Bereits 1935 im Alter von noch nicht mal 19 Jahren Inhaber des zivilen Pilotenscheins, trat der am
24.01.17 in Oberösterreich geborene Hubert Pölz 1938 als Offiziersanwärter
in die deutsche Luftwaffe ein. Nach harter Ausbildung an der Stukaschule
als Oberfähnrich an die Front versetzt, erlebte Pölz im Jänner
1941 mit der 6. Staffel des Stukageschwaders 2 "Immelmann" seinen ersten Einsatz. Zusammen
mit aus Polen, Frankreich und England erfahrenen „Immelmännern“ bombte
Pölz Hafen- und Werftanlagen der britischen Hafenfestung Malta zusammen.
Das teilweise Einstellen dieser erfolgreichen Angriffe - die Stukas wurden
wenig später nach Nordafrika verlegt - sollte sich später als
schwerer Fehler der Luftwaffenführung erweisen, denn Malta wurde zum
Sargnagel für Rommels Nachschubtransporte.
In der Cyrenaika angekommen, waren die Stukas zusammen mit einigen
Jagdfliegern und Aufklärern die ersten Luftwaffeneinheiten an diesem
neuen Kriegsschauplatz.
Nach zwei Monaten an der staubigen, afrikanischen Front für seine
Leistungen bereits mit dem Eisernen Kreuz 2. Klasse ausgezeichnet und zum
Leutnant befördert, bombten die Stukas unter dem Schutz der schnellen
Messerschmitt-Jäger dem Afrikakorps den Weg Richtung Ägypten
frei, vernichteten Panzerkolonnen, Treibstoffstützpunkte, Hafenanlagen
und Festungswerke. Ebenfalls im Einsatz waren die „Immelmänner“ beim
Angriff gegen den großen britischen Flugzeugträger „Formidable“,
bei dem das große Kriegsschiff schwer beschädigt wurde.
Zwischen Dezember 1941 und Mai 1942 wurden dann aus den genannten Gründen
erneute Luftoffensiven gegen Malta notwendig, doch nun erlitten die Ju 87
durch die wiedererstarkte britische Abwehr herbe Verluste. Pölz hatte
inzwischen das EK.I erhalten, nachdem er im Juni u.a. einen großen
Truppentransporter im Mittelmeer versenkt hatte. Auch dem Oberösterreicher
zugeschrieben wurde ein Volltreffer auf den Zerstörer Aukland, welcher
vor Tobruk sank. Während eben dieses Einsatzes wurde seine Ju 87 aber
durch eine britische Hurricane schwer getroffen. Als Leutnant Pölz
den Havaristen hinter der nahen Küstenlinie notlanden konnte, war
der Bordschütze bereits seinen Wunden erlegen. Dies sollte dem späteren
Eichenlaubträger im Laufe der nächsten Jahre noch öfter
passieren.
Mit einem neuen Bordschützen rächte er seinen toten Kameraden und
bewies erneut großen Mut, er platzierte eine 1.000 kg Bombe zielsicher
zwischen die Geschütztürme eines mittleren Kreuzers der Royal Navy. Diesmal entging er Flakfeuer und Hurricanes.
Im Mai 1942 kehrte Leutnant Pölz als Kapitän der 6. Staffel - nun ins Stukageschwader 3 transferiert - nach Afrika zurück,
und erlebte
die Rückzugsschlachten nach der Niederlage von El Alamein und die
Endschlachten in Tunesien.
Hier fiel der Afrikaveteran der alliierten Luftüberlegenheit zum
Opfer und wurde über dem Tuniskessel von einem amerikanischen Jäger
abgeschossen. Mit dem Fallschirm ausgestiegen, musste Pölz mit ansehen,
wie der gegnerische Pilot seinen Bordschützen in der Luft zusammenschoss!
Der Staffelkapitän hatte das Glück, zwar schwer am Bein verletzt,
aber lebend am Boden aufzukommen. Unmittelbar vor dem Kollaps des Kessels
mit dem Flugzeug evakuiert, konnte der Flugzeugführer erst vier Monate
später das Lazarett verlassen. Hubert Pölz erhielt nun nach einem
Ehrenpokal auch bereits das Deutsche Kreuz in Gold.
Zwei Monate nach seiner Rückkehr, im September 1943, an die Spitze
der 7. Staffel gewechselt, erreichte ihn an der Russlandfront endlich die
Beförderung zum Oberleutnant. Über Orel, Charkow und Gomel ebenso
im Einsatz wie über dem Schwarzen Meer, zeigte das Flugbuch des Offiziers
inzwischen 500 Feindflüge. Seinen Ruf als Kriegsschiffkiller wurde
Pölz auch an dieser Front gerecht und vernichtete in einem Einsatz
mit seinen Piloten drei russische Zerstörer. Ebenso nicht vor den
Stukas sicher waren Truppenmassierungen, Bunkeranlagen, Artilleriestellungen
und Brücken bei Poltawa, Kiew und den Schlachtfeldern der Krim. Als
Oberleutnant Pölz von seinem 672. Feindflug landete, empfing ihm eine
jubelnde Bodencrew und gratulierte ihm zur eben bekannt gewordenen Ritterkreuzverleihung.
Sein Bordschütze erhielt für seinen monatelangen erfolgreichen
Einsatz mit dem Österreicher später das Deutsche Kreuz in Gold.
Als ein Großteil des Stukageschwaders 3 aufgrund der besseren
Leistung auf die einsitzige Focke-Wulf Fw 190 umschulte, saß Pölz
fortan alleine im Cockpit. An der Finnlandfront und im Kessel von Kurland
lernte der ehemalige Stukaflieger die Vorteile dieses schwer bewaffneten
und schnellen Jagdbombers zu schätzen und erzielte im Abwehrkampf
nicht weniger als elf Luftsiege über russische Angreifer! Besonders
in Kurland wurden die Maschinen des Schlachtgeschwaders 3 für die
hart bedrängten Bodentruppen oftmals zum letzten Rettungsanker. Als
Oberleutnant Pölz am 22. November 1944 nach vierjährigem Fronteinsatz
seinen 1.000 Feindflug absolvierte, stieg er in eine elitäre Gruppe
der Kampfflieger auf. Bis Kriegsende sollten lediglich etwa 35 Flieger
der Luftwaffe diese unfassbare Schwelle erreichen. Für seine konstanten
und teilweise überragenden Leistungen in dieser Zeit wurde Hubert
Pölz wenig später mit dem 661. Eichenlaub zum Ritterkreuz ausgezeichnet.
Diese Auszeichnung wiederum trugen nur 39 Stukaflieger.
Bis Kriegsende erhöhte der nun hoch dekorierte Offizier als Hauptmann
und Kommandeur der I. Gruppe im Schlachtgeschwader 151 in Norddeutschland
seine Feindflugzahl auf 1.055 (351 davon auf der Fw 190) und überlebte
auch die 1945 drückende Luftherrschaft der Alliierten. Viermal war
Pölz abgeschossen und hierbei dreimal verwundet worden. Nach dem Erlebnis
über Tunesien hatte sich der Hauptmann aber nie mehr für den
Fallschirm entschieden. Im Mai 1945 ergab sich der Eichenlaubträger,
zuletzt noch erfolglos zur Beförderung zum Major eingereicht gewesen,
in Dänemark den Siegermächten.
Nach der Entlassung aus der Kriegsgefangenschaft sich voller Energie
in das blühende Wirtschaftswunder der Fünfzigerjahre stürzend,
stampfte Hubert Pölz 1950 das erste Privatflugunternehmen der 2. Republik
aus dem Boden und baute die ÖFAG bis 1976 enorm aus. In diesem Jahr
zählte das Unternehmen sechs Tochterfirmen (unter anderem in der KfZ-und
Treibstoff-Branche), eine Flugzeugwerft, eine eigene Flugschule, 26 Maschinen,
1.400 Mitarbeiter und umfangreiche Flugstrecken im In- und Ausland.
Bis zuletzt manchmal selbst am Steuerknüppel sitzend, gehörte
der Veteran als einer von nur drei Eichenlaubträgern auch den neuen
Streitkräften an und trat 1961 als Hauptmann d.R. dem Reserveoffizierskorps
der Fliegertruppe bei. Für den Mobilmachungsfall als Staffelführer
im Jagdbombergeschwader oder Kasernenkommandant vorgesehen, bat der viel beschäftigte
Geschäftmann jedoch nach drei Jahren um eine Befreiung von weiteren
Waffenübungen. Diesem Wunsch entsprechend, gehörte der inzwischen
zum Major d.R. aufgestiegene Veteran trotzdem weiterhin der Reserve an
und wurde 1982 ehrenvoll abgemustert. Einige Jahre später zog sich
der zweifache Familienvater auch aus dem Geschäftsleben zurück.
Während eines Spanienurlaubs am 7. Januar 1992 spurlos verschwunden - er soll beim
Baden von einer Klippe gestürzt sein - wurde Hubert Pölz 2002
amtlich für tot erklärt. Die ÖFAG wurde 1986 in Aerotechnik
GmbH umbenannt und ist heute noch erfolgreich in der Branche tätig.
Anmerkung des Autors:
Auf die „Entdeckung“ des Reservestatus von Hubert Pölz
im 2. ÖBH bin ich sehr stolz, da dieses Detail in keinem bisherigen
Buch erwähnt ist. Ich selbst fand die Spur zufällig beim Namensvergleich
aller Flugzeugführer des ÖBH seit 1955 mit dem Namensverzeichnis
des Fellgiebel-Lexikons. |