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Steckbrief
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Panzerkampfabzeichen in Gold (4. Stufe) |
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Nennung im Wehrmachtsbericht |
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Deutsches Kreuz in Gold |
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Verwundetenabzeichen in Gold |
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Ritterkreuz |
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25.08.1941 |
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Eichenlaub |
(144) |
13.11.1942 |
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Schwerter
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(027) |
28.03.1943 |
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Brillanten |
(011) |
15.04.1944 |
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| * 30.07.1893 in Groß-Stein/Schlesien |
V 25.04.1968
in Winkl am Chiemsee |
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Biographie
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Der aus einem oberschlesischen Adelsgeschlecht
stammende Graf Strachwitz trat bereits vor dem Ersten Weltkrieg in das
kaiserlich-preußische Kavalleriekorps ein. Als Leutnant im berittenen
Garderegiment "Garde du Corps" zog er 1914 in den Krieg gegen Frankreich.
Doch für den verwegenen jungen Offizier war dieser Krieg nur von kurzer
Dauer. Im September 1914 geriet er während eines Spähunternehmens
in französische Gefangenschaft, für Tapferkeit im Gefecht hatte
er jedoch in dieser kurzen Zeit bereits das Eiserne Kreuz 1. Klasse erhalten.
In den Jahren 1921/22 kämpfte Graf Strachwitz in den Freikorps "von
Hülsen" und "Schweidnitz" erfolgreich gegen polnische Freischärler
in Schlesien. In den Zwanziger- und Dreißigerjahren war der Gutsverwalter
als Rittmeister der Reserve im Reiterregiment 7 in Breslau gelistet.
1935 wechselte Strachwitz - von seinen Freunden Conté genannt
- als Reserveoffizier ins Panzerregiment 2 in Weimar. Der Reiterveteran
aus dem Ersten Weltkrieg zeigte sich von der neuen Waffengattung begeistert.
Als im September 1939 der Zweite Weltkrieg ausbrach, erhielt Strachwitz
den Posten eines Divisions-Nachschuboffiziers. Trotzdem nahm er selbständig
an Gefechten teil und erhielt in Anerkennung seiner Verdienste die Spangen
zum Eisernen Kreuz 1914 verliehen.
Als Hauptmann und Führer der I. Abteilung im Panzerregiment 2
der 1. PD (Kirchner) kämpfte er im Westen, bewährte sich in der
Truppenführung und fiel besonders durch kühne Einzelaktionen
auf - so brachte er einmal mit vier seiner Soldaten über 100 gefangene
Franzosen mit, die er in ihrer Kaserne überrascht und kurzerhand zur
Kapitulation überredet hatte. Für seine Leistungen im Westfeldzug
erhielt er Ende 1940 die Beförderung zum Major der Reserve. Kurz darauf
wurde der fähige Offizier mit seinem Regiment in die neue, vom späteren
Brillantenträger Hube kommandierten, 16. Panzerdivision versetzt.
Im April und Mai 1941 kämpfte Graf Strachwitz an der Spitze seiner
I. Abteilung zusammen mit dem Elite-Regiment "Großdeutschland" erfolgreich
in Jugoslawien. Als im Juni der Ostfeldzug begann, stand das Regiment erneut
in vorderster Linie.
Im Südabschnitt der Ostfront eingesetzt, stieß Strachwitz
an der Spitze seiner Panzer über die russische Grenze vor, überrollte
mehrmals Verteidigungsstellungen und Schützenverbände und unterstützte
die eigene Infanterie. Bereits nach wenigen Kriegstagen im Osten wurde
Graf Strachwitz verwundet. Durch einen Sanitäter notdürftig versorgt,
blieb er bei seiner Truppe und führte sie in den gerade tobenden Kämpfen
weiter an. Erst als der Feind zurückgeschlagen war, ließ er
sich von einem Arzt behandeln! In den folgenden Wochen fungierte der "verwegene
Graf" mit seiner Einheit immer wieder als Vorhut oder Stoßkeil, wobei
er wiederholt zum Erfolg der 16. Panzerdivision beitragen konnte (u.a.
Dubno-Werba, Stalin-Linie, Wosnessensk, Perwomaisk, Uman). Im August 1941
erhielt der Panzeroffizier hierfür das Ritterkreuz zum Eisernen Kreuz
verliehen.
Es folgten Einsätze am Mius und vor Charkow, ehe die 16. Panzerdivision
erfolgreich als Stoßkeil der Sommeroffensive in Richtung Don fungierte.
Als seine Abteilung während der erbitterten Panzerschlacht von
Kalatsch innerhalb von 48 Stunden über 270 russische Panzer sowie
mehrere Artilleriebatterien vernichtete, reichte die Division Graf Strachwitz
mit Nachdruck zum Eichenlaub ein.
Im Winter 1942/43 führte Graf Strachwitz eine Kampfgruppe außerhalb
von Stalingrad. Während den schweren Gefechten erneut verwundet und
in ein Lazarett gebracht, erhielt der beherzte Truppenführer am 13.
November als erst 54. Heeresoffizier das Eichenlaub zum Ritterkreuz verliehen.
Kurz nach seiner Genesung, die Katastrophe von Stalingrad ging ihrem
Ende entgegen, kehrte er an die Ostfront zurück und übernahm
am 1. Januar 1943 das bereits legendäre Panzerregiment der Heeresdivision
"Großdeutschland". Die Beförderung zum Oberst der Reserve erfolgte
noch am gleichen Tag. Ehrenhalber wurde der Graf übrigens weiters
zum Standartenführer der Waffen-SS ernannt.
Es folgten Einsätze am Bug und bei Barwenkowo, wo die ihm unterstellten
Panzer immer wieder große Abschusszahlen melden konnten. Bei Perwomaisk
griff Strachwitz mit einer Kampfgruppe eine aus 300 Panzern und Fahrzeugen
bestehende Feindkolonne an und vernichtete sie zum Großteil.
Unter der bewährten und sicheren Führung des "Panzergrafen",
wie Strachwitz bald von seinen Männern genannt wurde, waren die neuen
55-Tonnen-Tiger besonders effektiv. In Angriff und Verteidigung erwies
sich das Regiment als maßgebend, so schossen während eines Panzergefechtes
vier von Graf Strachwitz geführte Tiger binnen einer Stunde über
100 Feindpanzer ab. Für persönliche Tapferkeit und die Erfolge
seiner Truppe erhielt der erstklassige Panzerführer am 28. März
1943 die 27. Schwerter zum Ritterkreuz mit Eichenlaub verliehen. Der Panzergraf
war der erste Nicht-Divisionskommandeur unter den bisherigen Trägern
des Heeres. Zwei Wochen zuvor hatte sein Divisionskommandeur Generalmajor
Hoernlein das Eichenlaub erhalten. Die hohe Auszeichnung erhielt Strachwitz
übrigens in Anwesenheit von Georg-Wilhelm Postel überreicht,
der am selben Tag das Eichenlaub ausgehändigt erhielt.
Was Hitler nicht ahnen konnte – und was auch nur selten publiziert
wurde – war die Tatsache, dass jener Mann, dem er an diesem Tag die Schwerter
aushändigte, nur wenige Wochen zuvor bereit gewesen war, ein Attentat
auf ihn durchzuführen. Denn als im Frühjahr 1943 Hitler eine
Inspektionstour an die Ostfront unternahm, plante eine kleine couragierte
Gruppe deutscher Offiziere um Oberst von Tresckow ein Attentat auf Hitler.
Neben dem späteren Schwerterträger Oberst von Boeselager bot
sich auch Graf Strachwitz den Verschwörern als Ausführender der
Tat an. So sollte Hitler bei seiner Ankunft in Walki verhaftet und „bei
Gegenwehr erschossen“ werden – Strachwitz war mit einigen loyalen Offizieren
seines Regiments dazu bereit. Doch weder von Boeselager noch der Panzergraf
kamen zum Handeln, denn der Führer landete nicht in Walki, sondern
im weit entfernten Saporoschje. Auf dem Rückweg konnte Oberst von
Tresckow jedoch eine Zeitbombe in Hitlers Flugzeug schmuggeln – welche
aufgrund der niedrigen russischen Temperaturen versagte.
Hitler kehrte wohlbehalten nach Berlin zurück – und die Verschwörer
wieder in den Fronteinsatz.
Obwohl im Zuge der Gestapoermittlungen nach dem „20. Juli“ auch der
Name Graf Strachwitz in den Akten auftauchte, wurde der hoch dekorierte
Offizier niemals verhört bzw. gar verhaftet.
Während den Schlachten von Bjelgorod und Prochorowka vernichtete
dessen Regiment in fünf Tagen insgesamt 150 Feindpanzer und unzählige
Pakstellungen. In den Rückzugskämpfen erwiesen sich die von Strachwitz
verwendeten Taktiken und Vorgangsweisen als sehr effektiv, durch seinen
persönlichen Einsatz an vorderster Front war er bei seine Männern
sehr beliebt, in gewisser Weise sogar fast verehrt.
Im Frühjahr 1944 trat die "Großdeutschland" erfolgreich
zur Entsetzung des Tscherkassy-Kessels an, aus dem in Folge mehrere deutsche
Divisionen ausbrechen konnten. Ende März gab der "Panzergraf" sein
bewährtes Regiment an den erfahrenen Eichenlaubträger und späteren
Brigadegeneral des Bundesgrenzschutzes Oberst Willy Langkeit ab.
Aufgrund seiner Leistungen wurde Graf Strachwitz am 1. April 1944 zum
Generalmajor d.R. befördert und kurzfristig mit der Führung seiner
alten 1. Panzerdivision beauftragt. Kurze Zeit später wurde er sogar
zum Höheren Panzerführer der Heeresgruppe Nord (Schörner)
bestellt. In dieser Stabsposition unterstanden ihm drei komplette Panzerdivisionen
und eine mot. Panzerjagdbrigade. Strachwitz war in der Führung dieser
Einheiten so erfolgreich, dass die sowjetischen Divisionen sich über
Funk sogar gegenseitig vor ihm warnten.
Als im April 1944 die lettische Hauptstadt Riga von starken russischen
Truppen eingekesselt wurde, eilte der General selbst an die Front, übernahm
eine starke Kampfgruppe und rannte gegen den Umklammerungsring an. Nach
schweren Gefechten durchbrachen seine Panzer die russischen Stellungen
und fuhren in die Stadt ein.
Für das Sprengen des Umklammerungsringes erhielt der leidenschaftliche
Frontoffizier am 15. April 1944 als 11. Soldat und zugleich erst 3. Heeresoffizier
die Brillanten zum Ritterkreuz mit Eichenlaub und Schwertern verliehen.
Wenige Wochen nach der Verleihungszeremonie in Berlin befand sich der Generalmajor
wieder an der Front.
Im Sommer zeichnete sich die "Panzerkampfgruppe Strachwitz" im Verband
einer Entsatzgruppe (von Manteuffel) beim Freikämpfen des bedrängten
Wilna-Kessels (Stahel) aus. Es folgten langwierige Abwehrkämpfe in
den Baltikumstaaten, ehe Strachwitz im August 1944 wieder in die Offensive
ging.
An der Spitze von nur zehn Panzern durchbrach er persönlich die
Stellungen einer russischen Division und eroberte das westlich von Riga
liegende Tukkum zurück, das zuvor aufgegeben worden war. Die zurückgewonnene
Stellung bildete später die linke Flanke des Kurlandkessels.
Als Generalmajor Strachwitz kurz darauf mit seinem Kübelwagen
zum Gefechtsstand einer Division unterwegs war, fand er fast den Tod. Sein
Wagen geriet ins Schleudern und überschlug sich mehrmals. Der Fahrer
und seine Ordonnanz waren sofort tot, der Graf erlitt einen Schädelbruch
sowie Verletzungen an den Rippen, Armen und beiden Beinen. Die Ärzte
stellten ihm eine sehr lange Zeit im Lazarett in Aussicht. Durch ungeheuren
Willen und Selbstüberwindung kam Strachwitz aber schnell wieder auf
die Beine und erreichte nach wenigen Wochen seine Rückversetzung zur
Truppe. Seine Verwundungen hätten eigentlich ja für drei Goldene
Verwundetenabzeichen gereicht. Zwischen 1941 und 1945 wurde Strachwitz
13mal verwundet. Er überstand den Autounfall, acht diverse Kampfverletzungen,
zwei Splitterverletzungen am Kopf und einige andere "Kleinigkeiten".
Nach seiner Genesung stellte Generalmajor Strachwitz im Hinterland
eine spezielle Panzerjagdbrigade auf und bildete sie - noch immer an Krücken
gehend - für den Kampfeinsatz aus, hierbei kooperierte er mit dem
hoch dekorierten Panzerjagdexperten Oberst Rudel. Aufgrund der immer schlimmer
werdenden Kriegslage wurden jedoch Teile seiner Einheit wieder ausgegliedert
und als "Feuerwehr" an die Front geschickt.
Durch seine schwere Verwundung kam es für Graf Strachwitz zu keiner
Frontverwendung mehr, am 1. Januar 1945 stieg er im Zuge der fünften
Beförderung seit Kriegsbeginn zum Generalleutnant der Reserve [118]
auf. Somit war der Brillantenträger der ranghöchste Reserveoffizier
der gesamten Wehrmacht.
Im Mai 1945 ergab sich der in Hunderten Gefechten bewährte Panzergeneral
den vorrückenden amerikanischen Truppen, kurz nach Kriegsende erfuhr
er, dass sein jüngster Sohn noch in den letzten Kriegstagen als Infanterieoffizier
gefallen war.
Hyazinth war übrigens nicht der einzige Ritterkreuzträger
der Militärfamilie geblieben. Hauptmann Ernst Graf Strachwitz war
1944 als Bataillonskommandeur eines Gebirgsjägerregiments beliehen
worden, Mauritz Freiherr von Strachwitz 1945 als Generalleutnant und Kommandeur
der 87. Infanteriedivision. Letzterer verstarb 1953 in russischer Kriegsgefangenschaft.
Nach zweijähriger Kriegsgefangenschaft nahm Strachwitz ein Angebot
der syrischen Regierung an und wurde ein wertvoller Militärberater
für die königlichen Streitkräfte. Nach zweijähriger
Tätigkeit kehrte er 1951 nach Deutschland zurück. Als Hyazinth
Graf Strachwitz 1968 verstarb, hielten Offiziere der Bundeswehr an seinem
Sarg die Ehrenwache.
Die Verbindungen der Familie Strachwitz zur arabischen Welt bestehen
heute noch. So war Helga Gräfin Strachwitz Mitte der Neunzigerjahre
bundesdeutsche Botschafterin im Jemen.
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Quelle: „Mit Eichenlaub und Schwertern“
von Florian Berger, ritterkreuz.at |