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"Sie sind für die Fliegerausbildung untauglich!"
Diese Worte trafen den Pionierleutnant Werner Mölders wie ein Blitz.
Nachdem er den sogenannten Drehstuhltest nicht bestanden hatte, wurde sein
Versetzungsgesuch zur Luftwaffe abgewiesen. Der leitende Flugarzt riet
dem jungen Offizier "doch am Boden zu bleiben". Doch keine sieben Jahre
später sollte eben dieser Offizier als erster Jagdflieger der Welt
die magische Marke des berühmten Roten Barons Manfred von Richthofen
übertreffen und zum bis dahin höchstdekorierten deutschen Soldaten
geworden sein. Auch heute noch verwenden die meisten Luftwaffen der Welt
jene Taktiken, die Werner Mölders entwickelte. Auch wenn die späteren
Top-Asse der Luftwaffe sein Abschusskonto im Endeffekt um das Dreifache
übertrafen, bleibt Werner Mölders der deutsche Jagdflieger schlechthin.
1932 in die Wehrmacht eingetreten, diente Mölders
die ersten beiden Jahre im Infanterieregiment 2 in Allenstein. 1934 unternahm
er als Oberfähnrich den ersten Versuch, in die neue Luftwaffe versetzt
zu werden. Doch ein angeborenes Leiden hinderte ihn vorerst daran. Von
Krämpfen, Übelkeit und Schweißausbrüchen gebeutelt,
wurde er durch die medizinische Kommission zurecht abgelehnt. Aber Mölders
war wild entschlossen, Jagdflieger zu werden. Durch eisernen Willen und
einem festen Ziel vor Augen, gelang es ihm beim zweiten Anlauf, diese Körperreaktionen
zu unterdrücken, die Kommission zu täuschen und als "bedingt
tauglich" erklärt zu werden. Doch auch in den kommenden Jahren auf
der Fliegerschule wurde er immer wieder durch die Flugkrankheit geplagt.
Während seiner Ausbildungszeit freundete sich Mölders mit den
späteren Fliegerassen Balthasar, Oesau und Bertram an.
Als im Jahre 1936 Freiwillige für die "Legion
Condor" gesucht wurden, war Oberleutnant Mölders einer der ersten,
die sich meldeten. Sein Gesuch wurde allerdings erst nach langem Hin und
Her vom Oberkommando der Luftwaffe genehmigt. Als Nachfolger von Oberleutnant
Adolf Galland übernahm er eine mit den neuen Messerschmitt Bf 109
ausgerüstete Staffel der Jagdgruppe 88. Von Mai bis November 1938
im Spanischen Bürgerkrieg auf Seiten von General Franco eingesetzt,
erwarb sich Mölders umfassende Kampf- und Führungserfahrungen.
So entwickelte er das revolutionäre System des "Vierfingerschwarms",
welches so erfolgreich wurde, dass es im Laufe des Krieges bei allen führenden
Luftstreitkräften zum Standard wurde. Als seine Dienstzeit abgelaufen
war, hatte Oberleutnant Mölders nicht weniger als 14 republikanische
Flugzeuge abgeschossen und war der erfolgreichste Jäger der Legion
geworden. Für seine Verdienste erhielt er neben hohen spanischen Auszeichnungen
auch das nur 27mal vergebene Spanienkreuz mit Schwertern in Gold mit Brillanten
verliehen.
Bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkrieges unterrichtete
Hauptmann Mölders aufgrund seiner unschätzbaren Kampferfahrungen
als Flug- und Taktiklehrer an einer Jagdfliegerschule. Bei Kriegsbeginn
war er Kapitän der 3. Staffel im Jagdgeschwader 53 "Pick As", am 20.
September 1939 erzielte er an der Westfront seinen ersten Luftsieg im Zweiten
Weltkrieg.
Während des "Sitzkrieges" entlang der Grenzstellungen
erzielte Mölders weitere Luftsiege und erhielt beide Klassen des Eisernen
Kreuzes. Im März 1940 traf er bei einem Einsatz auf Edgar "Cobber"
Kain, mit sechs Siegen der damals beste britische Jagdflieger. Obwohl Kains
Hurricane schwer beschädigt wurde - ob von Mölders oder einem
seiner Piloten ist unklar - konnte der Brite von diesem Einsatz zurückkehren.
Nach insgesamt 16 Luftsiegen fand der bis dahin erfolgreichste alliierte
Jagdflieger in Europa im Juni den Tod.
Im Frankreichfeldzug führte Mölders die
III. Gruppe des Geschwaders in die schweren Luftgefechte gegen die britische
und französische Luftwaffe. Mit dem Beginn des Westfeldzuges begann
für den Gruppenkommandeur der große Aufstieg. Als der brillante
Taktiker und Schütze am 28. Mai 1940 seinen 20. Luftsieg (ohne Spanien)
erzielte, erhielt er als erster Jagdflieger der Luftwaffe das Ritterkreuz
zum Eisernen Kreuz verliehen. Bis Mai 1945 sollten ihm 567 weitere Jagdflieger
folgen - nur 271 davon erlebten das Kriegsende.
Kurz vor Ende des Westfeldzuges wurde Hauptmann
Mölders zum ersten und bis zum Ende seines Fronteinsatzes auch einzigen
Mal selber abgeschossen - nachdem er leicht verwundet mit dem Fallschirm
notgelandet war, wurde der Sieger in 25 Luftkämpfen von heranrückender
französischer Infanterie gefangen genommen. Da Frankreich aber kurz
darauf kapitulierte, war die Gefangenschaft nur von kurzer Dauer.
Während der Luftschlacht um England bereits
ein gefeierter Kriegsheld, übernahm er am 27. Juli 1940 als bis dahin
jüngster Major der Luftwaffe das Jagdgeschwader 51, dieses Geschwader
erhielt später seinen Namen. Der "Immelmann des Zweiten Weltkrieges",
wie Mölders oft genannt wurde, war einer der ersten Offiziere des
Krieges, die das auf altgedienten Geschwaderführern beruhende System
der Dreißigerjahre durchbrachen.
Am 28. Juli konnte Mölders während eines
heftigen Luftkampfes über Südengland das britische Fliegerass
Tony Lovell bezwingen, der bis zum diesem Zeitpunkt bereits zehn Luftsiege
erzielt hatte. Der Brite wurde schwer verwundet, konnte später wieder
in den Einsatz zurückkehren und beendete den Krieg mit 16 bestätigen
und 6 wahrscheinlichen Siegen. Wenig später wurde Mölders seinerseits
fast durch ein Fliegerass bezwungen, als er in einem Luftkampf mit Adolph
"Sailer" Malan (27 Siege, DSO*,DFC*) durch Splitter am Knie verwundet wurde
und an der französischen Küste notlanden musste.
Im Kampf gegen die RAF weiterhin erfolgreich, wechselte
sich Mölders mit Galland und Wick mehrmals als Spitzenass der Luftwaffe
ab. Am 21.09.40 erhielt er für seinen 40. Luftsieg das erst 2. verliehene
Eichenlaub. Am 31.08. und 12.10. hatte er mit je drei Luftsiegen sein bestes
Einsatzergebnis erzielt. Am 25. Oktober wurde der junge Kommodore für
überragende Tapferkeit vor dem Feind vorzeitig zum Oberstleutnant
befördert. Als das Geschwader nach schmerzhaften Verlusten über
dem Ärmelkanal im Februar 1941 aus dem Kampf genommen wurde, hatte
Mölders in etwa 270 Einsätzen bereits 68 anerkannte Abschüsse
verbucht. Sein Bruder Claus war ebenfalls erfolgreich in seinem Geschwader
geflogen, ehe er über England abgeschossen und gefangen genommen worden
war.
Neben seinen kämpferischen und führerischen
Verdiensten im Einsatz kümmerte Mölders sich schon fast väterlich
(Spitzname "Vati") um die frisch zum Geschwader versetzten Nachwuchspiloten.
Da er das gefürchtete Jagdfieber in Spanien am eigenen Leib gespürt
hatte, wusste er, wie wichtig es für einen jungen Piloten war, seinen
ersten Luftsieg ohne große Aufregung zu erzielen. Und so flog er
nicht selten als Flügelmann eines solchen Neulings, hielt ihm den
Rücken frei und gab ihm über Funk gute Tipps. Als während
der Luftschlacht um England ein sehr guter Freund über der Themsemündung
abgeschossen und als vermisst gemeldet wurde, startete ein seit Tagen ans
Bett gefesselter Mölders, obwohl vom Fieberanfällen geschwächt,
mit seiner Maschine, um sich an der Suche zu beteiligen.
Als im Juni 1941 die Operation "Barbarossa" gestartet
wurde, begann für Mölders und sein Geschwader eine Phase des
absoluten Dauereinsatzes.
Hierbei blieb Mölders trotz der großen
Geschwadererfolge Realist und sagte einmal gegenüber seinen Piloten:
"...der Krieg gegen die Sowjetunion wird lange dauern. Da werden noch Leute
das Ritterkreuz bekommen, die heute noch gar nicht fliegen können."
Täglich flogen die 51er Jagd- und Geleitschutzmissionen, wobei der
Geschwaderkommodore wiederholt mehrere Gegner an einem Tag bezwingen konnte.
Bereits am ersten Einsatztag im Osten erhielt Mölders für 72
Luftsiege nach Adolf Galland als zweiter Offizier der Wehrmacht die neu
gestifteten Schwerter zum Ritterkreuz mit Eichenlaub verliehen.
In den nächsten Einsatzwochen konnte der Kommodore
30 weitere Luftsiege erzielen. In den ersten Monaten des Ostfeldzuges war
das JG 51 so erfolgreich, dass sich die sowjetische Führung zu einem
Befehl genötigt sah, der den eigenen Staffeln jeglichen Luftkampf
mit dem JG 51 untersagte - man hätte ja doch keine Chance. Bis Herbst
1941 waren bereits fünf 51er mit dem begehrten Eichenlaub ausgezeichnet
worden - neben Mölders noch Hauptmann Joppien, Oberleutnant Bär,
Hauptmann Nordmann und Oberfeldwebel Hoffmann.
Am 15. Juli 1941 ging Oberstleutnant Werner Mölders
endgültig in die Luftkriegsgeschichte ein, als er als erster Jagdpilot
der Geschichte seinen 100. bestätigten Luftsieg erzielte. Am nächsten
Tag erhielt er für das Überschreiten dieser magischen Marke als
erster von letztendlich 27 Offizieren die Brillanten zum Ritterkreuz mit
Eichenlaub und Schwertern verliehen. Weil er dadurch für die Luftwaffenführung
unersetzbar geworden war, wurde er Ende Juli mit einem strengen Feindflugverbot
belegt. Am 16.07. war Mölders zum zehnten Mal im Wehrmachtsbericht
genannt worden.
Im August 1941 erhielt Mölders´ zuverlässiger
Katschmarek, Leutnant Erwin Fleig, nach 26 Luftsiegen für seinen Anteil
an den Erfolgen seines Rottenführers das Ritterkreuz verliehen (1942
in russische Gefangenschaft geraten).
Mit 28 Jahren zum jüngsten Oberst der Luftwaffe
befördert, wurde Mölders im September zur allgemeinen Überraschung
zum ersten General der Jagdflieger ernannt. Diese neu geschaffene Dienststelle
sollte den jungen Frontpiloten einen näheren Bezugspunkt zur Führung
geben, als es die hochrangigen Veteranen im Oberkommando der Luftwaffe
tun konnten. Ferner sollte das OKL durch diese Kompetenzaufteilung entlastet
und so effektiver werden. Später gab es auch einen General der Kampf-
(u.a. Helbig und Peltz) und Schlachtflieger (u.a. Dr. Kupfer). Auch in
dieser Position glänzte Mölders durch energiegeladene Initiative,
gute Stabsarbeit und erstklassige Verbesserungsvorschläge.
Als am 17.11.41 Generalfeldzeugmeister Ernst Udet,
ein langjähriger väterlicher Freund von Mölders, Selbstmord
beging, wurde Mölders nach Berlin befohlen. Dort sollte er mit den
hochdekorierten Fliegern Galland, Oesau und Lützow die Ehrenwache
halten. Doch auf dem Flug von seinem Stabsquartier in Cherson über
Lemberg nach Berlin geschah das Unglück. Die He 111, mit der Mölders
und sein Adjutant in die Reichshauptstadt geflogen werden sollten, geriet
in schlechtes Wetter und prallte in Breslau-Gandau gegen einen Fabriksschornstein.
Werner Mölders und ein Großteil der (sehr flugerfahrenen) Besatzung
waren auf der Stelle tot.
Der große Jagdflieger wurde auf dem Berliner
Invalidenfriedhof zu Grabe getragen, auf dem auch der berühmte Manfred
von Richthofen (80 Siege im Ersten Weltkrieg) seine letzte Ruhestätte
gefunden hatte. Werner Mölders hatte in insgesamt 400 Feindflügen
14 spanische, 68 westalliierte und 33 sowjetische Gegner besiegt. Für
seine bahnbrechenden Erfolge hatte er ferner die Frontflugspange in Gold
mit Brillanten erhalten, die nach ihm nur noch Oberst Hans-Ulrich Rudel
tragen sollte.
Im Frühjahr 1942 versuchte der britische Geheimdienst
den Tod des populären Jagdfliegers propagandistisch zu nutzen, indem
er tausende Flugblätter, unter der Bezeichnung "Mölders-Brief"
bekannt geworden, über Deutschland abwarf. In diesem Schreiben wurde
fälschlicherweise behauptet, Mölders sei von deutscher Flak absichtlich
abgeschossen worden, da er der Hitler-Führung aufgrund seines Einsatzes
für die katholische Kirche zu unbequem geworden war. Großbritannien
gab die Fälschung erst 1962 zu. Tatsache war jedoch, dass Mölders
nach seiner Ernennung zum Inspekteur der Jagdflieger in einem Schreiben
an Hitler gegen die Unterdrückung der Kirche protestiert hatte und
als Nachdruck sein Parteibuch mit zurückgeschickt hatte.
Die deutsche Bundesluftwaffe setzte zu Ehren des
herausragenden Offiziers die Tradition des JG 51 fort und benannte das
1992 in Neuburg/Donau stationierte Jagdgeschwader 74 ebenfalls "Mölders".
1968 wurde in Visselhövede die "Werner-Mölders-Kaserne" in Dienst
gestellt, die Bundesmarine benannte sogar einen Lenkwaffenzerstörer
nach dem großen Jagdflieger. Dietrich Hrabak, während des Krieges
Geschwaderkommodore, Eichenlaubträger und Sieger in 125 Luftkämpfen,
später Generalmajor der Bundesluftwaffe, sagte einmal über Werner
Mölders: "Wir waren nur Jagdflieger - Mölders war mehr als das!"
Dem ist nichts hinzuzufügen.
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