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Der preußische Adelige Hermann von Oppeln-Bronikowski
wurde im Laufe des Zweiten Weltkrieges zu einem der erfolgreichsten und
verlässlichsten Panzerkommandanten der Wehrmacht. Der Berliner diente
in einigen der besten Panzerverbänden und wurde schließlich
zu einem der erfolgreichsten Regimentskommandeuren der Panzerwaffe. Das
blinde Vertrauen seiner Untergebenen in seine Fähigkeiten und der
Kameradschaftsgeist innerhalb seiner jeweiligen Einheit sagte mehr aus,
als jede ihm zuteil gewordene Auszeichnung oder Beförderung.
Der Erste Weltkrieg tobte bereits zwei Jahre, als
der 17jährige als Freiwilliger ins Ulanenregiment 10 eintrat. Somit
folgte der junge Adelige der Familientradition, sein Vater befehligte zu
dieser Zeit als Oberst das 4. Garderegiment und brachte es in der Reichswehr
bis zum General der Infanterie. Im Laufe seines Fronteinsatzes an der Ostfront
verdiente sich von Oppeln-Bronikowski das Eiserne Kreuz 1. Klasse, die
Hessische Tapferkeitsmedaille sowie die Beförderung zum Leutnant.
Im letzten Kriegsjahr kam er als Zugsführer im Infanterieregiment
118 auf den Schlachtfeldern der Champagne und Argonnen zum Einsatz.
Nach dem Krieg verblieb er als Kavallerieoffizier
in der Reichswehr und nahm, wie viele seiner Kameraden auch, an Wettkämpfen
teil. Bei den Olympischen Spielen von 1936 in Berlin holte Hermann von
Oppeln-Bronikowski sogar Mannschaftsgold im Dressurreiten.
Die Stationen seines beruflichen Werdeganges waren
1923 Reitlehrer an der Infanterieschule Ohrdorff, 1925 Oberleutnant, 1933
Nachrichtenoffizier im Kavallerieregiment 10, 1937 als Major hier bereits
Abteilungskommandeur.
Seit 1931 war er mit Edelgard von Kleist - einer
Tochter der berühmten Militärfamilie - verheiratet, dem Ehepaar
wurden drei Kinder geboren.
Bei Kriegsbeginn kommandierte Major von Oppeln-Bronikowski
die berittene Aufklärungsabteilung der 24. Infanteriedivision, die
er auch in den Polenfeldzug führte. Im Frühjahr 1940 wurde der
Berliner als Stabsoffizier ins Oberkommando des Heeres versetzt, wo er
dem General der Schnellen Truppe unterstellt wurde. In dieser Position
konnte der fähige Offizier unbezahlbare Taktik- und Stabserfahrungen
auf dem Gebiet des Panzerkrieges sammeln. Am 1. August 1940 wurde von Oppeln-Bronikowski
zum Oberstleutnant befördert und als Referent der Panzeraufklärung
im Oberkommando des Heeres eingesetzt. In seinen Tätigkeitsbereich
viel u.a. die Vorbereitung der geplanten Umrüstung von Kavallerie-
in Panzerdivisionen.
Nachdem er den West- und Balkanfeldzug sowie die
erste Phase des Russlandfeldzuges "versäumt" hatte, erreichte er im
Oktober 1941 seine Versetzung in den Stab der 4. Panzerdivision im Mittelabschnitt
der Ostfront. Als Untergebener von Oberst Heinrich Eberbach hatte von Oppeln-Bronikowski
das Glück, einen der fähigsten Panzerkommandeure des Krieges
als Vorgesetzten zu haben.
Im Januar 1942 übernahm Oberstleutnant von
Oppeln-Bronikowski das Kommando über das Panzerregiment 35 der Division,
die inzwischen vom späteren Brillantenträger Generalmajor von
Saucken geführt wurde. Der Verband kämpfte im Frühjahr erfolgreich
um Brjansk und Bukan. Während unzähliger Panzergefechte in Offensive
und Defensive zeichnete sich der Regimentskommandeur in Folge an der Shisdra
und um Brjansk aus. Nach vielen Monaten als Kommandeur der 35er wechselte
Oberst (01.02.42) von Oppeln-Bronikowski an die Spitze des Panzerregiments
204 der 22. Panzerdivision. Bei der Kommandoübernahme hatte er mit
einem überraschenden Problem zu kämpfen - denn nur Rund die Hälfte
der Panzer und Schützenpanzer waren einsatzbereit. Der Grund hierfür
war simpel: in dem zum Tarnen verwendeten Stroh hatten sich Unmengen von
Mäusen und Ratten angesammelt, welche mit Vorliebe Kunststoffkabel
anfraßen - und somit waren viele Motoren unbrauchbar oder die Elektrik
böse mitgenommen. Und so wurde das Regiment einstweilen mit Kradschützen
und einer motorisierten Artillerieabteilung aufgefüllt.
Das OKH ordnete indes sogar eine offizielle Untersuchung
an, da man Sabotage in Betracht zog.
Im August 1942 rollte das PR 204 an der Spitze der
Division (XVI. Panzerkorps) zum Angriff gegen die russischen Stellungen
bei Kalatsch im Donbogen - Endziel dieser Stoßrichtung war Stalingrad.
Bei einem ersten Panzergefecht nahe Pestschany konnten bereits 26 T-34
abgeschossen werden.
Von Oppeln-Bronikowski führte seine Panzer
in allen Kampfeinsätzen mit großer Energie selbst an und fuhr
stets an der Spitze seiner Abteilungen. Im Winter 1942/43 kämpfte
das PR 204 außerhalb von Stalingrad einen verbissenen Kampf. Bei
Kalatsch, im Tschirbogen und bei Kamensk meldeten seine Panzer mehrmals
hohe Abschusszahlen - trotz aller Anstrengungen scheiterten aber alle Versuche,
die eingekesselte 6. Armee aus Stalingrad herauszuhauen. Nachdem er sich
als Panzerführer bewährt und mit seinem Regiment insgesamt beinahe
500 Feindpanzer vernichtet hatte, erhielt von Oppeln-Bronikowski im Januar
1943 das Ritterkreuz verliehen.
Zwei Monate später übernahm der Oberst
das ausgezeichnete Panzerregiment 11 der 6. Panzerdivision. Sein Vorgänger
war der bewährte Oberst Walther von Hünersdorff gewesen, der
nun als Generalmajor das Kommando über die Division übernommen
hatte.
Im Juli 1943 traten die 9. Armee (Model) sowie die
4. Panzerarmee (Hoth) zur Operation "Zitadelle" an. Die 6. PD wurde im
stark umkämpften Frontbogen von Bjelgorod eingesetzt, der von 30 sowjetischen
Schützen - und etwa 15 Panzerdivisionen verteidigt wurde.
Wie in allen Einsätzen kämpfte das PR
11 an der Spitze der Division - als Stoßkeil der Einheit fungierte
die II. Abteilung, angeführt von Major Dr. Franz Bäke, einem
der besten Panzerführer des Heeres und später selbst Schwerterträger.
Während der Offensive unterstrich das Regiment seinen erstklassigen
Ruf als harte Fronteinheit und kämpfte erfolgreich bei Rschawetz,
Prochorowka und Obojan. Während einer Stabsbesprechung wurde Oberst
von Oppeln-Bronikowski bei einem irrtümlichen Bombenangriff eigener
Flugzeuge jedoch so ernstlich verletzt, dass er sein Regiment an den nur
leicht verletzten Dr. Bäke abgeben musste.
Generalmajor von Hünersdorff kam während
den schweren Gefechten ums Leben, nachdem er wenige Tage zuvor das Eichenlaub
erhalten hatte. Von Oppeln-Bronikowski wurde indes in ein Lazarett nach
Deutschland rückverlegt, wo er sich von den Nachwirkungen erholen
konnte. Hier erhielt er nachträglich das Deutsche Kreuz in Gold überreicht.
Im Oktober 1943 konnte der erstklassige Panzeroffizier
als Kommandeur des Panzerregiments 22 der 21. Panzerdivision zur Truppe
zurückkehren. Diese, erst kurz zuvor aufgestellte Division, lag an
der noch ruhigen Westfront in Bereitstellung und unterstand der Panzergruppe
West.
Als am 6. Juni 1944 umfassende amerikanische, britische,
kanadische und frei-französische Streitkräfte in der Normandie
landeten, lag die Division im Hinterland des Invasionsgebietes in günstiger
Bereitstellung. Wenige Stunden nach Beginn der Landung wurde von Oppeln-Bronikowski
von General Erich Marcks, Kommandeur des LXXXIV. Armeekorps, angerufen.
Der als glänzender Stabsoffizier bekannte, seit Russland einbeinige
General, befahl ihm den sofortigen Gegenangriff. "Es hängt von Ihnen
ab, ob die Invasion zurückgeschlagen wird, oder nicht!", schloss Marcks
das Gespräch - eine Woche später fand er während eines Luftangriffes
den Tod und wurde postum mit dem Eichenlaub ausgezeichnet.
Oberst von Oppeln-Bronikowski eilte sofort zu seinem
Regiment zurück und setzte es Richtung Luc-sur-Mer in Marsch; wenn
sein Angriff Erfolg hätte, könnten die noch verwundbaren Alliierten
entscheidend getroffen werden. Obwohl das Regiment bereits auf dem Weg
ins Einsatzgebiet massiv durch britische Jagdbomber angegriffen und später
in heftige Bodenkämpfe verwickelt wurde, konnte die Einnahme der strategisch
wichtigen Stadt Caen durch britische Truppen gerade noch verhindert werden.
In schweren Kämpfen an der rechten Flanke (Invasionsabschnitt
Sword, I. britisches Korps) erlitt das Regiment bei Ranville, Toutrville
und Caen hohe Verluste, erzielte aber auch klare Defensiverfolge. Ende
Juli kämpfte die 21. PD zusammen mit dem I. SS-Panzerkorps (Dietrich)
dann an der rechten Flanke des Caen-Abschnittes. Als Nachbareinheit der
SS-"Hitlerjugend" (Meyer) hatte die Division an den großen Abwehrerfolgen
in dieser Region entscheidenden Anteil.
Am 28. Juli 1944 erhielt Oberst von Oppeln-Bronikowski
in Anerkennung seiner erstklassigen Leistungen an der Invasionsfront das
536. Eichenlaub zum Ritterkreuz verliehen.
Im August überstand sein Regiment auch noch
die harte Bewährungsprobe im Falaise-Kessel, aus dem sich die 21.
Panzerdivision bis auf wenige versprengte Einheiten herauskämpfen
konnte! Nach weiteren Abwehrschlachten in Frankreich und Absolvierung des
Divisionskommandeur-Lehrganges wurde der bewährte Offizier im Oktober
1944 an die Spitze der aus Russland gehärteten 20. Panzerdivision
gestellt. Unter seinen Vorgängern als Divisionskommandeur hatten sich
u.a. so bekannte Offiziere wie Oberst von Bismarck, Ritter von Thoma oder
Schwerterträger Heinrich von Lüttwitz befunden.
Am 30. Januar 1945 wurde von Oppeln-Bronikowski
zum Generalmajor befördert.
Im Frühjahr 1945 griff die Division in Ungarn
in die schweren Abwehrkämpfe ein. Der frischgebackene Divisionskommandeur
konnte seine Regimenter in Folge in Oberschlesien, an der Oder, westlich
von Breslau und an der Neiße zu solch großen Erfolgen führen,
dass er noch im April als 142. Soldat mit den Schwertern zum Ritterkreuz
mit Eichenlaub beliehen wurde. Die mit nur wenigen einsatzbereiten Panzern
und zusammengewürfelten Grenadierverbänden geführten örtlichen
Angriffe hatten die feindlichen Angriffsspitzen wiederholt aufgehalten
und den eigenen Rückzug unterstützt.
Nach letzten Gefechten und Absetzbewegungen in Niederschlesien
sowie dem Großraum Dresden löste Generalmajor von Oppeln-Bronikowski
die Reste seiner Division am 8. Mai 1945 auf. Nach kurzer Gefangenschaft
bei den Amerikanern wurde er den Briten überstellt, die ihn im Zuge
des Caen-Prozesses (siehe Kurt Meyer) eines Kriegsverbrechens anklagen
wollten. Da bereits nach den ersten Vernehmungen die völlige Unschuld
von Generalmajor a.D. von Oppeln-Bronikowski erwiesen war, ließ man
die Anklage schnell wieder fallen. 1947 erfolgte die Entlassung.
Viele Jahre später arbeitete der ehemalig General
mit seinen einstigen Gegnern zusammen und erwarb sich als Leiter des kanadischen
Kunstreiterteams (u.a. Olympiade in Tokio) einen hervorragenden Ruf. Als
Zivilberater der Bundeswehr nahm er zudem am Wiederaufbau der Streitkräfte
teil. Hermann von Oppeln-Bronikowski ist 1966 verstorben.
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