|
Während des Ersten
Weltkrieges im Husarenregiment 3 zum Einsatz gekommen und 1916 vom Fähnrich
zum Leutnant befördert, trug Hasso von Manteuffel bei Kriegsende beide
Klassen des Eisernen Kreuzes. Später kämpfte der aus einer alten
Soldatenfamilie stammende Offizier – im 19. Jhd. hatte es Edwin von Manteuffel
sogar zum preußischen GFM gebracht - wie viele Veteranen in einem
Freikorps. In den Dreißigerjahren wurde der Rittmeister ein bekannter
und erfolgreicher Sportreiter.
In der Reichswehr und
Wehrmacht diente der Brandenburger im Reiterregiment 17, als Kommandeur
des Kradschützenbataillons der 2. Panzerdivision sowie 1936 als Taktiklehrer
an der Panzertruppenschule Berlin-Wünsdorf. Zwei Jahre darauf bereits
Major im Stab des Inspekteurs der Panzertruppe, fungierte von Manteuffel
hier als viel beachteter Referent für die KfZ-Motorisierung des Heeres.
Bei Kriegsausbruch war Oberstleutnant von Manteuffel Lehrgangsleiter an
der Panzertruppenschule II in Krampnitz bei Potsdam.
Erst kurz vor Beginn
des Russlandfeldzuges übernahm er das II. Bataillon/Schützenregiment
7 der berühmten 7. Panzerdivision. Mit seinen Männern bei Smolensk
und Wjasma erfolgreich, übernahm Oberstleutnant von Manteuffel am
18. August 1941 das Schützenregiment 6 der Division und nahm an den
harten Winterkämpfen bei Rshew und Klin teil. Bereits früh fiel
er durch persönlichen Mut, Kaltblütigkeit und eiserne Entschlusskraft
in brenzligen Situationen auf. So besetzte der Oberst (01.10.41) mit einer
Kampfgruppe eine strategisch wichtige Brücke über den Wolga-Moskwa-Kanal.
Da diese jedoch der Schlüssel zum Haupt-Elektrizitätswerk Moskaus
war, befahl Stalin persönlich die Stellung “mit allen Mitteln und
ohne Rücksicht auf die Verluste” wieder einzunehmen.
Für die Eroberung
der Brücke mit dem Ritterkreuz ausgezeichnet, kämpfte sich die
"Kampfgruppe Manteuffel" Ende November 1941 bis 50 Kilometer an den Stadtrand
von Moskau heran, ehe die Division den Rückzug antreten musste - das
angesprochene E-Werk konnte vorher noch gesprengt werden.
Als der verwegene Truppenführer
im Frühjahr 1942 entgegen eines Befehls die ihm zugeteilten Stellungen
verließ, um eine fliehende russische Brigade zu verfolgen, drohte
ihm sein Vorgesetzter - der später ebenfalls mit den Brillanten dekorierte
General Model - mit dem Kriegsgericht. Da von Manteuffel die Brigade erfolgreich
vernichtet hatte, kam es allerdings zu keiner Anklage. Trotz dieses Vorfalles
verstanden sich Model und von Manteuffel später erstaunlich gut, so
etwa als sie 1944/45 an der Westfront erneut zusammentrafen.
Ab Juli 1942 führte
Oberst Hasso von Manteuffel die Schützenbrigade der "Gespensterdivision".
Nach weiteren Einsätzen
im Mittelabschnitt wurde von Manteuffel im Winter 1942 überraschend
von der Ostfront ins klimatische Gegenstück Tunesien versetzt und
mit der Führung einer nach ihm benannten motorisierten Division beauftragt,
am 1. Mai 1943 wurde er nachträglich zum Generalmajor befördert.
Nach schweren Gefechten
im Tuniskessel (LXXXX. Korps unter Nehring) aufgrund einer ernsten Erkrankung
in die Heimat rückversetzt, übernahm von Manteuffel im August
1943 die 7. Panzerdivision von Eichenlaubträger Generalmajor von Funck.
In dieser Division, in der er so lange gedient hatte, war er äußerst
populär und geschätzt. Bei Schitomir zeichneten sich seine Panzer,
besonders das Panzerregiment 25 unter Oberst Adelbert Schulz, in Angriff
und Verteidigung aus. Für die erfolgreichen Flankenangriffe und Nachtgefechte
in dieser Region erhielt von Manteuffel das 332. Eichenlaub zum Ritterkreuz
verliehen und wurde kurz zuvor erstmals im Wehrmachtsbericht genannt. Während
der Panzerschlacht von Korosten vernichteten seine Panzerverbände
unmittelbar darauf erneut mehrere Feindbrigaden. Hierbei griff der Generalmajor
zeitweise selbst als Panzerkommandant in die Gefechte ein.
Nachdem von Manteuffel
die Division an seinen besten Regimentskommandeur und Brillantenträger
Oberst Schulz abgegeben hatte, übernahm er im Frühjahr 1944 die
Panzergrenadierdivision "Großdeutschland", die sich unter dem bekannten
Eichenlaubträger Generalmajor Hoernlein ausgezeichnet hatte.
Im Februar 1944 erhielt
Hasso von Manteuffel die Beförderung zum Generalleutnant und, nachträglich
für seine Verdienste als Kommandeur der 7. PD, die Schwerter zum Ritterkreuz
mit Eichenlaub. Der ausgezeichnete Panzeroffizier war der erst siebente
Divisionskommandeur, der derart hoch dekoriert wurde.
Mit seiner neuen, voll
motorisierten, "GD" wurde er in den kommenden Monaten in schwere Gefechte
an der Ostfront (Korsun, Besserabien, Pruth, Jassy) verwickelt, konnte
jedoch mehrmals russische Großangriffe vereiteln - im Mai 1944 wurde
in einer der größten Panzerschlachten des Ostfeldzuges eine
Offensive gegen die wertvollen Ölfelder in Rumänien abgewehrt.
Im Sommer konnte von
Manteuffel mit seiner Division trotz einer vielfachen feindlichen Übermacht
das eingekesselte Wilna (Nordfront) freikämpfen und dem späteren
Schwerterträger Stahel mit seiner Kampfgruppe den Rückzug ermöglichen.
Obwohl er nie einen Generalstabskurs an der Kriegsakademie besucht hatte,
erhielt General der Panzertruppe (01.09.44) von Manteuffel im September
1944 die Ernennung zum Oberbefehlshaber der 5. Panzerarmee. Somit kommandierte
er den einzigen Heeres-Panzergroßverband an der Westfront.
Sein Nachfolger an der
Spitze der "Großdeutschland" wurde der erfahrene Oberst Karl Lorenz,
auf von Manteuffels Vorschlag bereits mit dem Eichenlaub beliehen. Insgesamt
untermauerten 56 Ritterkreuzträger den Elite-Status der Division.
Unter denkbar schwierigen
Umständen in punkto Nachschub und Versorgung bereitete von Manteuffel
seine Armee unter strenger Geheimhaltung auf einen neuen Offensivschlag
vor - am 16. Dezember 1944 rollten sieben seiner Divisionen zusammen mit
Verbänden der Waffen-SS in den Wäldern der Ardennen zum alles-
entscheidenden Angriff gegen die 1. US-Armee an. Hauptziel der Offensive
war die Spaltung der gegnerischen Truppen sowie die Wiedereinnahme von
Antwerpen. In diesem Fall wären drei alliierte Armeen - die 1. kanadische,
2. britische und 9. amerikanische - von der südlich der Ardennen operierenden
12. US-Heeresgruppe abgeschnitten und praktisch eingekesselt worden.
Obwohl seine Panzerspitzen
den Gegner überrumpeln und über 100 Kilometer weit vorstoßen
konnten, endete diese letzte deutsche Offensive im Westen als operativer
Fehlschlag. Die drückende Überlegenheit der Alliierten, fehlendes
Glück und zu wenig Treibstoffvorrat zwang die 5. Panzerarmee Anfang
Januar wieder zum Rückzug. Trotz exzellenter Angriffe des berüchtigten
US-Generals Patton gelang es von Manteuffel jedoch, den Großteil
seiner Truppen rechtzeitig zurückzunehmen.
Selbst wenn die Einnahme
von Antwerpen und die Einkesselung der drei gegnerischen Armeen gelungen
wäre, wären die deutschen Truppen doch wohl kaum in der Lage
gewesen, den Umklammerungsring aufrecht zu erhalten.
Für die anfänglichen
Erfolge in Belgien und die langjährigen Verdienste als Frontgeneral
erhielt General von Manteuffel am 18. Februar 1945 die 24. Brillanten zum
Ritterkreuz mit Eichenlaub und Schwertern verliehen.
Im März 1945 als
Nachfolger von Eichenlaubträger Generaloberst Raus noch zum Oberbefehlshaber
der 3. Panzerarmee ernannt, konnte von Manteuffel der vorpreschenden Rote
Armee in Pommern nur noch hinhaltenden Widerstand bieten. Als die Heeresgruppe
Weichsel (Heinrici) nach anfänglichen Abwehrerfolgen überrannt
wurde und die Rote Armee Berlin einkesselte, hatte von Manteuffel keine
Möglichkeit mehr, den Eingeschlossenen auf irgendeine Weise zu Hilfe
zu kommen. Seine Truppe war ausgebrannt, nur noch wenige Panzer einsatzbereit
und der Treibstoffvorrat zu Ende. General von Manteuffel konnte trotz der
schwierigen Lage seine 3. Panzerarmee nördlich von Berlin zurückziehen
und die Elbe überschreiten.
Als Generaloberst Heinrici,
Träger der Schwerter zum Ritterkreuz, nach Streitigkeiten mit dem
OKW als Oberbefehlshaber der Heeresgruppe Weichsel abgesetzt wurde, erhielt
General von Manteuffel den Befehl seine Nachfolge anzutreten. Da der Brillantenträger
aber mit Heinrici derselben Meinung war, nämlich das weitere Kampfhandlungen
um Berlin sinnlos wären, lehnte er ab. In diesen schwierigen Tagen
bewies General von Manteuffel stahlharte Courage und ebenso eiserne Loyalität
gegenüber Generaloberst Heinrici - als GFM Keitel vom OKW mit der
Verhaftung des Heeresgruppen-Oberbefehlshabers drohte, ließ von Manteuffel
diesen von drei bewaffneten Offizieren seines Stabes bewachen. Notfalls
hätte er seine Solidarität mit Waffengewalt unterstrichen.
Durch äußerst
kluge Verhandlungen mit britischen Generälen erreichte General von
Manteuffel im Mai deren Zustimmung, mit seinen 300.000 Soldaten in britische,
und nicht in russische, Gefangenschaft gehen zu dürfen. 1947 erfolgte
die Entlassung.
Nach dem Krieg war General
a.D. von Manteuffel aktiv in der Politik tätig, von 1953 bis 1957
als Mitglied des deutschen Bundestages (Verteidigungsberater FDP). 1959
wurde er überraschenderweise von einem Schwurgericht des Totschlages
angeklagt, Grund für die späte Anklage war ein von ihm gefälltes
Todesurteil. Manteuffel hatte im Januar 1944 bei Schepetowka einen Soldaten,
der während seiner nächtlichen Wache die Gefangennahme zweier
Kameraden beobachtet aber diese weder verhindert noch gemeldet hatte, wegen
Feigheit vor dem Feind vor ein Kriegsgericht gestellt, verurteilt und erschießen
lassen. Trotz der kriegsrechtlich korrekten Entscheidung wurde General
der Panzertruppe a.D. von Manteuffel zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt.
Nach bereits zwei Monaten erfolgte auf Fürsprache von Bundespräsident
Heuss die Freilassung.
Später wurden dem
exzellenten Panzeroffizier mehrere unerwartete Ehrungen durch das amerikanische
Militär zu- teil. So wurde er 1968 zu einem Besuch an die Offiziersakademie
West Point eingeladen. Ferner besuchte er auf Einladung des US-Generalstabschefs
General Westmooreland das Pentagon sowie auf Wunsch seines ehemaligen Gegners
und damaligen US-Präsidenten Dwight D. Eisenhower das Weiße
Haus. Ende der Sechzigerjahre fungierte von Manteuffel des weiteren als
deutscher militärischer Berater für US-Kriegsfilme.
Hasso von Manteuffel ist 1978 während einer Urlaubsreise in Österreich
verstorben und wurde in Deutschland bestattet. Die Londoner Times ehrte
den einstigen Kriegsgegner mit einem hervorragenden Nachruf.
|