Special Forces (Airborne)
"De Oppresso Liber" (Freiheit den Unterdrückten)


 


Special Forces gedenken den Toten

 
Vorgeschichte

Vorgänger aus Kolonialzeiten

Die historischen Vorgänger der Special Forces reichen bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts zurück. In der Vergangenheit waren die Aufgaben von verschiedenen Ranger-Formationen und denen von Spezialeinheiten eng verwurzelt, doch heute ergibt sich hier ein etwas anderes Bild. Ähnlich den heutigen Fernspähaufgaben der Special Forces, operierten die Waldläufer zuerst an der Seite Großbritanniens gegen die Franzosen und deren indianischen Verbündeten. Im Unabhängigkeitskrieg wurde die gleiche Taktik gegen das frühere Vaterland Großbritannien angewandt. So kämpften diese Verbände oftmals wochen-, wenn nicht sogar monatelang hinter feindliche Linien mit Hilfe von Guerillataktiken. Überraschungsschläge gegen wichtige strategische und taktische Punkte waren alltäglich und machten Männer wie Major Roger weltberühmt. Auch im amerikanischen Bürgerkrieg (1861-1864) waren Operationen tief im feindlichen Hinterland gang und gäbe. Dieses erforderte allerdings allerdings beträchtlichen Mut, da bei Festnahmen die Exekution Standard war.

First Special Service Force

Im 2. Weltkrieg gab es einige spektakuläre Handstreiche gegen wichtige Punkte im feindlichen Hinterland, vor allem durch die "Brandenburger", einer deutschen Spezialeinheit, die an allen Fronten vom Eismeer bis Afghanistan zum Einsatz kam. Die Briten reagierten rasch und stellten die Commandos auf. Auch die Amerikaner begannen mit der Bildung von Ranger - Formationen. Doch diese Verbände waren immer noch nicht mehr als besonders gut ausgebildete Infanteristen, da sie meist in größerem Rahmen, bis hin zur Bataillonsstärke operierten.
Um diesen Mangel zu beseitigen, wurde die "First Special Service Force" aufgestellt, eine Einheit aus US- und kanadischen Soldaten. Eine Vorbildfunktion nahm hierbei der britische SAS ein, welcher erfolgreiche Himmelfahrtsunternehmen im Rücken von Rommel's Afrikakorps unternahm. Die im Jahre 1942 aufgestellte FSSF setzte sich aus drei kleinen Regimentern mit jeweils zwei Bataillonen und einem Stabs- und Versorgungsbataillon zusammen. Viele der Soldaten kamen aus den Reihen der Fallschirmjäger. Ursprünglich waren Aktionen gegen Ziele in Norwegen und gegen die Erölfelder in Rumänien geplant, doch als erstes befreite die Einheit die Inselgruppe der Aleuten von den Japanern, die allerdings bereits vor der Ankunft verlassen wurden. Danach wurde die Einheit nach Italien verlegt und kämpfte dort gegen die Deutschen als Gebirgsjäger. So eroberten sie dort bei Nacht die Bergstellungen Monte la Difense und Monte la Rementanea. Einen Spitznamen erhielt die Einheit bei ihrem Einsatz in Italien auch: "Die Teufelsbrigade". Weitere Aktionen beim Brückenkopf in Anzio und gegen Rom folgten.
Im Rahmen der Anlandung von alliierten Kräften an der französischen Rivieraküste erfolgte der nächste Einsatz der Einheit. Dort kämpften sie sich entlang der Küste bis nach Italien vor. Doch dies sollte auch der letzte Einsatz der First Special Service Force werden, denn am 5. Dezember 1944 wurde die Einheit aufgelöst. Insgesamt wurden 2.300 Mann getötet und manche Kompanien hatten nur noch wenige Soldaten. Die verbliebenen Verbliebenden gliederte man in die Reihen der Ranger und des 1. kanadischen Fallschirmbataillons ein. Die First Special Service Force stellen offiziell den Vorgänger der US Special Forces dar und etliche Dinge, wie z.B. der stilisierte Pfeil am Oberarm, wurden übernommen.


Scharfschützen in getarnter Stellung

Geschichte der Special Forces (Airborne)

Die Gründung der Special Forces (Airborne)

Nach Ende des 2. Weltkrieges sah man keinen Einsatzzweck mehr für Spezialeinheiten, welche tief im Hinterland des Feindes agieren. Die einzige Organisation, welche verdeckte Operationen mit mäßigem Erfolg durchführte, war der neugegründete Geheimdienst CIA. Im Ost-West-Konflikt sollten, neben konventionellen Streitkräften, auch Partisanen und Guerillas auf dem Gebiet des Warschauer Paktes aktiv werden. So war die Zusammenarbeit mit Widerstandsbewegungen und deren Führungen durch amerikanische Einheiten vorgesehen. Doch anfangs stand die US Army einer solchen Truppe sehr skeptisch gegenüber und nur einige ehemalige OSS-Offizieren ist es zu verdanken, dass der Gedanke nicht sofort wieder verworfen wurde.
Im Jahre 1952 kam es dann zur Gründung der ersten Einheit, der 10th Special Forces Group in Bad Tölz, in deren Reihen sich anfangs viele Immigranten befanden, wodurch man auf zahlreiche Fremdsprachenkenntnisse zurückgreifen konnte. Neben einer Fallschirmausbildung erhielten die Männer auch Lehrgänge in unkonventioneller Kriegsführung. Das Ansehen der Special Forces in der restliche Army war nicht das beste, da der Umgang unter den Dienstgraden ungezwungen und eher kameradschaftlich war und die Gliederung der gesamten Gruppe sehr von den Standards der restlichen Streitkräfte abwich. Schon damals kamen AA-Teams mit 12 Mann und Spezialisten für bestimmte Fachgebiete zum Einsatz. Auch die Bewaffnung und Ausrüstung wich oft von dem Standard ab.
Am Koreakrieg (1950-1953) nahmen die Special Forces zwar nicht teil, sie rekrutierten später aber gerne kampferfahrene Veteranen aus jener Zeit. Dank der Fürsprache von General McClure wurde neben der 10th SF Group auch noch die 77th SF Group in Fort Bragg aufgestellt. Nun wurden in Bad Tölz zahlreiche, teils tagelange, Übungen in Ex- und Infiltrationstaktiken und unter Einbeziehung der örtlichen Bevölkerung abgehalten.
Die Special Forces sind in der amerikanischen Bevölkerung als "Green Baretts" bekannt und um ihre grünen Barette ranken sich viele Legenden. Anfangs wurden sie im Rahmen der Ausbildung geduldet, aber anderseits auch wieder einmal von Kommandeuren verboten. Dies änderte sich alles im Jahre 1961 als der amerikanische Präsident John F. Kennedy die Special Forces in Fort Bragg besuchte. Er war so begeistert von dieser außergewöhnlichen Truppe, dass er sich 10.000 Soldaten mit dem "Green Barett" wünschte. Dank einer persönlichen Weisung des Präsidenten wurde die Kopfbedeckung offiziell eingeführt und die Special Forces empfanden den Präsidenten, der so viel für sie bewirkt hatte, als eine Art Vaterfigur. Bei der Beerdigung John F. Kennedys, legte der dienstälteste Seargent der Special Forces am Grabe ein grünes Barett ab. Als Zeichen ihrer tiefen Trauer und Dankbarkeit gegenüber dem erschossenen Präsidenten. Als Zeichen der globalen Interessen der Vereinigten Staaten wurde jetzt auch eine weitere Einheit, die 1st Special Forces Group auf Okinawa, Japan, gegründet, welche für den Fernen Osten zuständig war. 1960 wurde die 77th SFG in 7th SFG umbenannt. Weiterhin wurde in den 60er Jahren auch noch die 5th SFG für Vietnam, 3rd und 6th SFG für Afrika und den Mittleren Osten gegründet. Im Jahre 1962 gab es bereits rund 5000 Special Forces, welche rund um dem Globus befreundete Streitkräfte ausbildeten und unterstützten. Weitere Höhepunkte war die höchste Mannstärke in den Jahren 1966 bis 1968, mit bis zu 11.000 Soldaten.

Special Forces im Vietnamkrieg (1965-1973)

Indochina hatte schon vor der Intervention der Amerikaner eine bewegte Geschichte hinter sich: Im 2. Weltkrieg wurde die vorherige Besatzungsmacht Frankreich von den neuen Herrschern, den Japanern, vertrieben. Nach der Niederlage kehrten die Franzosen zurück, doch die Vietnamesen wollten nicht mehr länger nur Kolonie sein. So begann ein blutiger Krieg, bei dem mehr Ausländer in den Reihen der Legion starben, als jemals zuvor. Schließlich siegten die "Vietminh" genannten kommunistischen Guerillas unter der Führung Ho Chi Minhs und seinem General Giap im Jahre 1954 über die Franzosen. Das Land wurde entlang des 17. Breitengrades in einen kommunistischen Norden und einen kapitalistisch, eigentlich mehr diktatorischen Süden geteilt.
Doch die Infiltration von kommunistischen Kämpfern aus dem Norden hielt an und so entschloss sich schon die damalige Regierung unter Kennedy zum Entsenden von Beratern. Die Special Forces waren als erste in Vietnam und dies sollte für lange Zeit auch so bleiben. Nach der Vision Kennedys sollte dieser "heimliche" Krieg niemals zu einem offen konventionellen Krieg werden, doch nach seiner Ermordung trat genau das Gegenteil ein. In Vietnam wurde anfangs nur die 5th SFG eingesetzt, doch auch die anderen Groups mussten beträchtliche Teile ihrer Mannschaftsstärke abgeben, um der enormen Personalnachfrage Nachschub zu liefern.
Anfangs berieten die Green Berets nur die südvietnamesische Armee und waren in keine Kampfhandlungen verwickelt, doch nach dem offenen Ausbruch des Krieges im Jahre 1965 und dem Entsenden von Hunderttausenden von amerikanischen Soldaten, sollte sich dies schnell ändern. Die "Green Berets" gehörten zu den Lieblingskindern des CIA. Der Grossteil der "SOG" (Study and Observation Group) genannten Einheit waren Special Forces. Die Aufgaben dieser CIA-Einheit unterlagen strengster Geheimhaltung und gingen von der Ausbildung von einheimischen Stammeskämpfern, bis hin zur Liquidierung von wichtigen gegnerischen Führungspersönlichkeiten. Einsatzgebiete waren außer dem Süden und Norden Vietnams auch Laos und Kambodscha. Um den Vietkong mit seinen eigenen Mitteln zu schlagen, machten sich die Special Forces das ethnische Vielvölkergemisch Südostasiens zu Nutze. Sie bildeten aus verschiedenen kleinen Stämmen schlagkräftige Kampfgruppen, welche die Bezeichnung CIDG (Civilian Irregular Defense Groups) trugen. So wurde meist ein A-Team in ein Dorf der "Montagnards" gesandt und trainierten die kleinen, aber sehr zähen Kämpfer in moderner Kriegsführung. Die A-Teams lebten oft monatelang in den Dörfern, sprachen deren Sprache und führten die Kampfeinsätze der Gruppen. Die Zusammenarbeit war bei den südvietnamesischen Behörden nicht gern gesehen, doch sie brachte dem Vietkong oft große und sehr schmerzhafte Verluste bei. Die Green Berets operierten als Fernspäher und Kommandosoldaten in allen Bereichen Indochinas, egal ob im Mekong-Delta, in den Reisfeldern des Südens, oder den unwirklichen Hochebenen. Die Infiltration der Special Forces war auf allen Wegen möglich, egal ob mit Booten, Abseilen aus dem Hubschrauber, oder langen Märschen durch den Dschungel. Doch mit der steigenden Truppenpräsenz gaben auch immer mehr Special Forces ihr Leben für die vermeintlich gute Sache. 
Die Tet-Offensive im Januar 1968 mit ihren schweren Kämpfen brachte auch für die Green Berets einige Veränderungen mit sich. Als beispielhaft für die harten Gefechte kann der Kampf um den Stützpunkt Lang Vei, mit einem A-Team und den einheimischen Kämpfern angesehen werden. Der Vietkong griff während der Offensive mit massivsten Mitteln an, unter anderem mit leichten Panzern des Typs PT-76. Trotz massivstem Widerstand gelang es dem Vietkong Teile der amerikanischen Stellungen zu überrennen, was die Green Berets in größter Not dazu veranlasste, Artilleriefeuer auf die eigenen Stellungen anzufordern. Der Vietkong konnte abgedrängt werden, doch die Hälfte des A-Teams und an die 90 einheimischen Kämpfer fielen.
Trotz der aufopferungsvollen Kämpfe wandte sich das Klima in der amerikanischen Bevölkerung gegen die anfänglichen Helden. Besonders richtete sich die unberechtigte Kritik gegen die Special Forces, denen eine grausame Kriegsführung vorgeworfen wurde. Dies hatte die zunehmende "Vietnamesierung" und den langsamen Abzug der amerikanischen Truppen zur Folge. Einen kleineren Höhepunkt bildete noch die Invasion Kambodschas im Jahre 1970, doch am 15. April desselben Jahres begannen die USA mit dem Abzug ihrer ersten Truppen. So wurden die bisherigen Dschungelcamps den Südvietnamesen übergeben, welche diese in Ranger-Stellungen umwandelten.
Eine der letzten größeren Aktionen der Green Berets stellt die Befreiung der Kriegsgefangenen im Lager Son Tay in Nordvietnam dar. Im dortigen Lager wurden schon oft jahrelang Piloten von über Nordvietnam abgeschossenen Flugzeugen inhaftiert. Die Green Berets drangen mit Hubschrauber in das Lager ein und kämpften trotz unterlegener Personalstärke die dort anwesenden Feindkräfte und deren chinesische und russische Berater in einem kurzen, aber heftigen Feuergefecht nieder. Der endgültige Efolg blieb leider aus, da die Gefangenen kurze Zeit vorher in ein anderes Lager verlegt wurden. Die Special Forces mussten unverrichteter Dinge abziehen. 
Am 1. Mai 1971 kehrten offiziell die letzten Einheiten in die USA zurück. Inoffiziell bildeten weiter Green Berets immer noch die südvietnamesische Armee aus, deren Kampfkraft in den letzten Jahre drastisch zurückging. Weiterhin wurden Aufträge der CIA immer noch hauptsächlich von den Special Forces ausgeführt. doch mit dem Abzug des letzten amerikanischen Soldaten im Jahre 1973 endete auch das Engagement der geheimnisvollen Männer mit dem grünen Baretten. Sie ließen über 600 gefallene Kameraden in den Weiten Südostasiens zurück, erhielten über 2.600 Verwundetenabzeichen und sind die höchstdekorierte amerikanische Einheit des ganzen Vietnamkrieges.

Die schlechten Jahre

Noch heute, nach so vielen Jahren, ist der Vietnamkrieg für die USA eine Demütigung und Schmach. Er brachte beträchtliche Änderungen für die amerikanischen Gesellschaft mit sich und damit auch für die US Streitkräfte. Sie wurde von einer Wehrpflicht-, in eine Freiwilligenarmee umgewandelt und musste drastische Personalkürzungen hin nehmen. Dieses Schicksal traf auch die Special Forces, wo über 60% des Personal eingespart wurde. Außerdem wurden die 3., 6. und die 8. Gruppe aufgelöst.
Im Jahre 1977 wurde innerhalb der Special Forces eine bis heute geheime Anti-Terror-Einheit, die 1st Special Forces Operational Detachment Delta (SFOD-1), unter dem Kommando von Colonel Beckwith gegründet. Die Existenz der weitläufig als "Delta Force" bezeichneten Truppe wird bis heute vom Pentagon geleugnet. Sie ist nach dem Vorbild fast aller Spezialeinheit dieser Welt aufgebaut: Dem britischen SAS.
Innerhalb von nur zwei Jahren wurde diese in Fort Bragg ansässige Truppe ausgebildet und aufgebaut, unter anderem auch von SAS und der deutschen GSG9. Doch die erste "richtige" Aktion, die Geiselbefreiung im Iran 1980, ging schief. Der in Vietnam hochausgezeichnete Fallschirmjägeroffizier Beckwith musste kurze Zeit später in Pension gehen und die USA hatten eine weitere Schlappe erlitten.

Die hoffnungsvollen 80er

Mit dem neuen Präsident Reagan, trat einen neue Epoche für die US Armee ein. Sie wurde nun wieder modernisiert und erhielt völlig neue Strukturen. Auch die Green Berets erhielten eine Aufwertung.
Beratungseinsätze erfolgten in dieser Zeit vor allem im zerrütteten Mittel- und Südamerika, wo die örtlichen Armeen von den Special Forces wichtige Tipps bekamen. Auch der zunehmende Kampf gegen die Drogen bedeutete für die Special Forces umfangreiche Einsätze auf diesem Kontinent. Auch bei der Intervention in Grenada 1983 kamen einige Männer von "DELTA" zum Einsatz.
Zwei weitere Erfolge der Green Berets war der Status als eigenständige Waffengattung (1. Oktober 1984) und die Schaffung einer eigenständigen Offizierslaufbahn (9. April 1987).

Operation "Just Cause" (Panama 1989)

Die USA stand schon seit Jahren im Einsatz gegen die Drogenkartelle, doch Panamas Staatsführer Manuell Noriega überspannte den Bogen mit der Zeit. Er galt als Dreh- und Angelpunkt des Drogenhandels in Mittelamerika und erklärte schließlich sogar Amerika den Krieg. Die Green Berets des 3. Bataillons der 7th SFG stellten die Kampfgruppe "Schwarz". Diese führte Fernspäh- und Überwachungsoperationen sowie Kampfeinsätze gegen die panamesischen Armeen durch. Dabei hielten sie auch die strategisch wichtige Pacora-Brücke in einem harten Feuergefecht gegen das "Bataillon 2000". Panama stellte für die Special Forces ein Paradestück dar und sie verloren keinen einzigen Mann.

Operation "Desert Storm" (Irak 1990/91)

Der Einmarsch der irakischen Armee in Kuwait und der darauffolgende Proteststurm in aller Welt, bedeutete für die Special Forces den Einsatz in dieser Region. Kurz nach der Invasion Kuwaits im August 1990 wurden Anti-Terror-Teams in die Golfregion geschickt, da sich noch zahlreiche Geiseln in den Händen des Iraks befanden und es war mit weiteren Aktionen dieser Art zu rechnen. Kurz danach wurde auch die für diesen Teil zuständige Gruppe, die 5th SFG, in das Einsatzgebiet verlegt. Als Verstärkung folgten ihr Teile des 1. Bataillon der 10th SFG und die kurz zuvor aufgestellte 3rd SFG. Auch Special Forces der Nationalgarde und DELTA wurden in die Krisenregion entsandt.
Die Green Berets erfüllten ihre traditionelle Rolle: Sie unterstützen und bildeten verbündete arabische Verbände aus. Weiterhin führten sie Fernspäheinsätze tief im Irak und in Kuwait aus, übermittelten wichtige Daten und lenkten während der Luftangriffe die eigenen Bomben und Raketen ins Ziel. Wichtige gegnerische Führungspersönlichkeiten wurden an Ort und Stelle "entführt" um sie zu verhören. Zahlreiche Aufklärungsteams der Special Forces infiltrierten mittels HALO/HAHO-Technik (High-Altidude-Low-Opening/Hight-Altidude-High-Opening) oder mit Hubschraubern das Einsatzgebiet und blieben oft wochenlang im feindlichen Gelände. Kommandoaktionen wurden gegen gegnerische Kommunikationseinrichtungen, Nachrichtenverbindungen, u.ä. verübt.
Doch eine der größten Gefahren stellten die irakischen SCUD-Raketen dar. Um einen Wandel im Krieg herbeizuführen, wurden SCUDs auf Israel verschossen, um die arabischen Verbündeten dazu zu bewegen, dass Bündnis bei einem Eingreifen Israels zu kippen. Eine weitere Gefahr ging von der Fähigkeit aus, die SCUDs mit chemischen und biologischen Sprengköpfe zu bestücken. Somit erging der Auftrag an alle alliierten Spezialverbände, diese SCUDs ausfindig zu machen und zu zerstören. Die Green Berets und andere Spezialkräfte, wie SAS, Delta oder die US Navy SEALs, sickerten per Hubschrauber ein, entdeckten die SCUDs, vernichteten die Führungs- und Kommunikationszentren der Raketen und lenkten mit Hilfe von Laserzielmarkierungsgeräten, wie dem AN-PAQ-1, die von eigenen Flugzeugen abgesetzten Bomben oder Raketen in das Ziel. Nach dem Kriegsende blieben die Special Forces allerdings im Land und halfen den notleidenden Kurden im Nordirak. Der Einsatz der Green Berets am Golf kostete 11 Soldaten das Leben, welche bei einem Hubschrauberabsturz ums Leben kamen.

Arbeitsreiche 90er

Das Ende des Kalten Krieges brachte zahlreiche Kürzungen auf Seiten der amerikanischen Streitkräfte mit sich. So wurde ab dem 15. Juli 1991 die 10th SFG aus dem bayrischen Bad Tölz abgezogen und in die Staaten rückversetzt.
Doch die Weltlage änderte sich nicht nur zum Guten und so befanden sich Special Forces kurz darauf auch schon wieder auf Ausbildungsmissionen in Somalia (1993) und Haiti (1994). Kurz nachdem sich die NATO entschlossen hatte in Bosnien zu intervenieren, befanden sich Green Berets der 10th SFG im Land. Weitere Ausbildungs- und Kampfeinsätze weltweit folgten, darunter auch im Kosovo 1999. Hier waren die Special Forces vor allem mit Fernspäh- und FAC-Missionen, aber auch mit Beratungstätigkeiten für die albanische UCK im Einsatz.

Operation Enduring Freedom (Afghanistan 2001-?)

Schon lange vor den Terroranschlägen des 11. September befanden sich Green Berets in Afghanistan. Allerdings waren diese zahlenmäßig schwach, hatten aber schon damals die Aufgabe Bin Laden dingfest zu machen. Mit den Anschlägen gegen das WTC und das Pentagon änderte sich die Mannstärke jedoch drastisch. Hauptsächlich kamen und kommen die Angehörigen der 5th SFG zum Einsatz.
In der ersten Phase des Afghanistan-Feldzuges kamen nur wenige Angehörige der amerikanischen Spezialkräfte zum Einsatz. So schickte man etliche A-Teams zu den einzelnen Gruppierungen der Nordallianz um diese auszubilden und im Kampf zu unterstützen. Meist erhielten die A-Teams auch noch Unterstützung durch die Combat Controller der Air Force, welche die Luftunterstützung koordinierten. So ermöglichten sie den anfangs überraschenden Vormarsch und anschließenden Sieg über die Taliban.
Nach dieser ersten Phase stieg die Personalstärke im Land, so das die Green Berets auch aktiv in das Kampfgeschehen eingreifen mussten. So waren z.B. Green Berets an den schweren Kämpfen beim Gefangenenaufstand in der Festung Qila-i-Dschangi bei Mazar-i-Sharif und an der Operation "Anaconda" beteiligt. Da sich die Taliban und Al-Kaida Kämpfer oft in Höhlen versteckt hatten, mussten sich nun die Green Berets auch als Tunnelratten versuchen. Das nicht immer alles nach Plan verlief zeigt der Tod von 3 Green Berets des 3rd Bataillon, 5th SFG. Sie starben am 5. Dezember 2001 beim fehlgeleiteten Abwurf einer 1.000 kg Bombe aus einer B-52. Am 4. Januar fiel dann ein weiterer Green Beret im feindlichen Feuer. Doch auch außerhalb der Kampfhandlungen kommen die Special Forces zum Einsatz, so bildeten sie z.B. die neu aufgestellte afghanische Armee aus und halfen beim Wiederaufbau des Landes.


Freifallertraining

Ausbildung

Um überhaupt zu den Special Forces zu kommen muss ein Bewerber folgende Bedingungen erfüllen:

Ü 100 oder mehr Punkt bei einer Einstellungsprüfung
Ü Eignung für die Übertragung einer höheren Sicherheitsstufe
Ü 50 m Schwimmen im Kampfanzug und voller Ausrüstung
Ü High-School Abschluss
Ü Erfolgreicher Abschluss des Leistungstestes
Ü Bestehen des psychologischen Testes
Ü Abgschlossene Fallschirmausbildung
Wenn der Bewerber diese Bedingungen erfüllt, beginnt für ihn die erste Phase der Ausbildung. Hierbei erlernt und festigt er sein Wissen im Infanteriekampf und dem Führen kleinerer Einheiten. 
Der nächste Abschnitt bringt die Wahl einer der vier Laufbahnlehrgänge (Waffenspezialist, Pionier, Sanitäter und Fernmelder) mit sich und der damit verbundenen Ausbildung. So muss der Waffenspezialist neben den amerikanischen Standardmuster auch mit ausländischen und veralteten Modellen umgehen können. Die Pioniere erhalten eine Ausbildung an sämtlichen Sprengstoffen, Sprengfallen und Minen. Am Ende dieser Ausbildung erhalten sie die Befähigung zum Sprengleiter. Daneben werden noch weitere pioniertypische Kenntnisse (Umgang mit Pioniergerät, Bau von Straßen und Unterkünften, etc.) erworben oder gefestigt. Die umfassendste Ausbildung erhalten die Sanitäter, welche oftmals schon das Wissen eines Arztes beinhaltet. So müssen die Sanitäter ärztliche und tierärztliche Behandlungen in Einsatzbedingungen ohne klinische Einrichtungen vorweisen können, welche oft chirurgische Eingriffe beinhalten. Weiterhin werden Kenntnisse in Anatomie, Physiologie, Pharmakologie, Zahnmedizin und Veterinärmedizin an den Mann gebracht. Vor der Abschlussprüfung müssen die angehenden Special Forces Sanitäter eine gewisse Zeit als Rettungssänitäter in einer New Yorker Unfallklinik arbeiten. Die Fernmelder der Green Berets erhalten eine Ausbildung in Wartung und Betrieb von Fernmeldegerät. Selbstverständlich ist das Beherrschen des internationalen Morsealphabet für sie Pflicht. Offiziere der Special Forces erhalten Ausbildung in Guerrila-Taktiken, Planung und Durchführung von Spezialeinsätzen, operative Feindaufklärung, etc., außerdem ist für sie die Teilnahme an einem Survival-Kurs Pflicht.
Im dritten Abschnitt werden Luftlandeeinsätze durchgeführt und die Teilnehmer in A-Teams aufgeteilt. Jetzt müssen die Green Berets das Erlernte in einer dreiwöchigen Übung in die Praxis umsetzen. Nach erfolgreichem Bestehen aller Abschnitte erhalten die Teilnehmer die grünen Barette und das Recht lebenslang den Schriftzug "Special Forces" am linken Oberarm zu führen.
Doch bevor sie einer Special Forces Group zugeteilt werden, müssen sie noch einmal Theorie üben. Da jede SFG über ein bestimmtes Einsatzgebiet verfügt, müssen deren Angehörige natürlich der dortigen Sprache mächtig sein, was ggf. durch eine extra Ausbildung geschult wird. Insgesamt stehen 14 Fremdsprachen zur Auswahl, mit Kursen, die zwischen 18 und 25 Wochen lang sind. Je nach Einsatzbereich und im Verlauf der Jahre erhalten die Green Berets auch Ausbildungen in HALO/HAHO-Taktiken, SCUBA-Tauchen und zahlreiche Lehrgänge im Ausland.


Green Beret mit M4A1 SOPMOD

Struktur

Ü Das "Special Forces Operational Detachment (SFOD) Alpha"
Das sogenannte "A-Team" bildet die kleinste Einheit im Rahmen des Special Forces Konzeptes. Diese Gruppe kann vollständig autonom operieren und setzt sich aus 12 Soldaten zusammen. Der Teamführer ist meistens ein Hauptmann, dessen Stellvertreter ist ein Oberleutnant oder ein Warrent Officier (Fachdienstoffizier). Weiterhin gehören ein Master Sergeant als diensthöchster Unteroffizier, ein Sergeant First Class als Nachrichten- und Abwehrexperte, sowie zwei Waffenspezialisten, zwei Sanitäter, zwei Funker und zwei Pioniere zum Team. Alle Mitglieder des Teams haben mindestens den Rang eines Sergeants (Unteroffizier) und dank der Doppelbesetzung kann das A-Team noch mal in zwei Gruppen mit jeweils 6 Mann aufgeteilt werden.

Ü Die Special Forces (Airborne) Company
6 A-Teams und eine Kompanie-Führungsgruppe bilden eine Special Forces Kompanie. In einem A-Team sind alle HALO/HAHO Freifaller und Taucher der Kompanie zusammengefasst. Die Führungsgruppe hat 6 Offiziere und 18 Unteroffiziere und die gesamte Kompanie umfasst 96 Soldaten.

Ü Das Special Forces (Airborne) Bataillon
Drei Kompanien und eine Stabsgruppe bilden ein Bataillon. Der Stab setzt sich aus 9 Offizieren und 22 Unteroffizieren zusammen. Das Bataillon wird von einem Lieutenant-Colonel (Oberstleutnant) geführt.

Ü Die Special Forces (Airborne) Group
Die größte Einheit im Rahmen der Special Forces bildet die SF Group. Dieser etwa 1.400 Soldaten starke Verband setzt sich aus einem Stab mit einer Stabskompanie, drei SF Bataillonen und umfangreichen Unterstützungskräften zusammen. Der Verband steht unter dem Kommando eines Colonel (Oberst). 

Die momentan aktiven SF Groups mit ihren jeweiligen Einsatzgebieten:

Ü 1st Special Forces Group, Fort Lewis in Washington und Okinawa (Pazifik und Ostasien)
Ü 3rd Special Forces Group, Fort Bragg (Karibik und Westafrika)
Ü 5th Special Forces Group, Fort Campell in Kentucky (Südwestasien und Nordostafrika)
Ü 7th Special Forces Group, Fort Bragg und Fort Davis in Panama (Mittel- und Südamerika)
Ü 10th Special Forces Group, Fort Carson, Colorado und Böblingen, BRD (Europa und Westasien)
SF Groups der Reserve:
Ü 19th Special Forces Group (National Guard)
Ü 20th Special Forces Group (National Guard)
Ü Das US Army Special Forces Command
Dieser Verband wird von einem Generalmajor geführt und vereint alle 5 aktiven SF Groups.

Die beiden SF Groups der Nationalgarde sind ebenso wie das 75th Ranger Regiment, das US Army Special Forces Command und das John F. Kennedy Special Warfare Center and School dem US Army Special Operations Command (Führungskommando Sondereinsätze) in Fort Bragg unterstellt.


Special Forces üben den Häuserkampf

Waffen & Ausrüstung

Die Green Berets setzen eine Vielzahl von Waffen ein. Neben amerikanischen Heereswaffen können im Einsatz aber durchaus auch Fremdwaffen zum Einsatz kommen. Die nachfolgende Liste enthält höchstwahrscheinlich nicht alle Waffen, da diese des öfteren ziemlich schnell wechseln können:
Ü Pistolen:
Beretta M9 (9 mm x 19) 
Colt M-1911A1 (11,43 mm x 23) 
H&K Mk.23 SOCOM (11,43 mm x 23)
Ü Maschinenpistolen & PDW's:
FN P90 (5,7 mm x 28) 
H&K MP5, verschiedene Varianten, z.B. PDW/A3/A5/SD (9 mm x 19)
Ü Sturmgewehre:
Colt M16A2/A3 (5,56 mm x 45) 
Colt M4A1 SOPMOD (5,56 mm x 45) 
Ü Maschinengewehre:
FN M249 lMG (5,56 mm x 45)
FN M240 G (7,62 mm x 51)
Ü Schrotflinten:
Remington M870 (12/70)
Benelli M1014 (12/76)
Ü Scharfschützenwaffen:
Colt SPR (5,56 mm x 45) 
M21 (modifiziertes M14) (7,62 mm x 51) 
Remington M24 (7,62 mm x 51) 
Barett M82A1 (12,7 mm x 99)
Ü Panzerabwehrwaffen:
Talley Industries M72 LAW 
FFV AT-4
Ü Unterstützungswaffen:
Browning M2 HB .50 BMG (12,7 mm x 99)
M203 Granatwerfer am Sturmgewehr befestigt (40 mm x 46)
M224 LWCMS Mörser (60 mm)
Saco Defense Mk.19 Granatmaschinenwerfer (40 mm x 46) 
M-18A1 Richtsplittermine "Claymore"
Da sie ein großes Einsatzspektrum haben, verfügen die "Green Berets" über zahlreiche Ausrüstung. Es kommen Funkgeräten verschiedenster Reichweite, SCUBA-Tauchgeräte, Schlauchboote und diverse andere Ausrüstungsteile missionsspezifisch zum Einsatz. An Fahrzeugen befinden sich ATVs (All-Terrain Vehicles = "Wüstenbuggys") und DMVs (Desert Mobility Vehicles), eine Spezialversion des Jeeps HUMMVEE, bei den Special Forces im Inventar.
Da alle Special Forces eine Fallschirmspringerausbildung durchlaufen haben, teilweise auch als Freifaller, können sie von jedem amerikanischen Transportflugzeug angelandet werden. Auch In- und Exfiltration mittels verschiedenster Hubschraubermodelle (UH-/MH-60, CH-/MH-47 Chinook u.a.) können durchgeführt werden. Aber auch die Zusammenarbeit mit U- und Schnellbooten der US Navy ist vorgesehen.


Ein A-Team fährt mit einem Zodiac-Schlauchboot in die Hecktür eines Chinook

Fazit und Zukunft

Die Special Force sind heute sozusagen die Ersten am Feind. Lange vor anderen Verbänden wie den Marines oder den Rangern, befinden sich die Männer mit den grünen Baretten im Einsatzland. Sie beherrschen jegliche Arten von In- und Exfiltration und arbeiten als Team perfekt zusammen. Egal ob bei Kampf-, Ausbildungs- oder zivilen Hilfseinsätzen, die Special Forces sind dort. Diese Konzept hat sich in zahlreichen Kriegen und Missionen bewährt und wird dies auch in Zukunft tun. Mit den Green Berets verfügt Amerika heute über eine außergewöhnliche, aber auch sehr professionelle und gut ausgerüstete "Mini-Armee".


Ein A-Team in einem Zodiac-Schlauchboot wartet auf seine Exfiltration mit einem MH-47 Chinook


Scharfschützen der Green Berets

Weiterführende Literatur/ Links
Ü David Bohrer, US Eliteverbände, Motorbuch Verlag
Ü Hartmut Schauer, US "Green Berets" - Soldaten aus dem Dunkeln, Motorbuch Verlag
Ü Tom Clancy, Special Forces, Heyne Verlag
Ü Specwarnet, www.specwarnet.com/americas/ussf.htm
Ü Specialoperations.com ,www.specialoperations.com/Army/Special_Forces/default.html

Pictures by US Army