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Steckbrief
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Frontflugspange für Jäger in Gold mit Anhänger
Einsatzzahl "400" |
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Sechsmalige Nennung im Wehrmachtsbericht
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Finnisches Freiheitskreuz 1. Klasse
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Ehrenabzeichen der finnischen Luftwaffe
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Flugzeugführer- und Beobachterabzeichen
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Ehrenpokal der Luftwaffe
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Deutsches Kreuz in Gold |
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Verwundetenabzeichen in Bronze |
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Ritterkreuz |
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04.09.1942 |
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Eichenlaub |
(293) |
05.09.1943 |
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Schwerter
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(037)
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22.09.1943
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Brillanten |
(008) |
19.10.1943 |
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| * 07.12.1920 in Gmünd/Österreich |
V 08.11.1944
bei Achmer/Westfront |
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Biographie
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Der in Österreich geborene Nowotny trat
unmittelbar nach Beginn des Zweiten Weltkrieges in die Luftwaffe ein und
wurde zum Jagdflieger ausgebildet. Anfang Februar 1941 wurde er nach einer
leicht verkürzten Ausbildung an die Ostfront versetzt.
In der 9. Staffel des Elite-Jagdgeschwaders 54 "Grünherz" flog
der junge Leutnant im Nordabschnitt der Russlandfront erst mal nur als
Rottenflieger für erfahrene Piloten. Am 23. Juli 1941 konnte er während
eines Einsatzes seinen ersten Luftsieg erzielen, wenige Tage später
über der Insel Ösel sogar gleich drei weitere - aufgrund eines
schweren Flaktreffers war Nowotny jedoch zum Notwassern gezwungen. Nachdem
das Geschwader den jungen Piloten nach ergebnisloser Suchaktion bereits
als vermisst abgeschrieben hatte, kehrte dieser völlig erschöpft
und durchnässt auf seinen Heimatflugplatz zurück. Drei Tage nach
seinem Abschuss war er in seinem winzigen Rettungsboot an Land getrieben
und von deutschen Soldaten entdeckt worden. Anfang August stand der ehrgeizige
Flieger wieder im Einsatz. Bereits ein knappes Jahr später konnte
der Senkrechtstarter auf 45 bestätigte Luftsiege zurückblicken,
am 4. August 1942 bezwang Nowotny in einem Einsatz sieben Luftkampfgegner
- zu diesem Zeitpunkt trug er bereits beide Klassen des Eisernen Kreuzes,
die Frontflugspange in Gold und hatte einen Ehrenpokal erhalten. Im Sommer
hatte der junge Leutnant das Glück gehabt, eine Bruchnotlandung seiner
schwer beschädigten Messerschmitt Bf 109 unverletzt überstanden
zu haben, obwohl sich die Maschine überschlagen hatte.
Als am 04.09.42 der 56. Gegner unterlag, erhielt Leutnant Nowotny im
Alter von erst 21 Jahren das Ritterkreuz verliehen.
Im Oktober übernahm er bereits das Kommando über die 9. Staffel,
die aufgrund ihrer großen Erfolge und ihres Wappens innerhalb des
Geschwaders als "Teufelsstaffel" bekannt wurde. Während der erbitterten
Luftkämpfe über dem eingeschlossenen Leningrad reihte Nowotny
Sieg an Sieg. In dieser Zeit wurde der junge Staffelkapitän als Führer
der sogenannten "Teufelskette" berühmt-berüchtigt. Zusammen mit
seinem Rottenflieger Karl Schnörrer sowie seinen Staffelkameraden
Anton Döbele und Rudolf Rademacher bildete er die tödlichste
und erfolgreichste Jagdkette der gesamten Luftwaffe. Mit den neuen Focke
Wulf Fw 190 ausgerüstet, war das Team so gut aufeinander abgestimmt
und hoch motiviert, dass die vier Piloten zwischen Januar und Dezember
1943 zusammen über 500 Luftsiege erzielten - davon gingen mehr als
180 auf das Konto des Kettenführers Nowotny. Aufgrund ihrer hohen
Effizienz wurde die "Teufelskette" meist auf freie Jagd über der HKL
geschickt.
In einer beispiellosen Karriere erzielte Oberleutnant (01.02.43) Nowotny
im Mai 20 Siege, im Juni 41, im August sogar 49(!) und im September etwas
über 25. Am 15. Juni 1943 hatte er seinen 100. Sieg gemeldet, am 18.
August unterlag (wahrscheinlich) mit dem sowjetischen Fliegerass Hauptmann
Kuzmin (21 Siege) der 149. Gegner. Obwohl erst der vierte Jagdflieger der
Welt, der diese phantastische Marke erreichte, erhielt Nowotny erst nach
200 Luftsiegen das Eichenlaub zum Ritterkreuz verliehen.
Durch seine blitzschnellen Reflexe, seinem guten Sehvermögen und
einem ausgezeichneten Gefühl für Entfernungen war Nowotny im
Luftkampf mit einem Wolf unter Schafen zu vergleichen. Am 21. August 1943
wurde Hauptmann Nowotny mit der Übernahme der I. Gruppe beauftragt.
Als er im September bei 220 Abschüssen angelangt war, erhielt
er als 16. Jagdflieger die Schwerter zum Ritterkreuz mit Eichenlaub verliehen.
Zu diesem Zeitpunkt war der erst 22jährige Nowotny das bereits erfolgreichste
Jagdflieger-As des Krieges - jedoch dicht gefolgt von Hans Philipp, Hermann
Graf und Günther Rall. Bei den Roten Jägern wurde Nowotny auch
als "Tiger von Wolchowstroj" bekannt, nachdem er in diesem Gebiet atemberaubende
Luftkämpfe ausgefochten hatte. Auch in Deutschland war er natürlich
bereits äußerst populär - so wurde er im Oktober 1943 zum
bereits fünften Mal im Wehrmachtsbericht genannt.
Am 14. Oktober konnte Hauptmann Nowotny über Litauen während
seines 421. Feindfluges mit dem Abschuss einer P-40 "Warhawk" als erster
Jagdflieger der Kriegsgeschichte seinen 250. bestätigten Luftsieg
erringen. Wenige Tage später erhielt er als 8. Offizier und zugleich
6. Jagdflieger die Brillanten zum Ritterkreuz verliehen - das bedeutete
den Höhepunkt eines nur fünfwöchigen Ordenregens. Zwischen
Ritterkreuz und Brillanten waren lediglich 400 Tage verstrichen.
Doch nur wenige Wochen nach diesem Erfolg schlug das Schicksal in kürzester
Zeit zweimal hart zu - am 11. November wurde Anton Döbele während
eines Luftkampfes getötet, am nächsten Tag erwischte es Karl
Schnörrer, der bei einer Notlandung schwer verwundet wurde. Dies bedeutete
das plötzliche Ende des erfolgreichen Jagdschwarms.
Aufgrund seiner großen Verdienste an der Front wurde Nowotny
zu seiner Enttäuschung nun vom Kampfeinsatz zurückgezogen und
zum Kommodore der Jagdfliegerschule 1 in Frankreich ernannt. Während
seiner Dienstzeit am Schreibtisch stellte er mehrmals Antrag um Rückversetzung
an die Front, dieser Bitte wurde aber vorerst nicht entsprochen.
Als im Juli 1944 der erste Verband mit den revolutionären Messerschmitt
Me 262 Düsenjägern aufgestellt werden sollte, wurde der hochdekorierte
Offizier auf Initiative von Generalleutnant Galland dessen Kommodore.
An der Spitze der "Erprobungsgruppe Nowotny", die über etwa 40
Maschinen verfügte, testete der Österreicher den neuen Jäger
auf Herz und Nieren, erwirkte entscheidende Verbesserungen und flog auch
mehrmals gegen amerikanische Bomberverbände. Der kampferfahrene Frontoffizier
war sich mit dem General der Jagdflieger und vielen anderen Luftwaffenassen
einig, dass die Me 262 eine Wende im Luftkrieg bedeuten konnte. Doch Hitler
und Göring lehnten trotz fachlicher Beratung die Serienherstellung
als Jäger ab und sahen in der Maschine hauptsächlich den lange
propagierten "Blitzbomber".
Nach einigen Einsätzen hatte der zum Major (01.09.44) beförderte
Nowotny zusätzlich zu seinen 255 Siegen über sowjetische Piloten
noch zwei amerikanische Bomber abgeschossen, als er erneut mit einem Feindflugverbot
belegt wurde. Sein Versuchsverband hatte bis zu diesem Zeitpunkt zwar wertvolle
Testarbeit geleistet, jedoch lediglich 18 Luftsiege bei 26 eigenen Verlusten
erzielt. Diese waren doch zum Großteil auf Unfälle oder technische
Probleme zurückzuführen gewesen.
Am Morgen des 8. Novembers 1944 befand sich der Brillantenträger
im Begleitung von Generalleutnant Galland auf dem Flugplatz von Achmer.
Als eine kurz zuvor gestartete Me 262-Staffel über Funk einen schweren
Luftkampf und einige Verluste meldete, hielt Nowotny nichts mehr. Er rannte
aufs Flugfeld, sprang in seine Maschine und rollte zum Start.
Generalleutnant Galland befahl über Funk mehrmals die sofortige
Rückkehr, doch Nowotny reagierte nicht darauf - er wollte seine Männer
nicht im Stich lassen.
Bereits nach wenigen Minuten traf Nowotny im Gefechtsraum ein, schoss
mit einer amerikanischen Boeing B-17 "Flying Fortress" seinen 258. Gegner
ab und trat den Heimflug an. Er war sich dem bevorstehenden Anpfiff durch
Galland bewusst.
Über den deutschen Flugplätzen dieser Tage waren des öfteren
amerikanische Jagdstaffeln eingesetzt, die landende oder startende Maschinen
- vor allem die gefährlichen Düsenjäger - abfangen sollten.
Während der Landung waren ihnen die sonst überlegenen Düsenmaschinen
relativ hilflos ausgeliefert. Um dies auszugleichen, wurden die Me 262
während der Landung wenn möglich von eigenen Propellermaschinen
abgesichert - doch ausgerechnet an diesem Tag waren in Achmer keine verfügbar.
Als Major Nowotny sich dem Flugplatz von Achmer näherte, wurde
er auch prompt von einer "Mustang"-Staffel entdeckt und aus großer
Höhe angegriffen. Während der Kontrollturm des Flugplatzes über
Sprechfunk mithörte, kämpfte Nowotny - ohne Katschmarek und ohne
Landeschutz - gegen mehrere Angreifer um sein Leben.
Nachdem seine Maschine mehrmals getroffen worden war und eine Turbine
seiner Messerschmitt verstummte, warf der Brillantenträger in niedriger
Höhe das Kabinendach ab und ließ sich aus der zusammengeschossenen
Maschine fallen. Aufgrund der niedrigen Höhe zog er die Reißleine
wohl sehr früh - tragischerweise leider zu früh. Der geöffnete
Schirm verfing sich am Leitwerk seine Me 262 und zog den tapferen Flieger
gnadenlos in die Tiefe. Es war der 443. Feindflug, von dem der Brillantenträger
nicht mehr zurückkehrte.
Nach Erich Hartmann (352), Gerhard Barkhorn (301), Günther Rall
(275) und Otto Kittel (267) stand Walter Nowotny bei Kriegsende an der
weltweit fünften Stelle der Jägerelite. Ohne das Feindflugverbot
im Jahre 1943 wäre Nowotny mit ziemlicher Sicherheit der erste Jagdpilot
der Welt mit 300 Luftsiegen geworden.
Der ehemalige General der Jagdflieger Adolf Galland sagte später
über ihn: "Nowotny war der beste Jagdflieger, den Deutschland je hatte!
Obwohl er erst 24 Jahre alt war, brachte er eine besondere Eignung für
höhere Kommandos mit. Ich glaube, er war in jeder Beziehung ein außergewöhnlicher
Mann." |
Quelle: „Mit Eichenlaub und Schwertern“
von Florian Berger, ritterkreuz.at |