Flight Lieutenant Eric „Sawn-Off“ Lock 26 Siege in nur 6 Einsatzmonaten
Steckbrief
ROYAL AIR FORCE
26 Abschüsse
Biographie
1937 in jungen Jahren
in einen privaten Fliegerklub eingetreten und schon bald Inhaber des Privatscheins,
gehörte Eric Lock 1939 – wie auch die späteren Top-Asse Johnson
und Lacey - zur Reserve des Fighter Command und wurde als solche bei Kriegsausbruch
zur Royal Air Force einberufen. Nach Absolvierung der luftkampftaktischen
Kurse im Juli 1940 als Pilot Officer in den aktiven Dienst übernommen,
wurde der junge Mann zur No. 41 Squadron versetzt, welche sich bereits
über Dünkirchen ausgezeichnet hatte.
In diesem Sommer 1940
war die Stimmung innerhalb der britischen Streitkräfte alles andere
als gut. Frankreich hatte man nach furchtbaren Niederlagen überhastet
räumen müssen, wobei besonders die Royal Air Force viele ihrer
Maschinen und massenweise Piloten eingebüßt hatte. Doch gerade
auf diese Waffengattung kam nun ihre schwerste Prüfung zu. Wenige
Wochen nach dem Sieg über Frankreich entschloss sich Hitler zur Invasion
in England. Seine schlagkräftige und bisher sieggarantierende Luftwaffe
erhielt den Auftrag, die Reste der RAF so schnell wie möglich niederzukämpfen,
die Luftherrschaft über Südengland zu sichern und somit dem Heer
Gelegenheit zu geben, mit Hilfe der Kriegsmarine eine Landung durchzuführen.
Wenn dies gelänge, gäbe es in Westeuropa keinen ernstzunehmenden
Gegner mehr für Deutschland.
Das Oberkommando der
Royal Air Force erhielt angesichts der drohenden Gefahr oberste Priorität
eingeräumt. Die britische Luftfahrtindustrie wurde in Rekordzeit fast
zur Gänze auf die Produktion von Spitfires und Hurricanes umgestellt,
die Ausbildungseinheiten arbeiteten auf Hochtouren, um die gelichteten
Reihen des Fighter Command aufzufüllen, ebenso strömten hunderte
freiwillige Jagdpiloten aus Kanada, Australien, Neuseeland, Polen, der
Tschechei und Irland zu den Waffen. Als die Luftschlacht um England am
13. August 1940 losbrach, verfügte die RAF über etwa 650 Jagdmaschinen
mit mehr oder minder ausgebildeten Piloten. Die Luftwaffe konnte hingegen
2.355 Flugzeuge ins Gefecht werfen, darunter 700 von meist kampferfahrenen
Piloten gesteuerte Jäger vom Typ Bf 109.
Zu den jungen Piloten,
welche die Lücken in den britischen Abwehrreihen füllten, gehörte
auch Pilot Officer Lock. Er gehörte zu den nur wenigen, die hierfür
auch wirklich schon bereit waren. Viele andere waren blutige Anfänger,
die kaum fertig ausgebildet waren und nur wenige Trainingsstunden auf Spitfire
oder Hurricane absolviert hatten. Die Situation wurde am Höhepunkt
der Kämpfe immer schlimmer, so dass die Verluste unter diesem „Kanonenfutter“
unnötig hoch waren.
In drei Gruppen (Nord,
Mitte, Süd) aufgeteilt, versuchte das Fighter Command in den ersten
Wochen der Schlacht verzweifelt, die unaufhörlichen Bomberströme
aus Frankreich (gegen Südengland) und Norwegen (gegen Schottland)
aufzuhalten. Anfangs im Norden eingesetzt, hatte die No. 41 Squadron hier
den Vorteil, dass Schottland für die aus Norwegen kommenden deutschen
Verbände außerhalb der Reichweite der Bf 109 lag, d.h. die Bomber
flogen ohne einmotorigen Jagdschutz, sondern mit den schweren, zweimotorigen
Bf 110 als Deckung. Am 15. August, zwei Tage nach Kampfbeginn, konnte Lock
bereits einen Luftsieg erzielen, wobei es sich um eine ebensolche Bf 110
handelte.
Die volle Wucht der
Kämpfe bekam Lock zu spüren, als seine Staffel nach Süden
verlegt wurde und vom Feldflugplatz Hornurch aus oft bis zu drei Abfangeinsätze
täglich zu fliegen hatte.
Von Radarstationen entlang
der Küste über den Anflug der Deutschen alarmiert und durch die
Gruppenleitstelle koordiniert, starteten die Spitfires, sammelten sich
in großer Höhe und attackierten den gemeldeten Verband. Lock
griff in seinen Luftkämpfen meist die Begleitjäger der Bomber
an und versuchte diese gefährlichen Gegner von ihren Schützlingen
wegzulocken. Hierbei äußerst erfolgreich, zeigte seine Spitfire
bereits bald 5 Abschussbalken, wofür der junge Offizier ein Distinguished
Flying Cross erhielt.
Im September wuchs Eric
Lock über sich hinaus und verblüffte seine Staffelkameraden durch
atemberaubende Luftkämpfe und äußerstem persönlichen
Einsatz. Innerhalb von nur zwei Wochen fielen dem wilden Angreifer 15 Gegner
zum Opfer, womit der „Luftkampfneuling“ sensationell bereits einer der
besten Jagdflieger des Fighter Command war.
Am 5. September unterlagen
in zwei Luftkämpfen drei Bomber und ein Jäger. Am nächsten
Tag eine Bf 109, nur zwei Tage darauf über Maidstone erneut zwei Jagdflugzeuge.
Am 14. September brannten nahe London erneut zwei Feindmaschinen und am
20. September meldete Lock seinen bereits 17. anerkannten Abschuss.
Im Oktober mit einem
zweiten DFC geehrt, wurde Lock bei seinen Kameraden nun als „Sawn-Off“
bekannt, was man mit „abgesägte Schrotflinte“ übersetzen könnte.
Ebenfalls im September hatte sich noch ein weiterer junger Jagdflieger
der RAF, der Tscheche Josef Frantisek, katapultartig in die Elite des Jagdfliegerkorps
vorgearbeitet und ebenfalls 17 Siege erzielt.
Locks große Siegesserie
wurde erst am 17. November gestoppt, als seine Spitfire durch eine Bf 109
aufs Korn genommen und schwer getroffen wurde. Von seinem Flügelmann
herausgehauen, gelang dem leicht verwundeten Fliegerass eine Bruchlandung
in Hornurch, wobei Lock sich jedoch einen Arm und beide Beine brach. Erst
nach zwei Stunden im Wrack konnte der Eingeklemmte von den Rettungsmannschaften
befreit und ins Lazarett gebracht werden. Wäre die Maschine in Flammen
aufgegangen, hätte er nicht so viel Glück gehabt.
Mit 21 anerkannten und
7 unbestätigten Luftsiegen vor Jim Lacey (18) und Archie McKellar
(17) der erfolgreichste Jagdflieger der Luftschlacht um England, erhielt
Lock nun durch den König den Distinguished Service Order verliehen
und wurde zur Erholung vom Kampfeinsatz zurückgezogen.
Die No. 41 Squadron
war indes mit 57 Luftsiegen einer der treffsichersten Verbände der
Luftschlacht geworden.
Im Juli 1941, acht Monate
und fünfzehn Operationen nach seiner Verwundung, kehrte Lock als Flight
Lieutenant zur Fronttruppe zurück und übernahm die fliegende
Führung der No. 611 Squadron. Mit modernsten Spitfires ausgerüstet,
eskortierte die Staffel Bomberverbände nach Frankreich, flog freie
Jagd oder führte Jagdbomberaufgaben entlang der französischen
Küste durch. Bereits in seinen ersten Feindflügen über dem
Kontinent weitere dreimal siegreich, zeigte Locks Maschine – als persönliches
Emblem mit einer das Victory-Zeichen zeigenden Hand versehen – bereits
26 Abschusskreuze und wies ihren Piloten somit hinter Cherry Vale (30)
als zweiterfolgreichsten aktiven Jagdpiloten der RAF aus (Pattle war bereits
gefallen, Malan in Stabsverwendung)
In diesem Sommer gab
das Oberkommando jedoch einen folgenschweren Befehl aus, welcher der RAF
innerhalb kürzester Zeit drei ihrer besten Jagdflieger kosten sollte.
Der Befehl lautete auf massive Jagdbomberangriffe in Nordwestfrankreich,
um deutsche Stellungen an diesem strategischen Punkt am Ärmelkanal
zu schwächen.
Als Flight Lieutenant
Lock am 3. August 1941 mit drei weiteren Spitfires in Richtung Calais aufbrach,
sollte er das erste prominente Opfer dieser Offensive werden, denn er kehrte
von einem Tiefangriff nicht zurück. Wahrscheinlich wurde er durch
Flak getroffen und stürzte ab. Nur eine Woche später, am 9. August,
erwischte es das bekannte Fliegerass Douglas Bader (20) nahe Calais. Am
27. Januar 1942 musste auch der treffsichere Wing Commander Stanford-Tuck
(27) nach einem Flaktreffer seine Maschine mit dem Fallschirm verlassen
und geriet in Kriegsgefangenschaft. Somit hatte die britische Luftwaffe
drei ihrer mit Abstand besten Jagdflieger verloren.
Quelle: „Yak, Mustang und Spitfire“
von Florian Berger, fliegerasse.at