Ein Mi-24VM Hind, der eine der
modernsten Varianten des Herstellers Mil bzw. Rostvertol darstellt.
| Der Mil Mi-24 Hind ist neben dem AH-64 Apache der wohl bekannteste
Kampfhubschrauber. Bedrohlich in seiner Gesamtform, waffenstarrend, lärmend
und unglaublich robust sind die Eigenschaften, die diese Maschine auszeichnen.
Der Helikopter fand in der gesamten Sowjetunion Verwendung und kam unter
anderem im Afghanistankrieg zum Einsatz. Heute stellt Mil schon den Nachfolger
Mi-28 her, allerdings wird der Mi-24/25 bzw. Mi-35 aufgrund seiner Verbreitung
und laufender Modernisierungsprogramme noch lange Jahre im Einsatz zu sehen
sein.
Entwicklung Ähnlich wie die Amerikaner im Vietnamkrieg entwickelten die Sowjets
Mitte der 60er Jahre ein "Gunship" auf Basis ihres Truppentransporters.
Diese Basis bildete der Mi-8, der mit zahlreichen Raketenstartern versehen
wurde. Mikhail Mil entwickelte, fasziniert von dem Gedanken eines reinen
Kampfhubschraubers, nach seinen Vorstellungen eine Konstruktion, die 1966
in einem Mock-Up gipfelte. Die sowjetische Regierung zeigte sich beeindruckt
und erteilte im Frühling 1967 den Auftrag einige Prototypen zu fertigen.
Die Leitung des Projekts lag bei V.A. Kuznetsov, und nach dem Tode Mils
1970 bei Marat Timoschenko. Mil selbst erlebte noch den Jungfernflug des
ersten von drei als "V-24" bezeichneten Prototypen am 19. September 1969.
Die Prototypen unterschieden sich im Aussehen deutlich von den ersten Studien,
das dahinter liegende Konzept und die wichtigsten Missionsmerkmale wurden
trotzdem verwirklicht. Man übernahm die dynamischen Komponenten des
Mi-8 und kombinierte diese mit einem schmaleren Cockpit, Panzerung und
einem neuen Frachtraum. Der Frachtraum begründet sich aus dem geplanten
Einsatzkonzept des Musters. So sollte der Mi-24 zunächst als schwer
bewaffneter Gefechtsfeldtransporter fungieren. In den Jahren 1970 und 1971
fanden die Einsatztests und die staatlichen Prüfungen für die
Musterzulassung statt. Die Serienproduktion startete nach der Fertigung
von zehn Vorserienmaschinen im Frühjahr 1972.
Versionen des Mi-24
Mi-24A (Natokennzeichnung Hind-A, B und C ) Der Mi-24A stellt die erste Serienversion des Mi-24 dar, die ab 1972 in Dienst gestellt wurde. Als Hind-B bezeichnete die NATO irritierender Weise die Vorserienmaschinen, während als Hind-C (russische Bezeichnung Mi-24U) Trainer mit Doppelsteuerung und ohne Bewaffnung klassifiziert wurden. Der Mi-24A wurde schnell vom Mi-24D ersetzt, der die Einsatzkriterien besser erfüllen konnte. Nichtsdestotrotz wurden bis 1974 ca. 240 Maschinen gebaut, von denen auch einige Maschinen z.B. nach Libyen oder Ägypten exportiert wurden. Gestaltung Hauptunterschied zu den späteren Versionen war, dass die Sitzplätze von Pilot und Copilot sowie Navigator und Schütze jeweils nebeneinander angeordnet waren. Die vorderen Plätze konnten jeweils durch eine nach oben klappbare Glasfläche und die hinteren Plätze durch eine nach hinten zu schiebende Tür betreten werden. Das Cockpit wurde gepanzert, bot aber aufgrund der Nebeneinanderanordnung der Crew reichlich Angriffsfläche. Die Verglasung bestand aus geraden Glasflächen, die ein insgesamt sehr eckiges Cockpit formten. Der Rumpf war eine konventionelle Pod-Boom-Konstruktion, die in Halbschalenbauweise ausgeführt wurde. Die Zelle wurde gegenüber den Vorserienmodellen nochmals gestreckt, um das halbautomatische Raduga-F Zielsystem für die Panzerabwehrraketen zu integrieren. Ein TV-Sensor bzw. eine Geschützkamera S-13 war auf dem innersten Pylon des linken Flügels montiert. Zur Abwehr von biologischen oder chemischen Kampfstoffen verfügte das Cockpit über eine Druckbelüftung. Die dynamischen Komponenten wurden vom Mi-8 übernommen, allerdings wurde der fünfblättrige Hauptrotor im Durchmesser um ca. 3 m verkleinert. Der Heckrotor war rechtsmontiert und ebenso wie der Hauptrotor mit einem Enteisungssystem versehen. Als Turbinen entschied man sich für zwei Isotov TV3-117A mit einer Leistung von je 1.268 kW (1.700 Wellen-PS), die sich im Nachhinein allerdings als wenig zuverlässig erwiesen. Die beiden Turbinen ordnete man, ähnlich wie beim Mi-8, direkt nebeneinander an, darüber befand sich der Ölkühler. Hinter dem Hauptgetriebe wurde eine Ivchenko AI-9V APU (Auxiliary Power Unit) installiert, mit deren Hilfe die Turbinen gestartet wurden. Das Dreipunktfahrwerk ist einziehbar, das Bugfahrwerk doppelbereift und das Heckfahrwerk jeweils einzeln. Mit einem einziehbaren Fahrwerk umging man die Strömungsprobleme bei Landekufen, akzeptierte damit aber gleichzeitig den Verlust Energie absorbierender Eigenschaften von Landekufen bei Crashes auf die Bodenplatte. Der Frachtraum konnte acht voll ausgerüstete Soldaten beherbergen und durch zwei mittig in der Horizontale geteilte Zugangsklappen betreten werden, die nach unten schwingende Klappe verfügte über eine Trittstufe. Statt der acht Soldaten konnten auch vier Verletzte auf Bahren und ein Sanitäter den Raum nutzen. Zum Schutz der Personen im Laderaum wurden die Zugänge gegen Beschuss von Handfeuerwaffen im Kaliber bis 7,62 mm gepanzert. Hinter den Zugängen befanden sich beidseitig Stummelflügel mit einem hohen Anstellwinkel in einer negativen V-Form und einer gewaltigen Spannweite mit nach unten geknickten Enden. Die breiten Stummelflügel entlasteten beim Marschflug den Hauptrotor um 25%. Die gewaltige Spannweite erlaubte die Montage von jeweils zwei Pylonen, während an den abgeknickten Flügelenden an speziellen Startschienen zusätzlich Raketen, meist zur Panzerabwehr, mitgeführt werden konnten. Diese Flugkörperstartschienen waren bei den Vorserienmodellen noch an der Zelle montiert. Des Weiteren setzten die Einheiten den Hind nicht als Gefechtsfeldtransporter ein, sondern als reinen Kampfhubschrauber. Im Frachtraum wurden meist Munition oder Ersatzteile mitgeführt. Zur Freund-Feind-Erkennung wurde ein SRO-2M Khrom IFF-Transponder installiert, dessen Antenne an der Oberseite der Cockpitverglasung montiert wurde. Bewaffnung Als Panzerabwehrflugkörper wurden die manuell zu lenkenden 9M17M
(AT-2 "Swatter") mitgeführt. Eine Afanasyev TKB-481 Bordkanone
war kinnmontiert im NUV-1 bezeichneten Turmsystem und besaß das Kaliber
12,7 mm, das sich schnell als unzureichend herausstellte. An den Stummelflügeln
konnten GUV-9-A-669 Universalbehälter befestigt werden, die GSh-23L
Zwillingskanonen im Kaliber 23 mm, eine YakB-12,7 mm Maschinenkanone mit
750 Schuss oder zwei vierläufige 7,62 mm 9-A-622 Gatlings mit 1.100
Schuss tragen konnten. Auch Granatwerfer vom Typ AGS-17 Plamya mit dem
Kaliber 30 mm mit 300 Schuss konnten in diesem Behälter mitgeführt
werden. Im Frachtraum konnten auch zwei Schützen Platz nehmen, die
PK oder PKT Maschinengewehre bedienten. An den Pylonen wurden allerdings
meist ungelenkte Raketen in vier UB-32 Raketenpods (jeweils 32 S-5-Raketen
Kaliber 57 mm), vier B-8V-20 (jeweils 20 S-8-Raketen Kaliber 80 mm), vier
B-13L (jeweils fünf S-13-Raketen Kaliber 130 mm) oder vier einzelne
240 mm S-24B Raketen mitgeführt. Bei Bedarf konnten auch ungelenkte
Bomben mitgeführt werden: zwei FAB-500 (500 kg), vier FAB-250 (250
kg), acht FAB-100 (100 kg ) oder zwei Abwurfbehälter mit KMGU Cluster
Bomben.
Mi-24B Schon kurze Zeit nach der Einführung des Mi-24A wurden erste Mängel in einem Mi-24B bezeichneten Projekt ab 1972 behoben. So wurde zum Beispiel schon die neu entwickelte Yakoushew/Borzow YakB (auch als TKB-063 oder 9A624 geführt) im Kaliber 12,7 mm vorgesehen, die vier Läufe besaß und nach dem Gatling-Prinzip arbeitete. Diese Kanone wurde in dem USPU-24 Turm kinnlafettiert und konnte durch das KPS-53AV Zielsystem gerichtet werden. Zusätzlich sollten die alten, manuell zu führenden Panzerabwehrflugkörper durch die leistungsfähigeren, ebenfalls funkgesteuerten 9M17P Falanga-P und Falanga-PV mit SACLOS Steuerungssystemen ersetzt werden. Das Raduga-F Raketenführungssystem wurde an die linke Bugunterseite verlegt, wo an der rechten Seite ebenfalls die neuen, allerdings starren TV- und FLIR-Sensoren vorgesehen waren. Der Heckrotor wurde auf die linke Seite und die IFF-Antenne vor den Ölkühler verlegt. Mil ließ dieses Projekt Ende 1972 zugunsten des fortschrittlicheren Mi-24D fallen, übernahm aber die vorgesehen Modifikationen des Mi-24B mit in den neuen Typ.
Mi-24D (Natokennzeichnung Hind-D) Da sich im Truppengebrauch schnell die Mängel des Mi-24A herausstellten (u.a. mangelnder Panzerschutz des Cockpits und unzureichende Bewaffnung in Form der wenig leistungsfähigen Bordkanone), ließen Weiterentwicklungen nicht lange auf sich warten. Zunächst stellten sich diese unter der Bezeichnung Mi-24B mit verbesserten Sensoren und Bewaffnung dar. Diese Arbeiten wurden allerdings recht schnell wieder eingestellt und das OKB begann mit grundlegenden Änderungen, die schließlich im Mi-24D gipfelten. Die ersten beiden Prototypen wurden bereits 1972 fertiggestellt und die Produktion lief Ende 1973 an. Insgesamt wurden ca. 350 Einheiten bis 1977 hergestellt. Gestaltung Die dramatischste Modifikation war sicher die völlige Umgestaltung
des Cockpit- und Frontbereichs. Man entschied sich für ein Tandemcockpit,
bei dem der Copilot gleichzeitig die Funktion des Schützen übernahm
und im vorderen Cockpit Platz nahm. Der Pilot saß, vom Vordercockpit
durch einen Splitterschutz getrennt, erhöht hinter dem Copiloten.
Die Glaskanzel wurde, von der Seite her betrachtet, stufenförmig ausgeführt,
damit beide Besatzungsmitglieder durch schräg angeordnete Frontscheiben
blicken und damit keine Reflexionen die Sicht beeinträchtigen konnten.
Zur perfekten Rundumsicht legte man die Seiten- und Deckflächen der
Verglasung kuppelförmig aus. Der Zugang erfolgte für den Piloten
rechtsseitig über eine nach vorn schwingende Tür, während
der Vordermann das Cockpit über eine nach oben schwingende Luke linksseitig
erreichte. Verwendet wurde Panzerglas von erheblicher Dicke, um eine Beschusssicherheit
gegen Handfeuerwaffen zu gewährleisten. Ähnlich wie bei der amerikanischen
A-10, einem Erdkampfflugzeug, wurde die Besatzung durch eine Titanwanne
geschützt, die das gesamte Cockpit umgab und so optimalen Schutz gegen
Bodenbeschuss bot. Die Konstruktion war so ausgelegt, dass die Aufprallenergie
bei Abstürzen mit hohen Fallgeschwindigkeiten abgefangen werden konnte.
Die Instrumentierung bestand vollständig aus analogen Instrumenten.
Das Vordercockpit war mit einem elektro-optischen KPS-53AV
Richtsystem für die Bordkanone und rechts neben dem Besatzungsmitglied
montierter Zieloptik und Steuerungssystem für die Panzerabwehrraketen
ausgestattet. Die S-13 Geschützkamera wurde an die linke Flügelspitze
verlegt, da an der alten Position die Leistungsfähigkeit durch Rauchentwicklung
beim Start ungelenkter Raketen eingeschränkt wurde. Der Pilot erhielt
einen DISS-15D Kartenmonitor, auf dem wichtige Navigationspunkte angezeigt
werden konnten. Beide Cockpits konnten beheizt und belüftet werden.
Sowohl um das Cockpit, als auch um die Triebwerks- und Getriebekomponenten
wurden abschnittsweise Stahlplatten von 5 mm Stärke als zusätzlicher
Panzerschutz montiert. Das gesamte elektrische Bordnetz wurde redundant
ausgelegt und verfügte über drei Generatoren, die 36 V, 115 V
und 208 V Wechselstrom in der Frequenz von 400 Hz oder 27 V Gleichstrom
liefern konnten. Hinter der Passagierkabine und unter dem Boden befanden
sich jeweils zwei Treibstofftanks. An den Pylonen der Stummelflügel
wurden des Weiteren Anschlussstellen für Zusatztanks hinzugefügt.
Die Struktur der Stummelflügel erfuhr eine wesentliche Verstärkung
zur Nutzung höherer Kampflasten.
Bewaffnung Die Bordkanone wurden ebenfalls ausgetauscht. Die neue vierläufige, nach dem Gatling-Prinzip funktionierende Yakoushew/Borzow "YakB-12.7" Bordkanone besaß kinnlafettiert im USPU-24 Turm eine maximale Kadenz von 4.000 Schuss pro Minute und es wurden 1.470 Schuss der 12,7 mm Munition mitgeführt. Der Turm konnte in der Senkrechten um 20 Grad erhöht und um 40 abgesenkt werden, während eine horizontale Drehung um jeweils 60 Grad möglich war. Gleichzeitig war es möglich den Kinnturm in der Nullstellung zu verriegeln, was den Zweck hatte, dass auch der Pilot mit einer fixierten Optik auf die Bordkanone zugreifen konnte. Als Panzerabwehrflugkörper sollten die funkgesteuerten 9M17P Falanga-P und Falanga-PV mit SACLOS Steuerungssystemen mitgeführt werden. Die restliche Bewaffnung an den Pylonen ist mit der des Mi-24A identisch.
Mi-24V (Natokennzeichnung Hind-E) Der Mi-24V löste 1976 den Mi-24D in der Produktion ab. Der erste
Prototyp entstand Mitte der 70er Jahre aus der Modifikation eines Mi-24D
heraus, trug allerdings übergangsweise die alte Hauptbewaffnung. Die
Weiterentwicklung des Mi-24D begründet sich auch in der Forderung,
das Waffensystem um den funkgelenkten Panzerabwehrflugkörper 9M114
Shturm-V (AT-6 "Spiral") zu integrieren. Dies zog auch das neue SPS-24V
Raketenkontrollsystem am Bug mit sich, um so die Bekämpfung feindlicher
Panzer weiterhin zu optimieren. Insgesamt konnten vier AT-6 an den Flügelspitzen
mitgeführt werden. Unterhalb der paarweise angeordneten Panzerabwehrflugkörper
konnte auch ein Starter für eine 9M39 Igla-V (SA-18 "Grouse") bzw.
an den Pylonen jeweils ein R-60 (AA-8 "Aphid") Luft-Luft-Flugkörper
zur Bekämpfung langsam oder tief fliegender Ziele, wie feindliche
Hubschrauber, montiert werden. Das Pilotencockpit erhielt die ASP-17V Bordkanonenzieleinrichtung
und nun ebenfalls ein HUD, auf das alle flugrelevanten Daten projiziert
werden konnten. Des Weiteren bekam der Helikopter eine Doppelsteuerung,
so dass die Steuerung notfalls auch vom Vordercockpit ausgeführt werden
konnte. Auch die Avionik erhielt eine Überarbeitung und vor den Triebwerkseinlässen
wurden ab 1981 PZL-Fremdkörperabscheider standardmäßig
neben den IR-Dämpfern (ab 1984) an den Triebwerksausgängen installiert.
Zur Steigerung der Flugleistungen wurden zwei TV3-117V Turbinen mit je
2.190 Wellen-PS (1.633 kW) verwendet. Die späten Maschinen der Version
erhielten auch erstmals ab Werk den L-166V-11E "Ispanka" oder SOEP-V1A
"Lipa" IR-Störer hinter dem Hauptrotor und Täuschkörperwerfer
hinter den Kabinenzugängen. Als Kommunikationssysteme fanden R-863
VHF und R-828 Verwendung, während der alte IFF-Transponder durch das
SRO-1P Parol L-006LM Beryoza RHAWS in den späten Serienmodellen ersetzt
wurde. Insgesamt wurden bis Produktionsende 1986 ca. 1.000 Maschinen gebaut.
Mi-24P (Natokennzeichnung Hind-F) Dieser Typ stellte eine weitere Entwicklung aus dem Hind-D dar, dessen
Serienproduktion 1981 begann. Der Hauptunterschied bestand im Einbau der
GSh-30k Zwillingskanone im Kaliber 30 mm, womit auch der Spitzname Pushka
(= "Kanone") seinen Ursprung fand. Zu diesem Schritt entschloss man sich,
als sich die ungenügende Leistungsfähigkeit der "YakB-12,7" im
Afghanistankrieg herausstellte. Erste Versuche mit der Kanone unternahm
man mit Mi-24D, die in Pods eine GSh-30k trugen und damit allerdings weniger
Raketen mit sich führen konnten. Die endgültige Montage erfolgte
aufgrund der Rohrlänge der Kanone nicht wie in den Vorgängermodellen
in einem Kinnturm, sondern auf der rechten Seite starr unterhalb des Cockpits.
Die damit nicht mögliche unabhängige Richtung akzeptierte man
auf Grund des Gewinns an Feuerkraft. Somit musste nun die gesamte Maschine
auf das Ziel ausgerichtet werden. Etwa 750 Schuss Munition konnten mitgeführt
werden. Aus den Erfahrungen des Afghanistankrieges ergänzte man die
Abwehrmaßnahmen durch zwei Dreifach-Blöcke des ASO-2V Fackelsystems
hinter den Flügeln, die insgesamt 192 Fackeln verschießen konnten.
Die Fackelautomaten wurden teilweise auch an Mi-24D und V nachgerüstet.
Weitere Modifikationen stellten sich in Form weiterer Avionikoptimierungen
und Zellenverstärkungen dar. Bis zum Produktionsende 1989 fertigte
man 620 Maschinen.
Mi-24R bzw. Mi-24RHhR (Natokennzeichnung Hind-G1)
Der erste Prototyp dieser Version entstand 1978 als Umrüstung eines
Mi-24V als Ersatz für den Mi-8VD. Die Serienfertigung begann 1983
und endete 1989 mit ca. 152 produzierten Mustern. Die Hauptaufgabe dieses
Typ ist die Aufklärung atomarer, biologischer und chemischer Verseuchung.
Zu diesem Zweck ist an der Bugspitze ein Sensor zur Analyse von möglichen
Kampfstoffen in der Luft und an den Flügelspitzen ein System zur Aufnahme
von Bodenproben installiert worden. Die Besatzung bestand aus vier Personen:
den beiden Piloten, einem Techniker und einem Soldaten mit ABC-Schutz-Ausbildung.
Im Einsatz arbeiteten die Besatzungsmitglieder unter ABC-Vollschutz. Die
Analyse der Proben konnte sofort im Frachtraum vorgenommen und die Ergebnisse
an die Leitstelle oder an andere Empfänger weitergeleitet werden.
Über den standardmäßigen Fackelwerfer konnten neben Düppeln
zur Ablenkung feindlicher Flugkörper auch Fackeln zur Markierung verseuchter
Gebiete verschossen werden. Die kinnlafettierte Bordkanone wurde beibehalten,
die Zieleinrichtungen für die Panzerabwehrflugkörper entfielen.
Nichtsdestotrotz konnten ungelenkte Raketen mitgeführt werden. Besonders
oft konnten die Mi-24R nach dem tragischen Unfall einer der Kernreaktoren
im ukrainischen Tschernobyl beobachtet werden, wo sich das Muster hervorragend
bewährte. Einige Mi-24R erhielten 1989 neue, leistungsfähigere
Kommunikationssysteme und Flugavioniken.
Mi-24K (Natokennzeichnung Hind-G2)
Der Mi-24K war mehr ein Gefechtfeldsaufklärer denn ein Kampfhubschrauber, und diente als Ersatz für den veralteten Mi-8TARK. Er war mit hochsensibler Elektronik ausgestattet, darunter zwei A87P oder AFA-100 Kameras (f8/1.300 mm Linsen), eine in der Passagierkabine und eine am Bug anstelle der Zieleinrichtung der Panzerabwehrflugkörper. Dieses Modell wurde auch als Artilleriebeobachter verwendet, der Korrekturen der Zielkoordinaten an die Artilleriebatterien weiterleitete. Dazu besaßen die Mi-24K das RITA Aufklärungssystem, zu dem ein optisches Zielidentifikationssystem, Zielcomputer und Datenverarbeitungssystem gehörte. Als Bewaffnung führte er B-8V-20 Raketen zu je zwei Startbehältern und die vierläufige 12,7 mm Bordkanone im Kinnturm mit. Gebaut wurden von dieser Version zwischen 1983 und 1989 etwa 162 Maschinen.
Mi-24PS
Diese Version wurde nicht in Serie gefertigt und ist eine Umrüstung
von Hind-F für das russische Innenministerium. Die insgesamt zwei
Maschinen dienen seit der Mitte der 90er Jahre für Sicherungs- und
SAR-Aufgaben. Die erste Maschine behielt ihre 12,7 mm Kanone, doch die
Zieloptiken am Bug verschwanden zugunsten eines Lautsprechersystems und
eines Suchscheinwerfers, und an der Bugspitze wurde ein beweglicher FLIR-Turm
(Forward Looking Infra Red) installiert. Weitere Modifikationen stellen
sich in Form der Montage eines Wetterradars und eines Satellitenkommunikationssystems
dar. Der zweite Prototyp ist ähnlich der ersten Maschine ausgerüstet,
allerdings wurde die gesamte Bewaffnung entfernt und die Stummelflügel
bis auf den ersten Pylon verkürzt, an dem ein Zusatztank vorgesehen
ist.
Mi-24M / Mi-35M (auch Mi-24VM bzw. Mi-24PM) Der Mi-24M ist die neueste Version, die Mil sowohl als Neubau oder als
kampfwertgesteigerte und einsatzdauerverlängerte Umrüstung anbietet.
Der Mi-35M ist dabei die Exportbezeichnung und zielt auf die ungeheure
Menge exportierter, inzwischen veralteter Hind, während Mi-24M die
Bezeichnung für die umgerüsteten Maschinen der Russischen Föderation
ist. Die westlichen Militärs konnten sich 1995 auf der Pariser Flugshow
zum ersten Mal ein Bild von dieser neuartigen Version machen. Die Einsatztests
des Mi-24VM begannen 1999. Das Umrüstpaket besteht nicht als Ganzes,
viel mehr kann ein potentieller Kunde sich seine Umrüstung je nach
Budget aus sogenannten "Blocks" oder "Stages" selbst zusammenstellen, was
angesichts der finanziellen Lage Russlands als vielversprechende Marktstrategie
angesehen werden kann.
Kampfwertsteigerungen und lebensdauerverlängernde Maßnahmen anderer Hersteller Aufgrund der weiten Verbreitung des Hind auch außerhalb des ehemaligen
Warschauer Paktes erschienen in den letzten Jahren zahlreiche Umrüstungspakete,
die die Lebensdauer der Maschinen verlängern und deren Kampfkraft
erhöhen sollen. Allein das Alter der Mehrheit der Maschinen versprechen
einen hohen Absatz dieser Updates. Sowohl Nutzerstaaten als auch die Industrie
von Drittstaaten entwickelten entsprechende Pakete.
Einsatz Afghanistankrieg (1978 - 1989) Seit dem Rückzug der Briten aus Indien hatte die Sowjetunion Afghanistan
durch starke Wirtschafts- und Militärhilfe an sich zu binden versucht.
Als die prokommunistische Demokratische Volkspartei (DVPA) 1978 nach dem
Sturz von Präsident Daud die Macht übernahm, begann ein Krieg,
der sich insbesondere gegen die verschiedenen muslimischen Gruppierungen
innerhalb des Landes richtete und bis Oktober 1979 über 200.000 Flüchtlinge
nach Pakistan trieb. Aus Furcht, die auf den Sturz der Regierung hinarbeitenden
Rebellen (Mujaheddin) könnten eine fundamentalistische islamische
Republik gründen, entsandte die Sowjetunion ab Dezember 1979 über
eine Luftbrücke innerhalb weniger Wochen 90.000 Soldaten. Diese Kontingent
wurde dann noch bis auf 150.000 sowjetische Soldaten aufgestockt. Die rote
Armee wurde in einen Guerillakrieg hineingezogen in einem Land, in dem
das schroffe Gelände die einheimischen Kämpfer bevorteilte. Die
Mujaheddin kämpften enthusiastisch und waren zugleich Kämpfer
die vor Kriegsverbrechen nicht zurückschreckten, dies taten aber auch
nicht minder die sowjetischen Militärs. Die sowjetischen Streitkräfte
benötigten eine Waffe, welche die Mujaheddin in diesem schroffen Gelände
erfolgreich bekämpfen konnte. Diese Bekämpfung sollte aus der
Luft stattfinden, da man glaubte, hierdurch die wenigsten Verluste hinzunehmen
zu müssen.
Hind in deutschen Diensten: NVA und Bundeswehr Aus den Erfahrungen der USA im Vietnamkrieg heraus reifte auch bei den Militärs der NVA der DDR der Entschluss Kampfhubschrauber in die Streitkräfte zu integrieren. Da die NVA offiziell eine Defensivstreitmacht darstellen sollte, bereite der Einsatz von reinen Angriffswaffen der Parteiführung Kopfschmerzen, so dass die Anschaffung und der Betrieb geheim blieb. Den Beginn bildete 1976 der Mi-8TB, erst 1978 kamen die ersten Mi-25D/Mi-24D nach Deutschland. Die Anschaffung der insgesamt 42 Mi-24D verlief bis 1983 und die Maschinen wurden in die Kampfhubschraubergeschwader 57 in Basepohl (später KHG-5) und KHG-67 (später KHG-3) in Brandenburg bzw. Cottbus aufgeteilt. Im Jahr 1989 kamen nochmals 12 Mi-24P hinzu. Insgesamt gingen drei Maschinen (1980, 1982 und 1984) durch Abstürze verloren, so dass 1990 die restlichen 51 Maschinen in den Bundeswehrbestand übergingen. Als Bezeichnungen wurden die Registrierungen 96+01 bis 96+51 vergeben. Zur technischen Erprobung gingen zwei Mi-24D und ebenso viele Mi-24P im Februar 1991 an die Wehrtechnische Dienststelle 61. Im April 1991 übernahm die US Army einen Mi-24D und Mi-24P zur Feinddarstellung und nach der Entscheidung im Jahr 1992 der Bundeswehr den Flugzeugtyp auszumustern, gelangten die meisten Hinds der NVA 1995/96 nach Polen und Ungarn, wo sie zur Ersatzteilgewinnung genutzt werden sollten. Zumindest vier dieser abgegeben Maschinen wurden von Polen oder Ungarn an Kroatien geliefert. Die restlichen Maschinen sind in Museen hauptsächlich in Deutschland (WTS Koblenz, Luftwaffenmuseum Gatow, MHM Dresden/Flugplatzmuseum Cottbus oder auch das Technikmuseum Speyer), aber auch in Duxford, England, sowie in Brüssel, Belgien, wiederzufinden.
Weiterführende Literatur/Homepages
Alle Richtungs- und Seitenangaben
beziehen sich auf die Pilotenblickrichtung;
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