Ein deutscher Tornado mit "Tigermeet"-Sonderbemalung
| Der Panavia Tornado entstand aus einem Internationalen
Entwicklungsprogramm von 3 Firmen: die dt. MBB, British Supermarine und
Fiat aus Italien. Das Kampfflugzeug gehört
heute zu den wichtigsten Verteidigungssystemen des Westens, nicht zuletzt
deshalb, weil auch die entsprechenden Waffengattungen der drei Länder
ihre Arbeit koordinierten und dieses Flugzeug zu einem wirklichen Abschreckungsmittel
gemacht haben. Bereits 1967 planten mehrere NATO-Mitglieder die Entwicklung
eines neuen Kampfflugzeuges und suchten zur Senkung der Kosten nach interessanten
Partner. Die Initiatoren waren zuerst die BRD und Kanada, während
Belgien und Italien einen kleinen Anteil der Kosten übernehmen wollten.
In den sich anschließenden Konferenzrunden betonten Kanada und 4
europäische Staaten die Bedeutung der Luftraumverteidigung und verlangten
einen Ersatz für die F-104G Starfighter, während Großbritannien
eher an einem tieffliegenden Kampfflugzeug interessiert war. Daher ergab
es sich fast von selbst, dass das neue Flugzeug ein Schwenkflügler
sein müsste, um den geforderten Leistungsbereich abdecken zu können.
Außerdem einigte man sich auf einen Typ mit zwei Sitzen in Tandemanordnung
und zwei Triebwerken und gab ihm den Namen MRCA-75 (Multi-Role Combat Aircraft
1975). Die Planungsarbeit sollte aber sehr viel länger dauern, als
man sich in den 60er Jahren vorgestellt hatte. Einen Rückschlag erfuhr
das transatlantische Projekt, als Kanada und Belgien/Holland infolge politischer
Änderungen aus dem Projekt ausstiegen. So verblieben nur die BRD,
Großbritannien und Italien. Entsprechend der Bedürfnisse der
Deutschen Luftwaffe und der Marineflieger, der Royal Air Force und der
Italienischen Luftwaffe wurden dann die grundlegenden Aufgaben des neuen
Flugzeuge definiert :
- Bodenunterstützung - Taktische Angriffe (Zerstörung von Depots, Kommunikationszentralen etc.) - See-Einsätze gegen Schiffe und Küstenstellungen - Luftüberlegenheit und Abfangaufgaben - Fern- und Nahaufklärung Die drei in der Projektphase maßgeblich beteiligten Firmen MBB, BAe und AIT gründeten in München 1969 die Firma Panavia Aircraft. Im gleichen Jahr gründeten Rolls-Royce, MTU und Fiat die Turbo Union, um für Panavia das neue Mantelstromtriebwerk RB 119 zu bauen. Hauptzulieferer für Panavia waren damit MBB, BAe, AIT, Turbo Union, IWKA-Mauser (Bordkanone) sowie deren Tochterfirma EASAMS, von der das integrierte Navigationssystem geliefert wurde. 1970 wurde das Projekt von offizieller Seite abgesegnet. Die Kosten für die Entwicklung wurden wie folgt auf die einzelnen Länder aufgeteilt: BRD 42,5%, GB 42,5% und Italien 15 %. Für Tieflugeinsätze in feindliches Hinterland musste der Tornado mit einem vollautomatischem Bodenverfolgungssystem ausgestattet werden. Die Forderung Angriffe beim ersten Überflug schon erfolgreich ausführen zu können, setzten ein genaues Navigationssystem voraus, mit der die Besatzung auch ohne Sichtkontakt die Waffen ins Ziel leiten konnte. Daher ergab es sich schon fast von selbst, dass der Tornado ein großes und teures Flugzeug werden würde. Die Pfeilform der Schwenkflügel des Tornado liegt zwischen 25° (voll ausgeschwenkt) und 65° (max. Einzug der Tragflächen). Bei der Abfang- und Jagdversion werden die Tragflächen manuell eingestellt, während sie bei der reinen Jagdversion ADV automatisch justiert werden. Die Flügel werden vollkommen unabhängig von Hydraulikmotoren bewegt, die die Tragflächen bei einer Differenz von nur 0,5° zueinander automatisch in der erreichten Stellung blockieren. Fast die gesamte Hintere Flügelkante wird von zweifach geschlitzten Klappen eingenommen, die vordere Kante ist mit Vorflügeln und zum Rumpf hin mit Krügerklappen ausgestattet. All diese Systeme sind auch bei halb eingeschwenkten Tragflächen voll aktiv und ermöglichen auch bei niedrigen Geschwindigkeiten eine hohe Manövrierbarkeit.. Da man beim Tornado vollkommen auf Querruder verzichtet hat, wird die Rollsteuerung durch die gegenläufig bewegbaren Höhenflossen erreicht. Alle Kontrollsysteme werden elektrisch (fly-by-wire) betätigt, sämtliche Steuerbewegungen des Piloten werden von einem Stabilisierungssystem verarbeitet. Im Notfall kann der Tornado aber auch ohne dieses System geflogen werden. Die von der Turbo-Union entwickelte Turbine RB1 ist mit ihrem dreistufigen Axialverdichters, der geringen Größe, dem kurzen Nachbrenner und dem geringen Kerosinsverbrauch effizient konstruiert. Der Durchmesser beträgt circa 86 cm bei nur 3,2 Metern Länge und 816 kg Gewicht. Der Tornado hat fünf verschiedene Navigationssysteme. Das Hauptsystem ist ein Decca-Doppler Radar. Daneben hat die Maschine eine Zwillingskreiselplattform, die Informationen über Steuerkurs und Fluglage liefert. Die Navigationsinformationen erhält der Pilot durch die von Ferranti stammende bewegliche Kartenprojektion, während der Navigator im Prinzip das gleiche System vor sich hat, das allerdings mit dem GMR (Ground Mapping Radar = Bodenbildradar) verbunden ist. Neben der GMR-Antenne ist im Bug noch ein TFR (Bodenverfolgungsradar) untergebracht. Beide Systeme stammen von Texas Instruments. Durch das TFR ist es dem Tornado möglich, bei einer Geschwindigkeit von 1,2 Mach und einer vorgewählten Höhe zwischen 50 und 400 m automatisch mit Hilfe des CSAS (Command Stability A. System = automatisches Stabilisierungssystem) geflogen zu werden. Außerdem besitzt der Tornado ein HuD (Head-up-Display) von Smith, einen Radar-Höhenmesser und ein in den Rumpf einziehbares Laser-Zielgerät. Die Kombination dieser Navigationssysteme erlaubt es der Jagdbomber-Version Tornado IDS auch aus geringen Höhen bei hoher Geschwindigkeit präzise Angriffe auszuführen. Dies ist auch bei schlechtem Wetter möglich. Der Tornado für taktische Angriffsaufgaben (IDS) und die Trainingsmaschinen bildeten den Anfang der Produktionsserie. Nach dem Jungfernflug des Tornado IDS im August1974, wurde die erste Serienmaschine im Jahre 1980 in Dienst gestellt. Nach der Auslieferung der Tornado IDS folgten die Abfangjäger Tornado ADV für die Royal Airforce. Diese Maschinen sind 1,30 m länger als die IDS-Version, und können unter dem Rumpf vier British Aerospace Skyflash Luft-Luft Flugkörper (semi-aktiv, das heißt das Ziel muss vom Bordradar des Flugzeuges bis zum Einschlag des FK beleuchtet werden) mitführen. Unterschiede zur IDS-Version sind beispielsweise die Unterstützung der optischen Zielerkennung durch zwei Restlichtkameras oder der Einbau des Foxhunter Radars mit einer Reichweite von bis zu 180 km. Es kann eine Vielzahl von (tieffliegenden) Objekten gleichzeitig erfassen. Auch die maximale Flügelschwenkung wurde von 65° auf 68° erhöht. Die erste Staffel der RAF mit dem Tornado ADV nahm ihren Dienst am 1.November 1978 auf. Diese Maschinen werden unter der Bezeichnung Tornado F.3 (F= Fighter) geführt, während die Tornado IDS bei der britischen Luftwaffe die Bezeichnung Tornado GR.1 (GR= Ground & Recconaisance) haben. Die Produktion des Tornado wurde auf die drei an der Entwicklung beteiligten Firmen der drei Auftragsländer wie folgt verteilt: In Deutschland wurde die mittlere Rumpfsektion gebaut, während England die Heckpartie und das Cockpit fertigte. Aus Italien kamen die Tragflächen. Die EloKa-Ausführung des Tornado, der Tornado ECR, verfügt über ein neues elektronisches Abwehrsystem, ein neues Waffenkontrollsystem, Videoaufzeichnungsgeräte, FLIR und ein modernes HuD. Sowohl Italien als auch Deutschland haben einige Tornado ECR beschafft, wobei es sich bei den italienischen ECR um umgerüstete IDS handelt, bei denen jedoch nicht alle Komponenten eingebaut wurden. Einziger Exportkunde für den Tornado ist Saudi-Arabien mit 48 Tornado IDS und 24 Tornado ADV. Die Tornados der RAF wurden auch im Golfkrieg gegen die Streitkräfte Saddam Husseins eingesetzt. Nach ersten Aufklärungseinsätzen in Bosnien, hatten die deutschen Tornado ECR ihren ersten Kampfeinsatz während der NATO-Bombardements im Kosovo. Die 14 von Piacenza in Italien aus operierenden Flugzeuge verschossen bei 390 Einsätzen nicht weniger als 244 HARM-Lenkwaffen zur Niederhaltung der serbischen Luftabwehr. Aber auch italienische und britische Tornados wurden im Kosovo erfolgreich eingesetzt.
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