Hier ist die Vorwärtspfeilung
der Flügel wunderbar zu erkennen
Bereits 1931 wurde mit der Entwicklung von vorwärtsgepfeilten
Flugzeugen begonnen und Deutschland baute gegen Ende des 2. Weltkriegs
sogar noch mehrere Prototypen des Bombers Ju-287. Doch das Problem der
unerwartet großen Kräfte, die auf die Tragflächen einwirkten,
konnte mit den damals vorhandenen Materialien nur durch ein weitaus
höheres Gewicht erkauft worden. Die gewonnenen Vorteile wie ein
geringerer Luftwiderstand, größerer Auftrieb bei geringen
Geschwindigkeiten und bessere Manövrierbarkeit wären damit
wieder verloren gewesen. Bei den absolvierten Testflügen mit dem ersten Prototypen zeigte
sich, dass der Luftstrom nach innen zum Rumpf hin floss, anstatt wie
bei rückwärtsgepfeilten Flugzeugen nach außen. Die Konsequenz
daraus war, dass ein Strömungsabriss erst viel später auftreten
konnte und wenn er auftrat, so meist am Ansatz der Flügel, wo er
leichter zu kontrollieren war. Man fand also heraus, dass die Konstruktion
ihren konventionellen Mustern bei Flugmanövern mit geringer Geschwindigkeit
oder hohem Anstellwinkel überlegen war. Die konstruktionsbedingte
Instabilität ließ sich zudem durch das Flight-Control System
sehr gut beherrschen. Im Jahr 1992, also gegen Ende des Erprobungsprogramms, wurde eine neue Idee verfolgt, wie man das Flugzeug bei hohen Anstellwinkeln und begrenzter Effektivität der konventionellen Steuersysteme noch sicher manövrieren könnte. Der zweite Prototyp wurde dazu an der Nase mit Stickstofftanks ausgerüstet, die Pressluft in die Verwirbelungen vor der Nase spritzen sollten. Nachdem in Windkanaltests bewiesen wurde, dass das System funktioniert, ging man an die Erprobungsflüge. In den exakt 60 Flügen konnte durch die Beeinflussung der Verwirbelungen erfolgreich die Ausrichtung der Nase beeinflusst werden, besonders in Situationen wo die normalen Ruder bereits versagten. Es zeigte sich jedoch auch, dass die Wirkung der „Vortex Flow Control“ bei auftretendem Seitenwind stark eingeschränkt war. Mit der X-29 wurden die Hoffnungen der Entwickler auf eine signifikante
Verringerung des Luftwiderstands nicht voll erfüllt, was nicht
bedeutet, dass mit einem nochmals optimierten Entwurf die Ziele nicht
erreicht werden könnten. Abgesehen davon hat das Flugzeug durch
seine besondere Bauform zu vielen neuen Erkenntnissen verholfen, die
zukünftigen Entwicklungen zur Verfügung stehen werden. Die
Beherrschung der extremen Anstellwinkel, Kontrollierbarkeit eines eigentlich
instabilen Flugzeugs sowie viele Detaillösungen lassen sich teilweise
bereits im militärischen Bereich wiederfinden.
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Eine XF-29 in der Frontalansicht
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| Pictures by NASA Dryden Flight Research Center. Text by WHQ |