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Mit 62 bestätigten Luftsiegen über
deutsche Gegner wurde Ivan Kozhedub der erfolgreichste alliierte Jagdflieger
des Zweiten Weltkrieges. Von Männern wie Pokryshkin, Bong oder Gabreski
wurde der begabte Flieger lediglich durch seinen nur geringen Bekanntheitsgrad
außerhalb seiner Heimat übertroffen.
Bei Kriegsausbruch im Juni 1941 ein knapp 21jähriger
Auszubildender an einer Jagdfliegerschule, erreichte Feldwebel Ivan Kozhedub
erst im Frühjahr 1943 – nachdem er selbst als Fluglehrer eingesetzt
worden war - die Fronttruppe. Im 240. Jägerregiment dienend, zeigte
der junge Pilot bereits in seinen ersten Einsätzen großes fliegerisches
Können und Mut – so wunderte es niemanden, dass er am 6. Juli mit
einer Ju-87 seinen ersten, am 16. August aber schon seinen achten Abschuss
errang. Besonders im schwierigen Kampf gegen Jagdmaschinen fiel er durch
wiederholte Erfolge auf. Für Tapferkeit vor dem Feind zum Vizeleutnant
ernannt, übernahm Kozhedub schon bald die Führung einer Jagdkette.
Unmittelbar darauf nach
nur sechs Monaten Fronteinsatz bereits Leutnant und Staffelkapitän,
flog der ehemalige Unteroffizier im Herbst bis zu drei Einsätzen täglich
und wurde in einer atemberaubenden Siegesserie bald zum erfolgreichsten
Piloten seines Regiments. Am 1. und 2. Oktober 1943 unterlagen in Tiefflugeinsätzen
zwei bzw. drei Ju 87, am 5. Oktober weitere zwei Bf 109. Während
Jagdeinsätzen über dem Dnjepr innerhalb von einer Woche achtmal
erfolgreich, folgten mehrere Abfangeinsätze gegen riesige deutsche
Jagdbomber- und Stukaverbände. Obwohl selbst mehrmals im Luftkampf
getroffen und einmal verwundet, erhöhte der tapfere Angreifer sein
Konto bis Jahresende auf 20 Siege in knapp 150 Einsätzen und erhielt
für diese Leistung den „Held der Sowjetunion“ verliehen. Zu dieser
Zeit trug der Senkrechtstarter bereits die Rangabzeichen eines Hauptmannes.
Den ganzen November
und Dezember 1943 über ohne Erfolge, endete eine Bf 109 am 15. Januar
1944 als sein 27. bestätigter Abschuss.
In der Führung
seiner Staffel sehr sicher, empfahl sich Kozhedub immer wieder auch als
berechnender Luftkampftaktiker, der wiederholt mit nur wenigen eigenen
Maschinen große gegnerische Verbände zersprengte und teilweise
vernichtete. Besonders die einst gefürchteten Ju 87 „Stukas“ fielen
ihm oft zum Opfer.
Bemerkenswert ist die
Tatsache, dass – obwohl er derart erfolgreich war und bereits zu den besten
Jagdfliegern seines Landes zählte - Kozhedub noch immer in einer normalen
Jagdeinheit diente und nicht in einem Garderegiment. Zu Beginn seiner Karriere
noch wenig charismatisch, entwickelte sich der junge Offizier im Laufe
der Zeit zu einer selbstsicheren Führungsperson mit großem Durchsetzungsvermögen
und hervorragenden Kontakten.
1944 an der südrussischen
und später der rumänischen Front eingesetzt, überholte Kozhedub
seinen regimentsinternen Konkurrenten, den treffsicheren Hauptmann Yevstigneyev
(53), und wurde einer der führenden russischen Jagdflieger. Inzwischen
war das erfolgreiche Regiment auf die moderne Lawotschkin La-5 (650 km/h,
vier 20 mm Kanonen) umgerüstet worden, die sich in punkto Leistungsfähigkeit,
Geschwindigkeit und Flugverhalten mit den besten deutschen Jagdmaschinen
messen konnte.
Im April 1944 insgesamt
fünfmal siegreich, ließ Kozhedub im Sommer acht weitere Luftsiege
folgen, wobei er am 3. Juni mit drei Erfolgen über Focke-Wulf Fw 190
einen seiner besten Einsätze flog.
Neben häufigen
Jagdeinsätzen zeichnete sich Kozhedubs Staffel auch immer wieder bei
Geleitschutzmissionen, Aufklärungsflügen und Tiefangriffen aus.
Als er im August 1944 mit einer Henschel Hs 129 (Panzerjäger) seinen
48. Abschuss in 256 Feindflügen und 96 Luftkämpfen erzielte,
verlieh ihm Stalin einen zweiten „Held der Sowjetunion“. Das so erfolgreiche
240. Jägerregiment wurde nun (recht spät) in 178. Garde-Jägerregiment
umbenannt. Hauptmann Kozhedub war mit seinen zwei prestigeträchtigen
Tapferkeitsauszeichnungen, zwei Lenin- und sieben Rotbannerorden nun bereits
einer der mit Abstand höchstdekorierten Offiziere der Roten Armee.
Sein diesbezüglicher Einsatz in der sowjetischen Propagandamaschine
machte ihn schnell zu einem berühmten Mann – so hingen etwa in Moskau
viele riesige, für kommunistische Länder typische, Plakate des
Fliegerasses mit kämpferischen Sätzen wie „Kämpft wie er
für Stalin“ oder dergleichen.
Und Kozhedub brannte
auf diesen Kampf – so musste er nach der Verleihung seines zweiten Goldenen
Sternes auch zu einem kurzen Fronturlaub „überredet“ werden.
Als Kozhedub Ende 1944
als Major stellvertretender Kommandeur seines Jägerregiments wurde
– zwei Jahre zuvor war er hier noch als Feldwebel geflogen – konnte er
seine taktischen Vorstellungen noch besser umsetzen und fügte seinem
Konto zwischen Januar und April 1945 noch insgesamt 14 Luftsiege hinzu.
Zuletzt am 17. April
über Ungarn zweimal siegreich, hatte Ivan Kozhedub in nur 326 Feindflügen
und 126 Luftkämpfen 62 anerkannte Abschüsse erzielt und war somit
nicht nur der beste sowjetische, sondern auch der treffsicherste Jagdflieger
der gesamten alliierten Streitkräfte.
Am 18. August, nach
der deutschen Kapitulation, erhielt der erst 25jährige Major in Anerkennung
seiner großartigen Leistungen nach dem großen Alexandr Pokryshkin
als erst zweiter Offizier der Roten Armee einen dritten Goldenen Stern.
Unter den 62 Abschüssen
Kozhedubs befanden sich u.a. 37 einmotorige Jagdmaschinen und 20 Schlachtflugzeuge,
wobei die Tatsache, dass laut verschiedener sowjetischer Militärhistoriker
weitere 10 bis 20 durch Kozhedub beanspruchte Luftsiege nicht anerkannt
wurden, aufhorchen lässt. Der junge Major könnte somit sogar
bis zu 82 Luftsiege erzielt haben – seine anerkannten Siege erzielte er
in 42 erfolgreichen Luftgefechten.
Weiters ungewöhnlich
ist, dass das sowjetische Top-Ass als eines der wenigen Spitzenasse des
Roten Jagdfliegerkorps nicht die amerikanische P-39 Airacobra geflogen
hatte, sondern ohne Ausnahme nur sowjetische Jagdflugzeuge.
In der Luftwaffe geblieben
und 1948 als Oberstleutnant Kommandeur eines Garde-Jägerregiments,
stieg Kozhedub 1950 zum Oberst auf und befehligte während des Koreakrieges
die mit MiGs ausgerüstete 324. Jagdfliegerdivision, flog jedoch selbst
keine Fronteinsätze mehr. Es gibt jedoch Berichte, wo nach seine Verbände
durch US-Düsenjäger so große Verluste erlitten, dass die
angeschlagene Division vorzeitig aus Korea abgezogen wurde.
1956 als Generalmajor
Inspekteur der Jagdfliegerschulen, wurde Ivan Kozhedub in den Sechzigerjahren
als Generalleutnant Kommandeur der Fliegerabwehrdivision Moskau, ehe er
1974 als Generaloberst in noch höhere Stabspositionen aufstieg. Berichten
zur Folge soll der Kriegsheld 1985 sogar noch in den Rang eines Marschalls
erhoben worden sein, ehe er in den Ruhestand trat.
Ivan Kozhedub verstarb
im Sommer 1991 in Moskau. Seine mit Abschusssternen übersäte
Lawotschkin La-7 ist noch heute im russischen Luftwaffenmuseum von Monino
zu sehen.
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