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Der in der traditionsreichen Hansestadt Hannover
geboren und aufgewachsene Erich Topp trat im Jahre 1934 in die Kriegsmarine
ein und wurde vier Jahre darauf als Leutnant z.S. zur U-Boot-Waffe versetzt.
Bei Kriegsbeginn diente er als Wachoffizier auf U-46 und absolvierte vier
Feindfahrten, teilweise noch unter dem späteren Eichenlaubträger
Engelbert Endrass (1940 Wachoffizier auf U-47 unter Prien, im Winter 1941
gefallen). Im Juni 1940 übernahm Topp das Kommando über das IIC-Boot
U-57 - sein Vorgänger war der spätere Ritterkreuzträger
Claus Korth gewesen.
Nach einer ersten, erfolglosen Feindfahrt im Atlantik
war der neue Kommandant sehr enttäuscht. Doch diesen Rückstand
holte Topp während des zweiten Einsatzes nach. Neben seinem ersten
Erfolg, dem britischen Frachter O.A. Brodin (2.000 BRT), sanken noch mindestens
vier weitere Schiffe nach Torpedotreffern. Auf der Rückfahrt entdeckten
die Freiwachen ein weiteres Opfer. Doch bevor Topp auf Tauchstation gehen
konnte, um den Angriff einzuleiten, änderte der mutige Kapitän
des norwegischen Frachters Rona den Kurs und rammte in voller Absicht das
deutsche U-Boot. Das schwer beschädigte U-57 sank mit sechs toten
Matrosen an Bord, der Rest der Besatzung konnte von deutschen Schiffen
gerettet werden.
Topp wurde in einem routinemäßigen Überprüfungsverfahren
von aller Schuld freigesprochen. Im November 1940 übernahm der Oberleutnant
zur See, bereits Träger des Eisernen Kreuzes 1. Klasse, das neue VIIC-Boot
U-552. Die Besatzung hatte er Großteils von U-57 übernommen.
Sein neuer II.WO war Leutnant z.S. Siegfried Koitschka, 1944 als Kommandant
von U-616 mit dem Ritterkreuz beliehen.
Bereits während seiner ersten Fahrt mit diesem
Boot konnte Topp die große Cadillac versenken, die restliche Feindfahrt
brachte keine Feindberührung mehr. Dieser 12.000-Tonner sollte der
größte Erfolg des Schwerterträgers bleiben, denn im Frühjahr
1941 verfehlten seine Torpedos den als Truppentransporter fahrenden 43.000-BRT-Riesen
Ile de France, der anschließend mit Höchstgeschwindigkeit verschwand.
Auf der nächsten Fahrt mit U-552 operierte
Topp auf einen gemeldeten britischen Geleitzug. Nach mehreren Erfolgen,
darunter der 11.000-Tonner Beacon Grange, sank am 27. April 1941 zudem
der britische U-Bootjäger Commander Horton (230 BRT). Mit wehenden
Tonnagewimpeln kehrte Topp ins französische St. Nazaire zurück.
Während diesen Feindfahrten entwickelte sich Erich Topp zu einem hervorragenden
Seeoffizier. Er war der unumstrittene Chef an Bord. Seine Befehle wurden
sofort ausgeführt, unter der Mannschaft herrschte eine äußerst
disziplinierte und kameradschaftliche Stimmung. Dieser im U-Boot-Krieg
äußerst wichtige Faktor rettete so manches Boot vor dem Untergang.
So entpuppte sich ein im Überwasserangriff attackierter britischer
Dampfer einmal urplötzlich als waffengespickte U-Boot-Falle, der U-552
nur durch unglaublich eingespielte Tauchmanöver entkommen konnte.
Die meisten deutschen U-Boote hatten ein Maskottchen
an den Turm gemalt: bei U-552 war es ein roter Teufel mit einem Dreizack.
Diesem Maskottchen und der diabolischen Nervenstärke des Kommandanten
verdankte das Boot den allgemein bekannten Spitznamen "Roter Teufel". Nach
erneuten Feindfahrten im Atlantik erhielt Erich Topp nach etwa 90.000 BRT
versenkter Tonnage das Ritterkreuz verliehen. Im September 1941 konnte
U-552 aus einem großen Geleitzug des Gegners zwei Handelsschiffe
herausschießen und der Wasserbombenverfolgung britischer Zerstörer
entkommen, im gleichen Monat war Topp zum Kapitänleutnant befördert
worden.
Im Herbst operierte U-552 in den Gewässern
zwischen Schottland, Island und Grönland. Während einer dieser
Feindfahrten traf Topp auf den amerikanischen Zerstörer Reuben James,
der in Folge eines US-britischen Vertrages britische Handelsschiffe (Geleitzug
HX-156) von der Ostküste der USA bis an den Rand des Kriegsgebietes
eskortierte. Obwohl diese Tatsache allgemein gekannt war, hatten die deutschen
Boote strikten Befehl, keinesfalls anzugreifen. Hitler wollte die damals
noch neutralen USA nicht, wie im Ersten Weltkrieg geschehen, unnötig
provozieren.
Da das Schiff aber nicht als amerikanisches zu erkennen
war, nahm Topp es in einem Lehrbuchangriff aufs Korn und versenkte es durch
zwei Volltreffer, 115 amerikanische Matrosen fanden den Tod. Der Zwischenfall
führte zu politischen Spannungen, löste aber noch keinen Krieg
aus.
Im Dezember 1941 bewies Topp stahlharte Nerven,
als er sein Boot in den gut gesicherten Hafen von Ponta del Gada (Azoren)
dirigierte, jedoch kein lohnendes Ziel fand. Auf dieser Fahrt befand sich
ein Kommandanten-Schüler an Bord, der später von sich Reden machen
sollte: Albrecht Brandi, 1944 zweiter Brillantenträger der U-Boot-Waffe.
Aufgrund seiner großen Erfahrung erhielt Topp mehrmals Kommandanten-Schüler
an Bord beordert - darunter befand sich u.a. auch der spätere Ritterkreuzträger
Korvettenkapitän Harro Schacht.
Nachdem Deutschland den USA nach Pearl Harbor im
Dezember 1941 doch noch den Krieg erklärt hatte, nahm Topp mit U-552
an der berühmten Operation "Paukenschlag" teil - dem Kampfeinsatz
vor der amerikanischen Ostküste. In drei Feindfahrten konnte Topp
mindestens 10 Schiffe versenken und mehrere beschädigen, so etwa innerhalb
von einer Woche die David A. Atwater, Byron T. Benson, British Splendour,
Lancing, Atlas und Tamaulipas - zusammen fast 40.000 BRT. Die U-Boot-Erfolge
entlang der Ostküste waren so enorm, dass der BdU "Paukenschlag" kurz
darauf auch auf die Karibische See ausdehnte. Hier konnten fünf U-Boote
bis März 1942 über 100.000 BRT versenken, darunter besonders
viele Tanker.
Für seine Erfolge erhielt Topp am 11. April
1942 als 87. Soldat und 10. U-Boot-Kommandant das Eichenlaub zum Ritterkreuz
verliehen. Bis zum August operierte er dann ebenfalls erfolgreich vor Gibraltar,
westlich der Biskaya und vor der Küste Irlands.
Hierbei konnte U-552 während einer Geleitzugsschlacht
gegen HG-84 trotz schwerer Kriegsschiffsicherung in einer Nacht die Handelsschiffe
Pelayo und Etrib, den Tanker Slemdal sowie die beiden Frachter City of
Oxford und Thurso versenken - insgesamt über 30.000 BRT. Es folgte
eine stundenlange Wasserbombenverfolgung durch zwei britische Zerstörer,
denen Topp schließlich geschickt entkommen konnte.
Wenige Wochen später hatte der "Rote Teufel"
erneut Glück, als beim Überwasserangriff auf einen Geleitzug
aus einer Nebelbank plötzlich ein kanadischer Zerstörer auftauchte
und durch eine gezielte Geschützsalve den Turm von U-552 traf - ein
Rammstoß ging nur um Meter vorbei. Nur die eingespielten, schnellen
Tauchmanöver der Besatzung, Topps taktische Erfahrung und die Reparaturkünste
des LI retten das Boot erneut. Englische und Schweizer Zeitungen behaupteten
in den nächsten Wochen wiederholt, dass der "Roten Teufel" versenkt
worden wäre.
Am 18. Juni wurden Topp und seine Besatzung für
ihre Versenkungserfolge zum dritten Mal im Wehrmachtsbericht genannt. Als
der Kapitänleutnant im August 1942 die ausgezeichnete Versenkungsmarke
von 193.000 BRT erreichte, erhielt er die 17. Schwerter zum Ritterkreuz
mit Eichenlaub verliehen - dies wurde im Verlauf des Zweiten Weltkrieges
nur fünf U-Boot-Kommandanten zuteil.
Aufgrund seiner Verdienste wurde Korvettenkapitän
(17.08.42) Topp nun an Land versetzt und als Nachfolger von Eichenlaubträger
Werner Hartmann mit der Führung der 27. U-Flottille in Gotenhafen
beauftragt. Sein dortiger Stabschef war U-Boot-As und Schwerterträger
"Teddy" Suhren, der ebenfalls an Land versetzt worden war.
In 331 Seetagen hatte Erich Topp mindestens 34 alliierte
Schiffe versenkt und einige beschädigt. Bei Kriegsende stand er nach
Kretschmer und Lüth an dritter Stelle der besten U-Boot-Kommandanten
des Krieges. Topps letzte Opfer waren der britische 10.000-Tonner G.S.
Walden sowie der 7.000-Tonner Belgien Soldier gewesen.
In den Jahren 1943/44 leitete Topp die ihm unterstellten
U-Boote von Land aus gegen die Geleitzüge und stimmte die Einsatztaktik
mit dem BdU ab. Außerdem machte er sich als Kommandant der U-Boot-Erprobungsgruppe
einen Namen. Diese Abteilung entwickelte und testete neue U-Boot- und Torpedotypen
sowie neuartige Ausrüstung, wie z.B. Anti-Sonargeräte, bessere
Motoren oder neue Methoden zur Frischluftübernahme.
Kurz vor Kriegsende übernahm Fregattenkapitän
(01.12.44) Topp freiwillig noch einmal ein Seekommando. Aufgrund der weit
überlegenen alliierten Abwehr ein sehr gefährliches Unterfangen.
Mit U-3010, einem der neuen, revolutionären XXI-Typen, ging der alte
Haudegen im März 1945 auf eine umfangreiche Testfahrt unter Frontbedingungen.
Ende April übernahm er noch U-2513, mit dem
er jedoch nur noch eine kurze Überführungsfahrt unternahm. Als
auf dieser Fahrt durch den unglücklichen Fehler eines Maschinenmaates
ein Matrose ums Leben kam, wurde er vor ein Kriegsgericht gestellt. Topp
setzte sich jedoch für den sonst sehr tüchtigen Maat ein und
erreichte die Einstellung des Verfahrens. Im Mai begab er sich mit seiner
letzten Besatzung in britische Gefangenschaft, aus der er bereits nach
drei Monaten entlassen wurde. Als der ehemalige Oberbefehlshaber der U-Boot-Waffe,
Großadmiral Karl Dönitz, im Zuge des Nürnberger Prozesses
angeklagt wurde, organisierte Topp trotz der Wirren der ersten Nachkriegsjahre
eine gemeinsame Petition vieler ehemaliger U-Boot-Kommandanten zu dessen
Gunsten. Diese war jedoch umsonst.
Nach dem Krieg absolvierte Topp im Alter von 44
Jahren noch erfolgreich die Technische Universität (Dipl. Ing.) und
arbeitete eine Zeit lang als Architekt, ehe man ihm 1958 das Angebot machte
wieder Soldat zu werden. Wenig später trat Topp als Kapitän zur
See in die Bundesmarine ein. Hier war Topp zunächst deutscher Vertreter
in der Marineabteilung der NATO in Washington D.C., ehe er Anfang der sechziger
Jahre nach Deutschland zurückkehrte und das Kommando über sämtliche
amphibische Streitkräfte übernahm. 1965 als Stabschef des Flottenkommandos
Flensburg zum Flottillenadmiral befördert, übernahm Erich Topp
ein Jahr darauf den Posten des Stellvertretenden Inspekteurs der Bundesmarine.
Am 1. Oktober 1966 wurde Topp schließlich zum Konteradmiral befördert,
drei Jahre später trat er als Träger des Großen Bundesverdienstkreuzes
in den Ruhestand.
Während den nächsten Jahren war Erich
Topp als Industrieberater tätig und verfasste unter dem Titel "Fackeln
über dem Atlantik" seine Autobiographie.
Heute lebt er in guter Gesundheit in einer Kleinstadt
südlich von Bonn. Ein großer Teil seiner wertvollen Kriegsauszeichnungen
wurde ihm leider bei einem Wohnungseinbruch gestohlen.
Insgesamt verloren die Alliierten im Verlauf des
Zweiten Weltkrieges 5.150 Handelsschiffe mit 21,5 Millionen BRT, davon
2.800 durch Unterseeboote. 500 wurden durch Minen vernichtet, der Rest
durch Überwasserschiffe, Luftangriffe oder Unfälle. Von 1.200
in Dienst gestellten deutschen U-Booten gingen 750 im Kampfeinsatz verloren.
Die meisten der hoch spezialisierten U-Boot-Besatzungen blieben für
immer auf See.
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