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Bereits in seiner Jugend ein begeisterter und begabter
Segelflieger, trat Hartmann im Oktober 1940 im Alter von 18 Jahren freiwillig
in die Luftwaffe ein. In der Luftkriegsschule Berlin-Gatow und der Jagdfliegerschule
II ausgebildet, hatte er das große Glück, eine gründliche
Friedensausbildung durchlaufen zu können. Im Oktober 1942 wurde er
als Leutnant zum Jagdgeschwader 52 an die Ostfront kommandiert, wo er dem
erfahrenen Ritterkreuzträger Feldwebel Rossmann (93 Siege) als Katschmarek
zugeteilt wurde.
Sein erster Feindflug
wurde zur Katastrophe: der übereifrige Hartmann brach so gut wie alle
ihm beigebrachten Grundregeln, verließ seinen Rottenführer,
flog diesem während des Luftkampfes in die Schusslinie, verlor die
Orientierung und musste schließlich wegen Treibstoffknappheit hinter
den eigenen Linien notlanden. Zuerst von Rossmann und dann von seinem Gruppenkommandeur
zusammengestaucht, war Hartmann tief enttäuscht, aber wild entschlossen
zu lernen. Und er lernte es.
Mit Hilfe von Rossmann,
dem bekannten Walter Krupinski (197 Siege, später Generalleutnant
der Bundesluftwaffe) und seinem Geschwaderkommodore Dietrich Hrabak gelang
es Hartmann, sein Jagdfieber zu überwinden und am 5. November 1942
seinen ersten Luftsieg zu erringen. Von da an stellte sich der energiegeladene
junge "Bubi", wie Krupinski ihn aufgrund seines jugendlichen Aussehens
freundschaftlich nannte, immer besser und vernünftiger an. Trotzdem
hatte er im April 1943 nach 100 Feindflügen erst 7 Luftsiege erzielt
und das Eiserne Kreuz 2. Klasse erhalten. Der 50. Gegner unterlag am 3.
August, danach folgte eine tolle Siegesserie über Charkow.
Am 20. August 1943 nach
300 Einsätzen bereits bei 90 Luftsiegen angelangt, wurde Hartmann
während eines Einsatzes über dem Donez durch Flak getroffen und
zur Notlandung gezwungen. Nachdem er sich aus seiner brennenden Maschine
gerettet hatte, wurde er prompt von heranrückenden russischen Soldaten
entdeckt und gefangengenommen. Doch Hartmann hatte nicht vor, sich mit
der ungewissen Kriegsgefangenschaft abzufinden. Er täuschte eine Verwundung
vor und sprang von dem Lastwagen, der ihn in den nächsten russischen
Gefechtsstand bringen sollte. Nach stundenlanger Flucht Richtung Westen
erreichte er schließlich die eigenen Linien. Nun begann der kometenhafte
Aufstieg des "Bubi" Hartmann, der im Laufe des Krieges zum erfolgreichsten
Jagdflieger aller Zeiten werden sollte.
Bereits früh hatte
Hartmann eine Luftkampftaktik angewandt, die ihm sein Rottenführer
und Freund Krupinski beigebracht hatte. Er flog mit seiner Bf 109 so nah
wie möglich an den Gegner heran, wartete bis zur letzten Sekunde und
jagte dann einen einzigen, tödlichen Feuerstoß in die feindliche
Maschine. Diese Taktik hatte den Vorteil der maximalen Durchschlagskraft
und des niedrigen Munitionsverbrauchs, brachte als Nachteil aber auch des
öfteren Schäden durch abgesprengte Flugzeugteile des Gegners
mit sich. Viermal musste Hartmann im Laufe des Krieges aufgrund solcher
Schäden notlanden. Diese Angriffsart wurde zu seinem Markenzeichen.
Bemerkenswert waren auch Hartmanns optische und taktische Fähigkeiten.
Er war in der Lage, feindliche Maschinen lange vor seinen Staffelkameraden
zu entdecken und sich so in die flugtaktisch günstigste Position zu
bringen.
Im September 1943 bei
95 Luftsiegen angelangt, meldete er Ende Oktober bereits seinen 148., wofür
er endlich das Ritterkreuz erhielt. Am 02.09.43 hatte Hartmann die ausgezeichnete
9. Staffel des Geschwaders übernommen, in der Brillantenträger
Hermann Graf einst seine größten Erfolge erzielt hatte.
Als zu dieser Zeit Hartmanns
phantastische Abschusserfolge durch seinen Staffelkameraden Friedrich Obleser
angezweifelt wurden, nahm „Bubi“ ihn kurzerhand zu einem Jagdeinsatz mit
und brachte den Zweifler durch den Abschuss dreier russischer Jagdmaschinen
binnen weniger Minuten zum Schweigen. Obleser selbst beendete den Krieg
als Ritterkreuzträger mit 120 Luftsiegen und war später als Generalleutnant
der Bundesluftwaffe Hartmanns Vorgesetzter.
Im Sommer 1943 schoss
„Bubi“ Hartmann eine russische Jagdmaschine ab, deren Pilot der bei Kriegsende
30mal siegreich gebliebene, zweimal mit dem „Held der Sowjetunion“ beliehene,
Leutnant Boris Glinka gewesen sein soll.Glinka war ein hervorragender Flieger
und zuletzt Kommandeur eines Elite-Gardeverbandes.
Nach einem kometenhaften
Aufstieg und atemberaubenden Schießleistungen konnte Hartmann nur
fünf Monate später für seinen 200. Luftsieg, zusammen mit
seinem alten Lehrmeister und jetzigen Chef der 7. Staffel Walter Krupinski,
das 127. Eichenlaub zum Ritterkreuz innerhalb der Luftwaffe entgegennehmen.
Am 2. März 1944 hatte "Bubi" im Gebiet von Kirowograd zehn bestätigte
Abschüsse zu Stande gebracht, nachdem er wenige Tage zuvor eine technisch
bedingte Bruchlandung in Uman unbeschadet überstanden hatte.
Im Mai und Juni 1944
bewies der Württemberger, dass er auch gegen die allgemein besser
ausgebildeten und ausgerüsteten Amerikaner bestehen konnte. Über
Rumänien schoss er sechs P-51 "Mustang" ab. Einmal dürfte er
unter einer US-Jagdstaffel großes Erstaunen und Bewunderung ausgelöst
haben, als er mehrere Minuten lang alleine die Angriffe von acht P-51 abwehren
konnte, ehe er den Kampf wegen Treibstoffknappheit abbrechen musste. Unter
seinen westlichen Opfern befand sich auch, so Nachforschungen nach dem
Krieg, das US-Fliegerass Ralph Hofer mit 16 Luftsiegen.
Im Sommer 1944 befand
sich der junge Oberleutnant (01.06.44) in Hochform. Kurz nachdem er für
seinen 239. Abschuss als bereits 35. Luftwaffenangehöriger die Schwerter
zum Ritterkreuz mit Eichenlaub erhalten hatte, gelangen ihm auf 16 Feindflügen
in fünf Tagen 59 bestätigte Luftsiege. Am 23.08.44 bezwang er
8, am nächsten Tag sogar 11 Gegner.
Am 24. August überschritt
Erich Hartmann mit dem Abschuss einer russischen P-39 "Aircobra" über
Baranow als erster Jagdflieger der Welt die für absolut unerreichbar
gehaltene Marke von 300 Luftsiegen, wofür er die 18. Brillanten zum
Ritterkreuz mit Eichenlaub und Schwertern sowie das seltene Flugzeugführerabzeichen
in Gold mit Brillanten verliehen bekam.
Als Oberleutnant Hartmann
zur Übergabe dieser hohen Auszeichnungen ins Führerhauptquartier
befohlen wurde, sollte er sich dort der üblichen Sicherheitsinspektion
durch einen Offizier der Wache unterziehen und ferner seine Pistole an
der Tür abgeben. Dies lehnte Hartmann jedoch ab und entgegnete „...sagen
Sie dem Führer ich will die Brillanten nicht haben, wenn er kein Vertrauen
zu seinen Frontoffizieren hat!“ Der verdutzte Wachhabende verschwand in
Hitlers Arbeitszimmer, erstattete Meldung und erhielt Befehl, den jungen
Oberleutnant unkontrolliert eintreten zu lassen.
Im Oktober übernahm
Hartmann die 4. Staffel, wenige Wochen darauf wurde er als Hauptmann (01.09.44)
zum Kommandeur der I. Gruppe ernannt. Inzwischen war er bei den Russen
so gefürchtet, dass auf seinen Tod oder Gefangennahme eine Belohnung
von 10.000 Rubel ausgesetzt war. Hochdekorierte sowjetische Fliegerasse
wie Iwan Koschedub (62), Alexander Pokryschkin (59), Nikolai Gulajew (57)
oder Wasilji Golubew (38) machten erfolglos Jagd auf Hartmann. Dessen 320.
Sieg wurde am 22. November am Leitwerk vermerkt.
Im März 1945 hatte
der Luftkampfspezialist kurz Gelegenheit, den neuen Düsenjäger
Me 262 zu testen. Ein Angebot, zusammen mit der Luftkampfelite im Jagdverband
44 unter Galland zu fliegen, lehnte Hartmann jedoch ab - er wollte bei
seiner Gruppe bleiben. Seine letzten Erfolge erzielte "Bubi" im April und
Mai 1945 über der Tschechoslowakei. Am Tag der deutschen Gesamtkapitulation
schickte Hartmann mit einer russischen Jak-11 über Brünn seinen
352. und letzten Gegner in die Tiefe, am gleichen Tag war er mit erst 23
Jahren zum Major befördert worden. Viele Luftkriegshistoriker sehen
diesen Luftsieg als den allerletzten der deutschen Luftwaffe an.
Nach seiner Landung fand
der Major einen Funkspruch vor, der ihm befahl, sich zusammen mit dem ebenfalls
höchstdekorierten Geschwaderkommodore Hermann Graf nach Westen abzusetzen
und den Amerikanern zu ergeben. Bereits nach wenigen Sekunden Beratung
stand für beide Flieger fest, diesen Befehl zu verweigern und jene
Männer, die seit Jahren mit ihnen zusammen gekämpft hatten, nicht
im Stich zu lassen. Nachdem sich die Reste des Geschwaders zusammen mit
hunderten Flüchtlingen zu den westalliierten Linien durchgeschlagen
hatten, wurden sie jedoch aufgrund einer US-sowjetischen Vereinbarung wieder
an die Rote Armee ausgeliefert.
In einem Schauprozess
aufgrund lächerlicher Anklagepunkte 1947 zu 25 Jahren Zwangsarbeit
verurteilt, blieb Hartmann während der Haft ungebrochen. So organisierte
der couragierte Offizier 1950 im Gefangenenlager Schachty erfolgreich einen
Aufstand, um auf die menschenunwürdigen Bedingungen aufmerksam zu
machen. Dafür ließ man ihn erst Ende 1955 als einen der letzten
deutschen Soldaten wieder in die Heimat zurückkehren.
Schon 1956 trat Hartmann
wieder in die Bundesluftwaffe ein, wo er u.a. das neue Jagdgeschwader 71
"Richthofen" aufbaute und zu großen Leistungen führte. 1970
quittierte Oberst Hartmann nach verschiedenen dienstlichen Problemen und
Enttäuschungen den Dienst, zuletzt war er Inspekteur der Jagdfliegerverbände
gewesen.
Unter den achtzehn Brillantenträgern,
die den Krieg überlebten, war Hartmann der einzige, der später
auch in der neuen Bundeswehr diente.
Erich "Bubi" Hartmann
steht mit 352 bestätigten Luftsiegen zwischen November 1942 und Mai
1945 unangefochten an der Spitze der Luftkriegsgeschichte. Das As der Asse
hatte in ebenfalls ungeschlagenen 1.404 Jagdeinsätzen nie einen ihm
anvertrauten Rottenkameraden verloren und war trotz all seiner 825 Luftkämpfe
nie verwundet worden. In punkto Feindflügen übertrafen ihm lediglich
die beiden Schlachtflieger-Experten Rudel und Nordmann.
Sein Abschussrekord umfasste 261 einmotorige Jäger und Jagdbomber,
darunter viele der schwergepanzerten Il-2 "Sturmovik", 90 zweimotorige
Maschinen sowie einen schweren russischen Bomber.
Im Laufe des Krieges hatten Spitzenasse wie Hartmann, Graf (212), Barkhorn
(301), Rall (275) Batz (237), Dickfeld (136), Fönnekold (136), Gratz
(138), Lipfert (203), Hrabak (125), Obleser (120), Krupinski (197), Grislawski
(133), Zwernemann (126), Sturm (158), Schmidt (173), Steinbatz (99) u.v.a.
dafür gesorgt, dass das JG 52 mit über 11.000 Luftsiegen zum
erfolgreichsten der Kriegsgeschichte wurde. Mit unglaublichen 70 Ritterkreuzverleihungen
gehört das Geschwader zu den höchstdekorierten Einheiten der
deutschen Streitkräfte.
Oberst a.D. Hartmann
verstarb 1993 im Weil am Schönbuch. Seinen Spitznamen "Bubi" hatte
der bemerkenswerte Offizier bis ins hohe Alter behalten.
Im Januar 1997, über
drei Jahre nach seinem Tod, wurde Erich Hartmann von russischer Seite rehabilitiert
und von allen gegen ihn erhobenen Anschuldigungen entlastet. Ferner stellte
eine russische Kommission fest, dass der hochdekorierte Jagdflieger damals
zu unrecht abgeurteilt worden war.
Anmerkung des Autors:
Vereinzelt wird Hartmanns letzter
Dienstrang während des Krieges mit Hauptmann angegeben. Ebenfalls
Differenzen entstanden beim Verleihungsdatum der Schwerter zum Ritterkreuz
- ich halte mich in beiden Fällen strikt an Hartmanns eigene Angaben
aus seiner Biographie.
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