Anfang der 80er Jahre begann man bei den verschiedenen Streitkräften
Europas darüber nachzudenken, zahlreiche im Einsatz befindliche und
inzwischen veraltete Muster im Bereich der Transport- und Marinefliegerei
zu ersetzen. Europas Helikopterflotten waren ein buntes Sammelsurium hauptsächlich
amerikanischer Typen, die allesamt ihrem natürlichen Ende der Einsatzdauer
entgegen schritten. In Folge der schrumpfenden Wehretats entschlossen sich
Deutschland, Frankreich, die Niederlande und Italien Anfang der 90er Jahre
gemeinsam einen Ersatz für diese Typen zu finden, wobei dieses neue
Muster sowohl die Basis für einen landgestützten, mittleren Transporthelikopter
als auch für eine schiffsgestützte ASW-Plattform bieten sollte.
Entwicklung
Aufgrund der Alterung der Helikopterflotten der europäischen NATO-Staaten
entstanden in der NIAG SG14 (NATO Industrial Advisory Group = industrielle
Beratungsgruppe der NATO) während der 80er Jahre erste Studien eines
Mehrzwecktransporters und Bordhubschraubers, was sowohl technische als
auch finanzielle Rahmenbedingungen einschloss. Im Dezember 1990 begann,
nach der Unterzeichnung der Verträge über die Beteiligung der
Industrie der vier Partnerländer (Frankreich, Deutschland, Italien
und die Niederlande), die Entwicklung des NH90, des NATO-Hubschraubers
der 90er Jahre. Als zentraler Auftraggeber und Verwalter des Programms
gründeten die vier Partnernationen im Februar 1992 die NATO Helicopter
Management Agency (NAHEMA) sowie als zentralen Auftragnehmer NATO Helicopter
Industries (NHI). An letzterem, im August 1992 gegründeten Joint Venture,
das für die internationale Vermarktung, Produktsupport und Entwicklung
bzw. Weiterentwicklung zuständig ist, sind Eurocopter Frankreich und
Eurocopter Deutschland zu je 31,25%, Agusta zu 32% und Fokker zu 5,5% beteiligt.
Für die Entwicklung und Produktion übernahm dabei Agusta
die Verantwortlichkeit für das Hauptgetriebe, das Hydrauliksystem,
die automatische Steuerkontrolle, das Triebwerkskontrollsystem, die Integration
des zweiten Triebwerkpaketes von Alfa Romeo (ehemals Fiat Avio) bzw. General
Electric, das Missionspaket der Marineversion und die Produktion des fünften
Prototypen (PT5). Bei Agusta sollen des Weiteren die niederländischen
und italienischen Marineversionen hergestellt werden. Eurocopter Frankreich
entwickelte das Cockpit, den Rotor, das Heckrotorgetriebe, die elektrischen
Systeme als auch die Flugkontrollsysteme und übernahm die Integration
des Antriebs sowie des Avioniksystems. Zudem stellte Eurocopter Frankreich
die Prototypen PT1, PT2 und PT3 her und liefert für Deutschland und
Frankreich die Marineversion. Die Entwicklungsarbeit von Eurocopter Deutschland
konzentriert sich auf die Helikopterzelle, das Treibstoffsystem, das Kommunikationssystem,
das Display- und Eingabesystem sowie das Missionssystem für den Transporthelikopter.
Hierfür baute Eurocopter Deutschland den vierten Prototypen (PT4)
und stellt für Deutschland die Transporthubschrauber her. Fokkers
Verantwortlichkeit betrifft Wartungsluken, Fahrwerk, Hilfsgetriebe und
Windkanaltests. In Europa sind solche Gemeinschaftsprojekte nichts Neues,
sehr gute Ergebnisse erzielte man bereits mit dem Hersteller des Mehrzweckkampfflugzeuges
Tornado, Panavia, oder bei der Entwicklung und Beschaffung des Alpha Jet.
Im Jahr 1993 entstanden für TTH (Tactical Transport Helicopter
= Taktischer Transporthubschrauber) und NFH (NATO Frigate Helicopter =
NATO-Fregattenhubschrauber) die endgültigen Gestaltungs- bzw. Designauslegungen
und damit die ersten Windkanaltests. Am 29. September 1995 hatte PT1 seinen
Roll-Out und absolvierte am 18. Dezember seinen Erstflug. Bereits am 19.
März 1997 hatte PT2 seinen Jungfernflug und am 2. Juli desselben Jahres
wurde der erste Flug mit dem Fly-by-Wire-System durchgeführt. Vom
22. bis 23. Juli 1998 fanden erste Decklandetest mit PT1 statt, bei denen
62 Landungen auf der französischen Fregatte "Courbet" (F712) der La
Fayette-Klasse durchgeführt wurden.
Nachdem alle Prototypen ihren Jungfernflug und primäre Testprogramme
absolviert hatten, wurde am 30. Juni 2000 zwischen NAHEMA und NHIndustries
die Serienfertigung des ersten Loses über 298 Maschinen beschlossen.
Portugal trat als fünfte Nation am 21. Juni 2001 dem NH90-Programm
bei. Im September desselben Jahres wurde der NH90 als Sieger des NSHP (Nordic
Standard Helicopter Programme) nominiert, in dessen Folge Schweden (26.
September 2001), Finnland (19. Oktober 2001) und Norwegen (30. November)
den NH90 bestellten, Dänemark entschied sich allerdings für den
größeren EH101 Merlin. Griechenland folgte am 29. August 2003
mit seiner Bestellung. Im Jahr 2004 sollen die ersten Maschinen an die
Nutzerstaaten ausgeliefert werden. Die abzulösenden Maschinentypen
stellen sich zum Beispiel in dem Bell UH-1D Iroquois ("Huey"), Sikorsky
bzw. Westland Sea King, Westland Lynx/Sea Lynx und Aerospatiale Puma/Super
Puma dar. Am 12. September 2003 wurde der NH90 im kanadischen Ottawa außerdem
der Canadian Navy vorgestellt, um an der Ausscheidung für einen neuen
Marinehubschrauber teilzunehmen. Hauptauftragnehmer wäre im Falle
des Sieges Lockheed Martin Canada.
| Nation (Streitkräftezweig) |
Typ |
Bestellungen |
Optionen |
| Deutschland (Heeresflieger) |
TTH |
50 |
33 |
| Deutschland (Luftwaffe) |
TTH/CSAR |
30/8 |
24 |
| Deutschland (Marine) |
NFH/SAR |
30 |
- |
| Frankreich (Marine) |
NFH |
27 |
- |
| Italien (Heeresflieger) |
TTH |
60 |
- |
| Italien (Marine) |
TTH |
10 |
- |
| Italien (Marine) |
NFH |
46 |
- |
| Italien (Luftwaffe) |
TTH |
- |
1 |
| Niederlande (Marine) |
NFH |
20 |
- |
| Portugal (Heeresflieger) |
TTH |
10 |
- |
| Schweden |
TTT (Tactical Troop Transport)/SAR
(NSHP) und NFH /NSHP) |
13/5 |
-/7 |
| Finnland |
TTH/SAR (NSHP) |
20 |
- |
| Norwegen (Marine) |
NFH (NSHP) und NFH/SAR (NSHP) |
6/- |
-/10 |
| Norwegen (Küstenwache) |
NFH/SAR (NSHP) |
8 |
- |
| Griechenland (Heer) |
TTH |
16 |
20 |
| Griechenland (Luftwaffe) |
CSAR |
4 |
- |
Technik
Gestaltung
Sowohl TTH als auch NFH bauen auf einer gemeinsamen Zelle mit entsprechenden
dynamischen Komponenten auf. Die Zelle zeichnet sich durch ein konventionelles
Design mit Heckausleger und einem einziehbaren Dreipunktfahrgestell aus.
Das vordere Fahrwerk ist lenkbar (NFH) bzw. beweglich (TTH), doppelt bereift
und wird nach hinten unter das Cockpit eingefahren, während die beiden
einfach bereiften Heckfahrwerke in die seitlichen Fahrwerksverkleidungen
versenkt werden. Sinkgeschwindigkeiten bis zu 4 m/s können vom Fahrwerk
absorbiert werden, bei bis zu 6 m/s bleibt die Struktur der Zelle unbeschädigt.
Ein durchgehender Knick an den Seitenflächen bestimmt das äußere
Erscheinungsbild des Helikopters. Neben dem Ziel der Gewichtsverringerung
wird zur Minimierung der Radarsignatur die Zelle komplett aus Kohlefaserverbundwerkstoffen
hergestellt, was zudem noch eine hohe Stabilität und damit eine erhöhte
Sicherheit bei Abstürzen bietet. Metalle wurden nur im Bereich des
Getriebedecks, der Treibwerkssektion und für Befestigungs- und Lastelemente
verwendet. Ein weiteres optisches Merkmal stellt die rechtsseitig am Ende
des Auslegers montierte Höhenflosse dar, die für die nötige
Stabilität im Vorwärtsflug sorgt. Für Luftverladungen der
Maschine, z.B. zukünftig im A400M, kann der Heckausleger gefaltet
werden (TTH manuell, NFH automatisch). Der bis zu 1,58 m hohe Nutzraum
beginnt direkt hinter dem Cockpit und ist durch jeweils eine seitliche
Schiebetür zugänglich. Der Querschnitt des Frachtraumes bleibt
durchgängig nahezu gleich und die Höhe beträgt minimal 1,53
Meter, die nutzbare Breite ohne Änderung 2 Meter. Die Strukturen im
Lastbereich sind so weit verstärkt ausgelegt worden, dass mindestens
10.000 Flugstunden in 30 Dienstjahren gewährleistet werden. An der
Außenhaut können beidseitig Schwerlastträger mit Außenlaststationen
zur Mitführung von Zusatztanks oder Flugkörperbewaffnung installiert
werden. Auf Kundenwunsch kann beidseitig oberhalb der seitlichen Türöffnungen
eine Rettungswinde installiert werden, was vor allem für SAR-Aufgaben
in Betracht kommt.
Der Rotorkopf eines Prototypen. Im Vordergrund
ist der Lufteinlauf einer der Turbinen zu sehen.
(Picture by http://www.mi-24.com)
Dynamische Komponenten
Der Hauptrotor besitzt vier aus Verbundstoffen gefertigte, in Wabenbauweise
ausgeführte Rotorblätter mit nach unten gebogenen, spitz zulaufenden
Enden. Des Weiteren ist die Außenhaut der Rotorblätter aus
glasfaserverstärktem Kunststoff gefertigt und zur Enteisung sind
in der Innenstruktur Heizmatten installiert. Der Rotorkopf ist aus Titan
geschmiedet und über Elastomerlager mit den Rotorblättern
verbunden. Zum Schutz des Rotorkopfes ist eine runde Abdeckung auf der
Oberseite montiert. Am oberen Ende des Seitenleitwerks ist der ebenfalls
vierblättrige, konventionelle Heckrotor linksseitig am oberen Ende
der Heckfinne montiert. Sowohl die Heck- als auch die Hauptrotorblätter
tragen an den Blattvorderkanten Titanstreifen zum Korrosionsschutz.
Oberhalb der Kabine sind beidseitig zum Hauptgetriebe die Turbinen angeordnet.
Der Lufteinlauf befindet sich auf der Oberseite der Verschalung und
kann nach Bedarf mit Filtern versehen werden. Zur Verfügung stehen
nach Kundenwunsch entweder zwei Rolls Royce/Turbomecá RTM 322-01/9
mit je 2.230 Wellen-PS (1.662 kW) oder zwei General Electric (Lizenzbau
bei Alfa Romeo) T700-T6E1 Turbinen mit je 2.170 Wellen-PS (1.618 kW).
Beide Turbinen verfügen über ein FADEC-System (Full Authority
Digital Engine Control). Die Leistungsgrenze des Getriebes liegt bei
3.413 Wellen-PS (2.560 kW), so dass beide Turbinen nicht unter maximaler
Leistungsfähigkeit laufen. Beim Ausfall einer der beiden Turbinen
wird die Drosselung aufgehoben und somit der Leistungseinbruch größtmöglich
kompensiert. Notfalls läuft das Getriebe 30 Minuten auch ohne Schmierung.
Für ECS Boden- bzw. Wartungsarbeiten oder einen unabhängigen
Turbinenstart verfügt der NH90 über eine APU (Auxiliary Power
Unit). Vor bzw. hinter dem Hauptgetriebe befindet sich jeweils ein Hilfsgetriebe
(RAGB und AGB), wobei das vordere (RAGB) durch die APU angetrieben wird.
Zur Stromversorgung verfügt der NH90 über drei Generatoren,
wovon zwei durch das Haupt- und der dritte durch das vordere Hilfsgetriebe
und damit durch die APU angetrieben wird. Zwei Batterien versorgen die
Bordsysteme mit Gleichstrom, zusätzlich ist als Notsystem ein Gleichstromgenerator
montiert. Um weiterhin einen möglichst hohen Sicherheitsstandard
zu gewährleisten, wurde das Hydrauliksystem redundant ausgelegt,
Fahrwerk und andere Systeme, wie die Heckladerampe, werden durch einen
weiteren Hydraulikkreis versorgt. Die bruchsicheren und selbstabdichtenden
Treibstofftanks von Uniroyal-Engelbert Reifen, Aachen, sind im Kabinenboden
verstaut, auf Kundenwunsch können die nötigen Anlagen zur
Luftbetankung installiert werden. Der NFH wird dabei ein größeres
Tankvolumen besitzen als der TTH.
Das moderne Cockpit des NH90 mit fünf großflächigen
MFDs. (Picture by http://www.mi-24.com)
Cockpit und Avionik
Das Cockpit bietet Platz für zwei nebeneinander angeordnete Piloten,
die in ihrem gläsernen Arbeitsplatz über fünf 8" x 8" (20
cm x 20 cm) Farb-MFDs (Multifunktionsbildschirme) verfügen, auf denen
alle Informationen - Leistung, Maschine, Mission und Wartung betreffend
- angegeben werden. Außerdem ist das Thales Topowl HMSD-System (Helmet
Mounted Sight and Data, Helmsichtgerät) mit einem Sichtbereich von
40° eingebaut. Die Sitze der Piloten sind bruchlastabsorbierend ausgelegt
und können gepanzert werden. Zur Klimatisierung des Cockpits und der
Kabine besitzt der NH90 zwei getrennte Systeme (zwei Kondensatoren und
zugehörige Kompressoren auf dem vorderen Getriebedeck oberhalb der
Kabine), die durch Warmluft aus den Triebwerken versorgt werden. Alle Flugsteuerungssysteme
sind mehrfach redundant ausgelegt, um die Maschine bei Ausfällen oder
Gefechtsschäden flugfähig zu halten.
Das Avioniksystem beider Typenreihen basiert auf einem zweifach ausgelegten
digitalen MIL-STD-1553B Datenbus. Die Flugsteuerung erfolgt "fly-by-wire",
wobei keine mechanischen Notsysteme vorgesehen sind. Nach Angaben von NHI
ist der NH90 der weltweit erste Helikopter, der über diese Anordnung
verfügt. Zur Unterstützung und Reduzierung der Belastung des
Piloten existiert neben dem primären Flugkontrollsystem ein automatisches,
computergestütztes System, das z.B. die Geschwindigkeitsbeibehaltung,
Durchstartmanöver oder Navigationsflüge unterstützt bzw.
sogar übernimmt. Weiterhin verfügt die Maschine über eine
DKU (Display and Keyboard Unit), die es ermöglicht, dass Eingaben
der Crew direkt angenommen werden und Systemdaten auf den MFDs dargestellt
werden können. Ebenfalls werden Navigations- und Missionsdaten auf
den MFDs dargestellt. Als Notinstrumentierung verfügt das Cockpit
über einen Satz konventioneller analoger Instrumente. Des Weiteren
erlaubt das Kommunikationssystem verschlüsselte Kommunikation und
akustische Warn- und Identifikationshinweise. Das externe Kommunikationssystem
besteht aus zwei V/UHF Funkgeräten, einer VHF/UHF Peilanlage, einem
HFF/SSB Funkgerät und einem deutsch-französischen Thomson-CSF
TSC-2000 Mode-S IFF-Transponder (Identification Friend or Foe).
Ein weiterer Bestandteil der Avionik ist das Navigationssystem, welches
sich aus einem Trägheitsnavigationssystem, Satellitennavigation (GPS),
einem Dopplergeschwindigkeitssensor Marconi ANV 353, einem Radarhöhenmesser
Thales AHV21, einem Luftdatensensor (ADS) und dem Thales TLS 2020 zusammensetzt.
Das TLS2020 besteht aus drei Komponenten, einem Mikrowellenlandesystem,
bei dem im Helikopter ein Empfänger installiert ist, der eine Positionsbestimmung
zu einem im Mikrowellenbereich sendenden Transmitter im Landebereich zulässt,
einem Instrumentenlandesystem und einem VHF-System zur Bestimmung der Peilung
eines am Landepunkt befindlichen Senders (VOR = VHF Omni Range).
Weiterhin wird dem Piloten ein Geräteverwaltungssystem (PMS) zur
Seite gestellt, das eine Schnittstelle zwischen Mensch und Maschine darstellen
soll. So gibt das System z.B. eventuelle Systemausfälle, aber auch
Checklisten, Betriebsdaten usw. wieder. Es kann auch zur Missionsunterstützung
genutzt werden, so optimiert das System Flugkurs, -höhe und -geschwindigkeit
und gibt sie als Empfehlung auf einem MFD an den Piloten weiter. Zusätzlich
verfügt die Maschine zur Verringerung von Standzeiten zur Wartung
und Steigerung der Verlässlichkeit über ein autonomes und automatisches
Diagnosesystem.
TTH - Tactical Transport Helicopter
Der NH90 TTH stellt im Grunde die Basisform des Musters dar, allerdings
mit einigen wenigen missionsspezifischen Avionikbestandteilen. Der Frachtraum
kann entweder zum Transport von 20 ausgerüsteten Infanteristen auf
Bruchlast absorbierenden Sitzen genutzt werden bzw. bis zu zwölf Tragen
für Verwundete und einen Sanitäter aufnehmen. Des Weiteren sind
eine CSAR-Version (Combat Search and Rescue), eine EloKa-Ausführung
(Elektronische Kampfführung) und VIP-Versionen geplant. Als Rüstsätze
sind z.B. Zusatztanks, zusätzliche Bewaffnung und Vorrichtungen zum
Absetzen von Fallschirmjägern vorgesehen. Als weiteres Avionikpaket
verfügt der TTH über ein Sextant Avionique (jetzt Thales) EUROGRID
Kartensystem, das auf den MFDs Position des Helikopters, topographische
Daten, Flugroute und Missionsziele darstellen kann. Hinzu kommt das EADS
HELLAS, welches ein aktives auf Laser gestütztes Hinderniswarnsystem
zur Ortung von z.B. Hochspannungsleitungen, Hindernissen oder geländespezifischen
Merkmalen darstellt und das Honeywell Primus 701A Wetterradar. Beide Sensoren
sind im Maschinenbug installiert. Weiterhin bietet NHI das EADS EWS (Electronic
Warfare Suite = System zur elektronischen Kampfführung) an, welches
sich sowohl aus aktiven als auch passiven Systemen, wie zwei Täuschkörperwurfanlagen
Saphir-M (Chaff/Flare), einem IR-Störer, dem AN/AAR-60 MILDS Flugkörperannäherungswarnsystem
und dem Laser- bzw. Radarwarnempfänger (ALTAS, Advanced Laser Threat
Alerting System) zusammensetzt. Eine weitere Option, die die Bundeswehr
vermutlich beschaffen wird, besteht im ebenfalls am Bug installierten Galileo
FLIR 111(Forward Looking InfraRed), dessen Daten in das Helmvisier des
Piloten eingespeist werden können und damit Geländetiefstflüge
erheblich erleichtert. Das Galileo FLIR 111 ist eine Gemeinschaftsentwicklung
von Galileo Avionica, Hensoldt Systemtechnik GmbH und AEG-Infrarot-Module.
Zusätzlich können Restlichtverstärker von der Besatzung
eingesetzt werden, wofür die Instrumentierung entsprechend eingerichtet
werden kann. Auf Grund seiner Sensoren und Instrumentierung ist der NH90
TTH allwetter- und nachteinsatzfähig und bietet gleichzeitig höchste
Manövrierfähigkeit. Optional wird ebenfalls eine 1,78 m breite
und 1,58 m hohe Heckladerampe angeboten, was in der Klasse der 9 - 10-Tonnen-Hubschrauber
ein Novum bedeutet. Zur erleichterten Beladung kann auch hierfür der
Ausleger beigeklappt werden.
Der TTH-Prototyp PT4 in Tarnlackierung der Bundeswehr.
Gut zu erkennen sind die nach oben gebogenen Abgasöffnungen.
(Picture by NHIndustries)
NFH (NATO Frigate Helicopter / NATO Fregatten-Hubschrauber)
Mit der zunehmenden Verbreitung von Hubschraubern in den Streitkräften
nach dem Zweiten Weltkrieg konnten sich die Militärs in aller Welt
von der Vielseitigkeit und vom Nutzen dieser Fluggeräte in aller Deutlichkeit
überzeugen. Bald darauf erkannte man auch in den Seestreitkräften,
wie wertvoll Hubschrauber auch für Marineaufgaben sein könnten
- nicht auf lange Start- und Landebahnen angewiesen, können Helikopter
auch von kleinen, schwankenden Plattformen aus operieren.
Anfangs wurden zerbrechliche, landgestützte Maschinen wie die
Bristol Sycamore dazu eingesetzt, Personal und Material zu schwimmenden
Einheiten im Küstenvorfeld zu verbringen. In ihrer Leistungsfähigkeit
eingeschränkt, waren diese Maschinen auf gutes Wetter und ruhige See
angewiesen und konnten nur wenig Nutzlast transportieren. Die technische
Entwicklung ging weiter, schon Ende der 50er Jahre liefen die ersten Schiffe
vom Stapel, die von Anfang an für Hubschrauberoperationen vorbereitet
waren. Sie verfügten über ein Landedeck, einen Hangar zur wetterfesten
Unterbringung sowie genug Raum, um das zusätzliche Personal und Material
unterzubringen. Gleichzeitig hatte man Verfahren entwickelt, die den Einsatz
von Helikoptern auch bei schwereren Wetterbedingungen erlaubten. Bei den
eingesetzten Mustern handelt es sich noch heute zumeist um Versionen größerer
Modellfamilien, jedoch bestätigen auch hier Ausnahmen die Regel: Der
amerikanische SH-2 Sea Sprite beispielsweise ist bis heute ein reiner Bordhubschrauber
geblieben.
In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts hat sich, neben den
großen Truppen- und Materialtransportern, eine weitere Gattung ganz
besonders durchgesetzt: der U-Jagdhubschrauber. ASW-Helikopter sind heute
auf fast jeder größeren Marineeinheit stationiert und dienen
als "verlängerter Arm" und ganz besonders als "fliegendes Auge" der
Flotte.
 |
Prototyp PT2 im Schwebeflug. Gut zu erkennen sind
das Rundsuchradar und der orangefarbene ASW-Torpedo. PT2 ist jedoch kein
vollwertiger NFH, unter anderem entspricht die Nase noch dem TTH, die Täuschkörperwurfanlagen
sind nicht eingebaut.
(Picture by NHIndustries)
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Überblick und Auftrag
In diesem Zusammenhang gibt es vom NH90 neben der landgestützten
Variante TTH noch die Version NFH, die extensiv an die deutlich veränderten
Einsatzbedingungen angepasst wurde. Diese Anpassungen beinhalten neben
der für die ASW-Rolle notwendigen Sensorik und Bewaffnung, auch einen
automatisch faltbaren Hauptrotor, einen, ebenfalls automatisch, abklappbaren
Heckausleger, ein Decklandesystem sowie eine Notschwimmeranlage. Die Heckladerampe
des TTH ist dagegen entfallen.
Das Aufgabenspektrum des mehrrollenfähigen NFH ist breit gefächert
- es umfasst:
Ü Ortung, Klassifizierung und Bekämpfung
von Unterwasserzielen (ASW)
Ü Ortung, Klassifizierung und Bekämpfung
von Überwasserzielen (ASuW)
Ü Zieldatenübermittlung (OTH)
Sekundärrollen sind weiterhin:
Ü Durchführung von Such- und
Rettungsoperationen (SAR)
Ü Materialtransport inklusive VERTREP
Ü Personentransport
Ü Minenlegeoperationen
Ü Boarding-Einsätze
Die Abkürzung OTH steht hierbei für "Over the Horizon Targeting"
und beschreibt die Nutzung des Bordhubschraubers und seiner Sensoren zur
Vergrößerung der durch die Erdkrümmung beschränkten
Radarortungsreichweite mittels Datenfunk. Hierdurch können auch hinter
dem Sichthorizont liegende Ziele durch eigene Einheiten mit Seezielflugkörpern
bekämpft werden. Hierfür ist der NFH mit Geräten für
NATO-standardisierten LINK11 und LINK16-Datenfunk ausgerüstet. Aufwuchsfähigkeit
bzw. Erweiterbarkeit auf zukünftige LINK-Versionen ist vorhanden.
VETREP, die Abkürzung des englischen Ausdruckes "VERTical REPlenishment",
bezeichnet die Versorgung von schwimmenden Einheiten mit Nachschubgütern
(Ersatzteile, Munition u.ä.) sowie Personal mittels Hubschraubern,
ohne dass diese auf der zu versorgenden Einheit landen müssen. Zu
diesem Zweck sind auf dem Deck vieler Schiffe und Boote Markierungen angebracht,
die den Piloten die Orientierung erleichtern sollen.
Im Folgenden werden zwei typische U-Jagdoperationen, ASW-Screening sowie
ROC, näher beschrieben. Ähnlich den Verfahren in der Luftabwehr
ist auch die U-Jagd eine gängige Vorgehensweise, um die zu schützende
Einheit einen gestaffelten Verteidigungsschirm aufzubauen. Hauptstütze
der ASW-Zonenverteidigung ist auch hier der Hubschrauber, der aufgrund
seiner hohen Geschwindigkeit und großen Reichweite schnell auf
Lageveränderungen reagieren kann. Eine solche "Screening"-Mission
als Teil eines U-Abwehrschirmes dauert rund vier Stunden. Diese setzen
sich zusammen aus 15 Minuten zum Erreichen des Operationsgebietes, dreieinhalb
Stunden Verbleib im Operationsgebiet inklusive elf Ortungszyklen mit
Einsatz des Tauchsonars sowie weiterer 15 Minuten für den Rückflug
zum Schiff. Als Notfallreserve sind 20 bis 30 Minuten eingeplant.
Ein weitere typische Mission ist ROC, oder "Relocation On Call". Hierbei
handelt es sich um Einsätze zur Verifizierung von zuvor durch andere
Einheiten aufgefassten möglichen Kontakten, wobei zumeist Sonarbojen
genutzt werden. Eine vierstündige ROC-Mission würde sich zusammensetzen
aus 35 Minuten Flugzeit zum Operationsgebiet, 20 Minuten für den
Abwurf der Sonarbojen, zwei Stunden Überwachung des Operationsgebietes,
30 Minuten für den eventuellen Abwurf von Torpedos sowie weiteren
35 Minuten Rückflug.
Auch hier wären Treibstoffreserven für etwa 30 weitere Minuten
Flugzeit vorhanden.
Besatzung
Der NFH operiert mit einer Besatzung von vier bis fünf Mann. Diese
besteht aus dem Piloten, dem Copiloten sowie einem Sensorbediener (SENSO,
SENSor Operator) in der Kabine. Dort ist ebenfalls eine zweite Konsole
für den Missionsplanungsoffizier (TACCO, TACtical COordinator) untergebracht.
Im hinteren Teil der Kabine befindet sich auf der Steuerbordseite noch
ein fünfter Sitzplatz für einen Beobachter.
Der NFH kann auch mit einer dreiköpfigen Besatzung noch operieren.
In diesem Fall befindet sich der TACCO nicht an Bord, dessen Aufgaben würden
dann durch den Copiloten übernommen werden.
Gestaltung
Die in der Kabine installierten Geräte bilden das Herzstück
des ASW-Hubschraubers - der NFH stellt hierbei keine Ausnahme dar. An der
Vorderwand der Kabine befinden sich, neben einer Durchgangsöffnung
zum Cockpit, zwei Konsolen für TACCO (links) und SENSO (rechts) sowie
ein Lagerregal für Sonarbojen. Dahinter ist mittig das Tauchsonarsystem
installiert, welches in etwa ein Drittel der Kabinenlänge einnimmt.
Im rückwärtigen Teil befinden sich ein Beobachtersitz (Steuerbord)
sowie die Sonarbojen-Abwurfvorrichtung (Backbord).
Da der NFH und TTH auf demselben Grundmuster basieren, sind Unterschiede
nur im Detail zu finden. Äußerlich unterscheiden sich die beiden
Versionen auf den ersten Blick nur durch eine unterschiedliche Nase, das
NFH-typische Radom unter dem Rumpf sowie die nur beim TTH vorhandene Heckrampe.
Die dynamischen Komponenten des NFH (Turbinen, Getriebe, Rotor, …) entsprechen
denen des TTH.
Zur Unterstützung von Decklandungen, auch bei schlechteren Wetterbedingungen,
verfügt der NFH über ein Landeunterstützungssystem. Sowohl
das besonders durch die US Navy genutzte System RAST (Recovery Assist,
Secure and Traverse) als auch das in Europa weit verbreitete ASIST-Konzept
(Aircraft Ship Integrated Secure Traverse) können genutzt werden.
Beide Systeme werden von der kanadischen Firma Indal Technologies Inc.
entwickelt und produziert.
RAST beruht auf einem so genannten "Messenger-Kabel", welches vom
Hubschrauber auf das Flugdeck heruntergelassen wird. Hier wird es von
einem Mitglied der Deckmannschaft in ein stabileres Stahlkabel eingehakt
wird, welches dann vom Hubschrauber hochgezogen und verriegelt wird.
Durch langsames Einholen kann der Landeanflug des Hubschraubers nun
stabilisiert werden. Gleichzeitig wird die Maschine auch auf dem Flugdeck
verankert, bis sie in den Hangar verfahren oder anders gesichert werden
kann.
ASIST hingegen verfolgt ein anderes Konzept. Hier verfügt der
Hubschrauber über einen ausfahrbaren "Stachel", der in einem Moment
geringer Schiffsbewegungen in ein den Bewegungen des Hubschraubers folgendes
Gegenstück auf der Landefläche einklinkt. Dieser Stachel ist
auch für den Spitznamen dieses Systems, "Harpune", verantwortlich.
Ist der Hubschrauber gelandet, kann er mittels des beweglichen Verfahrstückes
automatisch in den Hangar gezogen werden.
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PT5 bei Erprobungen der Notschwimmeranlage. Gut zu
erkennen die gegenüber PT2 veränderte Nase.
(Picture by NHIndustries)
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Avionik / Sensoren
Tauchsonar
Den Hauptsensor des NFH stellt das moderne Tauchsonar dar, welches in
der Kabine untergebracht ist. Tauch- bzw. Dipping-Sonare sind kompakte
Schallwandler, die an einem Stahlseil aus dem schwebenden Hubschrauber
in das Wasser herabgelassen werden. Die Eintauchtiefe ist bis zur Maximallänge
frei wählbar, so dass der Wandler auch unter eventuelle Thermoklinen
(Sprungschichten, an denen sich die Schallgeschwindigkeit stark ändert)
herabgelassen werden kann.
Ü HELRAS
Nach eingehenden Vergleichserprobungen hat sich die Deutsche Marine
für die Beschaffung des HELRAS-Systems als Dipping-Sonar für
den NH90 NFH entschieden. HELRAS (HElicopter Long Range Active Sonar) wird
vom Kieler Wehrelektronikspezialisten ELAC Nautik, einem Tochterunternehmen
der L3 Communications Group, entwickelt und gefertigt.
Das System ist in Größe und Gewicht mit dem international
bisher als führend anerkannten Mittelfrequenz-Dipsonar AN/AQS-18(V)
der Firma Ocean Systems vergleichbar, mit welchem HELRAS in Signalprozessor,
Sonar-Kontrolleinheit, Anzeigeeinheit, Windensystem, Kabelschnittstellen
und Steuereinheiten gemeinsame Komponenten verwendet.
Umfangreiche Erprobungen in verschiedenen Seegebieten, unter anderem
durch US Navy und Royal Australian Navy sowie die italienische und die
königlich norwegische Marine, haben nachgewiesen, dass HELRAS das
zurzeit weltweit leistungsfähigste Dip-Sonarsystem darstellt. Die
Ortungswahrscheinlichkeit gegenüber konventionellen, diesel-elektrischen
U-Booten ist hierbei sogar höher als bei vielen größeren,
schiffsgebundenen Geräten.
Die Sende- und Empfangscharakteristika ermöglichen neben großen
Ortungsreichweiten in Flachwasserzonen ebenfalls die Ausnutzung des Konvergenzzoneneffektes
in tiefen Gewässern, die niedrigen Arbeitsfrequenzen reduzieren störende
Echoeffekte (beispielsweise Volumenhall und Sprungschichtreflexion).
| Systemgewicht HELRAS |
| Schallwandler: |
152 kg |
| Winde, Stahlseil, Steuergerät: |
115 kg |
| Datenverarbeitungssysteme: |
45 kg |
|
Gewicht Sonarsystem:
|
312 kg |
| Sonar-Kontrolleinheit: |
7 kg |
| Flachbildschirm: |
7 kg |
|
Gesamtsystem:
|
326 kg |
| Leistungscharakteristika HELRAS |
| Absenktiefe: |
max. 1.630 ft (500 Meter) |
| Frequenzbereich: |
1,32 bis 1,45 KHz |
| Schalldruck: |
max. 219 dB/µPa/yd |
| Entfernungs-Schaltbereiche: |
2/3/5/8/12/20/32/50/80/120 Kiloyard
entsprechend:
1/1,5/2,5/4/6/10/16/25/40/60 Seemeilen |
| Operationsmodi (aktiv): |
CW von 10 Sekunden Dauer FM von 5 Sekunden Dauer
Impulslänge: 200 oder 500 Millisekunden |
| Operationsmodi (passiv): |
UQC |
| Windengeschwindigkeit (in Luft): |
aufwärts 4,6 m/s abwärts 4,0 m/s |
| Geschwindigkeiten Schallwandler (in
Wasser): |
Einholgeschwindigkeit 2,5 m/s Sinkgeschwindigkeit 0,6 m/s |
Ü FLASH / FLASH-S
Während die deutschen NFH mit dem HELRAS-System ausgerüstet
werden sollen, ist für die französischen Modelle das Dipping-Sonar
FLASH von Thales Underwater Systems vorgesehen. Dieses Sonargerät
wurde bereits von mehreren Marinen für ihre ASW-Hubschrauber ausgewählt,
darunter die Royal Navy (EH101 Merlin), US Navy (MH-60R) sowie die Marine
der Vereinigten Arabischen Emirate (AS532 Cougar).
Ähnlich HELRAS ist auch FLASH ein Tieffrequenzsonar, welches sowohl
in tiefen als auch in flachen Gewässern große Ortungsreichweiten
erzielt.
Eine modifizierte und an die besonderen Sonarbedingungen in der Ostsee
angepasste Version stellt FLASH-S dar. Die Anpassungen beschränken
sich hierbei auf Änderungen am Schallwandler selbst, das Gesamtsystem
bleibt weitgehend unverändert. Diese Version ist, in Verbindung mit
dem ebenfalls von Thales entwickelten Signalverarbeitungssystem TMS2000,
für die skandinavischen NH90 geplant. TMS2000 ist in der Lage, zwischen
vier und 64 Sonarbojen zu verwalten und ihre Signaldaten in das Gesamtlagebild
einfließen zu lassen. Ein Missions-Planungssystem ist integriert.
Das System ist ebenfalls für die französischen NH90 vorgesehen.
Sonarbojen
Sonarbojen (engl. "sonobuoys", SB) stellen eine weitere wichtige Ortungskomponente
moderner U-Jagdhubschrauber dar. Im Grunde genommen handelt es sich um
kleine, einmalig verwendbare Hydrophone, die ihre Daten an den ASW-Hubschrauber
übermitteln. Wie bei herkömmlichen Sonargeräten gibt es
auch hier sowohl aktive, als auch passive Versionen.
Zum Abwurf von Sonarbojen verfügt der NFH im hinteren Teil der
Kabine über ein Abwurfgerät mit rotierendem Magazin, welches
zwölf Bojen fasst. Es kann während des Fluges nach- oder umgeladen
werden, der SENSO verfügt hierzu neben seiner Konsole über ein
Lagerregal für weitere Sonarbojen. So gut wie alle dem NATO-Standard
entsprechenden Typen können eingesetzt werden, so beispielsweise AN/SQQ-801B
BARRA (eine passive Richtboje) oder LFAS (Low Frequency Active Sonobuoy,
eine aktive Niederfrequenzboje), beide entwickelt und hergestellt von Thales
Underwater Systems. Rundsuchradar
Zur Ortung, Verfolgung, Klassifizierung und Identifizierung von Überwasserzielen
verfügt der NFH über ein Rundsuchradar, welches sich in einem
auffälligen Radom unter dem Vorderrumpf befindet. Das Radar stellt
auch den Hauptsensor in der OTH-Rolle als fliegende Sensorplattform dar. Ü ENR
Das speziell für den NH90 entwickelte Rundsuchradar ENR (European
Naval Radar) ist in den meisten NFH installiert. Es basiert auf dem Thales
"Ocean Master" und ist ein modernes, multimodales Pulsdopplerradar. Es
kann sowohl im SAR- (Synthetic Aperture Radar) als auch im ISAR-Modus (Inverse
SAR) betrieben werden. Es ist in der Lage, hochauflösende Radarbilder
auch sehr kleiner Objekte bei fast allen Seebedingungen zu erstellen. Zusätzlich
ist es ebenfalls möglich, Luftziele zu erfassen. Das ENR wird in trilateraler
Zusammenarbeit gemeinsam von EADS (Deutschland), Alenia Difesa (Italien)
und Thales Raytheon (Frankreich/USA) entwickelt und gefertigt. Ü Ocean Eye
Als bislang einziger zukünftiger Nutzer hat sich Schweden für
die Beschaffung eines anderen Rundsuchradars für ihre NFH entschieden.
Statt des ENR wird hier ein amerikanisches AN/APS-143(V)3 Ocean Eye der
Firma Telephonics verwendet.
Wie das ENR ist auch Ocean Eye ein SAR/ISAR-fähiges Multimode-Radar.
Es operiert im X-Band und wird bereits von der US Air Force, der US Navy,
der US Coast Guard sowie der australischen und neuseeländischen Marine
eingesetzt. Weitere Sensoren
Ü FLIR
Zur passiven Ortung von Überwasserzielen verfügt der NFH
über ein vollwertiges taktisches FLIR (Forward Looking InfraRed, vorwärtsgerichtetes
Infrarotsichtgerät), welches unterhalb der Nase des Hubschraubers
montiert ist. Damit ist Seeraumüberwachung und Zielerfassung bzw.
-verfolgung auch bei Nacht oder widrigen Witterungsumständen möglich.
Auch ist das FLIR ein wichtiges Sensorsystem für Such- und Rettungsoperationen. Ü MAD
Im MAD-System (Magnetic Anomaly Detector, Magnetanomaliedetektor) verfügt
der NFH über einen weiteren Sensor zur Ortung von Unterwasserzielen.
Ein MAD registriert Veränderungen im Erdmagnetfeld, die durch größere
Metallansammlungen verursacht werden. Ende des Zweiten Weltkrieges wurden
diese Geräte in der Hoffnung entwickelt, ein neues Hauptsensorsystem
zur U-Boot-Ortung gefunden zu haben, um die damals misstrauisch beäugten
Sonarsysteme verdrängen zu können. Bis heute haben Magnetanomaliedetektoren
jedoch immer weiter an Bedeutung verloren, so dass sie nur noch als ergänzendes
Ortungsverfahren angesehen werden - genau andersherum, als man zunächst
gedacht hatte. Der Hauptgrund dafür liegt in der geringen Leistungsfähigkeit
dieser Geräte. Sie erfassen lediglich einen schmalen Streifen von
wenigen hundert Yard Breite, sind verhältnismäßig leicht
zu täuschen und bieten keinerlei Möglichkeit zur Identifikation
eines möglicherweise georteten Kontakts. Zum Vorteil gereicht ihnen
jedoch die Möglichkeit, sie im Überflug über ein Seegebiet
einsetzen zu können.
Ü ESM/ELINT
Zur Ortung, Klassifizierung und Identifizierung von Radarsignalen verfügt
der NFH über ein von EADS entwickeltes digitales Breitband-ESM-System.
Hiermit sind sowohl Eigenschutz und Möglichkeiten zur Bedrohungsanalyse
(ESM, Electronic Support Measures) sowie elektronische Aufklärung
(ELINT, Electronic INTelligence) gegeben.
Ein aufgefangenes Radarsignal kann somit analysiert, mit einer Datenbank
verglichen und einem bestimmten Emitter (in diesem Falle Radargerät)
zugewiesen werden. Eine Identifizierung eines passiv aufgeklärten
Zieles ist somit eingeschränkt möglich.
 |
PT5 kurz vor der Landung auf dem Flugdeck des italienischen
Versorgers "Etna" (A5326). Der FLIR-Ball sowie die ESM-Antennen sind gut
zu erkennen, ebenso das Rundsuchradar.
(Picture by NHIndustries)
|
Bewaffnung und Eigenschutz
Entsprechend seines vielfältigen Aufgabenspektrums kann der NFH
mit einer großen Palette verschiedenster Waffensysteme ausgerüstet
werden. Neben Leichtgewichttorpedos und Seezielflugkörpern kann der
NH90 auch Wasserbomben, Minen und Luft-Luft-Flugkörper mitführen
und einsetzen. Hauptwaffe des NFH ist der U-Jagdtorpedo. Prinzipiell kann
jeder für den Hubschraubereinsatz geeignete ASW-Torpedo mitgeführt
werden, vorgesehen ist jedoch der Einsatz des neuen europäischen Leichtgewichttorpedos
MU90 (Frankreich, Deutschland, Italien) oder amerikanischer Waffen Typ
Mk.46 oder Mk.50 (skandinavische und andere NFH-Nutzerstaaten). Insgesamt
zwei ASW-Torpedos können an Aufhängungen beiderseits des Rumpfes
mitgeführt werden. Zur Bekämpfung von Überwasserzielen ist
es möglich, Seezielflugkörper anstelle der Torpedobewaffnung
einzusetzen. Der NFH ist in der Lage, auch größere Waffen vom
Typ AS.39 Exocet oder AGM-84A Harpoon mitzuführen, jedoch werden solche
schweren Flugkörper mit großer Wahrscheinlichkeit nicht mehr
als nur eine Option darstellen. Viel sinnvoller erscheint hier die Nutzung
kleinerer und leichterer Waffen, wie dem britischen Sea Skua, dem norwegischen
Penguin beziehungsweise dem ebenfalls in Norwegen von Kongsberg entwickelten
Seezielflugkörper neuester Generation NSM. Letzterer wird sich sehr
wahrscheinlich als Standard-Seezielwaffe des NH90 NFH durchsetzen. Mitgeführt
werden können jeweils zwei Flugkörper Exocet, Harpoon bzw. NSM
oder vier Flugkörper Sea Skua. Zum Eigenschutz verfügt der NFH
über ein integriertes EloKa-Gefechtssystem EADS EWS, welches sowohl
aktive als auch passive Komponenten miteinander verknüpft. Teilkomponenten
des EWS sind zwei Täuschkörperwurfanlagen Saphir-M (Chaff/Flare),
ein Infrarot-Störgerät, ein AN/AAR-60 MILDS Flugkörperannäherungs-Warnsystem
sowie Radar- und Laserwarnempfänger (ALTAS, Advanced Laser Threat
Alerting System). Norwegische NFH verfügen über ein integriertes
Funkstörgerät AN/ALQ-211 IRFCM der Firma ITT, während die
schwedischen Maschinen mit einem von Saab Avionics in Zusammenarbeit mit
der südafrikanischen Firma Avitronics entwickelten EloKa-System ausgerüstet
sind.
Ü Leichtgewichttorpedo MU90
Der neue europäische ASW-Torpedo MU90, auch als IMPACT bzw. ALT
(Advanced Lightweight Torpedo) bezeichnet, ist eine Gemeinschaftsentwicklung
von Whitehead Alenia (Italien), DCN International sowie Thales Underwater
Systems (beide Frankreich), und wird vom Firmenkonsortium EUROTORP international
vermarktet. Er kann sowohl durch Überwasserschiffe, Flugzeuge, Hubschrauber
und U-Boote eingesetzt werden, ein Abwurf durch Flugkörper ist ebenfalls
möglich.
| Leistungsparameter MU90/IMPACT/ALT |
| Minimalgeschwindigkeit: |
29 kn |
| Maximalgeschwindigkeit: |
50+ kn |
| Einstellschritt: |
1 kn |
| Bremszeit von 50+ auf 29 kn: |
3 Sekunden |
| Reichweite: |
25.000 m / 29 kn
12.000 m / 50+ kn |
| Sonar-Arbeitsfrequenz: |
deutlich über 10 KHz
6 genutzte Frequenzbänder |
| Sonarfenster: |
120° horizontal
70° vertikal |
| max. Erfassungsreichweite (aktiv): |
> 2.500 m |
| max. Anzahl Ziele: |
10 |
Ü Seezielflugkörper
NSM
Der Seezielflugkörper NSM (Nytt Sjømålsmissil bzw.
international als Naval Strike Missile vermarktet) wird seit 1996 bei Kongsberg
Defence & Aerospace in Norwegen entwickelt. Es handelt sich um einen
modernen Flugkörper geringer Entdeckungswahrscheinlichkeit, der als
Nachfolger für den erfolgreichen FK Penguin vorgesehen ist. Der NSM
ist als unterschallschneller "sea skimmer" ausgelegt, das heißt,
der FK operiert im extremen Tiefstflug und vermeidet so eine frühzeitige
Entdeckung. Die Lenkung im Endanflug wird durch einen abbildenden Infrarotsucher
(IIR) gewährleistet, der die Erkennung und Klassifizierung von Zielen
auch in Landnähe gestattet. Dieses Konzept ermöglicht eine hohe
Präzision des Waffeneinsatzes gerade in Küstengebieten und eine
ausgesprochen hohe Resistenz gegenüber Störmaßnahmen. NSM
kann von Schiffen/Booten, Luftfahrzeugen und mobilen landgestützten
Abschussplattformen aus eingesetzt werden. Die Einführung bei den
königlich norwegischen Seestreitkräften ist für 2005 vorgesehen.
| Leistungsparameter NSM |
| Länge: |
395 cm |
| Gewicht: |
410 kg/347 kg nach Abwurf des Boosters |
| Höchstgeschwindigkeit: |
Mach 0,9 |
| Reichweite: |
90 sm (165+ km) |
| Gefechtskopf: |
125 kg (Mehrzweck/Splitter) |
| Antrieb: |
TurboJet (Turboméca) |
| Navigation: |
Trägheitsnavigation, GPS, TERCOM |
| Lenkung (Zielanflug): |
IIR (abbildender IR-Sucher) |
| |
 |
PT5 aus einer ungewöhnlichen Perspektive, die
Maschine befindet sich im Zustand vor dem Einbau wichtiger NFH-Komponenten.
Man beachte hier die glatte Nase noch ohne die für die Marineversion
typischen Antennen und Sensoren.
(Copyright NHIndustries)
|
| Bezeichnung
des Helikopters: |
NH90
TTH |
NH90
NFH |
| Typ: |
Taktischer
Transporthubschrauber |
U-Jagd-
und Bordhubschrauber |
| Hersteller: |
NH Industries |
NH Industries |
| Baujahr
(in Serie): |
2004 - ? |
2005 - ? |
| Besatzung: |
1 oder
2 Piloten
1 Lademeister |
2 Piloten,
2 oder 3 Operatoren/Beobachter |
| Antrieb: |
2 Turbinen
Rolls-Royce/MTU RTM 322-01/9
oder
2 Turbinen General Electric/Fiat Avio T700-T6E1 |
2 Turbinen
Rolls-Royce/MTU RTM 322-01/9
oder
2 Turbinen General Electric/Fiat Avio T700-T6E1 |
| Dauerleistung: |
2x 1662 kW
(2x 2.230 WPS) |
2x 1662 kW
(2x 2.230 WPS) |
| Höchstleistung (30 min): |
2x 1789 kW (2x 2.400
WPS) |
2x 1789 kW (2x 2.400
WPS) |
| Notleistung (Ausfall einer Turbine, OEI, 60
min): |
1x 1802 kW (1x 2.417 WPS) |
1x 1802 kW (1x 2.417 WPS) |
| Notleistung (Ausfall einer
Turbine, OEI, 90 s): |
1x 1955 kW (1x 2.622
WPS) |
1x 1955 kW (1x 2.622
WPS) |
| Notleistung (Ausfall einer Turbine, OEI, 30
s): |
1x 2159 kW (1x 2.895 WPS) |
1x 2159 kW (1x 2.895 WPS) |
| Höchstgeschwindigkeit
(VNE): |
330 km/h |
330 km/h |
| Marschgeschwindigkeit: |
290 km/h |
260 km/h |
| max.
Steigrate: |
11 m/s |
11 m/s |
| Dienstgipfelhöhe: |
6.000
m |
6.000
m |
| Schwebeflug-Gipfelhöhe
mit Bodeneffekt: |
3.500 m |
3.300 m |
| Schwebeflug-Gipfelhöhe
ohne Bodeneffekt: |
2.900 m |
2.600 m |
| Kraftstoffvorrat: |
intern:
2.036 kg
extern: 2x 248 kg
Überführungstank in Kabine: 4x 400
kg |
intern:
2.036 kg
extern: 2x 248 kg
Überführungstank in Kabine: 4x 400
kg |
| Maximalreichweite
mit Innentanks: |
880 km |
950 km |
| Überführungsreichweite
mit Innen- und Außentanks, bei gutem Flugwetter: |
1.150 km |
1.220 km |
| max. Einsatzdauer interne
Tanks: |
4 h 30 min |
5 h |
| max. Einsatzdauer interne
und externe Tanks (CSAR): |
6 h (ohne Reserve) |
6 h 30 min (ohne Reserve) |
| g-Limits: |
+/-3g |
+ /- 3g |
| Massen:: |
Leermasse:
5.400 kg
Startmasse: 8.700 kg
Überlast-Startmasse: 11.000 kg
Nutzlast:
- ca. 2.500 kg intern
- ca. 4.000 kg an Lasthaken |
Leermasse:
6.430 kg
Startmasse: 9.100 kg
Überlast-Startmasse: 11.000 kg |
| Rumpflänge: |
16,13
m |
16,13
m |
| Länge
über Rotor: |
19,65
m |
19,65
m |
| Höhe: |
5,23
m |
5,23
m |
| Rumpfbreite
(ohne
Flügelspitzenwaffenträger): |
4,52 m |
4,52 m |
| Hauptrotordurchmesser: |
16,30 m |
16,30 m |
| Heckrotordurchmesser: |
3,2
m |
3,2
m |
| Länge Kabine: |
4,8 m |
4,8 m |
| Breite Kabine: |
2,0 m |
2,0 m |
| Höhe Kabine: |
1,58 m (Standardkabine)
1,85 m (Hochkabine) |
1,58 m (Standardkabine)
1,85 m (Hochkabine) |
| Volumen Kabine: |
15,2 m³ (Standardkabine)
17,5 m³ (Hochkabine) |
15,2 m³ (Standardkabine)
17,5 m³ (Hochkabine) |
| Kabinenzugänge: |
Zwei Schiebetüren
1,60 m x 1,50 m
Öffnung Laderampe 1,78 m x 1,58 m |
Zwei Schiebetüren
1,60 m x 1,50 m |
| Bewaffnung: |
Zwei
Maschinengewehre in der Kabine,
Flugkörper, Raketen- und Kanonenbehälter
an externen Aufhängepunkten (CSAR) |
ASW-Torpedos,
Seezielflugkörper, Minen, Wasserbomben, Luft-Luft-Flugkörper |
 |
|
PT4 bei Erprobungen der Täuschkörperwurfanlage,
hier Ausstoß von Infrarot-Täuschkörpern (Flares). (Copyright NHIndustries)
|
Weiterführende Literatur/Homepages
Ü
Bernd Vetter/Frank Vetter, Die
Deutschen Heeresflieger, Motorbuch-Verlag
Ü
NH Industries, http://www.nhindustries.com
Ü
Eurocopter,
http://www.eurocopter.com
Alle Seitenangaben beziehen sich auf
Pilotenblickrichtung. Text by british steel and Praetorian
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