Als Hitler 1933 zum Reichskanzler gewählt wurde, konnte er sich
natürlich noch keine allzu großen Eskapaden mit den Siegermächten
des Ersten Weltkriegs erlauben. Daher wollte man anfangs lediglich noch
zwei weitere Schiffe der Deutschland-Klasse auf Kiel legen, allerdings
zwei Jahre früher als ursprünglich vorgesehen. Also ließ
Hitler entsprechende Entwürfe anfertigen.
Die rasante Entwicklung in der Außenpolitik und unumgängliche
Forderungen der Marine führten allerdings sehr schnell zu einem sehr
viel stärkeren und größeren Entwurf, der sich stark an
den französischen Schiffen der Dunkerque-Klasse orientierte. Durch
den Bau der Dunkerque-Schlachtschiffe kam die Frage auf ob Panzerung und
Bewaffnung der Deutschland-Klasse überhaupt noch ausreichend waren.
Technik
Schon kurze Zeit nach dem Baubeginn an der Admiral Graf Spee, dem "Panzerschiff
C", machte man sich über die Gestaltung des Nachfolgers der Elsass
in der Marineführung des Reichs Gedanken. Da sich Hitler wegen der
herrschenden politischen Bedingungen ausdrücklich gegen eine stärkere
Hauptbewaffnung als die bereits beim "Panzerschiff C" verwendeten 28 cm
Geschütze aussprach, übernahm man diese Konstruktion zum Großteil
und erhöhte die Standfestigkeit durch mehr Panzerung. Dass man dabei
die Grenzen des Versailler Vertrages nicht einhalten konnte, war der Marineleitung
wohl bekannt. Dennoch hoffte man, dass diese Grenzen in näherer Zeit
wegfallen würden, und zudem war das "Panzerschiff D" ja nicht schneller
als sein Vorgänger und war mit seinen zwei 28 cm Drillingstürmen
auch nicht stärker bewaffnet.
Am 25. Januar 1934 erhielt die Reichsmarinewerft Wilhelmshaven den
Bauauftrag für das "Panzerschiff D" und die Deutschen Werke Kiel den
Auftrag für das "Panzerschiff E", dessen Baubeginn erst für 1937
vorgesehen war. Kiellegung für beide Schiffe war am 18. Februar 1934.
Dennoch war diese Konstruktion stark umstritten, da sie dem französischen
Schlachtschiff Dunkerque mit seinen acht 33 cm Geschützen nicht gewachsen
war. Erst als sich am 27. Juni 1934 Hitler und Admiral Reader (Chef der
Marineleitung seit 1928) darauf einigten die 28 cm Hauptbewaffnung beizubehalten,
aber dafür einen dritten 28 cm Drillingsturm mit einzuplanen, entspannten
sich die Fronten. Eine größere Hauptbewaffnung wurde zu diesem
Zeitpunkt abgelehnt, da ein größeres Kaliber als die zur Verfügung
stehenden 28 cm Geschütze zu einer Bauverzögerung von mehr als
einem Jahr geführt hätten. Dennoch wurde die Option offen gehalten,
die 28 cm Drillingstürme später durch 33 cm , 35 cm oder sogar
38 cm Zwillingstürme zu ersetzen.
Daraufhin erfolgte ein Baustopp der bereits begonnenen Rümpfe
und die Ausarbeitung zweier vollkommen neuer Pläne. Die neuen Pläne
wurden unter "Neuentwurf I" sowie "Neuentwurf II" geführt. Admiral
Reader entschloss sich am 23. Juli 1934 schließlich für den
"Neuentwurf I". Dieser Plan sah ein Schiff mit 227 m Länge und 30
m Breite vor, dabei würde es ca. 8,70 m Tiefgang haben und die 125.000
PS starke Antriebsanlage sollte den 33.400 t schweren Rumpf auf ca. 30
kn beschleunigen.
Am 12. September 1934 genehmigte Reader endgültig die ausgearbeiteten
Entwürfe, so dass am 6. Mai bzw. 15.Juni 1935, nachdem die bereits
begonnen Rümpfe abgetragen worden waren, mit der Kiellegung der neuen
Schiffe begonnen werden konnte. Der Stapellauf des "Schlachtschiffes D"
erfolgte am 3. Oktober 1936 und nach über 42 Monaten Bauzeit wurde
es unter dem Namen Scharnhorst am 7. Januar 1939 in Dienst gestellt. Das
Schlachtschiff Gneisenau ("E") wurde am 8. Dezember 1936 zu Wasser gelassen,
aber schon nach nur 37 Monaten Bauzeit am 21. Mai 1938 in Dienst gestellt.
Die Baukosten beliefen sich für die Scharnhorst auf 143,47 Mio. Reichsmark
und für die Gneisenau auf 146.17 Mio. Reichsmark.
Obwohl die Konstruktion grundsätzlich gelungen war und auch reichlich
Platz bot, gab es noch einige Veränderung. So stellte man bei der
ersten Atlantikfahrt der Gneisenau 1938 fest, dass bei schwerem Seegang
viel Wasser über den noch fast senkrechten Bug lief. Dies konnte den
Betrieb der Hauptbewaffnung stören. Darum wurde im Jahre 1939 (Scharnhorst:
Sommer/Gneisenau: Frühjahr) der "Atlantikbug" eingebaut und die
Spanten im Bugbereich verstärkt. Durch den hochgezogenen "Atlantikbug"
nahm die Rumpflänge der Scharnhorst auf 235,40 m und die der Gneisenau
auf 235,90 m zu.
Panzerung
Die Panzerung veränderte sich durch diesen Umbau nicht. Die Scharnhorst
und die Gneisenau waren die ersten Schiffe der Kriegsmarine die weitgehend
aus den beiden neuen Speziallegierungen "Wotan hart" (Wh) und "Wotan weich"
(Ww) gebaut worden waren. Diese Legierungen ließen sich im Gegensatz
zu früheren KNC- oder Nickelpanzerstählen hervorragend mit einer
speziellen Elektrode schweißen. So konnte der Schutz des ganzen Schiffes
wesentlich verbessert werden. Während "Wotan hart" hauptsächlich
für die Gürtel- und Deckpanzerung sowie die Außenhaut verwendet
wurde, wählte man für den Unterwasserschutz das wesentlich dehnungsfähigere
"Wotan weich".
Die Schiffe hatten einen 170 bis 350 mm starken Seitenpanzer (einschließlich
Zitadelle), der sich über eine Länge von 155 m erstreckte. Dieser
hatte eine Gesamthöhe von 4,50 m, wobei sich 1,70 m der Seitenpanzerung
unter der Wasserlinie befand. Der Seitenpanzer wurde durch eine 4,20 m
hohe und 70 mm starke aus "Wotan hart" bestehende Panzerung verlängert.
Diese reichte bis zum Vorsteven und endete achtern 10 m vor der Heckspitze.
Das in einer Entfernung von 8,50 m zur Außenhaut verlaufende Splitterlängsschott
war mit 20 mm nur noch halb so stark wie bei den vorhergehenden Panzerschiffen.
Das Oberdeck bestand aus einer 50 mm starken "Wotan hart" Panzerung, welche
Granaten und Bomben vorzeitig zur Detonation bringen sollte, um somit deren
zerstörerische Wirkung vom 80 bis 105 mm dicken Panzerdeck fern zu
halten. Dabei ging man bewusst das Risiko ein, dass die dazwischen befindlichen
Räume zerstört wurden, da diese nur zu Wohnzwecken dienten und
dies die Kampffähigkeit des Schiffes nicht einschränkte. Als
Unterwasserschutz war ein um 10° zur Außenhaut nach innen geneigtes,
45 mm starkes Torpedoschott aus "Wotan weich" vorgesehen. Es verlief in
einem Abstand von ca. 4,50 m und war für Gefechtskopfladungen von
bis zu 250 kg berechnet worden. Dies ist nur als bedingt ausreichend zu
betrachten, da zu dieser Zeit selbst deutsche Torpedos mit ca. 300 kg Gefechtskopfladungen
versehen waren. Ein weiteres, nicht gepanzertes Längsschott war zwischen
der Außenhaut und dem Torpedoschott verbaut worden. Dieses trennte
die inneren Zellen, welche mit Heizöl gefüllt waren von den äußern
Zellen, die als Ausdehnungsraum für die Detonationsgase dienten. Der
Boden war gegen Minentreffer nicht besonders gesichert.
Antriebsanlage
Um das gewaltige Schiff auf eine Geschwindigkeit von 30 kn zu beschleunigen
war natürlich eine dementsprechend große Antriebsanlage notwendig.
Zu dieser Zeit stand bei dieser Schiffgröße nur der Dampfantrieb
zur Verfügung. Man entschied sich aber nicht für die damals übliche
Nassdampfanlage, die die geforderte dreifach Leistung der vorherigen Panzerschiffe
bringen musste, sondern für eine neue Variante, die Hochdruck-Heißdampfanlage.
Dadurch erhofften sich die Konstrukteure einige grundlegende Vorteile,
die durch Tests und Berechnungen prognostiziert wurden:
| 1. |
Höhere Leistung und dadurch
höhere Geschwindigkeit |
| 2. |
Raum- und Gewichtsersparnis |
| 3. |
Größere Wirtschaftlichkeit
und höhere Fahrbereiche |
| 4. |
Personalersparnis |
Beide Schiffe wurden mit zwölf engrohrigen Wagner Hochdruckheißdampf-Wasserrohrkesseln
der Firma Deschimag in Bremen versehen. Diese waren ölbefeuert und
hatten eine Betriebstemperatur von ca. 450° C und einen Betriebsdruck
von 50 atü. Im Bereich der Kessel musste das Panzerdeck jedoch um
0,75 m angehoben werden, da man erst nach der ersten Ausarbeitung feststellte,
dass die Kessel eine Aufstellhöhe von 6,685 m hatten. Die Kesselräume
waren mittschiffs hintereinander angeordnet, während die Turbinenräume
in drei separate Räume unterteilt waren. Die beiden Räume für
die äußeren Wellen waren nebeneinander, der für die mittlere
Welle dahinter angeordnet. Während die Kessel auf beiden Schiffen
baugleich waren, gab es bei den Turbinen einige Unterschiede:
Auf der Scharnhorst waren von BBC hergestellte viergehäusige Hochdruck-
und Hochdruck-Rückwärtsturbinen, Niederdruck- und Niederdruck-Rückwärtsturbinen,
sowie Mitteldruck- und Marschturbinen eingebaut. Insgesamt lieferten die
drei Turbinensätze zusammen rechnerische 160.500 PS vorwärts
und 39.000 PS Rückwärts.
Auf der Gneisenau hingegen waren von Deschimag Bremen hergestellte
dreigehäusige Hochdruck-Rückwärtsturbinen, Niederdruckturbinen
und Mitteldruckturbinen mit einem Curtisrad installiert, zudem verfügte
sich noch über vierstufige Marschturbinen. Die Maschinenleistung war
dieselbe.
Dennoch war das neue Antriebssystem reichlich unausgereift. Es zeigte
sich, dass durch die hohe Störungsanfälligkeit der Anlage mehr
und besser ausgebildetes Bedingungspersonal benötigt wurde als vorgesehen.
Zudem war die Störungsanfälligkeit immer ein Risiko bei Einsätzen.
Viele Probleme konnten erst in den frühen Kriegsjahren behoben werden.
Und trotz der fast 100 m Länge, die die Anlage hatte, waren die Räumlichkeiten
sehr beengt. Um die Stromversorgung an Bord sicher zu stellen besaßen
beide Schiffe verschiedene Generatoren. Die Generatoren waren auf insgesamt
fünf Räume verteilt. Es gab sechs Turbogeneratoren mit je 460
kW, sowie zwei Turbogeneratoren mit je 230 kW. Weiterhin waren zwei Dieselgeneratoren
mit je 300 kW und zwei Dieselgeneratoren mit je 150 kW installiert, welche
alle auf 220 Volt liefen. Für den Bedarf an Wechselstrom gab es einen
200 kW Wechselstromgenerator. Insgesamt lieferten die Generatoren also
eine Gesamtleistung von 4.120 kW Gleichstrom und 200 kW Wechselstrom.
Querschnitt durch die Hauptspantenlinie
der Scharnhorst mit Kesselanlagen.
Gewichtsverteilung (je nach Quelle können
sich die Werte etwas unterscheiden)
| Schiffskörper |
8.223 ts (23,60 %) |
| Panzerung |
14.000 ts (40,20 %) |
| Maschinen |
2.578 ts (7,40 %) |
| Hilfsmaschinen |
1.080 ts (3,10 %) |
| Bewaffnung |
5.121 ts (14,70 %) |
| Ausrüstung |
1.394 ts (4,00 %) |
| Brennstoff |
2.439 ts (7,00 %) |
| Konstruktionsverdrängung |
34.835 ts (100,00 %) |
Bewaffnung
Das 28 cm Kaliber der Hauptartillerie war einerseits politisch bedingt,
da Hitler es sich nicht mit den Engländern verscherzen wollte und
andererseits hätte der Einbau größer Geschütze, die
noch nicht zur Verfügung standen, den Bau der Schiffe nochmals um
einige Monate hinausgezögert. Die Scharnhorst, sowie die Gneisenau
besaßen drei Drillingstürme als Hauptbewaffnung, zwei auf dem
Vorschiff und einer Achtern. Die neu entwickelten 28 cm SK L/54,47 C Geschütze
der Scharnhorst-Klasse basierten auf der 28 cm SK C/28 und hatten eine
größere Kaliberlänge und schossen über 4.000 m weiter.
Die Höchstschussweite betrug 40.930 m bei 40° Rohrerhöhung.
Jedes der neun Rohre der Hauptartillerie konnte pro Minute drei 330 kg
schwere Sprenggranaten mit einer Mündungsgeschwindigkeit von 890 m/s
verschießen. Damit war das Geschütz in der Lage auf eine Entfernung
von 15.100 m eine vertikale Panzerung von beachtlichen 335 mm zu durchschlagen.
Jeder der drei Türme besaß ein eigenes 10,50 m Entfernungsmessgerät.
Zudem gab es noch zwei 10,50 m Entfernungsmessgeräte auf dem Vormars
sowie auf dem Achterstand, und ein 6 m Entfernungsmessgerät auf dem
vorderen Kommandostand, sowohl für die Hauptartillerie als auch für
die Nebenartillerie.
Als Nebenartillerie waren zwölf 15 cm SK L/55 C 28 Geschütze
in vier Zwillingstürmen und vier Einzellafetten vorgesehen. Die vier
Einzellafetten wurden nach Baubeginn noch in die Pläne mit eingearbeitet
um die Bewaffnung zu stärken. Da es aber aus Gewichts- und Platzgründen
nicht möglich diese Verstärkung ebenfalls in Zwillingstürmen
auf dem Deck zu platzieren, nahm man die Nachteile der Einzellafetten mit
ihren dünnen Schutzschilden für die Bedienungsmannschaft in Kauf.
Das Geschütz konnte sechs bis acht 45,3 kg schwere Sprenggranaten
je Minute über eine Strecke von bis zu 23.000 m bei einer Rohrerhöhung
von 40° und einer Mündungsgeschwindigkeit von 875 m/s verschießen.
Die Zwillingsgeschütze könnten anders als die Lafetten dank ihrer
größeren Rohrerhöhung auch gegen hochfliegende Luftziele
eingesetzt werden.
Als Eigentliche Flakbewaffnung verfügte die Schiffe über
insgesamt vierzehn 10,5 cm Flak L/65 C 31 in sieben Doppellafetten. Die
dreiachsig stabilisierten Lafetten hatten eine maximale Rohrerhöhung
von 80° und konnten ca. 16 Schuss je Rohr in der Minute verschießen.
Die Mündungsgeschwindigkeit belief sich auf 900 m/s und es war möglich
mit denn 15,8 kg schweren Geschossen bei einer Rohrerhöhung von 45°
Flugzeuge in 17.700 m Entfernung zu bekämpfen.
Weiterhin gab es sechszehn 37 mm Flak L/83 C 30 in acht Doppellafetten.
Die Lafetten hatten einen Richtwinkel von -10° bis 85° und verschossen
die 0,7 kg Geschosse bei 45° über maximal 8.500 m. Bei einer Mündungsgeschwindigkeit
von ca. 1.000 m/s hatte das Geschütz eine Kadenz von 30 Schuss (pro
Lauf und min).
Im Bereich der 20 mm L/65 C 30 gab es einige Unterschiede. Zwar waren
beide Schiffe zunächst mit zehn 20 mm L/65 C 30 (ab 1939: C 38) versehen,
die leichte Flakbewaffnung wurde aber während des Krieges noch verstärkt.
So erhielt die Scharnhorst bis zum Jahre 1943 insgesamt achtundzwanzig
weitere 20 mm L/65 C 38 in Vierlingslafetten. Auf der Gneisenau kam 1941
zwölf weitere 20 mm L/65 C 38 in Vierlingslafetten hinzu. Das 20 mm
L/65 C 30 hatte eine Mündungsgeschwindigkeit von 835 m/s und eine
Kadenz von 120 Schuss pro Minute und Rohr. Die C 38 hatte eine gesteigerte
Kadenz von 220 Schuss. Die Lafette hatte einen Höhenrichtbereich von
11° bis 85°, die maximale Reichweite lag bei ca. 4.900 m.
Beide Schiffe verfügten über jeweils zwei 53,3 cm Drillingsrohrsätze
für Torpedos jeweils einen Backbord sowie Steuerbord. Diese waren
in den ursprünglichen Plänen nicht vorgesehen und wurden erst
1941 eingebaut. Es hatte sich gezeigt, dass sie bei den Handelskriegseinsätzen
im Atlantik durchaus nützlich seinen könnten. Die Scharnhorst
bekam die Torpedoanlage des Kreuzers Nürnberg und die Gneisenau die
der Leipzig.
Die Scharnhorst-Klasse war die erste deutsche Schiffsklasse, bei der
von Beginn an ein Hangar fest eingeplant wurde. Dieser Hangar hatte ein
zweiteiliges Schiebedach und bot Platz für 2 Flugzeuge. Vorgesehen
war, dass die Schiffe 2 Arado Ar 196 im Hangar und 2 weitere auf dem 14,6
m langen Luftdruckkatapulten mitführen. Im Einsatz waren aber meistens
nicht mehr als ein bis zwei Flugzeuge an Bord. Eines der Katapulte befand
sich auf dem "C" Turm des Schiffes und war nicht drehbar, so dass es mit
dem gesamten Turm geschwenkt werden musste (wurde 1940 ausgebaut). Das
zweite saß auf dem etwa 6,85 m (vom Oberdeck ca. 10 m) hohen Schleuderturm
und war um 360° frei drehbar. Der Hangar befand sich zwischen Schornstein
und Schleuderturm. Da der Hangar der Gneisenau bei ihrer Indienststellung
noch nicht fertig war, wurde sie zunächst mit einem Behelfshangar
ausgestattet. In diesem war aber lediglich ein Flugzeug im zerlegten Zustand
untergebracht. Erst 1941 bekam die Gneisenau ihren geplanten Hangar.
Gneisenau
Geschichte der Scharnhorst
Gebaut wurde die Scharnhorst von der Kriegsmarinewerft (KM-Werft) Wilhelmshaven.
Der Stapellauf erfolgte am 03.10.1936 und mit der offiziellen Indienststellung
am 7. Januar 1939 war die Scharnhorst das Flaggschiff der Kriegsmarine.
Von Juli bis September 1939 wurde die Scharnhorst bei der KM-Werft in Wilhelmshaven
umgebaut und erhielt moderne Feuerleitanlagen. Am 4. September wurde sie,
in Brunsbüttel liegend, erfolglos von britischen Bombern angegriffen.
Zwischen 21. und 27. November stieß die Scharnhorst bis südlich
von Island vor und versenkte am 23. November den britischen Hilfskreuzer
HMS Rawalpindi der P & O Line, dessen Kapitän die Scharnhorst
mit dem Panzerschiff Deutschland verwechselte und das Feuer eröffnet
hatte. Das zum Hilfskreuzer umgebaute Passagierschiff war nach der Titanic
der luxuriöseste Ozeandampfer der britischen Handelsmarine gewesen.
Vom 18. bis 20. Februar 1940 stieß die Scharnhorst zusammen mit der
Gneisenau erfolglos bis zur Höhe der Shetlands-Norwegen Enge vor.
Am 9. April 1940 wurde die beiden Schiffe während des Norwegenfeldzugs
auf Höhe Westfjord mit dem englischen Schlachtkreuzer HMS Renown in
ein Gefecht verwickelt. Vom 4. bis 9. Juni erfolgte ein Vorstoß in
Richtung Nordmeer zur Entlastung der Narwik-Front, dabei versenkte die
Scharnhorst am 8. Juni zusammen mit der Gneisenau den engl. Flugzeugträger
Glorious. Ebenso dessen Begleitschiffe, die beiden Zerstörer HMS Acasta
und HMS Ardent. Allerdings erhielt die Scharnhorst selbst von der HMS Acasta
einen Torpedotreffer, so dass sie mit einem 12x4 m großen Leck und
2.500 t Wasser im Schiff Trondheim ansteuerte. Dort war sie vom 11. bis
zum 13. Juni den Angriffen britischer Flugzeuge des Flugzeugträgers
Ark Royal ausgesetzt, die jedoch keinen Schaden verursachten. Am 20. Juni
1940 verlegte das Reichsmarinekommando die Scharnhorst nach Kiel. Dort
wurde sie bis Ende Oktober 1940 bei den Deutschen Werken repariert und
währenddessen am 1. und 2. Juli erfolglos von engl. Bombern angegriffen.
Zum Jahreswechsel 1940/41 missglückte ein Ausbruchsversuch in den
Atlantik. Am 22. Januar 1941 gelang dann ein weiterer Ausbruchsversuch
und es folgte eine 60-tägige Feindfahrt bei der die Scharnhorst zusammen
mit ihrem Schwesterschiff Gneisenau Handelskrieg führte. Dabei wurden
22 Schiffe mit 115.000 ts versenkt. Dreimal wurden die brit. Schlachtschiffe
HMS Ramillies, HMS Malaya und HMS Rodney gesichtet, jedoch kam es nicht
zum Gefecht. Das Unternehmen wurde mit dem Einlaufen in den bretonischen
Hafen Brest beendet. Am 23. Juli nach Pallice verlegt, erhielt die Scharnhorst
bei einem Luftangriff am 24. Juli 1941 5 Bombentreffer und wurde deshalb
im August 1941 zurück nach Brest zur Reparatur verlegt. Am 11.-13.
Februar 1942 erfolgte unter dem Decknamen Cerberus der Rückmarsch
in die Heimat durch den Kanal und die Strasse von Dover. Während des
Kanaldurchbruchs diente die Scharnhorst Vizeadmiral Otto von Ciliax als
Flaggschiff, bis sie einen Treffer von einer Magnetmine erhielt. Der Kommandant
wechselte auf einen Zerstörer. Einen weiteren Minentreffer erhielt
das Schiff kurz nach dem Durchbruch bevor es in Wilhelmshaven einlief.
Der Kanaldurchbruch war ein Husarenstück sondersgleichen, die englische
Presse sprach seinerzeit von der „größten Blamage in der Geschichte
des Empires“. Schließlich war es das erste mal, dass Großkampfschiffe
den Kanal durchquerten, während sie sich mit England im Krieg befanden
(der spanische Admiral Herzog von Medina war 1588 daran gescheitert.).
Am 15. Februar 1942 wurde die Scharnhorst erneut nach Kiel verlegt.
Dort erfolgten Reparaturen am Rumpf bis Oktober 1942. Am 11. Januar 1943,
bei der Verlegung nach Norwegen, wurde die Scharnhorst von britischen Luftaufklärern
erfasst, deshalb entschied man sich für die Rückkehr nach Kiel.
Am 8.-10. März 1943 wurde sie dann doch nach Nordnorwegen verlegt,
um die alliierten Konvois zu bekämpfen und die Erzlager zu sichern.
Am 6. bis 9. September 1943 nahm sie, wie die Tirpitz, an der Unternehmung
gegen Spitzbergen teil. Am 26. Dezember 1943 erfolgte eine Operation gegen
den Konvoi JW-55 B nördlich vom Nordkap. Dabei stieß die Scharnhorst
auf überlegene britische Streitkräfte, unter anderem das Schlachtschiff
HMS Duke of York. Da schon zu Beginn des Gefechts die Radaranlage der Scharnhorst
zerstört wurde, gelang es dem deutschen Schiff nicht mehr seine Geschütze
effektiv einzusetzen. Es steckte 13 35,5 cm und 14 oder 15 Torpedotreffer
ein. Die Scharnhorst sank mit laufenden Schrauben und riss 1.803 Seeleute
mit in ihr nasses Grab auf dem Grund des Nordmeers. Lediglich 36 Besatzungsmitglieder
konnten gerettet werden.
Geschichte der Gneisenau
Gebaut wurde die Gneisenau von den Deutschen Werken Kiel und der Stapellauf
fand am 08.12.1936 statt. Die Indienststellung erfolgte am 21. Mai 1938.
Aber bereits im Frühjahr 1939 erfolgte ein Umbau bei den Deutschen
Werken Kiel. Vom 4. September an war sie zusammen mit Scharnhorst im Einsatz.
Vom 7. bis 10. Oktober 1939 erfolgte ein erfolgloser Vorstoß bis
Höhe der südnorwegischen Küste. Am 9. April 1940 wurde sie
beim Gefecht mit der HMS Renown durch drei Artillerietreffer beschädigt,
darunter einen 38,1 cm Treffer im Vormars. Am 12. April wieder in Wilhelmshaven
eingelaufen, stieß sie vom 4. bis 9. Juni zusammen mit der Scharnhorst
in Richtung Nordmeer zur Entlastung der Narwik-Front vor. Am 8. Juni versenkte
sie zusammen mit der Scharnhorst den britischen Flugzeugträger HMS
Glorious sowie dessen beide Begleitschiffe. Von 10. bis 11. Juni 1940 erfolgte
ein ergebnisloser Vorstoß in das Nordmeer. Am 20. Juni 1940 beim
Auslaufen aus Trondheim erhielt die Gneisenau einen Torpedotreffer vom
brit. U-Boot Clyde und es folgte die Rückfahrt nach Trondheim. Nach
vorläufigen Reparaturen wurde die Gneisenau am 25.-27. Juni 1940 nach
Kiel verlegt und die Reparatur bei den Deutschen Werken dauerte bis zum
November 1940. Danach operierte sie zusammen mit der Scharnhorst im Atlantik
und versenkte 22 Handelsschiffe, bevor sie am 23. März 1941 in Brest
einlief. Dort war die Gneisenau am 3. und 4. April 1941 zahlreichen Luftangriffen
ausgesetzt, ohne aber einen Treffer zu erhalten. Am 6. April 1941 erhielt
sie aber doch einen Lufttorpedotreffer und wurde, im Dock liegend, am 10./11.
April durch 4 Bombentreffer beschädigt. Am 24. Juli erfolgte noch
ein weiterer erfolgloser Luftangriff. Am 11. bis 13. Februar 1942 gelang
der Kanaldurchbruch und Rückmarsch in die Heimat zusammen mit der
Scharnhorst, wobei die Gneisenau am 12. Februar einen Minentreffer erhielt.
Am 14. Februar 1942 erreichte sie Kiel, wo sie am 26./27. Februar 1942
bei den Deutschen Werken Kiel liegend von britischen Bombern angegriffen
und schwer getroffen wurde. Die vordere Munitionskammer und das Vorschiff
brannten dabei vollkommen aus. Am 4. April wurde die Gneisenau dann nach
Gotenhafen geschleppt und dort am 1. Juli 1942 außer Dienst gestellt.
Im Rahmen eines Umbaus, der bereits im Januar 1943 gestoppt wurde, hatte
man das Vorschiff unmittelbar vor Turm A abgebrochen. Die noch verbleibende
intakte Artillerie wurde letztendlich ausgebaut. Der vordere Turm A mit
seinen drei 28 cm Geschützen gelangte als Teil des Atlantikwalls nach
Holland. Die sechs restlichen 28 cm Geschütze kamen nach Norwegen
und die 15 cm Geschütze nach Wangerooge. Am 27. März 1945 wurde
der Schiffskörper vor die Hafeneinfahrt geschleppt und dort als Blockschiff
versenkt. Von 1947 bis 1951 wurde das Wrack verschrottet.
Scharnhorst mit Atlantikbug
| Schiffsname: |
Scharnhorst |
Gneisenau |
| Typ: |
Schlachtschiff |
Schlachtschiff |
| Hersteller: |
Kriegsmarinewerft Wilhelmshaven |
Deutsche Werke Kiel |
| Stapellauf: |
3.10.1936 |
8.12.1936 |
| Indienststellung: |
7.01.1939 |
21.05.1938 |
| Länge: |
229,80 m
235,40 m (nach Verlängerungsumbau) |
229,80 m
234,90 m (nach Verlängerungsumbau) |
| Länge auf Wasserhöhe: |
226,00 m |
226,00 m |
| Breite: |
30,00 m |
30,00 m |
| Tiefgang: |
9,10 m konstruktiv,
9,90 m maximal (bei 35.500 ts) |
9,10 m konstruktiv,
9,95 m maximal (bei 35.928 ts) |
| Wasserverdrängung: |
26.000 ts offiziell,
31.850 ts leer,
34.980 ts konstruktiv,
35.500 ts voll,
38.100 ts maximal |
26.000 ts offiziell,
31.850 ts leer,
34.835 ts konstruktiv,
35.928 ts voll,
38.900 ts maximal |
| Kesselanlage: |
12 Wagner Hochdruckkessel |
12 Wagner Hochdruckkessel |
| Leistung: |
160.050 PS/ 117.683 kW konstruktiv,
151.900 PS/ 111.690 kW maximal erreichte Leistung |
160.050 PS/ 117.683 kW normal,
163.400 PS/ 120.147 kW maximal |
| Antriebsanlage: |
3 Satz Getriebeturbinen (Typ Parsons) von BBC |
3 Satz Getriebeturbinen (Typ Parsons) von Deschimag |
| Turbinensatz: |
| Hochdruckturbinen |
|
| Mitteldruckturbinen |
|
| Niederdruckturbinen |
|
| Marschturbinen |
|
| Curtisrad (bei Gneisenau) |
|
|
| Vortriebsanlage: |
drei Wellen mit dreiflügeligen
Schrauben |
drei Wellen mit dreiflügeligen
Schrauben |
| Durchmesser der Schrauben: |
4,45 m |
4,45 m |
| Geschwindigkeit: |
31,00 kn |
31,65 kn |
| Treibstoffreserven: |
6.108 t maximal |
5.360 t maximal |
| Fahrbereich: |
10.000 sm bei 17 kn,
8.800 sm bei 19 kn,
3.000 sm bei voller Fahrt |
10.000 sm bei 17 kn,
8.800 sm bei 19 kn,
3.000 sm bei voller Fahrt |
| Panzerung: |
Die Panzermaterialen
waren hauptsächlich
„Wotan hart“ (Zerreißfestigkeit 85-95 kg/mm²; Dehnung 20%,
Streckgrenze 50-55 kg/mm²),
„Wotan weich“ (Zerreißfestigkeit 65-75 kg/mm²; Dehnung 25%,
Streckgrenze 38-40 kg/mm²) und
KC-Panzerstahl (Krupp cemented; 0,34 % C, 3,78
% Ni, 0,31 % Mn, 2,06% Cr). |
Rumpf
Gürtelpanzer:
Zitadelle:
Außenhaut:
Panzerdeck:
Oberdeck: |
350 mm (KC)
45 - 170 mm (Wh, KC)
45 mm (Wh)
75 - 200 mm (Wh)
50 mm (Wh) |
350 mm (KC)
45 - 170 mm (Wh, KC)
45 mm (Wh)
75 - 200 mm (Wh)
50 mm (Wh) |
28 cm cm Turm
Front:
Decke:
Seite:
Rücken:
15 cm cm Turm
Front:
Decke:
Seite:
Rücken:
Vorderer Kommandoturm:
Böschung:
Decke:
Seite:
Verbindungsschacht:
Achterer Kommandoturm
Böschung:
Decke:
Seite:
Verbindungsschacht: |
360 mm (KC)
180 mm (KC)
200 mm (KC)
180 mm (KC)
250 mm (KC)
50 mm (KC)
50 mm (KC)
50 mm (KC)
300 mm (KC)
200 mm (KC)
350 mm (KC)
220 mm (KC)
90 mm (KC)
50 mm (KC)
100 mm (KC)
100 mm (KC) |
360 mm (KC)
180 mm (KC)
200 mm (KC)
180 mm (KC)
250 mm (KC)
50 mm (KC)
50 mm (KC)
50 mm (KC)
300 mm (KC)
200 mm (KC)
350 mm (KC)
220 mm (KC)
90 mm (KC)
50 mm (KC)
100 mm (KC)
100 mm (KC) |
| Primärbewaffnung: |
9 Geschütze 28 cm SK L54,47
C in drei Drillingstürmen (1.350 Schuss) |
9 Geschütze 28 cm SK L54,47
C in drei Drillingstürmen (1.350 Schuss) |
| Sekundärbewaffnung: |
12 Geschütze 15 cm SK L/55 C
28 in vier Zwillingstürmen und vier Einzeltürmen (1.600 Schuss) |
12 Geschütze 15 cm SK L/55 C
28 in vier Zwillingstürmen und vier Einzeltürmen (1.600 Schuss) |
| Flugabwehrkanonen: |
16 Geschütze 10,5 cm L/65 C
31 in sieben Zwillingslafetten (6.020 Schuss)
16 Maschinenkanonen 37 mm L/83 C 30 in acht Zwillingslafetten
(32.000 Schuss)
10 Maschinengewehre 20 mm L/65 C 30 in zehn Einzellafetten (20.100
Schuss) (ab 1939 C 38)
1942:
+ 12 20 mm L/65 C 38 in Vierlingslafetten
bis Ende 1943:
+ 16 20 mm L/65 C 38 in Vierlingslafetten |
16 Geschütze 10,5 cm L/65 C
31 in sieben Zwillingslafetten (6.020 Schuss)
16 Maschinenkanonen 37 mm L/83 C 30 in acht Zwillingslafetten
(32.000 Schuss)
10 Maschinengewehre 20 mm L/65 C 30 in zehn Einzellafetten (20.100
Schuss) (ab 1939 C 38)
1941:
+ 12 20 mm L/65 C 38 in Vierlingslafetten |
| Torpedorohre: |
6 Torpedorohre 53,3 cm zwei Drillingsröhrsätzen
(18 Torpedos) |
6 Torpedorohre 53,3 cm zwei Drillingsröhrsätzen
(18 Torpedos) |
| Flugzeuge: |
2 Katapulte, 4 Wasserflugzeuge Ar
196 (1939) |
1 Katapulte, 4 Wasserflugzeuge Ar
196 (1941) |
| Besatzung: |
1.669 (1939) |
1.908 (1943) |
| Beiboote: |
1 Motorbarkasse
1 Motorpinasse
3 V-Boote
2 Motorjollen
5 Kutter |
1 Motorbarkasse
1 Motorpinasse
3 V-Boote
2 Motorjollen
5 Kutter |
| Anker: |
3 Bug / 1 Heck Bb. |
3 Bug / 1 Heck Bb. |
| Schiffe der Klasse: |
2 |
2 |
| Baukosten: |
143,47 Mio. Reichsmark |
146,17 Mio. Reichsmark |
Gneisenau im Sommer 1938
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