
| Das Gegenstück der sowjetischen Luftstreitkräfte zu dem US-Prinzip
"high-low" (hoch und tieffliegende Maschinen) ist der gemeinsame
Einsatz der MiG-29 und der Su-27. Ähnlich wie bei den US-Mustern F-16
und F-15 sollte auch die neue russische Kampfflugzeuggeneration aus einem
leichten Angriffsflugzeug (Legkij Frotovoj Istrebitel
/leichter Frontjäger), der MiG-29, und einem schweren Abfangjäger
(Tjazelij Frontovoj Istrebitel/ schwerer Frontjäger),
der
Su-27, bestehen. Der Einfluss des zentralen sowjetischen
Forschungsinstituts für Aerodynamik ZAGI bei den Entwürfen beider
Maschinen ist offensichtlich: Das Grundkonzept ist sich sehr ähnlich,
so haben beide Maschinen zwei große Triebwerke, die unten am Rumpf
anhängen, ein hohes Streckverhältnis und zweifache Seitenleitwerke.
Die Su-27 wurde als Gegenstück zur F-15 Eagle konstruiert, wobei einige
Merkmale vergleichbar sind.
Für den neuen Luftüberlegenheitsjäger hatten die russischen Militärs eine Reihe von Anforderungen. So sollte eine große Reichweite der Maschine sichergestellt sein, und zwar ohne Luftbetankung. Denn bis heute haben die russischen Luftstreitkräfte nur eine kleine Anzahl an Tankflugzeugen. Des weiteren wurde eine starke Bewaffnung und ein leistungsstarkes Radar gefordert. Die Ingenieure, die stets bemüht waren eine optimale Lösung für die gestellten Ansprüche zu finden, legten die neue Maschine deshalb von Anfang an sehr geräumig aus, so dass genug Platz für die Systeme und große Innentanks vorhanden war. Bei Langstreckeneinsätzen sollte theoretisch bis zum Feindkontakt bereits soviel Treibstoff verbraucht sein um in einem Luftkampf die volle Manövrierfähigkeit nutzen zu können. Der Prototyp der Su-27 (T-10-1) hob am 20. Mai 1977 mit Testpilot Wladimir Iljuschin vom Testzentrum in Schukowski, vier Monate vor dem MiG-29 Prototypen, zu seinem Erstflug ab. Allerdings war die Maschine so fehlerhaft, dass sich der "richtige" Erstflug weit verzögerte. Auch der Einbau eines dreifachen analogen elektrischen Steuerungssystems, das im Falle technischer Probleme durch ein mechanisches System ergänzt wurde, behob die Probleme nicht. Der Testpilot Eugeny Soloviev fand durch einen Ausfall des elektrischen Systems 1978 den Tod. Auch die Fluglage im Geradeausflug des Flugzeuges war bei einer Geschwindigkeit von Mach 2 mehr als instabil. Außerdem lag der Kraftstoffverbrauch höher als geplant. Als man dann durch Einsatzstudien zur Erkenntnis kam, dass die Su-27 der F-15 unterlegen war, ging man zum Reisbrett zurück und konstruierte eine völlig neue Maschine, nur das mittlere Rumpfteil wurde beibehalten. Das Cockpit wurde vergrößert und die Leitwerksflossen sind nun auf den Leitwerksträgern montiert. Nach fast vier Jahren Verzögerung, am 20.4.1981, startete die neue Maschine. Trotzdem gab es immer noch Probleme: Ein Testpilot musste sich nach einem Systemfehler mit dem Schleudersitz retten, ein weiterer Pilot verlor sein Leben, als sich die Vorflügel lösten. Des weiteren gab es noch Funktionsstörungen mit dem Kraftstoffsystem und dem Flugsteuerungsprogramm. Die Indienststellung erfolgte somit erst im Jahr 1986, drei Jahre später als bei der MiG-29. Im gleichen Jahr stellten die Piloten Victor Pugachev und Nicolai Savodnikov eine Serie von Höhenrekorden auf, die die Rekorde der F-15 überboten. Den ersten Sichtkontakt mit einer Su-27 hatten die westlichen Länder 1987, als eine P-3 Orion von einer Su-27 abgefangen wurde. Im gleichen Jahr kam bei einem weiteren Abfangmanöver eine Su-27 einer P-3 so nahe, dass die Propellerblätter der Orion ein Seitenleitwerk des Abfangjägers "stutzten". Auf der Luftfahrtschau in Paris 1989 wurde die Su-27, die mittlerweile den NATO-Code "Flanker" erhalten hatte, von Suchoj Testpilot Victor Pugachev vorgeführt. Dabei zeigte sich nun den westlichen Nationen endgültig, dass die Maschine trotz ihrer Größe extrem wendig war und sie Manöver fliegen konnte, die kein NATO-Muster erfolgreich wiederholen konnte. Vor allem das "Pugachevs Kobra" genannte Manöver verblüffte sowohl die Besucher in Paris als auch die Militärs. Bei diesem Manöver zog Pugachev die Nase der Flanker im Hochgeschwindigkeitsflug abrupt hoch, so dass sich die Maschine senkrecht stellte. Ein möglicher Verfolger müsste in diesem Fall unter der Su-27 vorbeijagen und könnte nun von der Flanker verfolgt werden, nachdem sie ihre Nase wieder nach unten gerichtet hat. Die bei diesem Manöver auftretenden Anstellwinkel von über 90° sind durch die "integrierte" Bauweise der Su-27 möglich. Diese von den Suchoj Ingenieuren verwendete Bezeichnung steht für die Tatsache, dass die Flügel und der Rumpf der Su-27 aerodynamisch als ein einziger Auftriebkörper wirken. Auch heute nach dem Ende des Kalten Krieges kann man die Flanker oft auf verschiedenen Luftfahrtschauen bewundern. Das 234. Garde-Jägerregiment "Proskurowskij", tritt mit seinen Flanker-C, die in den Farben der russischen Ritter (Weiß-Blau-Rot) gestrichen sind, auf der ganzen Welt bei Luftfahrtveranstaltungen auf. Technisch war die Su-27 Ende der siebziger, Anfang der achtziger Jahre auf dem neusten Stand: Das Cockpit ist mit einer HOTAS-Steuerung (Hand on Throttle and Stick) ausgerüstet und hatte 360° Rundumsicht. Vor dem Cockpit befindet sich ein IRST Infrarotsensor, der mit einem Laserentfernungsmesser und der Bordkanone gekoppelt ist. Mit dem IRST können Ziele bis in 70 km Entfernung gesucht und verfolgt werden. Insgesamt sind bei den frühen Flanker-Versionen (Flanker-A/B/C) 12 Pylone (Außenlaststationen) vorhanden, die die Su-27 zu einem kampfstarken Flugzeug machen, dass mit bis zu 6.000 kg an Waffen beladen werden kann. Eine Standardbewaffnung für die Sicherung der Lufthoheit und für die Abfangjagd sind sechs Mittelstreckenflugkörper Wimpel R-27EA und vier Nahbereichsflugkörper Wimpel R-73E. Zu Trainingszwecken gibt es auch eine zweisitzige Version, die Su-27UB. Sie hat wegen dem größeren Zweimanncockpit eine geringere Tankkapazität. Zudem wurden die Seitenflossen bei diesen Maschinen um ein zusätzliches Bauelement erhöht. Für den neuen Flugzeugträger Admiral Kuznetsov suchte man einen Ersatz für die mittlerweile veraltete Yak-38. Suchoj schlug eine veränderte Version der Su-27 vor, die speziell für den Trägereinsatz optimiert war. Die anfangs Su-27K genannte Maschine zeichnet sich durch eine Anzahl an Änderungen aus: ein verstärktes Fahrwerk, doppelte Bereifung des Bugfahrwerks, klappbare Flügel und Vorflügel hinter dem Cockpit. Darüber hinaus wurden für die Trägerlandung eine automatische Landehilfe und ein Fanghaken eingebaut. Der Heckstachel ist ebenfalls verkleinert worden. Die mittlerweile als Su-33 bezeichnete Maschine wird hauptsächlich als Jagdbomber eingesetzt. Da das Abfluggewicht der Su-33 bei Trägerstarts beschränkt ist, werden die Maschinen zu Beginn nicht ganz voll getankt. Erst in der Luft werden sie mittels einer einziehbaren Tanksonde voll betankt. Dadurch wird verhindert, dass sich die Waffenkapazität verringert. Die Su-33 könnte in Zukunft noch durch die schwerere Su-27KUB, die zur Schiffsbekämpfung dient, ergänzt werden. Eine andere Weiterentwicklung auf Basis des Su-27IB Doppelsitzers ist die Su-30 von der Indien im Dezember 1996 40 Stück bestellt hat. Die für Indien bestimmten Su-30MKI haben einen Auftragswert von 2,6 Mrd. DM und sollen dem neuesten Stand der Technik entsprechen. Die Su-30MKI ist somit eine HighTech-Version der Su-30PK, die für die russischen Luftverteidigungsstreitkräfte vorgesehen ist. Die Su-30 hat im Gegensatz zur Su-27 eine einziehbare Tanksonde, ein doppeltes Bugrad und bessere Avionik um als Führungsflugzeug in Jägerverbänden eingesetzt werden zu können. In dieser Konfiguration kann die Su-30 nur Luft-Luft-Lenkwaffen mitführen. Die als Jagdbomber ausgelegte Su-30MK ist dagegen auch in der Lage eine große Anzahl an Luft-Boden-Waffen mitzuführen für die auch zwei zusätzliche Außenlaststationen zur Verfügung stehen. Infrarotsensoren, Laserzielbeleuchter und eine kombiniertes GPS/INS-System (Kombination von Satellitenempfänger und Trägheitsplattform mit Laserkreisel) gehören ebenso zur Ausstattung. Die zweite Tranche der Maschinen für Indien erhält zudem noch Canard-Vorflügel und der Einbau des stärkeren AL-37F Triebwerkes und die Verwendung von Schubvektordüsen ist vorgesehen.
Neben der Trägerversion und den diversen
neuen Jagdbombervarianten wie der Su-30 oder der Su-34 (siehe extra Datenblatt)
hat Suchoj natürlich auch den Jäger Su-27 weiterentwickelt. Die
neue Version der Su-27 wurde 1992 auf der Luftfahrtschau in Farnborough
als Su-35 vorgestellt und hat den NATO-Code Flanker-D. Den Erstflug hatte
diese Maschine aber schon Mitte 1988. Damals hatte die Maschine noch die
Bezeichnung Su-27M. Äußerlich unterscheidet sie sich hauptsächlich
durch die Canard-Vorflügel aus Verbundwerkstoffen zur Verbesserung
der Wendigkeit. Der eigentliche Fortschritt ist aber der Sprung von der
analogen zur digitalen Technik. So wurde die Bewaffnung nicht nur durch
zwei zusätzliche Außenlaststationen sondern auch durch eine
neue, "Jammer" umfassende, ECM-Ausrüstung an den Flügelspitzen
ergänzt. Das Cockpit ist nun mit CRT-Bildschirmen und einem HUD (Head-up-Display)
ausgerüstet. Die Steuerung erfolgt über eine neues digitales
Fly-by-Wire-System. Außerdem kommen bei der Su-35 die leistungsstärkeren
Saturn (Ljulka) AL-35 Triebwerke zum Einsatz. Zusätzliche Treibstofftanks
wurden in den Seitenleitwerken integriert.
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| Picture 1, 2 and 3 by US Air Force. Text by Manuel and UncleK. |