| Entwicklung
Luftüberlegenheit ist der Grundstein der
Doktrin der US Air Force. Die Air Force sagt, sobald die Luftüberlegenheit
gesichert ist, können sie bestimmen, was wann wo in der Luft geschieht.
Dies hält den Feind davon ab Luft- oder Bodenunternehmungen der US-Streitkräfte
zu stören. Seit 1979 übernimmt die McDonnell Douglas F-15 Eagle
die Aufgabe der Luftraumsicherung für die USAF.
Bereits als Anfang der 80er Jahre klar war, dass
die UdSSR, mit der MiG-29 und der Su-27 eine große Bedrohung für
die F-15 in der Hand hatten und auch die Entwicklung von modernen SAM's
voranschritt, beschloss die USAF eine Ablösung für die F-15 zu
suchen. Auf der Suche nach Weiterentwicklungen für die F-15, stieß
man auf die F-15E Strike Eagle. Als man jedoch feststellte, dass ihre Kapazitäten
als Luftraumüberlegenheitsjäger ausgeschöpft waren, beschloss
man einen ATF (Air Tactical Fighter) Wettbewerb auszuschreiben. Die drei
wichtigsten Kriterien für das neue Flugzeug waren die Stealth-, die
Supercruise- und die STOL-Eigenschaften. Des Weiteren sollte die Reichweite
gegenüber der F-15 erhöht sein. man hatte aus den Problemen mit
dem F-15 Triebwerk gelernt, und kümmerte sich nun früh um ein
passendes Triebwerk für die F-22. Im September 1983 erhielt Pratt&Whitney
einen Vertrag für das XF119. Zur selben Zeit begann General Electric
die Arbeit an ihrem XF120. In den Folgenden zwei Jahren gab die Air Force
mehrere Auflagen an die Rüstungsindustrie aus und wartete deren Reaktion
ab, ihre größte Angst war es von technologischen Schwierigkeiten
überrascht zu werden. Erst sehr spät in der Entwicklung entschied
sich die USAF dazu zwei Typen zu bauen und sie miteinander zu vergleichen.
Die Air Force konnte sich nun aus sieben Modellen ihre beiden Kandidaten
heraussuchen. Sie entschied sich für die Lockheed Martin YF-22 und
die Northrop Grumman YF-23, da diese die Vorgegebenen Kriterien am besten
zu erfüllen schienen.
Nachdem im Oktober 1986 feststand, wer die Kandidaten
waren, formten sich Entwicklungsteams. So schloss sich Lockheed mit Boeing
und General Dynamics zusammen und Northrop unterzeichnete einen Vertrag
mit McDonnell Douglas. Der Wettbewerb sollte der teuerste werden den es
je gab, er zog sich über vier Jahre hin und kostete mehr als 2 Milliarden
$. Jedes Team baute zwei Prototypen, jeweils einen mit den P&W YF119
bzw. den GE YF120 Triebwerken. Lockheed hatte zunächst mit einigen
Problemen zu kämpfen, sie musste ihr Flügeldesign überarbeiten,
da es zu schwer wurde. Auch die Schubumkehr musste überarbeitet werden,
als die Air Force die Gewichtsvorgaben verminderte. Als die Prototypen
im Sommer 1990 enthüllt wurden, stellte sich heraus, dass beide Teams
verschiedene Wege gegangen waren, so setzte Northrop den Schwerpunkt bei
den Stealtheigenschaften, während Lockheed auf die Manövrierfähigkeit
setzte. Den Wettlauf um den Erstflug gewann Northrop, sie bekamen ihre
YF-23 am 27. August 1990 das erste mal in die Luft, der Erstflug der YF-22
folgte am 29. September 1990. Im November erreichte der erste YF-22 Prototyp
Mach 1.58 ohne Nachbrenner. Beide Teams hatten keinerlei Probleme die Vorgaben
zu erreichen. Im April 1991 entschied man sich jedoch für die YF-22
mit dem Pratt&Whitney F-119 als Sieger, da sie durch ihre größeren
Dogfightkapazitäten mehr in das Bild eines Luftüberlegenheitsjägers
passte.
Erprobung
Mit der Raptor # 4008 erhielt die USAF am 31.
Mai 2002 den letzten der neun Prototypen für die Erprobung (Raptor
4001 bis 4009). Das im September 1997 gestartete Erprobungsprogramm erreichte
Anfang Juni des selben Jahres die 2.000 Stunden-Marke, was ungefähr
900 Testmissionen entspricht. Seit Anfang an sind die Tests allerdings
von Verzögerungen und einem weiteren Anstieg der Kosten überschattet.
Auch bereitet die aufwendige Software einige Probleme, bis hin zu Abstürzen
der Missionssoftware. Zudem sind bei den Tests Vibrationen an den Seitenleitwerken
aufgetreten. Jedoch ist es Lockheed auch gelungen die Produktionskosten
durch andere Fertigungsverfahren zu drücken. So spart der Übergang
vom Kleben zum Nieten der Beplankung des Höhenleitwerks beispielsweise
pro Maschine eine Million US-Dollar ein.
Am 28. Februar wurde die 3.000 Stunden-Grenze
überschritten, wobei zur Zeit acht F/A-22 auf Edwards AFB zur Erprobung
eingesetzt werden. Zu den jüngsten Missionen des Testprogramms zählen
unter anderem die Luftbetankung (Raptor 4002) oder Bodentests mit der M61A2
Gatlingkanone. Der dritte Prototyp (Raptor 4003) wurde für den Abschuss
von Lenkwaffen bei Überschall verwendet (AIM-9 am 25. Juli und AIM-120
am 28. August 2002), während Raptor 4004 ebenfalls 2002 zu Versuchen
bei extremen Witterungsverhältnissen nach Eglin AFB verlegt wurde.
Er wurde dort Temperaturen von bis zu -20° C, Schneestürmen und
ähnlichem ausgesetzt um die Haltbarkeit der Stealthbeschichtung zu
überprüfen. Der erst im Februar 2003 auf Edwards eingetroffene
letzte Prototyp 4009 wurde zuvor bei Lockheed für Wartungsversuche
verwendet.
Stand des Projekts
In der zweiten Jahreshälfte 2002 wurde bekannt,
dass Lockheed Martin auf eigene Rechnung an einer Studie für einen
auf der F-22 basierenden Jagdbomber mit der Bezeichnung FB-22 arbeitet.
Er soll einen verlängerten Rumpf und Deltaflügel erhalten um
sowohl die Waffenlast als auch die Reichweite erhöhen zu können.
Ende 2002 wurde das zu Beginn als F-22 bezeichnete
Flugzeug in F/A-22 umbenannt (kombinierte Primärrolle: Sowohl Jäger
- F = Fighter -, als auch Angriffsflugzeug - A = Attack). Wie auch bei
der F/A-18 Hornet deutet somit die Bezeichnung der Raptor auf ihre Mehrrollenfähigkeit
hin. Der ursprünglich geplante Luftüberlegenheitsjäger übernimmt
mehr und mehr auch die Rolle eines Stealth-Angriffsflugzeuges.
Den zwei YF-22 sowie den neun Prototypen zur
Erprobung folgen nun noch acht bereits dem Produktionsstandard entsprechende
Versuchsmaschinen. Mit ihnen soll ab Sommer 2003 auf Nellis AFB die Truppenerprobung
erfolgen. Das erste Flugzeug dieser Serie, Raptor 10, absolvierte Ende
2002 in Marietta bei Lockheed Martin seinen Erstflug.
Die USAF möchte nach momentaner Planung
331 Maschinen beschaffen. Die anfangs geplante Stückzahl lag übrigens
bei 750 und wurde zunächst auf 438 zurückgestuft, dann auf 339.
Die endgültige Entscheidung für die Serienfertigung ist Anfang
August 2001 gefallen, als das US-Verteidigungsministerium mitteilte, dass
es der Anschaffung der F-22 zustimme. Allerdings wurde vorerst nur der
Bau von 295 Maschinen genehmigt, deren Bau rund 60 Milliarden Dollar kosten
wird. Sollte es das Haushaltsbudget zulassen, könnten nach dem Bau
dieser Maschinen laut Verteidigungsministerium weitere Maschine gekauft
werden. Weitere Mehrkosten im Entwicklungsprogramm von 700 Millionen stellen
momentan aber sogar die Anzahl von 295 Maschinen in Frage. Theoretisch
könnte die Gesamtstückzahl sogar noch auf unter 200 sinken.
Technik
Die fertige F/A-22 wird nicht nur den Luftraum
sichern, sondern auch über SEAD (Supression of Enemy Air Defence)-Kapazitäten
verfügen. Sie hat ein zur Zeit einzigartiges gläsernes Cockpit,
das ein modernes Head-up-Display und sechs Flüssigkristall-Displays
beinhaltet. Des Weiteren besitzt die F/A-22 hervorragende HOTAS (Hands
On Throttle And Stick) Eigenschaften. Die Steuerung erfolgt über ein
Fly-by-wire System mit vierfachem Backup, es kontrolliert inklusive der
Lufteinlaßklappen nicht weniger als 12 Steuerflächen. Hinzu
kommen noch die zweidimensionalen Vektorschubdüsen. Es ist wahrscheinlich,
dass die Piloten der F/A-22 mit einem HMD (Helmet Mounted Display) ausgestattet
werden. Durch modernste Avionik, zu der unter anderem das APG-77 Radar
gehört, ist die F/A-22 heute schon in der Lage alle Waffen, die sich
zur Zeit in der Entwicklung befinden, abzufeuern. Das AGP-77 von Northrop-Grumman
besitzt eine elektronische Strahlschwenkung und kann weite Frequenzbereiche
über passive Empfänger abdecken um die Entdeckbarkeit gering
zu halten. Der Hauptrechner der F/A-22 beteht aus zwei Common Integrated
Processors von Hughes die über 66 Processor-boards verfügen.
So können die einzelnen Chips bei eventuellen Upgrades gut ausgetauscht
werden und eine Reservekäpazität des Rechners von 30% wird daduch
ebenfalls gewährleistet. Die Datenübermittlung geschieht größtenteils
durch Glasfaserkabel. Da Waffen an externen Waffenstationen den Radarrückstreuquerschnitt
(RCS) vergrößern, befinden sich die Waffen der F/A-22 in internen
Schächten im Rumpf des Flugzeugs. Es ist jedoch auch möglich
konventionelle Außenstationen anzubringen. Angeblich soll die F/A-22
den gleichen RCS besitzen wie die F-117. Für die Stealtheigenschaften
sorgen zum einen die radarabsorbierenden Materialien (RAM), die auf die
Zelle der F/A-22 aufgetragen werden, und zum anderen werden rechte Winkel
bei der F/A-22 vermieden. Sämtliche Teile wie beispielsweise die Lufteinlässe,
das Leitwerk als auch die Flügelvorderkante stehen in Winkeln von
42° Grad zueinander, um die reflektierten Radarwellen nicht zum Aussender
zurück zu schicken. Die aerodynamische Auslegung ist mit seitlichen
Lufteinlässen, zwei Triebwerken und konventionellen Höhenrudern
im Prinzip ähnlich wie bei der F-15 Eagle. Die Formen wurden allerdings
in tausenden von Windkanalstunden soweit optimiert, dass zum Beispiel Anstellwinkel
von 60° kein Problem darstellen. Das F119-PW-100 Triebwerk ist ohne
Nachbrenner fast doppelt so stark wie das F100 der F-15. Die Supercruisefähigkeiten
erlauben eine Dauergeschwindigkeit von Mach 1,5.
Der zentrale Rumpf und der Bug der F/A-22 werden
von Lockheed gefertigt, während Boeing für die Flügel und
das Heck zuständig ist. Grosse Teile der Zelle bestehen aus Titan
und Verbundwerkstoffen. Um die Kosten der Raptor nicht noch weiter ansteigen
zu lassen, werden rationelle Fertigungsverfahren angewandt.
Am 25. Juli 2000 wurde der erste
Lenkwaffentest mit einer AIM-9 durchgeführt.
| Bezeichnung des Flugzeugs: |
F/A-22 Raptor |
| Typ: |
Luftüberlegenheitsjäger |
| Hersteller: |
Lockheed Martin, Boeing |
| Baujahr: |
2004-2013 (Serienmaschinen) |
| Besatzung: |
1 (Auf die zweisitzige Ausführung F-22B
wurde aus Kostengründen verzichtet.) |
| Antrieb: |
2 Pratt&Whitney F-119-PW-100
Turbofans |
| Schub (kN): |
2 x 155,69 |
| Höchstgeschwindigkeit: |
ohne Nachbrenner: Mach 1.58
mit Nachbrenner: Mach 2+ |
| Dienstgipfelhöhe (m): |
> 15.000 |
| Einsatzradius (km): |
1.480 |
| Reichweite (km): |
> 3.000 km |
| Gewicht (kg): |
15.000 Leergewicht
27.216 maximales Startgewicht |
| Länge (m): |
18,92 |
| Höhe (m): |
5,00 |
| Spannweite (m): |
13,56 |
| Flügelfläche
(m2): |
78,04 |
| Bewaffnung: |
- 1 M61A2 20 mm Gatlingkanone(480)
- 2 interne Schächte seitlich des Lufteinlasses
für je eine AIM-9
- 2 interne Schächte im Mittelrumpf
- 2 weitere externe Waffenstationen (optional) |
| mögliche Waffenlasten: |
- AIM-9 Sidewinder
- AIM-120 AMRAAM
- AGM-88 HARM
- GBU-32 JDAM 1000 PGM
- 2.270 Liter Zusatztanks |
| Produktionszahlen: |
4 Prototypen,
der Bau von 295 Serienmaschinen ist beschlossen |

Pictures by US
Air Force. Text by BrotherD
and UncleK |