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Steckbrief
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Frontflugspange für Jäger in Gold mit Anhänger
Einsatzzahl "900" |
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Flugzeugführer- und Beobachterabzeichen |
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Ehrenpokal der Luftwaffe |
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Krimschild (?) |
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Deutsches Kreuz in Gold |
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Verwundetenabzeichen in Gold |
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Ritterkreuz |
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30.08.1941 |
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Eichenlaub |
(115) |
02.09.1942 |
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Schwerter
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(082) |
28.07.1944 |
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| * 15.09.1913 in Bottendorf/Sachsen |
V 21.02.1994
in Bonn |
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Biographie
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Nach Abbruch seines Philologiestudiums (Sprach-
und Kulturforschung) an der Universität Jena trat Steinhoff 1934 als
Offiziersanwärter in die Kriegsmarine ein. 1936 ließ sich der
Flugbegeisterte zur Luftwaffe versetzten, wo er zum Jagdflieger ausgebildet
wurde.
Unmittelbar vor Beginn des Polenfeldzuges wurde er zum Oberleutnant
und Kapitän der 10. Staffel im Jagdgeschwader 26 "Schlageter" unter
dem Pour-le-Mérite-Oberst Ritter von Schleich (35 Siege im Ersten
Weltkrieg) ernannt. Seinen ersten Luftsieg konnte Steinhoff bereits im
Winter 1939 erzielen, als seine Gruppe zur Bekämpfung britischer Bomber
über der Nordsee herangezogen wurde. Im Februar 1940 übernahm
Steinhoff schließlich die 4. Staffel des Jagdgeschwaders 52.
Während des Frankreichfeldzuges mit dem Eisernen Kreuz 1. Klasse
ausgezeichnet, erlebte Steinhoff die heiße Phase der Luftschlacht
um England, in deren Verlauf er vier britische Jagdmaschinen abschießen
konnte.
Als er im Laufe der Luftschlacht wiederholt mit einem jungen Fähnrich
seiner Staffel disziplinäre Probleme hatte und den jungen Heißsporn
nicht in den Griff bekam, ließ ihn Steinhoff kurzerhand in ein anderes
Geschwader versetzen. Obwohl ein wirklich guter Jagdflieger, passte er
einfach nicht zu Steinhoffs Kommandostil. Dieser junge Fähnrich wurde
in seiner neuen Einheit zwar nicht ruhiger, aber dafür um so erfolgreicher
- er was Hans-Joachim Marseille, später Brillantenträger und
vielleicht bester Jagdflieger der Welt.
Ein weiterer junger Pilot unter Steinhoffs Befehl war der damalige
Unteroffizier Walter Krupinski, bei Kriegsende Eichenlaubträger, Sieger
in 197 Luftgefechten und späterer Generalleutnant der Bundesluftwaffe.
Nach der Niederlage über England wurde das Jagdgeschwader 52 von
der Front abgezogen und aufgefrischt. In dieser Phase konnte Steinhoff
einen Versetzungsbefehl ins neue Nachtjägerkorps "abwürgen" und
seinen Verbleib bei den Tagjägern durchsetzen.
Obwohl es Steinhoff 1940 bereits zum zweifachen Fliegerass gebracht
hatte, wurde man aber erst während seiner Dienstzeit an der Ostfront
auf den Jagdflieger aufmerksam, die im Juni 1941 begann. An der Spitze
seiner Staffel flog Steinhoff unzählige Jagd- und Geleitschutzeinsätze,
wobei er große Erfolge gegen sowjetische Jäger melden konnte.
Am 30. August 1941 erhielt Steinhoff nach 35 Siegen im Luftkampf das Ritterkreuz
verliehen, ein halbes Jahr später erfolgte die Beförderung zum
Hauptmann. In den vergangenen Monaten hatte sich der berechnende Flieger
immer mehr zum fähigen Luftkampftaktiker und herausragenden Verbandsführer
entwickelt.
Im Dezember 1941 unterlag der 50. Gegner, im Februar 1942 übernahm
Hauptmann Steinhoff die II. Gruppe des Jagdgeschwaders 52. Sein Nachfolger
an der Spitze der 4. Staffel wurde sein bisher bester Pilot, der spätere
Schwerterträger und bei Kriegsende zweitbeste Jagdflieger der Welt
Gerhard Barkhorn.
Mit seinem Geschwader im Südabschnitt der Ostfront und über
der Krim eingesetzt, erzielte der Gruppenkommandeur im August 1942 seinen
70. bis 100. Luftsieg. Am 2. September erhielt er hierfür das Eichenlaub
zum Ritterkreuz verliehen. Steinhoff war der 38. Tagjäger und bereits
fünfte Pilot seines Geschwaders, der derart hoch ausgezeichnet wurde.
Im Winter 1942/43 kämpfte das Jagdgeschwader 52 an der Stalingrad-Front,
um dem Transportkorps der Luftwaffe für die Versorgungsaktion der
eingeschlossenen 6. Armee Deckung zu geben. In etwa fünfzig Einsätzen
schoss Steinhoff hier 21 russische Jagdmaschinen und Bomber ab. Im Februar
1943 unterlag schließlich der 150. Luftkampfgegner.
Im Mai wurde Johannes Steinhoff als Major zum neuen Kommodore des Jagdgeschwaders
77 "Herz As" ernannt, welches im Mittelmeerraum eingesetzt war. Seine Staffeln
flogen während den Luftschlachten über Sizilien und erlitten
hier im Kampf gegen schwergeschützte US-Bomberverbände hohe Verluste.
So fiel der Kapitän der 1. Staffel, Oberleutnant Berres, nach 53 Luftsiegen
und erhielt postum das Ritterkreuz. Als seinen Nachfolger holte Steinhoff
den späteren Schwerterträger Ernst-Wilhelm Reinert in sein Geschwader.
Trotz der erdrückenden Übermacht vermochte das JG 77 den
deutschen Rückzug über die Meeresstraße von Messina erfolgreich
abzuschirmen.
Am 25.08.43 konnte Steinhoff über dem Flugplatz seiner Gruppe
in einem atemberaubenden Luftkampf innerhalb von nur vier Minuten ebenso
viele amerikanische P-38 "Lightning" abschießen.
Als er im Herbst erneut einen amerikanischen Luftkampfgegner abschoss
und dieser mit dem Fallschirm absprang, zeigte Steinhoff eine bereits fast
vergessene, beinahe unzeitgemäße Charaktereigenschaft aus den
Zeiten eines Manfred von Richthofen und Max Immelmann. Er landete seine
Maschine auf einer nahen Landstraße und lief zur Landestelle seines
Gegners. Anschließend nahm er den etwas verdutzten Amerikaner auf
seinen Stützpunkt mit und bewirtete ihn zusammen mit seinen Piloten.
Eine sehr altritterliche Geste mitten im modernen Krieg.
Es folgten harte Einsätze an der italienischen Front, Teile des
Geschwaders kämpften in Rumänien - hier fiel Hauptmann Omert,
der eisenharte Kommandeur der III. Gruppe nach 70 erfolgreichen Zweikämpfen.
Im Juli 1944 erhielt Oberstleutnant Steinhoff für 168 Abschüsse
die 82. Schwerter zum Ritterkreuz mit Eichenlaub verliehen. Im Oktober
übergab er sein Kommando an den Eichenlaubträger Major Johannes
Wiese, der den Krieg mit 133 Luftsiegen beendete und später in der
Bundesluftwaffe diente.
Als eines der ersten Top-Asse der Luftwaffe schulte Oberst (01.10.44)
Steinhoff im Winter 1944 auf die neue Messerschmitt Me 262 um und übernahm
im Dezember das (Düsen-)Jagdgeschwader 7.
Als im Januar 1945 der von seinen Geschwaderführern hochgeachtete
General der Jagdflieger Adolf Galland von Göring abgesetzt wurde,
kam es zur sgn. "Meuterei der Jagdflieger". Hierzu schlossen sich die bekanntesten
Jagdflieger der Luftwaffe zusammen und stellten Göring in einer Konferenz
zur Rede. Neben Steinhoff, Günther Lützow, Josef Priller und
Hermann Graf gehörten auch Oberst Gustav Rödel (EL, 98), Oberst
Hannes Trautloft (RK, 57), Oberstleutnant „Edu“ Neumann (Jafü Italien),
Oberstleutnant Gerhard Michalski (EL, 73) und Oberstleutnant Helmut Bennemann
(RK, 92) zu diesen couragierten Männern. Gefordert wurden längst
fällige Veränderungen im Jagdfliegerkorps, die Rückkehr
Gallands sowie eine sofortige Verbesserung der Ausbildung und Ausrüstung
der jungen Jagdflieger. Göring war außer sich, verließ
den Raum und drohte allen mit dem Kriegsgericht. Obwohl es nicht soweit
kam, blieben Konsequenzen natürlich nicht aus - Lützow wurde
z.B. nach Italien abgeschoben, Steinhoff als Kommodore des JG 7 abgesetzt.
Doch wie alle alten Veteranen hielt auch Steinhoff seinem Freund Galland
weiterhin die Treue und stieß im Frühjahr 1945 - mehr oder minder
heimlich - zu dessen Elite-Jagdverband 44 nach Norddeutschland.
Obwohl wegen seiner Verwendung als Einsatzoffizier der Staffel nur
selten an Feindflügen beteiligt, konnte er mindestens sechs Abschüsse
mit der zweistrahligen Me 262 erzielen. Dann wurde er jedoch vom Schicksal
eingeholt.
Am 18. April, wenige Wochen vor der deutschen Kapitulation, wollte
Oberst "Mäcki" Steinhoff zusammen mit Galland und seinem einstigen
Staffeluntergebenen Eichenlaubträger Walter Krupinski (insgesamt 477
Abschüsse) zum Einsatz gegen einen US-Bomberpulk starten. Nachdem
er seine Maschine auf 200 km/h beschleunigt hatte und zum Start ansetzte,
geriet sein Bugrad in einen schlecht ausgebesserten Bombenkrater, von denen
es unzählige auf den deutschen Flugplätzen jener Tage gab. Das
Fahrwerk brach, die Maschine gehorchte nicht mehr, wurde durch den ungebremsten
Schub der beiden 900-kp-Turbinen am Ende der Bahn hochgerissen und schlug
etwa 50 Meter weiter in einem riesigen Flammenmeer auf. Trotz schwerster
Brandverletzungen, dem Schock und einigen Knochenbrüchen gelang es
Steinhoff, die Pilotenkanzel zu verlassen und sich unmittelbar vor der
Explosion des Wracks aus dem Gefahrenbereich zu schleppen. Durch eine sofortige
Notoperation überlebte er und lag bei Kriegsende zusammen mit Galland
in einem Luftwaffenlazarett. Nach einer langen, komplizierten Heilungs-
und Genesungsphase - schwere Verbrennungsnarben im Gesicht blieben jedoch
- konnte erst 1947 die Entlassung erfolgen. Die völlig verbrannten
Augenlieder wurden erst 1969 durch einen plastischen Chirurgen nachmodelliert.
Steinhoff gehörte mit 888 Jagd- und 105 Jagdbombereinsätzen
zu den am meisten gegen den Feind geflogenen Jagdpiloten des Krieges, mit
176 Luftsiegen steht er an 23. Stelle der Luftwaffe. Von diesen Siegen
hatte er 26 im Westen und davon 4 gegen schwere US-Bomber errungen, ferner
blieb er über 10 russische "Stormovik"-Schlachtflugzeuge siegreich.
Zwölf gefechtsbedingte Notlandungen zeugen von seinem harten Einsatz,
ebenso die Versenkung von zwei russischen Schnellbooten.
Als begeisterter Flieger und überzeugter Soldat war Steinhoff
einer der ersten, die 1955 wieder in den Militärdienst eintraten.
Ab 1956 bereits stellvertretender Stabschef der Bundesluftwaffe, hatte
Brigadegeneral Steinhoff großen Anteil am Wiederaufbau dieser Waffengattung.
1962 zum Generalmajor befördert, diente der ehemalige Schwerterträger
u.a. in hohen Stabsstellen, ehe er 1966 als Generalleutnant Inspekteur
der Bundesluftwaffe wurde. Am 1. Jänner 1971 wurde Steinhoff schließlich
zum Vier-Sterne-General befördert, die folgenden drei Jahre war er
Vorsitzender des Militärausschusses der gesamten NATO-Streitkräfte.
Für seinen großen Anteil am Wiederaufbau der Bundesluftwaffe
erhielt Johannes Steinhoff das Große Bundesverdienstkreuz mit Stern,
von den verbündeten NATO-Staaten den amerikanischen Legion of Merit
sowie das Kommandeurkreuz der französischen Ehrenlegion.
1974 in den Ruhestand versetzt, verstarb Steinhoff 1994 in Bonn. Drei
Jahre nach seinem Tod erhielt das in Mecklenburg-Vorpommern stationierte
Jagdgeschwader 73 den Traditionsnamen "Steinhoff" verliehen. Diese Ehre
wurde davor lediglich den großen Fliegerhelden des Ersten Weltkrieges
Oswald Boelcke (Jagdbombergeschwader 31) und Manfred von Richthofen (Jagdgeschwader
71) sowie dem gefallenen Brillantenträger Werner Mölders (Jagdgeschwader
74) zuteil. |
Quelle: „Mit Eichenlaub und Schwertern“
von Florian Berger, ritterkreuz.at |