Der Aufklärungs- und Kampfhubschrauber RAH-66 Comanche sollte die Rolle eines
schnellen und kampfstarken Aufklärers auf dem Schlachtfeld des 21.
Jahrhundert übernehmen. Schon seit dem Vietnamkrieg verfügte die US Army
über Aufklärer von Hughes und Bell, die jedoch den immer höher werdenden
Anforderungen nicht mehr gerecht zu werden schienen. Der Comanche sollte den
Kampfhubschrauber AH-1 Cobra, sowie die Aufklärer OH-6 und OH-58 Kiowa ersetzen. Aufgrund der veränderten Bedrohungslage und dem
technischen Fortschritt auf dem Gebiet der UAVs (Unmanned Aerial Vehicles
= Drohnen)
entschied sich die US Army jedoch dafür, das Projekt abzusetzen.
Entwicklung
Im Jahr 1983 schrieb die US Army das LHX-Programm (Light Helicopter
Experimental) aus, das die UH-1, AH-1, OH-6 und OH-58 Kiowa ersetzen
sollte. Die Anforderungen beinhalteten geringen Personal- und
Wartungsaufwand (MANPRINT-Programm = MANpower and PeRsonnel INTegration),
gute Höhenleistungen, hohe Wendigkeit und überragende Überlebensfähigkeit
im Einsatz. Für dieses Projekt sollten modernste Technologien
berücksichtigt werden. Ursprünglich sollte der neue Hubschrauber von nur
einem Piloten bedient werden, doch es stellte sich schnell heraus, dass
dieser überfordert werden würde. Also entschied man sich Ende 1985 für ein
Zwei-Mann-Cockpit. Im Jahr 1987 wurde das Einsatzspektrum auf Aufklärung
und Angriff beschränkt. Die Rolle als Mehrzweckhubschrauber entfiel und der
Gesamtbedarf wurde auf 2.096 gesenkt. Am 21. Juni 1988 wurden zwei
Konsortien beauftragt mit der Entwicklung von anfangs vier Prototypen,
1994 auf zwei reduziert, zu beginnen. Diese beiden Konsortien waren das
"First Team" mit Boeing und Sikorsky und das "Super Team" mit Bell und
McDonnell Douglas. Im Jahr 1990 wurde der Gesamtbedarf wegen steigenden
Kosten und Umstrukturierungen der US Army nochmals auf 1.292 gesenkt. 1991
ging schließlich das "First Team" aus dem Wettbewerb als Sieger hervor.
Das gesamte Projekt verlief seitdem äußerst zäh. Wegen Geldmangel, ständig
neuen Anforderung, wie der Integrierung von möglichst vielen
Cockpitsystemkomponenten der F/A-22 Raptor, Konstruktionsänderungen und auch
Fehlern in der Gesamtkonstruktion verschob sich der Roll-Out des ersten
Prototypen auf den 25. Mai 1995. Der Erstflug dieses ersten Comanche
erfolgte am 4. Januar 1996 und der des zweiten Prototypen "The Duke" am 30. März 1999. Am 1. Juni 2000 wurde
der 3,1 Milliarden US-Dollar schwere EMD-Vertrag (Engineering and
Manufacturing Development = Konstruktions- und Produktionsentwicklung) unterschrieben, der 13 Vorserienmaschinen für
Flug- und Systemtests der US Army beinhaltet hatte. Ursprünglich sollte im
November 2004 die Produktion mit niedrigem Produktionsausstoß beginnen,
bis sie 2010 schließlich voll anlaufen sollte. Boeing sollte den
Heckbereich und den Hauptrotor, Sikorsky den Vorderbereich
fertigen und die Endmontage übernehmen. Im Oktober 2002 wurde vom
Defense Acquisition Board des amerikanischen Verteidigungsministeriums
aber nicht nur die vorgesehene Stückzahl von 1.213 auf 650 Maschinen
zusammengestrichen, auch die Einführung wurde weit in die Zukunft verschoben. So
sollten die Comanches zwischen 2007 und 2019 gefertigt werden, wobei die
Truppeneinführung auf den September 2009 angesetzt wurde. Seit dem Januar
2002 war zudem der erste Prototyp nach 387 Flugstunden nicht mehr im
Einsatz, so dass nur noch "The Duke" für das Erprobungsprogramm zur
Verfügung stand. Ab 2005 sollten weitere neun Prototypen hinzukommen.
Am 24. Februar 2004 gab die US Army die Absetzung des Programms nach 21
Jahren, acht Milliarden US-Dollar Projektkosten und unzähligen
Schwierigkeiten und Diskussionen bekannt. Der Stückpreis explodierte von
den geforderten 12 Millionen US-Dollar auf 58 Millionen, was sogar für
den potenten Militäretat der USA zu hoch war. Damit endet ein Programm,
das einen der modernsten und ungewöhnlichsten Kampfhubschrauber
hervorgebracht hätte. Die eingesparten Mittel sollen in die Modernisierung
der AH-64D Apache und der restlichen Hubschrauberflotte der US Army
fließen.
Gestaltung / Design
Am Anfang wurde der RAH-66 als kleine Maschine, ähnlich dem OH-58 Kiowa,
geplant, doch zuletzt hatte der Comanche die Ausmaße des Apache
erreicht. Die Zelle bestand hauptsächlich aus Verbundstoffen. Diese
Technik verwand Sikorsky schon bei seinen S-75 ACAP-Erprobungsträgern
(ACAP = Advanced Composite Airframe Program, fortschrittliches
Verbundwerkstoffprogramm für Helikopterzellen). Durch die ungewöhnliche Form
und die verwendeten Verbundstoffe wurden fast ideale Stealth-Eigenschaften
ermöglicht. So sollte die Radarrückstrahlung eines RAH-66 nach
Herstellerangaben ca. 600 mal kleiner
sein, als die des AH-64 Apache.
Zahlreiche Querspanten versteiften die
innere Zelle extrem, so dass auf eine selbsttragende Außenhaut verzichtet
werden konnte. Des Weiteren besaß die Außenhaut zahlreiche große
Wartungsluken, die den Zugang zu internen System erleichtern sollte. Gegen
Beschuss bis zu einer Kalibergröße von 23 mm war die äußere Struktur
angeblich nahezu unempfindlich.
Erstmalig wurden bei einem Kampfhubschrauber zwei interne Waffenschächte
verwirklicht. Diese befanden sich unterhalb der Turbinen und verfügten
über jeweils drei Aufhängepunkte. Vor einem Abschuss der internen Bordwaffen
sollten die Waffenschachtklappen seitlich ausgeschwenkt werden. Zusätzlich zu den
internen Waffenschächten existierte noch die Möglichkeit an zwei optionalen
Stummflügeln Waffenlasten zu befestigen. Die Stummelflügel wären oberhalb
der Waffenschächte befestigt worden und hätten jeweils zwei
Aufhängepunkte besessen.
Zusatztanks hätten extern an den Stummelflügeln mitgeführt werden
können. Das
Hauptfahrwerk und das Spornrad konnten vollständig in die Fahrwerkschächte
eingezogen werden. Zur Luftverlastung sollte es zudem möglich sein, das
Hauptfahrwerk abzusenken, das Leitwerk seitlich wegzuklappen sowie den
Hauptrotor einzuklappen. Der lagerlose fünfblättrige Hauptrotor besaß gepfeilte Blattspitzen, womit die Blattspitzengeschwindigkeit reduziert
und dadurch der Rotor leiser wird. Die Hauptrotorblätter wurden durch ein flaches Glasfaserteil
(Flexbeam) am Rotorkopf befestigt. Der Heckrotor war nach rechts geneigt
und ummantelt (Fantail), was einige Vorteile gegenüber unummantelten
Heckrotoren mit sich bringt, z.B. ein höherer Wirkungsgrad und höhere
Widerstandsfähigkeit gegen Hindernisse (Äste). Außerdem war das Fantail
gegen Beschuss bis 12,7 mm Munition unempfindlich und sollte auch dann noch für
30 Minuten funktionstüchtig sein, wenn eines seiner acht Blätter durch
Beschuss verloren gegangen wäre. Das Leitwerk neigte sich über dem Heckrotor wieder nach links, damit
der T-förmige Seitenleitwerksabschluss waagerecht steht. An diesem Träger
befanden sich an den Seiten geneigte Stabilisierungsflossen, die erst
durch Modifikationen am ersten Prototypen im Herbst 2000 eingeführt
wurden. Sowohl der 5-blättrige Hauptrotor, als auch das Fantail und noch
andere lärmmindernde Maßnahmen sorgten dafür, dass sich der Comanche 40% leiser
als der AH-64 Apache im Flugbetrieb erweisen sollte.
frühes 1:1 Modell des
Comanche
Antrieb
Der RAH-66 verfügte über zwei LHTEC T-800-LHT-801 Turbinen, die sich
innerhalb der Zelle befanden. Die Lufteinlässe der Triebwerke passten sich
perfekt in die Seitenprofile der Maschine ein. Die beiden Triebwerke mit
ihren je nur 136 kg Masse besaßen keine Axialverdichterschaufeln was die
Radarrückstrahlung, die IR- und die Lärmsignatur senkte. Die Abgase wurden mit
Außenluft abgekühlt und über Heckschlitze (im Ausleger unter einer
scharfen Kante) abgeblasen, was die Aufspürung und Erfassung mit IR- und
Wärmebildgeräten und Zielsuchköpfen zusätzlich erschweren sollte. Ursprünglich
sollten leistungsschwächere T-800-LHT-800 Turbinen installiert werden, die
nur über eine Leistung von 1.344 WPS verfügten (Anfangs waren sogar nur 1.200 WPS für die
LHX-Turbine gefordert gewesen.). Doch am 7. Juni 2001 entschied man sich
für die leistungsstärkere Variante T-800-LHT-801, die in einer frühen
Version noch über nur 690 kW (925 WPS) verfügte, in
der endgültigen Ausführung aber 1.563 WPS besitzt. Die stärkere Turbine
konnte auch deshalb ohne Probleme verwendet werden, da das Getriebe
bereits von Anfang an für eine Gesamtleistung von 1.532 kW (2.054 WPS) ausgelegt wurde.
Um den Zuschlag für den Auftrag zur Entwicklung des LHX-Triebwerks
konkurrierten die drei Firmen Avco Lycoming, Pratt & Whitney und eben
die Allison Garrett Light Helicopter Turbine Engine Company (LHTEC). Bei
LHTEC handelt es sich um ein Joint Venture von Allison Gas und der Garrett
Turbine Engine Company. Beide Unternehmen sind aber mittlerweile
aufgekauft worden, so dass LHTEC heute ein Joint Venture zwischen
Honeywell und Rolls-Royce darstellt, welches die T-800 Turbine (als
CTS800-4N) auch als Option für den Augusta A129 Mangusta
und Augusta-Westland Super Lynx 300 vermarktet.
Die Turbinen
waren für einen Hubschrauber dieser Gewichtsklasse ungewöhnlich stark. Dies
sollte atemberaubende Flugleistungen ermöglichen: Der Comanche soll eine
Spitzengeschwindigkeit von 324 km/h im Horizontalflug erreicht haben, was ihn
zu einem der schnellsten Kampfhubschrauber machte. In 4,5 Sekunden
vollendete er eine Wendung von 180° und konnte mit circa 110 km/h
seitwärts und rückwärts fliegen. Bis zur Einstellung des Programms
hielten sich hartnäckig Gerüchte, dass der RAH-66 die geforderten
Gewichtsparameter nicht erfüllte und somit die sehr guten
Flugeigenschaften eingeschränkt stark ausgeprägt waren.
Cockpit
Das Cockpit besaß zwei völlig identische Stationen für den Piloten
und den Copiloten/Kampfbeobachter (CPG). Ungewöhnlicherweise nahm der
Pilot vor dem CPG platz, was bisher bei Kampfhubschraubern nicht der Fall war.
Zum Schutz vor biologischen und chemischen Waffen war die Pilotenkanzel
leicht druckbelüftet. Alle Sensorenangaben und Instrumente wurden auf jeweils vier LCDs (Liquid Crystal Displays = Flüssigkristallbildschirme)
aufbereitet und wiedergegeben. Zwei dieser LCDs waren MPDs (Multipurpose
Displays = Mehrzweckdisplay)) und farbig, welche ein digitales Kartensystem und taktische
Situationen (rechtes Display) wiedergeben oder als Ziel-Display
(linkes Display) genutzt werden konnten. Die anderen Bildschirme waren MFDs
(Multifunction Displays), mittig nebeneinander angeordnet und
schwarz-weiß.
Avionik
Der RAH-66 Comanche hätte über die modernsten Sensoren und
Zielsysteme verfügt. Alle Eingaben der Besatzung werden nicht mehr mechanisch
sondern über ein dreifach ausgelegtes FBW-System (Fly-by-Wire) übertragen.
Alle Subsysteme, wie Navigation, Einsatzplanung, Kommunikation,
Zielerfassungssysteme usw., sind in sogenannten LRMs (Line Replaceable
Modules) angeordnet. Die Hardware wird einfach nur in Steckplätze, wie bei
einem Motherboard eines Computers, geschoben. Dieses System ermöglicht
einen schellen und unkomplizierten Austausch von fehlerhaften oder
veralteten Systemkomponenten. Diese Steckplätze besitzen das
Standardformat SEM-E (Standard Electronic Module - Format E). Gesteuert
wird das ganze System von zwei Intel Pentium CPUs, die durch einen
MIL-STD-1553B Datenbus gespeist werden. Diese Verbindungen existieren zu
allen Systemen, wie der Missionsplanung oder auch dem TGS (Turret Gun
System) der Bordkanone. Lockheed Martin entwickelte für den
Comanche das EOSS (Electro-Optical Sensor System = Elektrooptisches
Sensorsystem). Dieses bestand aus einem Nachtsichtsystem für den Piloten,
einem Zielerkennungs- und Zielbeleuchtungssystem und einem Millimeterwellenradar.
Die Anordnung der Sensoren an der
Maschinennase ähneln der des AH-64 Apache. In der Nase wurde beweglich
das NVPS (Night Vision Pilotage System = Nachtsichtsystem des Piloten) mit
einem FLIR (Forward Looking InfraRed) der zweiten Generation (es besitzt die
doppelte Leistungsfähigkeit im Vergleich zu den Vorgängern) gelagert. Dieses System
diente dem Piloten bei Nacht- und Tiefstkonturenflüge. Unterhalb des NVPS
am Maschinenbug wurde das EOTADS (Electro-Optical Target Acquisition/Designation
System = elektrooptisches Zielerkennungs/Markierungs System) installiert.
Mit diesem war eine schnelle weiträumige Beobachtung, unterstützt durch
ein eigenes FLIR, möglich. Zusätzlich besaß es einen zweifarben
Laserzielmarkierer zur Beleuchtung für Laser-gelenkte Flugkörper. Die
Informationen der Bugsensoren wären entweder auf den LCDs dargestellt bzw. auf
Helmdisplays projiziert worden. Diese gehörten zum HIDSS (Helmet Integrated
Display and Sight System), welches beide Besatzungsmitglieder getragen
hätten. Auf
diesen Displays konnten die Informationen des Restlichtverstärkers bzw. des
FLIR zusammen mit wichtigen Flugdaten dargestellt werden. Das System war
biokular, was bedeutet, dass sich vor beiden Augen Projektionsflächen befanden und alle nötigen Angaben zur Flugkontrolle wiedergegeben werden
konnten. So wurde es ermöglicht, dass der Pilot sich nicht mehr mit einem
Auge auf die Instrumente und mit dem anderen auf die Umgebung bei Einsatz
eines solche Systems hätte konzentrieren müssen. Das Sichtfeld betrugt 52 mal 30
Grad. Des Weiteren diente der Helm zum Richten der XM-301 (ähnliches System
wie beim IHADSS des AH-64) und zur Zielfestlegung für Flugkörper. Für den RAH-66 kam ebenfalls ein modifiziertes
Westinghouse Longbow FCR (Fire Conrol Radar = Feuerkontrollradar) auf dem Hauptrotor als
Ausstattung in Betracht und
somit der Einsatz der AGM-114L Longbow Hellfire. Durch all
diese Zielsysteme und Automatisierungen hätten die Besatzungsmitglieder
getrennt von einander Ziele anvisieren, sie sich gegenseitig zuteilen oder
selbstständig bekämpfen können.
Die Flugkontrolle wurde stark automatisiert, so dass es möglich wurde, die
Maschine mit nur einer Hand zu steuern. Dies ist bis jetzt einmalig bei
der Steuerung eines Hubschraubers. Zur Navigation dienten ein
INS/Doppler-Präzisionsnavigationssystem mit GPS-Empfänger und zur
Kommunikation ein zweifach ausgelegtes VHF-AM für den allgemeinen
Funksprechverkehr und ein VHF-AM / UHF-AM Have Quick und SINCGARS zur
taktischen Datenübermittlung über einen 16/TADIL-J Datenlink. Als
Datenformat fand das JVMF (Joint Variable Message Format) Verwendung. Moderne
IFF-Geräte (Identification Friend or Foe = Freund/Feinderkennung), mit einer ähnlichen
Leistungsfähigkeit der Mark XII-Geräte, hätten verhindert, dass nach der
Erfassung eines Zieles die Bordbewaffnung des Hubschraubers gegen
Verbündete eingesetzt wird, was bereits im Golfkrieg verstärkt zu
Eigenverlusten führte. Die Kommunikationsanlagen sollten sowohl stör-, als
auch abhörsicher sein. Des Weiteren besaß der Comanche das MPS
(Mission Planning System = Missionsplanungsystem) zur schnellen Auswertung und Vergleich von
Sensordaten sowie die TASS (Target Acquisitions System Software =
Ziellerkennungssoftware), welche
ebenfalls eine Neuheit für Hubschrauber darstellte. Die TASS beinhaltete
eine IR-Signaturenbibliothek, durch die sie Ziele klassifizieren und genau
bestimmen konnte (Typ). Die aufbereiteten Daten wären auf den LCDs der Crew
wiedergegeben, bzw. an verbündete Einheiten und Befehlsstellen über ein
digitales Netzwerk weitergegeben worden. Beide Systeme wurden von Northrop
Grumman entwickelt. Natürlich sollte der RAH-66 auch ein
umfangreiches Paket von Stör- und Gegenmaßnahmen besitzen, so z.B. einen AN/AVR-2A(V) LWR (Laser Warning
Receiver = Laserwarnempfänger) von Goodrich
Electro-Optical Systems, einen Radarwarnempfänger (Radar Warning Receiver
= Radarwarnempfänger), ein
Infrarotstörgerät in der Art des ALQ-144 und einen Düppelwerfer-Automaten.
Im Vergleich AH-64D
Longbow Apache und RAH-66 Comanche (Picture by
Boeing)
Bewaffnung
Der Comanche sollte mit dem TGS (Turret Gun
System = Turmwaffensystem) von Gerneral Dynamics Armament Systems ausgerüstet werden, welches die 20
mm Bordkanone XM301 beinhaltet, die in einem GIAT-Turm, der nur 127 kg
wiegt, lafettiert ist. Die XM301 arbeitet nach dem Gatling-Prinzip und
besitzt drei Läufe. Das Besondere an der Bordkanone ist, dass sie "eingezogen" hätte werden
können. Diesbezüglich befand sich hinter dem Turm eine
längliche Wanne, in welche die Bordkanone geschwenkt worden wäre, wenn sie nicht
benötigt wird bzw. vor dem Bodenaufprall bei einem Absturz. Die Bordkanone
wäre erst entsichert worden, wenn sie die Ruhestellung verlassen hätte.
Sie besaß
eine wählbare Kadenz, die zwischen 750 und 1.500 Schuss pro Minute lag.
Das Magazin befand sich unterhalb des Pilotencockpits und enthielt
maximal 500 Schuss. Die XM301 deckte ein Schussfeld von +15 Grad bis -45
Grad im Höhen- und von +/- 120 Grad links/rechts im Seitenrichtbereich ab.
In den internen Waffenschächten I-RAMS (Integrated Retractable
Munitions Systems) hätten maximal 6 Hellfire, 12 Stinger oder Hydra 70 mm
aufgenommen werden können. Durch das Anbringen von Stummelflügeln mit jeweils
zwei
Aufhangpunkten hätte sich die Kampflastmenge noch einmal erheblich
steigern lassen. Allerdings
hätte eine volle Bestückung der Stummelflügel das Öffnen der
internen Waffenschächte verhindert. In den letzten Jahren hatte sich eine zweite
Möglichkeit zur Beladung der Stummelflügel durchgesetzt: Nur der äußere
Aufhängepunkt wäre voll bestückt worden, dafür hätten allerdings die internen
Waffenschächte voll genutzt werden können. Dies bot den Vorteil, dass die
Radarsignatur sank, gleichzeitig nahm damit jedoch die Kampflast ab. Als Luft-Luft-Raketen
wären Stinger, Starstreak oder Mistral,
als Luft-Boden-Raketen TOW II, HOT II oder Longbow Hellfire, oder
ungelenkte Raketen, wie Sura D 81 mm, Snora 81 mm oder 70 mm Hydra, in
Betracht gekommen. Ein weiterer Rekord des Comanche hätte darin bestanden, dass der RAH-66 innerhalb von nur 15 Minuten unter
Gefechtsbedingungen von drei Soldaten/Technikern hätte aufmunitioniert und
vollgetankt werden können.
Waffenkonfiguration des RAH-66
Comanche
| Aufgabenbereich |
linker Stummelflügel |
linker Waffenschacht |
XM301 |
rechter
Waffenschacht |
rechter
Stummelflügel |
| Armed Reconnaissance |
- (nicht montiert) |
3 Longbow Hellfire |
350 Schuss |
3 Longbow Hellfire |
- (nicht
montiert) |
| Attack |
4 Longbow Hellfire |
3 Longbow Hellfire |
500 Schuss |
3 Longbow Hellfire |
4 Longbow
Hellfire |
| Air Combat |
- (nicht montiert) |
6 Stinger |
350 Schuss |
6 Stinger |
- (nicht
montiert) |
| Scout |
- (nicht montiert) |
? |
350 Schuss |
? |
- (nicht
montiert) |
Der Prototyp
Nr.1 beim ersten Flug nach den aerodynamischen Modifikationen am 18.
Dezember 2000. Die
auffälligsten Änderungen waren das Longbow FCR sowie das geänderte
Leitwerk. (Picture by Boeing)
| Bezeichnung des
Helikopters: |
RAH-66 Comanche |
| Typ: |
Aufklärungs- und
Kampfhubschrauber |
| Hersteller: |
Boeing (Philadelphia),
Sikorsky (Stratford) |
| Baujahr: |
1995 (erster Prototyp); 1999 (zweiter Prototyp) |
| Besatzung: |
2 |
| Antrieb: |
zwei LHTEC
T800-LHT-801 |
| Leistung: |
je 1.175 kW
(1.563 Wellen-PS) |
| Höchstgeschwindigkeit
(VNE): |
324 km/h (ohne
Longbow-Radar) 307 km/h (mit
Longbow-Radar) |
| Marschgeschwindigkeit: |
296 km/h (ohne
Longbow-Radar) 275 km/h (mit
Longbow-Radar) |
| Steigleistung: |
4,547 m/s (ohne
Longbow-Radar) 2,54 m/s (mit
Longbow-Radar) |
| Dienstgipfelhöhe: |
5.000 m |
| Kraftstoffvorrat: |
intern: 1.416
Liter extern: 3484 Liter |
| Einsatzradius
mit 500 kg Waffenlast: |
ca. 900 km |
| Einsatzdauer: |
2 h 30
min |
| Überführungsreichweite: |
2.335
km |
| g-Limits: |
+ 3,5/ - 1 |
| Gewicht: |
Leergewicht:
4.218 kg Einsatzgewicht: -5.601 kg ohne Longbow-Radar -5.799 kg mit Longbow-Radar maximales Startgewicht: 7.896 kg |
| Rumpflänge: |
13,22
m |
| Länge über
Rotor: |
14,28
m |
| Höhe (ohne
Longbow-Radar): |
3,39
m |
| Rumpfbreite: |
max. 2,29 m |
| Hauptrotordurchmesser: |
11,90 m |
| Heckrotordurchmesser: |
1,37
m |
| geplante Bewaffnung: |
dreirohrige 20
mm Gatlingkanone XM301 im Kinnturm (max. 500 Schuss)
im Waffenschacht: - max. 6 AGM-114K/L Hellfire 2 - max. 6 FFAR (Hydra 70) - Starter - max. 12 AIM-92 Stinger an Außenlaststationen: - max. 8 AGM-114K/L Hellfire 2 - max. 2 FFAR (Hydra 70) - Starter |
| Produktionszahlen: |
2 Prototypen |
Frontansicht des RAH-66 (Picture by Boeing)
Die beiden Prototypen mit geöffneten
Waffenschachtluken (Picture by Boeing)
Weiterführende
Literatur/Homepages Ü offizielle Herstellerseite http://www.rah66comanche.com/ Ü offizielle
Herstellerseite zum Longbow-System http://www.missilesandfirecontrol.com/
Ü Infos
bei globalsecurity.org http://www.globalsecurity.org/military/systems/aircraft/rah-66.htm |