Wing Commander Colin Gray In einem fliegenden Wrack bis nach Hause
Steckbrief
ROYAL AIR FORCE
27 Abschüsse
Biographie
1914 in Neuseeland geboren
und wie sein Zwillingsbruder 1938 in die Royal Air Force eingetreten, gehörte
Pilot Officer Gray bei Kriegsausbruch zur No. 54 Squadron in Südengland.
Während der Schlacht
um Frankreich nicht zum Einsatz gekommen, hatte Gray seine erste Bewährungsprobe
im Mai 1940 zu überstehen, als die Spitfires der Staffel über
dem Kessel von Dünkirchen ins Gefecht geworfen wurden. Hier während
eines Begleitschutzeinsatzes für Jagdbomber am 24. Mai erstmals über
eine Bf 109 erfolgreich, wurde Grays eigene Maschine kurz darauf durch
eine Bf 109 schwer zusammengeschossen.
Nach einem nervenaufreibenden
Rückflug über den Ärmelkanal gelang dem jungen Neuseeländer
jedoch eine Notlandung auf dem Staffelflugplatz, obwohl durch Beschussschäden
die Landeklappen und das Fahrwerk in Mitleidenschaft gezogen worden, sowie
sämtliche Bordinstrumente wie Höhen- und Geschwindigkeitsanzeige
ausgefallen waren. Im Juli erneut in einem Luftkampf erfolgreich, erlebte
Colin Gray nun die harte Luftschlacht um England.
Tagtäglich vom
Feldflugplatz Rochford aus im Einsatz gegen deutsche Bomberpulks mit Begleitschutz,
erwies sich Gray als meisterhafter Angreifer und wurde bereits nach wenigen
weiteren Einsätzen zum Fliegerass. Ebenso wie sein Freund „Al“ Deere
einer der besten Flieger der Staffel, erzielte Gray binnen der nächsten
drei Monate insgesamt 15 bestätigte Treffer, wobei 10 weitere Gegner
zum Teil schwer beschädigt entkommen waren.
Elfmal über Jagdmaschinen
siegreich, erhielt ein zum Flight Lieutenant beförderter Gray als
einer der erfolgreichsten Jagdflieger der Luftschlacht um England ein Distinguished
Flying Cross verliehen, ehe er im November 1940 eine verdiente Atempause
bekam. Sein Bruder hatte die Luftschlacht um England hingegen nicht überlebt,
war jedoch als Bomberpilot ebenfalls mit dem DFC beliehen worden.
Als Luftkampfausbilder
in der No. 403 Squadron eingesetzt, kehrte Gray im Januar 1941 im den Fronteinsatz
zurück und übernahm an Stelle seines Freundes „Al“ Deere die
fliegende Führung der No. 54 Squadron.
Nach wiederholten Jagd-
und Jagdbombereinsätzen über Frankreich im Sommer 1941 in derselben
Position zur No. 1 Squadron gewechselt, schoss der Neuseeländer mit
einer Bf 109 seinen 17. Gegner ab, wofür er erneut ein DFC erhielt.
Ein beanspruchter Sieg über ein mehrmotoriges Dornier-Flugboot (Minenleger,
Suchflugzeug und Aufklärer) konnte indes nicht gewertet werden.
Im Herbst und Winter
1941 wechselte Gray als Taktikausbilder, Lehrgangsleiter und Staffelkommandeur
zwischen verschiedenen Front- und Ausbildungsverbänden, ehe er im
Februar 1942 als Squadron Leader in den Stab des Fighter Command versetzt
wurde.
Erst im November 1942
in den Fronteinsatz zurückgekehrt, führte Gray die No. 81 Squadron
in Nordafrika gegen erfahrene deutsche Verbände und flog hierbei die
neue Supermarine Spitfire IX. Innerhalb von vier Monaten über dem
Kessel von Tunis fünfmal gegen deutsche Jagdflieger erfolgreich (vier
weitere beschädigt), wurde dem tapferen Staffelführer für
seine großen Verdienste nunmehr bereits der Distinguished Service
Order verliehen.
Im Juni 1943 - nach
der deutschen Kapitulation in Afrika - übernahm das zum Wing Commander
beförderte Fliegerass als Nachfolger von „Dutch“ Hugo (17 Siege, DSO,
DFC**) das 322nd Fighter Wing auf Malta. Die Staffeln dieses
bewährten Geschwaders - eine davon durch den hoch dekorierten Neuseeländer
„Rosie“ Mackie (20) kommandiert - flogen während der Invasion auf
Sizilien wertvolle Unterstützungseinsätze und konnten auch während
den Gefechten in Kalabrien und Mittelitalien Erfolge verbuchen.
Gray selbst schoss am
14. Juni 1943 eine Bf 109 des Jagdgeschwaders 77 ab, ließ drei Tage
später den Sieg über einen italienischen Gegner folgen und schloss
diese Serie am 10.07.43 mit einer weiteren Messerschmitt ab. Am 16. Juli
führte Gray zwei Staffeln seines Geschwaders in jenes Gefecht, das
etwas unrühmlich als „Massaker von Cap Milazzo“ in die deutsche Luftwaffengeschichte
einging. Denn als Grays Spitfires auf eine große Gruppe von Ju 52
Transportmaschinen mit Jagdschutz, vollbeladen mit wertvollem Nachschub
für Sizilien, trafen, war es ein ungleiches Gefecht. Nach nur wenigen
Minuten waren mehrere der Begleitjäger und fast alle der 25 behäbigen
Transporter abgeschossen worden, ohne dass die britischen Angreifer Verluste
zu verzeichnen hatten. Wing Commander Gray selbst verzeichnete an diesem
Tag zwei Luftsiege.
Diese großen Verluste
hatten, neben anderen Niederlagen auf Sizilien, zur Folge, dass der Oberbefehlshaber
der deutschen Luftwaffe seinen Verbandskommandeuren in diesem Sektor mit
dem Kriegsgericht drohte, sollte es nicht wieder bald Abwehrerfolge zu
verzeichnen geben. Der wütende Göring drohte zeitweise sogar
mit der stellvertretenden Erschießung eines Piloten aus jeder „versagenden“
Staffel, besann sich schließlich jedoch wieder eines Besseren.
Im September 1943 erhielt
Colin Gray für insgesamt 27 anerkannte und 6 unbestätigte Luftsiege
sowie etwa 12 beschädigte Gegner ein drittes DFC verliehen, wurde
jedoch nach 32 erfolgreichen Luftkämpfen gleichzeitig vom Fronteinsatz
zurückgezogen.
In Folge Kommandeur
von Ausbildungseinheiten in Nordengland, wurde der erfahrene Offizier im
Sommer 1944 jedoch an die Spitze des Jagdgeschwaders Detling zurückberufen,
dessen Piloten London gegen die gefährlichen deutschen V-1-Angriffe
zu schützen versuchten. Diese ungelenkten, raketenbetriebenen Gleitbomben
wurden vor allem aus Holland und Belgien gestartet und verbreiteten monatelang
Angst und Schrecken unter der Bevölkerung Südenglands. Insgesamt
wurden fast 23.000 dieser aufgrund ihrer Geschwindigkeit von fast 700 km/h
schwierig abzufangenden Waffen gegen England abgefeuert, wobei lediglich
knapp 6.000 ihr Ziel erreichten, aber teilweise große Schäden
anrichteten. Alliierte Jäger - darunter Grays Verbände - konnten
immerhin über 1.800 V-1 abschießen und somit unzähligen
Zivilisten das Leben retten.
Nach Kriegsende in der
Royal Air Force verblieben, diente der erfolgreichste neuseeländische
Jagdflieger des Krieges u.a. in der Auslandsabteilung des Verteidigungsministeriums,
ehe er 1954 als Group Captain ein Düsenjagdgeschwader im englischen
Church Fenton übernahm. 1956 Stabsoffizier im Jägerkommando Singapur,
wurde Gray drei Jahre darauf sogar stellvertretender Stabschef im Luftverteidigungsstab
der Royal Air Force.
Nach seiner Pensionierung
im Jahre 1961 kehrte Colin Falkland Gray in seine Heimat zurück und
bekleidete eine hohe Position in der Privatindustrie. Der Veteran verstarb
1995.
Quelle: „Yak, Mustang und Spitfire“
von Florian Berger, fliegerasse.at