsenjagdverband 44 auf und scharte
viele alte Haudegen und Freunde um sich.
Unter den Spitzenkönnern
die seinem Ruf folgten, befand sich die Elite der Luftwaffe: u.a. die Schwerterträger
Oberst Lützow (108), Oberstleutnant Bär (220), Major Barkhorn
(301) und Oberstleutnant Steinhoff (176), der Eichenlaubträger Hauptmann
Walter Krupinski (197) sowie die Ritterkreuzträger Oberleutnant Hans
Grünberg (82), Major Diethelm von Eichel-Streiber (96), Oberleutnant
Alfred Heckmann (71), Viermot-Spezialist Hauptmann Rüdiger von Kirchmayer
(46), Major Erich Hohagen (55) und Major Karl-Heinz Schnell (72). Sie alle
verließen ihre Einheiten und Ausbildungsposten oder kamen direkt
aus dem Lazarett, um mit Galland zu fliegen - ehemalige Geschwader- und
Gruppenkommandeure mit hunderten Feindflügen waren bereit, als einfache
Flugzeugführer eingesetzt zu werden. Das Ritterkreuz war quasi die
Aufnahmebedingung für den "Jagdverband Galland" und wurde von einigen
scherzhalber sogar als Staffelwappen bezeichnet. Eine bessere Bezeichnung
war jedoch “Staffel der Geächteten”, da hier viele bei Göring
in Ungnade gefallene Verbandsführer “Zuflucht” fanden.
In den Monaten Februar
bis April 1945 flog Galland wiederholt gegen den Feind. Nachdem er seinen
Rekord auf 104 bestätigte Westsiege erhöht hatte - damit war
er einer von nur zehn Tag-Jagdfliegern des Krieges - wurde er während
seines 705. Feindfluges (mit Spanien) durch Geschossgarben einer P-51 verwundet.
Mit einem Geschosssplitter im Bein lag er bis Kriegsende im Lazarett. Am
5. Mai geriet Galland in britische Kriegsgefangenschaft, wo er u.a. von
bekannten alliierten Jagdfliegerassen besucht wurde. Zwei von Gallands
Brüdern waren als Piloten im JG 26 gefallen, Major Wilhelm-Ferdinand
Galland als Ritterkreuzträger und Sieger in 55 Luftgefechten, der
jüngere Leutnant Paul Galland nach 17 Siegen. Der älteste Bruder
Fritz war Jagd- und Aufklärungsflieger gewesen und überstand
den Krieg.
Nach seiner Entlassung aus westalliierter Kriegsgefangenschaft nahm
Adolf Galland ein Angebot der argentinischen Regierung an und arbeitete
zusammen mit der Stukalegende Hans-Ulrich Rudel und dem hochdekorierten
Kampfflieger Werner Baumbach in der Flugzeugerprobung und Pilotenausbildung.
1955 kehrte Galland in die Bundesrepublik zurück. Als wenig später
die Bundesluftwaffe gegründet wurde, suchte man nach einem geeigneten
Kandidaten für das Amt des Inspekteurs dieser Waffengattung. Galland
erfüllte alle Voraussetzungen - er war politisch unvorbelastet, verfügte
über eine enorme Front- und Stabserfahrung, war jünger als viele
andere Mitbewerber und besaß das volle Vertrauen der ehemaligen Veteranen
bzw. zukünftigen Führungsoffiziere der Bundesluftwaffe. Nach
einigem Zögern nahm Galland das verlockende Angebot an - doch wenige
Wochen später wurde statt dessen der ehemalige Kommandeur des Nachtjägerkorps,
Ritterkreuzträger General Josef Kammhuber, zum ersten Inspekteur der
Bundesluftwaffe ernannt. Grund dafür war ein Wechsel der politischen
Führung der Bundesrepublik, die sich für Kammhuber entschied.
Galland lehnte daraufhin andere ihm angetragene hohe Stabsstellen ab und
zog sich erfolgreich in die Privatindustrie zurück.
Im Kameradschaftsbund
der Jagdflieger übernahm Galland eine zentrale Rolle, aufgrund seiner
Erfahrungen wirkte er in dem wirklichkeitsnahen Film "Luftschlacht um England"
als deutscher militärischer Berater mit. Sein Buch "Die Ersten und
die Letzten" wurde zum Welterfolg.
Wenige Wochen, bevor
der Autor mit der Arbeit an diesem Buch begann, verstarb Generalleutnant
a.D. Adolf Galland als letzter der ehemaligen Brillantenträger im
Alter von 83 Jahren und wurde in Anwesenheit höchster Militärs
der Bundeswehr beigesetzt.
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