| Geschichte
Um der Bedrohung mittlerer und kleinerer,
sowie in der Regel unbewaffneter, Schiffe und Boote durch Anti-Schiff-Flugkörper
entgegenzutreten, begannen Firmen in Deutschland (RAM Sys GmbH (Firmenkonsortium
aus MBDA (ehemals EADS), Diehl und BGT)), Dänemark und den USA (Raytheon
- General Dynamics) Anfang 1970 gemeinsam mit der Entwicklung eines ASMD
(Anti-Ship-Missile-Defense - Seezielflugkörperabwehrsystems). Das
Ergebnis dieser Studie hatte 1975 seinen Erstflug auf der White Sands Missile
Range. Um die Kosten gering zu halten, wurden auf bereits verwendete Baugruppen
aus den Flugkörpern AIM-9 Sidewinder bzw. MIM-72 Chaparral und FIM-92
Stinger zurückgegriffen. Das Endkonstrukt, als XRIM-116 bezeichnet,
flog 1978 zu ersten Mal. Ein vollständiger Entwicklungsauftrag ging
im Jahre 1979 an den Hersteller.
In den Jahren 1982 und ´83
wurden bereits erste erfolgreiche Abschüsse mit der Rakete durchgeführt,
aufgrund von technischen Problemen wurde das Waffensystem jedoch nicht
vor 1987 vollendet.
1983 wurde in Deutschland erstmals
der Bedarf an einem Kurzstrecken-Anti-Seezielflugkörper-Flugkörper
angemeldet, hierfür sollte der 1979 aus dem ASMD entwickelte DMRA
(Dual-Mode Rolling Missile), später als XRIM-116 bekannt, verwendet
werden.
Heute wird das RAM-System in der
Bundesmarine auf den Schiffen der folgenden Klassen eingesetzt:
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124 |
Zerstörer Sachsen-Klasse,
2 Startgeräte |
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103B |
Zerstörer Lütjens-Klasse;
2 Startgeräte |
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123 |
Fregatte Brandenburg-Klasse;
2 Startgeräte |
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122 |
Fregatte Bremen-Klasse; 2 Startgeräte |
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143 |
Schnellboote Gepard-Klasse; 1 Stargerät |
Die Bundesmarine wird in auch in
Zukunft nicht auf das RAM-System verzichten. So werden die Korvetten der
Klasse 130 mit einem und der Industrievorschlag eines LCG (Littoral Combatant
Germany), eine Ergänzungsschiffsklasse zur K130, nach momentaner Planung mit zwei RAM-Startern
bewaffnet werden.
Es ist anzunehmen, dass, wenn es
denn realisiert werden sollte, das ETrUS (Einsatztruppenunterstützungsschiff)
ebenfalls das RAM zu seiner Verteidigung tragen wird.
In der US Navy setzen folgende Schiffe
das System ein:
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CVN-68 USS Nimitz |
Flugzeugträger
Nimitz-Klasse; zwei Startgeräte |
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CVN-65 USS Enterprise |
Flugzeugträger
Enterprise-Klasse; zwei Startgeräte |
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CV-64 USS Constellation |
Flugzeugträger
Kitty Hawk-Klasse; zwei Startgeräte |
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DD-972 USS Oldendorf |
Zerstörer Spurance-Klasse
1 Startgerät |
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DD-977 USS Briscoe |
Zerstörer Spurance-Klasse
1 Startgerät |
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DD-978 USS Stump |
Zerstörer Spurance-Klasse
1 Startgerät |
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DD-987 USS O´Bannon |
Zerstörer Spurance-Klasse
1 Startgerät |
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DD-988 USS Thorn |
Zerstörer Spurance-Klasse
1 Startgerät |
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Wasp-Klasse |
Landungsschiff;
2 Startgeräte |
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Tarawa-Klasse |
Landungsschiff; 2 Startgeräte |
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Harpers Ferry-Klasse |
Amphibisches Transportschiff;
2 Startgeräte |
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Whidbey Island-Klasse |
Docklandungsschiff;
2 Startgeräte |
Zukünftig werden in der US Navy auch die Docklandungsschiffe der
San Antonio-Klasse (ab 2005 gefertigt) mit zwei und vermutlich auch die
Flugzeugträger der CVNX-Klasse (ab 2013 gefertigt) mit dem RAM System
ausgerüstet sein. Weiterhin soll die USS John F. Kennedy, der letzte
nicht-atomar-betriebene Flugzeugträger der US Navy, mit zwei RAM Startgeräten
nachgerüstet werden.
Die einzigen Nicht-Entwickler-Nationen welche das RIM-116 (B Block
1) RAM verwenden (wollen) sind Griechenland und Südkorea. Die griechischen
Patrouillenboote der Super-Vita-Klasse sind mit einem Mk.31-21-fach-RAM
Starter ausgerüstet. Die südkoreanische Marine stellt je einen
RAM-Starter auf den Zerstörern der KDX-2 Klasse in Dienst. Sowohl
die Boote der Super-Vita Klasse als auch die KDX-2 Zerstörer sollen
Ende 2003 ihren Dienst aufnehmen.
Technik
Die Lafette für das Mk.44 ist verändert vom Phalanx-System übernommen worden und wird Mk.49 GMLS genannt, auf ihm ist der RAM-Container um 360° schwenkbar.
Der etwa 3,5 m lange Mk.44 Behälter enthält 21 RIM-116 Flugköper,
in verschlossenen nachladbaren Startrohren. Das GMRP ist, montiert auf
den Mk.49, in der vertikalen zwischen -25° und + 80° richtbar. Eine Prototyp-Variante des Startgerätes, als EX-31 bezeichnet, fasste noch 24 Raketen. Die EX-31 und eine als RAM-Ordalt bezeichnete Variation des Sea Sparrow Startgerätes, welches je fünf Flugkörper in zwei vorhandenen Sea Sparrow Startzellen trug, wurden zwar in geringen Stückzahlen auf der White Sands Missile Range getestet, sind aber letztenlich in dieser Form nicht eingeführt worden.
Der Mk.44 und der Mk.49 wiegen kombiniert 5.185 kg, dazu kommt noch
einmal eine knappe Tonne (938 kg) an elektronischen Geräten, welche
unter Deck montiert werden müssen. Der gesamte Mk.31 Komplex wiegt
also 6.123 kg.
Das RAM-System benötigt keine speziellen Sensoreinrichtungen.
Seine Rechnersysteme können mit verschiedenen bereits existierenden
und zukünftigen Radarsystemen verbunden werden. Diese Systeme erkennen
und erfassen eine ankommende Bedrohung und das RAM reagiert selbstständig.
Die Reaktionszeit des RAM-Systems liegt bei etwa 0,1 s.
Vorbildähnliche Zeichnung
des RIM-116. Verschiedenenfarbig dargestellt sind die Bauteile des RAM
die entweder (cyan) neuentwickelt
wurden, (gelb) aus dem Stinger-Fk stammen
oder (rot) der Sidewinder-Rakete
entnommen wurden.
Flugkörper
Entsprechend dem Aufgabenprofil ist der RAM ein gelenkter "fire-and-forget"
Allwetter-Flugkörper geringer Reichweite. Zusätzlich sollte die
Rolling Airframe Missile kostengünstig sein. Da sich Kostengünstigkeit
und Neuentwicklung in der Regel nicht vereinigen lassen, wurde für
den Flugkörper größtenteils auf bereits benutzte Technologien
zurückgegriffen. Und so ergibt sich optisch eine Verwandtschaft zu
Sidewinder bzw. Stinger.
Der RAM hat am Bug und Heck zwei ausklappbare Flügel. Diese fahren
sofort aus, wenn der RAM sein Startrohr verlässt. Das Startrohr gibt
dem RIM-116 auch einen Drall, d.h. der Flugkörper dreht sich auf dem
Weg zum Ziel, wie ein Geschoss aus dem Büchsenlauf, um seine eigene
Achse (daher der Name: RAM - Rolling Airframe Missile - rollender/drehender
Flugkörper). Die Flügel unterstützen, ebenso wie der Drall
die Flugstabilität des Flugkörpers.
Angetrieben wird der 2,82 m Lange RAM-Fk durch den Mk.36 Mod. 7 Raketenmotor
der Firma Rocketdyne. Dieser einstufige Feststoffbooster wird in der AIM-9
Sidewinder Luft-Luft-Rakete und ihrer bodengestützten Version, der
MIM-72 Chaparall verwendet und beschleunigt den RIM-116 auf mehr als das
Doppelte der Schallgeschwindigkeit.
Ebenfalls aus der Sidewinder stammen der Gefechtskopf und der Annäherungszünder
sowie der zwischen beide gesetzte Sicherheitsschalter.
Der 11,3 kg schwere WDU-17/B ist ein ABF-Gefechtskopf (Annular Blast
Fragmentation - Druck-Splittergefechtskopf). Ausgelöst wird der WDU-17,
der seine Splitter ringförmig verteilt, durch den Mk.27 Näherungszünder.
Damit der Zünder den Gefechtskopf nicht zu früh oder versehentlich
zündet, wurde der Mk.13 Mod 2 Sicherheitsschalter zwischen beide geschaltet.
Dieser deaktiviert sich erst nachdem Abschuss.
Der gasgekühlte Infrarotsuchkopf wurde von der Stinger (FIM-92,
auch Fliegerfaust 2) übernommen. Er arbeitet im ultravioletten Bereich
des Lichtes und reagiert selbst auf geringe Wärmeemissionen (Triebwerksabgase,
Anströmkanten der Tragflächen, etc.) die eine anfliegende Rakete
oder ein Flugzeug ausstrahlen könnte. Der Stinger-Suchkopf ist nur
äußerst schwer durch Gegenmaßnahmen, wie bspw. Fackeln
(Flares), zu beeinflussen. Aktive Gegenmaßnahmen gegen den RIM-116
bzw. seinen Suchkopf sind, beim Einsatz gegen ankommende Flugkörper
zu vernachlässigen, da sich selbst moderne Seeziel-Flugkörper
lediglich auf evasive Flugmanöver (zick-zack) im Zielanflug zum Schutz
gegen einen Abschuss beschränken.
Zusätzlich zum IR-Suchkopf verfügt RAM über einen neuentwickelten
passiven RF(Radio-Frequency)-Sucher. Dieser orientiert sich, wenn denn
vorhanden, an den Radaremissionen des Suchradars ankommender Flugkörper
oder Flugzeuge. Mit Informationen versorgt wird der RF-Sucher durch eine
Antenne an der Flugkörperspitze. Die Zielsuche im Endanflug geschieht
bei der RIM-116A RAM Block 0 ausschließlich im RF-Modus.
Das seit August 1999 einsatzbereite Upgrade RIM-116B bzw. RAM Block
1 erhielt eine veränderte Suchsoftware. Der komplette Anflug, einschließlich
des Zielendanfluges kann nun auch ausschließlich im IR-Modus geschehen.
Als dritte Option kann nun auch ein Zwei-Wege Verfahren genutzt werden.
Hierbei sind IR- und RF-Sucher aktiv, wobei der IR-Sucher zu Beginn den
RAM steuert. Werden ausreichend Radaremissionen des ankommenden Fluggerätes
durch den RF-Sucher des RIM-116B aufgefangen, so schaltet dieser automatisch
in den RF-Modus.
Hat der RAM einmal auf sein Ziel aufgeschaltet fliegt er vollkommen
autonom.
Tests zeigten eine 95prozentige bzw. eine 96,5-prozentige Erfolgsquote
des RIM-116B RAM Block 1 Systems (150 Testziele (143 vernichtet); 111 Testziele
(106 zerstört)).
Bei den Tests der US Navy für den RAM Block 1 im 2. und 3. Quartal
1999 an Bord der USS Gunston Hall (LSD-44) wurden 23 von 24 Testzielen,
MQM-8 Vandal Zieldrohen mit einer Geschwindigkeit von 2,5 Mach, abgeschossen.
Bei einem weiteren Drohnentest der US Navy, am 10.04.2002 konnte von
Bord der USS Fort McHenry (LSD-43) lediglich eine von drei anfliegenden
BGM-71E Drohnen bekämpft werden. Begründet wurde dies damit,
dass eine Beschädigung von Mensch oder Schiff durch umherfliegende
Splitter, bei einer Vernichtung der beiden ferngelenkten Drohnen nicht
hätte ausgeschlossen werden können.
Der zuletzt beschriebene Vorfall, zeigt den Nachteil der geringen Reichweite
des RAMs auf: Ein Seeziel-Flugkörper, mehr als doppelt so schnell
wie der Schall, kann vom RIM-116 zwar erfolgreich zerstört werden,
aber dennoch Beschädigungen an Schiff und dessen Besatzung verursachen,
da sich die vielen tausend Teile des Flugköpers weiterhin, ungehindert
und mit hoher Geschwindigkeit auf das Ziel zubewegen. Allerdings dürften
die Schäden durch einen Splitterregen eher zu verkraften sein, als
jene welche der Sprengkopf des Seezielflugkörpers anrichten würde.
Weiterhin ist die Einwirkung durch Splitter beim Einsatz des RAM-Systems,
aufgrund der größeren Bekämpfungsentfernung geringer, als
bei Rohrwaffennahbereichsabwehrsystemen wie Phalanx oder Goalkeeper, welche
eine Reichweite von zwei bis drei Kilometer haben.
Testabschuss einer ASMD im Jahre 1977 auf der White Sands
Missile Range.
Varianten & Versionen
Ü RIM-116B Block 1
Das im Text beschriebene Update des RIM-116A. Die Entwicklung begann
1993 und die vollständige Produktion lief im Jahre 2000 an. Mittlerweile
ist die Produktion der RIM-116A Flugkörper komplett zugunsten der
RIM-116B eingestellt worden. Ein Hardware- oder Software Update der Abschuss-
und Starteinrichtungen ist nicht notwendig.
Ü RTM-116A
Gefechtskopflose Übungsversion des RIM-116A RAM Block 0.
Ü RTM-116B
Gefechtskopflose Übungsversion des RIM-116B RAM Block 1.
Ü Sea RAM
Sea RAM soll, den Wünschen seiner Entwickler zufolge, das 20 mm
CIW-System Phalanx auf Basis der M61 Kanone ersetzen. Die Lösung für
dieses System ist denkbar einfach: Ein elf-Fach RIM-66B Block 1 Werfer
wird anstelle der 20 mm M61-Kanone gesetzt. Das Zielsuch- und Verfolgungsradar
des Phalanx-Block-1B-Systemes bleibt erhalten und unterstützt nun
den RIM-116B-Flugkörper. Zusätzlich wurde noch ein FLIR (Forward
Looking Infra Red) und ein ESM-Empfänger montiert. Das ganze Startsystem
wiegt etwa 7.040 kg, wozu noch etwa 714 kg an Steuersystemen unter Deck
hinzukommen. Das Sea RAM ist um 155° schwenkbar und hat einen Höhenrichtbereich
zwischen -25° und +80°.
Wie auch RAM, entstand Sea RAM als Kooperation zwischen Raytheon und
der RAM Sys GmbH. Im Februar 2001 wurde das Phalanx-CIWS der HMS York (Sheffield-Klasse;
Type 42 Batch 3) gegen das Sea RAM System für einen 10-monatigen Testlauf
ausgetauscht.
Der auf Deck montierte Teil des Sea RAM-Komplexes.
Rechts am Radar ist das zusätzliche FLIR zu sehen.
(Picture by Raytheon)
| Bezeichnung des Flugkörpers: |
RIM-116 RAM SAM |
| Typ: |
Schiffsgestützter Anti-Seezielflugkörper-Flugkörper
für die Nahbereichsverteidigung |
| Hersteller: |
Raytheon und RAM Sys GmbH |
| Indienststellung: |
1989 |
| Baujahr: |
1989 |
| Antrieb: |
einstufiger Feststoffraketenmotor |
| Höchstgeschwindigkeit: |
+2.048 km/h (mehr als Mach 2) |
| Reichweite: |
7,5 km |
| Gewicht: |
73,5 kg |
| Länge: |
2,82 m |
| Durchmesser: |
127 mm |
| Spannweite: |
445 mm |
| Gewicht des Sprengkopfs: |
11,3 kg ABF |
| Zielsuchsystem: |
passiv RF & IR (siehe Text) |
| Zünder: |
Annäherung |
| Produktionszahlen: |
mehr als 1.800 Raketen; noch in Produktion |
Versuchs-RAM-Starter Anfang 1982 auf der US Pazifikinsel
San Nicolas. (Picture by US Navy)
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