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Wie viele spätere Asse der Royal Air Force
1910 in Südafrika geboren und aufgewachsen, diente Malan in jungen
Jahren in der britischen Handelsmarine, ehe er als Offiziersanwärter
den Uniformrock seiner Majestät anzog und zum Jagdflieger ausgebildet
wurde.
Ab 1936 in der No. 74
Squadron in England eingesetzt, hatte Malan bei Kriegsausbruch bereits
das Kommando über diese Staffel übernommen. Aufgrund seiner seemännischen
Vergangenheit erhielt er von seinen Freunden schnell den Spitznamen „Sailor“
(Seemann).
Während der Schlacht
um Frankreich als Reserve in England verblieben, kam die Staffel erst im
Mai 1940 als Deckungsgruppe während der Evakuierung von Dünkirchen
zum Einsatz, wobei Malan zu jenen Piloten gehörte, die durch verblüffende
Ersterfolge am Ruhm der legendären Spitfire (660 km/h, bis zu sechs
Maschinenkanonen) mitschrieben. Bereits während seines ersten Luftkampfes
über zwei Gegner erfolgreich, blieben zwei weitere Erfolge am nächsten
Tag leider unbestätigt. Nichtsdestotrotz erhielt „Sailor“ bereits
das Distinguished Flying Cross verliehen und wurde zum Flight Lieutenant
befördert.
Unmittelbar nach dem
Abzug der letzten geschlagenen Truppen aus Frankreich eröffnete die
deutsche Luftwaffe mit pausenlosen Großangriffen die Luftschlacht
um England. Sobald diese gewonnen wäre, und nur wenige zweifelten
anfangs an einem deutschen Sieg, würde die Wehrmacht an der Südküste
eine Invasion durchführen. Doch es kam anders.
Während monatelang
tausende deutsche Bomber, Jäger, „Stukas“ und Zerstörer pausenlos
Angriffe gegen Flugplätze, Fabriken, Häfen, Radarstationen und
letztendlich auch Städte flogen, hielten die Jagdflieger der Royal
Air Force dem übermächtigen Gegner stand. Die deutschen
Geschwader erlitten in den langen Gefechten schwere Verluste, die sich
noch Jahre später schmerzhaft bemerkbar machen sollten.
Ein inzwischen zum Squadron
Leader aufgestiegener Adolph Malan hatte sich hierbei mit seinen Piloten
als ein Stützpfeiler der Verteidigung erwiesen, selbst 10 anerkannte
Luftsiege errungen und seine Staffel zu insgesamt 84 Abschüssen geführt.
Hierfür im Juni mit einem weiteren DFC und im Dezember mit dem Distinguished
Service Order ausgezeichnet, wurde Malan spätestens mit seinen „Zehn
Geboten“ innerhalb der RAF zur Berühmtheit. Seine zehn Punkte umfassende
Liste von Grund- und Überlebensregeln im Luftkampf war so treffend,
dass sie schon bald von jedem Jagdflieger der Royal Air Force auswendig
gelernt wurde und sogar fix ins Ausbildungsprogramm des Fighter Command
aufgenommen wurde:
Das Feuer erst eröffnen,
wenn du wirklich nahe am Gegner bist. Sich immer wieder umdrehen und sehen
was sich hinter einem tut. Je höher du bist, desto besser ist deine
Angriffsposition. Disziplin und Teamwork sind wichtiger als persönliche
Luftsiege. Fliege im Luftkampf nie länger als 30 Sekunden auf gleicher
Höhe – das waren einige von Sailors Geboten. Wer sie befolgte lebte
länger und war obendrein auch erfolgreich.
Einer seiner weiteren
markanten Lehrsätze für junge Jagdflieger war „eure Spitfire
ist nichts weiter als eine Waffe mit einem Motor um sie in der Luft zu
halten. Konzentriert euch auf den Luftkampf und vergesst alles andere!“
Es ist wohl unnötig, noch auf Malans große Popularität
unter seinen Piloten hinzuweisen.
Aufgrund seiner Qualifikationen führte Squadron
Leader Malan während der Luftschlacht um England bereits große
Jägerverbände, teilweise unter dem direkten Kommando des großen
Douglas Bader (20).Während so eines Einsatzes hatte er sich einmal
mit keinem Geringeren als Major Werner Mölders (115) – damals eines
der deutschen Top-Asse – gemessen und seinen Gegner durch eine Geschossgarbe
verwundet. Mölders konnte seinen Verfolger aber schließlich
abschütteln und gedeckt durch seine Staffel in Frankreich notlanden.
Im Frühjahr 1941 zum Wing Commander befördert,
übernahm Malan nun das mit Spitfires ausgerüstete Biggin Hill-Geschwader
und führte dieses in Gegenoffensiven über Frankreich und Holland
an. Als der tapfere Angreifer und erstklassige Verbandsführer im Sommer
bereits seinen 27. Luftkampf für sich entschied, erhielt er durch
den britischen König einen zweiten DSO, die zweithöchste Tapferkeitsauszeichnung,
überreicht. 15 weitere Abschüsse waren bis dahin unbestätigt
geblieben, 11 Gegner zum Teil schwer beschädigt entkommen. Diese ungewöhnlich
hohen Zahlen sind zum Teil auf die strikte Befolgung seiner eigenen Regeln
zurückzuführen, die den Auftrag und das Teamwork vor persönliche
Abschusserfolge stellten. Wenn ein Luftsieg nicht sofort bestätigt
werden konnte, legte der Geschwaderführer keinen Wert auf langwierige
Nachforschungen, auch wenn diese in vielen Fällen zur Bestätigung
geführt hätten.
1942 nach einer Lehrtätigkeit in den USA
zum Kommandeur der Central Gunnery School ernannt, kehrte Wing Commander
Malan im Januar 1943 in den Kampfeinsatz zurück und befehligte erneut
das Biggin-Hill-Geschwader. Dieses in Südengland stationierte Geschwader
bestand aus einigen der besten britischen Jagdstaffeln des Krieges und
brachte mehrere herausragende junge Fliegerasse hervor.
1944 bereits Group Captain, wechselte Malan an
die Spitze der 145th Fighter Wing und führte seine Staffeln in Begleitschutz-
und Jagdeinsätzen über Westeuropa an. Aufgrund seines Ranges
jedoch nur noch selten selbst in Luftkämpfe verwickelt, kamen keine
weiteren anerkannten Luftkampferfolge mehr hinzu. Neben den hohen Auszeichnungen
seines Landes trug Adolph Malan, bis Kriegsende nur von wenigen jungen
Jagdfliegerassen überholt, zudem den Legion d´ Honneur (höchste
französische Auszeichnung), das französische und das belgische
Croix de Guerre, das tschechische Tapferkeitskreuz sowie das amerikanische
DFC.
Nach dem Krieg waren
sich alle britischen Jagdflieger-Asse und sämtliche Luftwaffen-Experten
darüber einig, dass Adolph „Sailor“ Malan die besten Eigenschaften
eines Fliegers, Taktikers, Kommandeurs und Mentors in sich vereint hatte.1946
aus der Royal Air Force ausgeschieden, kehrte dieser großartige Mann
nach Südafrika zurück, erfüllte sich mit einer riesigen
Schafzucht seinen Kindheitstraum und machte sich mit seinem Engagement
gegen die Rassentrennung der Regierung alle Ehre.
Bereits 1963 verstarb
„Sailor“ nach längerem Kampf an den Folgen der heimtückischen
Parkinson-Krankheit im Alter von nur 53 Jahren.
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