Neben den eigentlichen Weiterentwicklungen des
Su-27 Jagdflugzeugs entwarf man auf Basis dieser Maschine auch einen Jagdbomber,
der die veralteten Su-24 "Fencer" bei den russischen Fliegern ablösen
soll. Ähnlich haben es ja schon die Amerikaner gemacht, die aus dem
Luftüberlegenheitsjäger F-15 die F-15E, einen zweisitzigen Jagdbomber,
entwickelten. Allerdings sind die russischen Ingenieure unter Generalkonstrukteur
Michail Simonow einen radikaleren Weg gegangen. Nach Tests mit einer zweisitzigen
Su-30 beschloss man für die Su-27IB (Istrebitel Bombardirowtschik
= Jagdbomber) den ganzen Vorderrumpf der Su-27 zu ändern, um eine
größeres Zweiman-Cockpit mit nebeneinander liegenden Sitzen
zu erhalten. Die beiden Besatzungsmitglieder sitzen wieder auf den bekannten
Swesda-K-36DM Schleudersitzen. Das Cockpit selbst ist eine Mischung aus
analoger und digitaler Technik. Es besitzt sowohl Flüssigkeitsdisplays
als auch konventionelle Zeigerinstrumente. Das gepanzerte Cockpit bietet
soviel Platz, dass die beiden Besatzungsmitglieder bei langen Flügen
auch mal aufstehen können. Selbst eine Toilette und eine kleine Kochnische
sind vorhanden. Die vorhandene Druckbelüftung erlaubt zudem den Verzicht
von Sauerstoffmasken. Die Titanpanzerung des Cockpits ist 17 mm stark und
an den Seiten durch Verbundwerkstoffe verstärkt. Der Einstieg erfolgt
über eine Klappe im Bugradschacht. Wie auch die Su-35 besitzt die
Su-27IB kleine Canardvorflügel, die die Wendigkeit verbessern und
die Fluglage stabilisieren.
Am 13.April flog zum erstenmal ein umgebauter
Su-27UB Trainer (T10W-1). Die Su-27IB bekam wegen dem neuen wulstigen aber
flach zulaufenden Bugdesign den Spitznamen "Schnabeltier". Das erste offizielle
Foto zeigte die erste Maschine beim Anflug auf den Flugzeugträger
"Admiral Kustneztow". Sie ist aber dort nie gelandeter, vielmehr sollte
die Aufnahme für Verwirrung sorgen und die Maschine als Trainerausführung
der russischen Marine darstellen. Im Februar wurde auf einer großen
Waffenschau dann die T-10W-1 mit Luft-Boden-Lenkwaffen präsentiert,
so dass der eigentliche Einsatzzweck klar wurde. Die erste neu gebaute
Vorserienmaschine (T10W-2) flog dann am 18. Dezember 1993. Sie erhielt
weitere Modifikationen wie ein verstärktes Fahrwerk mit je zwei Bug-
und Haupträdern. Gegenüber dem ersten Prototyp
wurde auch der Heckkonus vergrößert, um Platz für zwei
Bremsfallschirme und ein nach hinten gerichtetes Radar zu
schaffen. Im März 1994 wurde bei einem Nonstopflug der T10W-2 von
Nowosibirsk nach Schukowski erstmals der Name Su-34 benutzt. Die zweite
Vorserienmaschine wurde dann 1995 in Le Bourget als Su-32FN vorgestellt.
Diese Maschine war für Marineeinsätze mit einem "Seedrachen"
Waffensystem ausgestattet, mit dem sich U-Boot Periskope auf bis zu 150
km orten lassen. Außerdem war sie mit Antischiffslenkwaffen und Torpedos
bestückt. Mit der T10W-4 begann dann 1996 endlich die Erprobung der
Waffensysteme. Im Mittelpunkt steht hierbei das B004-Radar mit fester Antenne
und elektronischer Strahlschwenkung. Es besitzt auch die Fähigkeit
zur Erstellung hochauflösender Radarkarten. Die Navigation erfolgt
mit einer Kombination aus einer Trägheitsplattform (Kreisel) und einem
GPS-Empfänger, was eine Genauigkeit von bis zu einem Meter ermöglicht.
Zum Selbstschutz besitzt die Maschine einen Pastel-Radarwarnempfänger,
einen Mak-Infrarotsensor sowie den Otlik-Laserwarner. Sämtliche Systeme
sind über einen Datenbus verbunden. An Waffen kann die Su-27IB bis
zu acht Tonnen an 12 Außenlaststationen mitführen. Dabei kann
sie auch mit Schiffsabwehrlenkwaffen oder dem Marschflugkörper Ch-65S,
der eine Reichweite von bis zu 280 km hat, bestückt werden. Obwohl
die russischen Streitkräfte mit ihren momentanen finanziellen Mitteln
nur eineinhalb Maschinen pro Jahr bezahlen könnten, ist die Su-27IB
eines der wenigen Projekte für das noch staatliche Entwicklungsgelder
bereitgestellt werden. Dies liegt auch an den total veralteten taktischen
Angriffsflugzeugen Su-24 und Su-25, die dringend ersetzt werden müssen.
Natürlich ist man bei Suchoj aber auch an einem Export, beispielsweise
nach China, interessiert. Weitere Modifikationen wie der Einbau des stärkeren
und sparsameren AL-41F Triebwerks sind denkbar.
Neben der Su-27IB entwickelt Suchoj noch einen
weiteren Jagdbomber, die Su-27KUB (Korabelni Utschebni Bojewoi = schiffsgestützter
Kampftrainer). Die Maschine soll neben Trainingseinsätzen auch für
die Aufgabe der Schiffsbekämpfung eingesetzt werden. Sie wird höchstwahrscheinlich
mit einem N011-Mehrzweckradar ausgestattet, wie es in der Su-35 zum Einsatz
kommt. Dementsprechend hat die Su-27KUB auch nicht die flache Nase wie
die Su-34, sondern eine rund zulaufende. Das Cockpit ist aber ebenfalls
für zwei nebeneinanderliegende Sitze ausgelegt. Die erste Maschine
hob am 29. April 1999 zum Erstflug ab. Sie besitzt einen völlig neuen,
größeren Flügel mit 16 m Spannweite, der natürlich
auch für die Su-27IB interessant wäre. Die Maschinen sind als
Ergänzung zu den trägergestützten Jägern Su-27K (Su-33)
gedacht, doch die Serienfertigung steht noch nicht fest.
| Bezeichnung des Flugzeugs: |
Su-27IB (Su-34) |
| Typ: |
zweisitziger Jagdbomber |
| Konstruktion: |
OKB Suchoj, Moskau |
| Fertigung: |
NAPO, Nowosibirsk |
| Erstflug: |
13. April 1990 |
| Besatzung: |
2 |
| Antrieb: |
2 Saturn Al-31F |
| Standschub (kN): |
je 74,21 ohne Nachbrenner,
je 122,21 mit Nachbrenner |
| Höchstgeschwindigkeit
(Mach): |
1,8 |
| g-Limit: |
7 g |
| Startstrecke (m): |
1.260 |
| Landestrecke (m): |
1.100 |
| Dienstgipfelhöhe (m): |
14.000 |
| Kraftstoffvorrat (kg): |
intern 12.100 |
| Einsatzradius (km): |
600 in Bodennähe,
1.130 in großer Höhe |
| Überführungsreichweite
(km): |
4.000 |
| Gewicht (kg): |
42.000 normales Startgewicht
44.360 maximales Startgewicht |
| Länge (m): |
23,3 |
| Höhe (m): |
6,5 |
| Spannweite (m): |
14,7 |
| Flügelfläche (m2): |
62 |
| Bewaffnung: |
1 30 mm Kanone GSch-301 mit
180 Schuss,
12 Außenlaststationen für bis zu 8.000
kg Waffen |
| mögliche Waffenlasten: |
Luft-Luft-Lenkwaffen:
R-73 (AA-11 "Archer"),
K-30,
K-37M und K77M (AA-12 "Adder")
Luft-Boden-Lenkwaffen:
Ch15S,
Ch-29 (AS-14),
Ch-31 (AS-17),
Ch-35 (AS-20),
Ch-59M (AS-18),
Ch-65S
Anti-Schiffs-Lenkwaffen:
2 Moskit
3 Alfa
sowie:
KAB-500 lasergelenkte Bomben,
diverse sonstige Bomben und Raketen |
| Produktionszahlen: |
ca. 12 |
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