Fregattenkapitän Erich Topp
Der Rote Teufel des Atlantiks
 
Steckbrief
 
 
Ü U-Boot-Frontspange 1939
Ü U-Boot-Kriegsabzeichen in Gold mit Brillanten
Ü Dreimalige Nennung im Wehrmachtsbericht
Ü Ehrendolch der Kriegsmarine mit Brillanten
Ü Kriegsverdienstkreuz mit Schwertern
 
Ü Ritterkreuz    20.06.1941
Ü Eichenlaub  (087) 11.04.1942
Ü
Schwerter
(017) 17.08.1942
   
* 02.07.1914 in Hannover V
 
   
Biographie
 
Der in der traditionsreichen Hansestadt Hannover geboren und aufgewachsene Erich Topp trat im Jahre 1934 in die Kriegsmarine ein und wurde vier Jahre darauf als Leutnant z.S. zur U-Boot-Waffe versetzt. Bei Kriegsbeginn diente er als Wachoffizier auf U-46 und absolvierte vier Feindfahrten, teilweise noch unter dem späteren Eichenlaubträger Engelbert Endrass (1940 Wachoffizier auf U-47 unter Prien, im Winter 1941 gefallen). Im Juni 1940 übernahm Topp das Kommando über das IIC-Boot U-57 - sein Vorgänger war der spätere Ritterkreuzträger Claus Korth gewesen.
Nach einer ersten, erfolglosen Feindfahrt im Atlantik war der neue Kommandant sehr enttäuscht. Doch diesen Rückstand holte Topp während des zweiten Einsatzes nach. Neben seinem ersten Erfolg, dem britischen Frachter O.A. Brodin (2.000 BRT), sanken noch mindestens vier weitere Schiffe nach Torpedotreffern. Auf der Rückfahrt entdeckten die Freiwachen ein weiteres Opfer. Doch bevor Topp auf Tauchstation gehen konnte, um den Angriff einzuleiten, änderte der mutige Kapitän des norwegischen Frachters Rona den Kurs und rammte in voller Absicht das deutsche U-Boot. Das schwer beschädigte U-57 sank mit sechs toten Matrosen an Bord, der Rest der Besatzung konnte von deutschen Schiffen gerettet werden. 
Topp wurde in einem routinemäßigen Überprüfungsverfahren von aller Schuld freigesprochen. Im November 1940 übernahm der Oberleutnant zur See, bereits Träger des Eisernen Kreuzes 1. Klasse, das neue VIIC-Boot U-552. Die Besatzung hatte er Großteils von U-57 übernommen. Sein neuer II.WO war Leutnant z.S. Siegfried Koitschka, 1944 als Kommandant von U-616 mit dem Ritterkreuz beliehen.
Bereits während seiner ersten Fahrt mit diesem Boot konnte Topp die große Cadillac versenken, die restliche Feindfahrt brachte keine Feindberührung mehr. Dieser 12.000-Tonner sollte der größte Erfolg des Schwerterträgers bleiben, denn im Frühjahr 1941 verfehlten seine Torpedos den als Truppentransporter fahrenden 43.000-BRT-Riesen Ile de France, der anschließend mit Höchstgeschwindigkeit verschwand.
Auf der nächsten Fahrt mit U-552 operierte Topp auf einen gemeldeten britischen Geleitzug. Nach mehreren Erfolgen, darunter der 11.000-Tonner Beacon Grange, sank am 27. April 1941 zudem der britische U-Bootjäger Commander Horton (230 BRT). Mit wehenden Tonnagewimpeln kehrte Topp ins französische St. Nazaire zurück. Während diesen Feindfahrten entwickelte sich Erich Topp zu einem hervorragenden Seeoffizier. Er war der unumstrittene Chef an Bord. Seine Befehle wurden sofort ausgeführt, unter der Mannschaft herrschte eine äußerst disziplinierte und kameradschaftliche Stimmung. Dieser im U-Boot-Krieg äußerst wichtige Faktor rettete so manches Boot vor dem Untergang. So entpuppte sich ein im Überwasserangriff attackierter britischer Dampfer einmal urplötzlich als waffengespickte U-Boot-Falle, der U-552 nur durch unglaublich eingespielte Tauchmanöver entkommen konnte.
Die meisten deutschen U-Boote hatten ein Maskottchen an den Turm gemalt: bei U-552 war es ein roter Teufel mit einem Dreizack. Diesem Maskottchen und der diabolischen Nervenstärke des Kommandanten verdankte das Boot den allgemein bekannten Spitznamen "Roter Teufel". Nach erneuten Feindfahrten im Atlantik erhielt Erich Topp nach etwa 90.000 BRT versenkter Tonnage das Ritterkreuz verliehen. Im September 1941 konnte U-552 aus einem großen Geleitzug des Gegners zwei Handelsschiffe herausschießen und der Wasserbombenverfolgung britischer Zerstörer entkommen, im gleichen Monat war Topp zum Kapitänleutnant befördert worden.
Im Herbst operierte U-552 in den Gewässern zwischen Schottland, Island und Grönland. Während einer dieser Feindfahrten traf Topp auf den amerikanischen Zerstörer Reuben James, der in Folge eines US-britischen Vertrages britische Handelsschiffe (Geleitzug HX-156) von der Ostküste der USA bis an den Rand des Kriegsgebietes eskortierte. Obwohl diese Tatsache allgemein gekannt war, hatten die deutschen Boote strikten Befehl, keinesfalls anzugreifen. Hitler wollte die damals noch neutralen USA nicht, wie im Ersten Weltkrieg geschehen, unnötig provozieren.
Da das Schiff aber nicht als amerikanisches zu erkennen war, nahm Topp es in einem Lehrbuchangriff aufs Korn und versenkte es durch zwei Volltreffer, 115 amerikanische Matrosen fanden den Tod. Der Zwischenfall führte zu politischen Spannungen, löste aber noch keinen Krieg aus.
Im Dezember 1941 bewies Topp stahlharte Nerven, als er sein Boot in den gut gesicherten Hafen von Ponta del Gada (Azoren) dirigierte, jedoch kein lohnendes Ziel fand. Auf dieser Fahrt befand sich ein Kommandanten-Schüler an Bord, der später von sich Reden machen sollte: Albrecht Brandi, 1944 zweiter Brillantenträger der U-Boot-Waffe. Aufgrund seiner großen Erfahrung erhielt Topp mehrmals Kommandanten-Schüler an Bord beordert - darunter befand sich u.a. auch der spätere Ritterkreuzträger Korvettenkapitän Harro Schacht.
Nachdem Deutschland den USA nach Pearl Harbor im Dezember 1941 doch noch den Krieg erklärt hatte, nahm Topp mit U-552 an der berühmten Operation "Paukenschlag" teil - dem Kampfeinsatz vor der amerikanischen Ostküste. In drei Feindfahrten konnte Topp mindestens 10 Schiffe versenken und mehrere beschädigen, so etwa innerhalb von einer Woche die David A. Atwater, Byron T. Benson, British Splendour, Lancing, Atlas und Tamaulipas - zusammen fast 40.000 BRT. Die U-Boot-Erfolge entlang der Ostküste waren so enorm, dass der BdU "Paukenschlag" kurz darauf auch auf die Karibische See ausdehnte. Hier konnten fünf U-Boote bis März 1942 über 100.000 BRT versenken, darunter besonders viele Tanker.
Für seine Erfolge erhielt Topp am 11. April 1942 als 87. Soldat und 10. U-Boot-Kommandant das Eichenlaub zum Ritterkreuz verliehen. Bis zum August operierte er dann ebenfalls erfolgreich vor Gibraltar, westlich der Biskaya und vor der Küste Irlands.
Hierbei konnte U-552 während einer Geleitzugsschlacht gegen HG-84 trotz schwerer Kriegsschiffsicherung in einer Nacht die Handelsschiffe Pelayo und Etrib, den Tanker Slemdal sowie die beiden Frachter City of Oxford und Thurso versenken - insgesamt über 30.000 BRT. Es folgte eine stundenlange Wasserbombenverfolgung durch zwei britische Zerstörer, denen Topp schließlich geschickt entkommen konnte.
Wenige Wochen später hatte der "Rote Teufel" erneut Glück, als beim Überwasserangriff auf einen Geleitzug aus einer Nebelbank plötzlich ein kanadischer Zerstörer auftauchte und durch eine gezielte Geschützsalve den Turm von U-552 traf - ein Rammstoß ging nur um Meter vorbei. Nur die eingespielten, schnellen Tauchmanöver der Besatzung, Topps taktische Erfahrung und die Reparaturkünste des LI retten das Boot erneut. Englische und Schweizer Zeitungen behaupteten in den nächsten Wochen wiederholt, dass der "Roten Teufel" versenkt worden wäre.
Am 18. Juni wurden Topp und seine Besatzung für ihre Versenkungserfolge zum dritten Mal im Wehrmachtsbericht genannt. Als der Kapitänleutnant im August 1942 die ausgezeichnete Versenkungsmarke von 193.000 BRT erreichte, erhielt er die 17. Schwerter zum Ritterkreuz mit Eichenlaub verliehen - dies wurde im Verlauf des Zweiten Weltkrieges nur fünf U-Boot-Kommandanten zuteil. 
Aufgrund seiner Verdienste wurde Korvettenkapitän (17.08.42) Topp nun an Land versetzt und als Nachfolger von Eichenlaubträger Werner Hartmann mit der Führung der 27. U-Flottille in Gotenhafen beauftragt. Sein dortiger Stabschef war U-Boot-As und Schwerterträger "Teddy" Suhren, der ebenfalls an Land versetzt worden war.
In 331 Seetagen hatte Erich Topp mindestens 34 alliierte Schiffe versenkt und einige beschädigt. Bei Kriegsende stand er nach Kretschmer und Lüth an dritter Stelle der besten U-Boot-Kommandanten des Krieges. Topps letzte Opfer waren der britische 10.000-Tonner G.S. Walden sowie der 7.000-Tonner Belgien Soldier gewesen.
In den Jahren 1943/44 leitete Topp die ihm unterstellten U-Boote von Land aus gegen die Geleitzüge und stimmte die Einsatztaktik mit dem BdU ab. Außerdem machte er sich als Kommandant der U-Boot-Erprobungsgruppe einen Namen. Diese Abteilung entwickelte und testete neue U-Boot- und Torpedotypen sowie neuartige Ausrüstung, wie z.B. Anti-Sonargeräte, bessere Motoren oder neue Methoden zur Frischluftübernahme.
Kurz vor Kriegsende übernahm Fregattenkapitän (01.12.44) Topp freiwillig noch einmal ein Seekommando. Aufgrund der weit überlegenen alliierten Abwehr ein sehr gefährliches Unterfangen. Mit U-3010, einem der neuen, revolutionären XXI-Typen, ging der alte Haudegen im März 1945 auf eine umfangreiche Testfahrt unter Frontbedingungen.
Ende April übernahm er noch U-2513, mit dem er jedoch nur noch eine kurze Überführungsfahrt unternahm. Als auf dieser Fahrt durch den unglücklichen Fehler eines Maschinenmaates ein Matrose ums Leben kam, wurde er vor ein Kriegsgericht gestellt. Topp setzte sich jedoch für den sonst sehr tüchtigen Maat ein und erreichte die Einstellung des Verfahrens. Im Mai begab er sich mit seiner letzten Besatzung in britische Gefangenschaft, aus der er bereits nach drei Monaten entlassen wurde. Als der ehemalige Oberbefehlshaber der U-Boot-Waffe, Großadmiral Karl Dönitz, im Zuge des Nürnberger Prozesses angeklagt wurde, organisierte Topp trotz der Wirren der ersten Nachkriegsjahre eine gemeinsame Petition vieler ehemaliger U-Boot-Kommandanten zu dessen Gunsten. Diese war jedoch umsonst.
Nach dem Krieg absolvierte Topp im Alter von 44 Jahren noch erfolgreich die Technische Universität (Dipl. Ing.) und arbeitete eine Zeit lang als Architekt, ehe man ihm 1958 das Angebot machte wieder Soldat zu werden. Wenig später trat Topp als Kapitän zur See in die Bundesmarine ein. Hier war Topp zunächst deutscher Vertreter in der Marineabteilung der NATO in Washington D.C., ehe er Anfang der sechziger Jahre nach Deutschland zurückkehrte und das Kommando über sämtliche amphibische Streitkräfte übernahm. 1965 als Stabschef des Flottenkommandos Flensburg zum Flottillenadmiral befördert, übernahm Erich Topp ein Jahr darauf den Posten des Stellvertretenden Inspekteurs der Bundesmarine. Am 1. Oktober 1966 wurde Topp schließlich zum Konteradmiral befördert, drei Jahre später trat er als Träger des Großen Bundesverdienstkreuzes in den Ruhestand. 
Während den nächsten Jahren war Erich Topp als Industrieberater tätig und verfasste unter dem Titel "Fackeln über dem Atlantik" seine Autobiographie.
Heute lebt er in guter Gesundheit in einer Kleinstadt südlich von Bonn. Ein großer Teil seiner wertvollen Kriegsauszeichnungen wurde ihm leider bei einem Wohnungseinbruch gestohlen.
Insgesamt verloren die Alliierten im Verlauf des Zweiten Weltkrieges 5.150 Handelsschiffe mit 21,5 Millionen BRT, davon 2.800 durch Unterseeboote. 500 wurden durch Minen vernichtet, der Rest durch Überwasserschiffe, Luftangriffe oder Unfälle. Von 1.200 in Dienst gestellten deutschen U-Booten gingen 750 im Kampfeinsatz verloren. Die meisten der hoch spezialisierten U-Boot-Besatzungen blieben für immer auf See.

Quelle: „Mit Eichenlaub und Schwertern“ von Florian Berger, ritterkreuz.at