Der U-Boottyp XXI kann als eine der einflussreichsten
Konstruktionen in der Geschichte des U-Bootbaus betrachtet werden und bis
zur Einführung der Atom-U-Boote mit der USS Nautilus ein Jahrzehnt
später setzte der Typ XXI Maßstäbe. Obwohl Turbinen mit
geschlossenem Kreislauf als auch Dieselmotoren Mitte der Vierziger Jahre
bereits eingeführt waren, mussten diese doch noch weiterentwickelt
werden, bis sie effektiv in Unterseebooten genutzt werden konnten. Der
Typ XXI stellte also trotz seines wegweisenden Konzepts letztendlich nur
eine Zwischenlösung dar, die mit dem elektrischen Antrieb größtenteils
bereits eingeführte Technologien nutzte. Allerdings war der Typ XXI
von vornherein auf den Einsatz unter Wasser optimiert und so bekam der
Druckkörper über etwa einen Drittel der gesamten Länge einen
nach unten hin ausgebeulten Rumpf, so dass dieser im Querschnitt wie eine
umgekehrte Acht aussah. Dadurch konnte eine gegenüber den bisherigen
Tauchbooten dreifach höhere Batteriekapazität für die Unterwasserfahrt
eingebaut werden, so dass der Typ XXI eine um einiges höhere Unterwassergeschwindigkeit
erreichte. Die Hauptantriebsaggregate wurden durch sogenannte Schleichmotoren
ergänzt, die es dem Typ XXI ermöglichten sich fast geräuschlos
unter Wasser fortzubewegen. Admiral Dönitz billigte den Entwurf für
die Typ XXI-Boote am 13. Juni 1943 und ein Bauprogramm über 300 Boote
wurden sofort in Auftrag gegeben, später sollten es 1.300 Boote werden.
Im Rahmen eines ehrgeizigen Programms sollten letztendlich 1.500 Einheiten
(U 2500 bis U 4000) gefertigt werden, drei Schiffe pro Woche. Aus diesem
Grunde wurden die meisten anderen U-Boot-Programme der Reichsmarine gekürzt
oder zumindest storniert.
Die Sektionen des Typ XXI
Eine die Serienproduktion stark vereinfachende
Baumethode, nämlich die Sektionsbauweise, wurde bei den U-Booten des
Typs XXI erstmals radikal umgesetzt. Die Boote waren einschließlich
des Turms in acht Sektionen aufgeteilt, die von verschiedenen Herstellern
gefertigt wurden, und dann auf den Montagewerften von Deschimag, dem Bremer
Vulkan und Blohm & Voss endmontiert und verschweißt wurden.
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Sektion
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Werft
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Inhalt
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Sektion 1
Heckraum
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Kieler Howaldtswerke,
Danziger Werft |
Antriebe für das Seitenruder und das hintere Tiefenruder,
Seitenrudernotsteuerstand, Tieflenzpumpe 1, Achtern WC, Werkstatt mit Drehbank |
Sektion 2
E-Maschinenraum
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KMW Wilhelmshaven,
Danziger Werft |
2 Haupt-E-Maschinen mit Hauptfahrstandtafeln, Schleichmotoren
mit Fahrständen, Hilfsschalttafel 1, Wechselstromumformer, E-Kompassumformer |
Sektion 3
Dieselmotorenraum
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Bremer Vulkan,
Deutsche Werft Harnburg,
Danziger Werft |
2 Dieselmotoren, Hilfsmaschinen, Aufladegebläse,
Vulkan-Kupplung, Dieselmotorengetriebe, Lufterneuerungsanlage, Frischwassererzeuger, |
Sektion 4
Mannschaftsräume
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Deutsche Werft Hamburg,
Flenderwerke Lübeck,
Schichauwerft Danzig |
Mannschaftswohn- und schlafräume, Akkuraum 1 mit
62 Akkuzellen, 4 Trinkwasserbehälter, Provianträume 1 und 2,
sowie 4 Akkudestillationsbehälter |
Sektion 5
Kombüse, Zentrale,
Hilfsmaschinenraum, Turm
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Bremer Vulkan,
Howaldtswerke Hamburg,
Schichauwerft Danzig |
Kombüse (mit 2 Provianträumen), Elemente für
Steuerung und Schiffsführung unter Wasser (Gefechts-, Tiefenruder-
und Seitenruderstand, Mutterkreiselkompass), Kartentisch, Hilfsschalttafel
2, Batterieüberwachungsstand, Hilfsmaschinenstand, Turm (Gefechtsstand,
Seitenruderstand, Torpedofeuerleitanlage mit Vorhaltrechner, Nachtluftzielrohr,
Standseerohr) |
Sektion 6
Vorderer Wohnraum
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Bremer Vulkan,
Deutsche Werft Hamburg,
Deutsche Werke Gotenhafen |
Wohnräume für Offiziere, Oberfeldwebel und
Unteroffiziere - darunter liegen 4 Akkuräume auf zwei Stockwerken |
Sektion 7
Bugtorpedoraum
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Deschimag Wesermünde,
Deutsche Werke Gotenhafen |
Torpedomagazin für 17 Torpedos und eine
Schnellladevorrichtung, Torpedoschussempfänger, LUT-Einstellgerät,
vorderes Tiefenruder, Behelfsanker |
Sektion 8
Bugtorpedoraum
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Deutsche Werke Kiel,
Danziger Werft |
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Endmontage
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Deschimag AG Weser Bremen,
Blohm & Voss Hamburg,
Schichauwerft Danzig,
Bremer Vulkan (Valentin) (geplant) |
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Rumpfsektion 6
Technik
Wie bereits erwähnt war der U-Boot-Typ XXI
speziell für den Unterwassereinsatz ausgelegt. Beispielsweise fehlten
ihm größere Bordkanonen, dafür verfügte er aber über
umfangreiche Ortungsgeräte, die hohe Batteriekapazität und ein
ausgeklügeltes Schnorchelsystem. Da die Boote die gesamte Patrouillenzeit
unter Wasser verbringen sollten, um nicht von mit Radar ausgerüsteten
Aufklärern entdeckt werden zu können, wurden der Schnorchel hauptsächlich
dazu eingesetzt, die Batterien mit den Dieselmotoren wieder aufzuladen.
Das U-Boot verfügte über jeweils zwei MAN Dieselmotoren, die
über Wasser zum Antrieb genutzt wurden oder um die Batterien für
die Elektromotoren aufzuladen. Es waren zwei Batterien mit je drei mal
62 Zellen pro Teilbatterie vorhanden deren Kapazität 11.300 Ah pro
Zelle bei 20 stündiger Entladung betrug. Mit diesen Batterien wurden
die zwei Hauptelektromotoren unter Wasser angetrieben, oder bei Schleichgang
die zwei Schleichmotoren, die durch ein System von 12 Keilriemen und eine
Reibungskupplung direkt auf die Hauptantriebswelle wirkten. Die U-Boote
hatten eine Konstruktionstauchtiefe von 135 m, was die 2,5-fache Sicherheit
gegen eine Zerstörungstauchtiefe ergab. Das U-Boot U 2506 führte
am 26. April 1945 einen Tauchtiefenversuch mit 220 m Tauchtiefe durch,
wobei keine besonderen Vorkommnisse gemeldet wurden. Jedoch implodierte
ein "druckfester" Schlauchbootbehälter; das Gleiche passierte auf
U 2529 am 8.Mai 1945 bei einer Tiefe von 190 m. Es war zudem geplant, eine
Schwebeanlage und eine automatische Tiefensteuerung einzubauen. Die Schwebeanlage
wurde bei U 2502 und U 2518 erprobt und die automatische Tiefensteuerung
kam bei U 2511, dem ersten in Dienst gestellten U-Boot des Typs XXI, versuchsweise
zum Einbau. Für den Unterwassereinsatz war eine Anzahl an verschiedenen
Ortungsgeräten vorhanden. Unter anderem das SU(R)-Gerät "Nibelung"
für die aktive Richtungs- und Entfernungsbestimmung von Schiffen mit
Hilfe kurzwelliger Schallimpulse sowie das Gruppenhorchgerät (GHG),
ein unter dem Bug angeordnetes Horchgerät. Durch die Kombination von
aktiven und passiven Unterwasserortungsgeräten konnte ein Torpedoabschuss
ohne Verwendung des Sehrohrs geschehen. Die Flugabwehrbewaffnung bestand
aus einem vorderen und einem hinteren drehbaren Flakturm im Turm. Wobei
jeder Flakturm mit zwei 20 oder 30 mm Kanonen ausgerüstet war. Zur
Schiffsbekämpfung hatten die Boote 6 Bugtorpedorohre, die mit Torpedos
und Minen geladen werden konnten. Der Typ XXI verfügte aber nicht
über Hecktorpedorohre, wie es noch die Vorgängerboote, wie z.
B. der Typ X B, hatten. Mit der Torpedoschnellladeeinrichtung des Typ XXI
konnten 18 Torpedos innerhalb von 20 Minuten abgefeuert werden.
Bei diesem neuen Boots-Typ brauchte auch die
Besatzung nicht mehr, wie bei den "alten" Booten, im Bugtorpedoraum unter
primitivsten Verhältnissen hausen, denn hier gab es vom technischen
Bordbetrieb abgetrennte Schlaf- und Wohnräume. Außerdem gab
es, drei komfortable WC´s mit Fäkalientanks, einen großzügig
ausgestatteten Waschraum, Dusche und UV-Beleuchtung. Weiterhin sorgte eine
vollautomatische Lüftungsanlage und eine neuartige wirkungsvollere
Lufterneuerungsanlage, für ein besseres Wohlbefinden.
1944 wurden zwei Varianten des Typs XXI entwickelt,
die sich hauptsächlich durch die stärkere Bewaffnung unterschieden,
aber nie gebaut wurden. Der Typ XXI B sollte weitere sechs Torpedorohre
im Bug erhalten, drei auf jeder Seite, die jedoch im Winkel von 10 Grad
zur Mittelachse des Bootes achteraus schossen. Typ XXI C mit einer geplanten
Länge von 83 m sollte sogar 18 Torpedorohre haben: sechs Bugrohre
zum Vorausschuss und zwölf Rohre in zwei Gruppen zu je drei Rohren
auf jeder Seite, die, wie bei Variante XXI B, achteraus schossen. Die zusätzlichen
Torpedorohre sollten beim Typ C durch den Einbau einer weiteren Sektion
untergebracht werden. Weitere Versionen des Typ XXI (XXI D, XXI E und XXI
T) kamen nie über die Planungsphase hinaus und wurden auch nicht weiter
untersucht.
Obwohl einige U-Boote des Typs XXI gebaut wurden,
kamen nur wenige zum Einsatz und mehrere Boote konnten bereits in heimischen
Gewässern von alliierten Flugzeugen versenkt werden. Insgesamt erlebten 12
Boote eine Feindfahrt: U 2501-U 2504 sowie U 2506 (gebaut bei B+V), U 3001-U 3004 (AG Weser) und U 3501-U 3503 (Schichau).
Nach dem Krieg
wurde das von den Alliierten durch Jagdbomber beschädigte und am 4. Mai 1945 selbst
versenkte Typ XXI U-Boot U 2540 wieder gehoben
und restauriert bzw. modernisiert. U 2540 wurde dann 1958 der Bundesmarine
übergeben und 1960 in "Wilhelm Bauer" umbenannt. Es ist das einzige
heute noch erhaltene U-Boot des Typs XXI und liegt seit 1984 als Technikmuseum
in Bremerhaven, wo es in der Sommersaison (1.4.-30.10.) täglich von
10 bis 18 Uhr besichtigt werden kann.
U 2601 auf der Heling B bei Blohm
& Voss in Hamburg
| Name der Schiffsklasse: |
Unterseeboot Typ XXI A |
| Typ: |
hochseetaugliches Unterseeboot |
| Hersteller: |
Deschimag AG Weser Bremen (88 Stück),
Blohm & Voss Hamburg (131 Stück),
Schichauwerft Danzig (71 Stück) |
| Stapellauf: |
1944 - 1945 |
| Jahr der Indienststellung: |
1944 |
| Länge: |
76,70 m |
| Breite: |
6,62 m |
| Höhe: |
8,00 m |
| Tiefgang: |
6.20 m |
| Wasserverdrängung: |
1.621 t an der Oberfläche,
1.819 t getaucht |
| Antrieb: |
über Wasser: 2 x 6 Zylinder MAN 4-Takt
Dieselmotoren M6V 40/46;
unter Wasser: 2 SSW Haupt-E-Maschinen 2 GU 365/30;
bei Schleichgang: 2 SSW Schleichmotoren GV 323/28 |
| Leistung: |
Dieselmotor: je 2.194,85 PS/ 2.985 kW
Elektromotor: je 2.742,65 PS/ 3.730 kW
Schleichmotoren: 113 PS/ 83,09 kW |
| Geschwindigkeit: |
15,5 kn an der Oberfläche,
17,5 kn getaucht,
3,5 kn getaucht bei Schleichgang |
| Aktionsradius: |
über Wasser 15.500 sm,
unter Wasser 282 sm bei 6 kn |
| Tauchtiefe: |
135 m |
| Zahl der Geschütze: |
vier 30 mm Flak in Zwillingslafetten oder
vier 20 mm Flak in Zwillingslafetten |
| Torpedorohre: |
6 53,3 cm Torpedorohre im Bug (Lagerkapazität
von 23 Torpedos oder 17 Torpedos und 12 Minen) |
| Besatzung: |
57 |
| Schiffe der Klasse: |
U 2501 bis U 2632
U 3001 bis U 3089
U 3501 bis U 3572 |
Ein Boot in der Endmontage, die
einzelnen Sektionen werden gerade
zusammengefügt und verschweißt.
U 2501
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